Milli Vanilli

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Milli Vanilli (l. u. r.) bei der Grammy-Verleihung 1990

Milli Vanilli war ein von Frank Farian produziertes Discopop-Duo, das aus Fab Morvan und Rob Pilatus bestand. Der anfangs große Erfolg des Duos endete 1990 in einem Skandal, als bekannt wurde, dass sie keines ihrer Lieder selbst gesungen hatten. Ihr Part bestand lediglich darin, die per Playback abgespielten, von anderen Künstlern gesungenen Lieder, tänzerisch zu begleiten und synchron die Lippen zu bewegen.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in der Diskografie genannte Single Dansez erschien 1987/88 unter dem Bandnamen Empire Bizarre. Für diese Band wurden Pilatus und Morvan von Ralph Siegel engagiert. Der Titel war kein kommerzieller Erfolg.

Später bot Frank Farian den beiden Interpreten die Mitarbeit an seinem Projekt Milli Vanilli an.[1][2]

1988 hatten Milli Vanilli einen Gastauftritt in der ZDF-Serie Das Erbe der Guldenburgs. In der letzten Folge der zweiten Staffel („Das späte Glück“) sangen sie Girl You Know It’s True und Baby Don’t Forget My Number. Die Erstausstrahlung erfolgte am 17. Februar 1990.[3]

Das erste Album All or Nothing (1988) war europaweit erfolgreich. In den USA stand es unter dem Albumtitel Girl You Know It’s True sieben Wochen auf Platz 1 der Billboard-Charts, was zuvor noch keiner anderen Formation aus Deutschland gelungen war. Der gleichnamige Titelsong war eine Coverversion der Formation „Numarx“ aus dem Jahre 1987. Milli Vanillis weltweiter Erfolg wuchs auch weiter, als einer der eigentlichen Sänger, der Rapper Charles Shaw, einem Reporter die Wahrheit über die Playback-Band erzählte. Shaw zog aber später seine Aussage zurück, als Farian ihn ausbezahlte.

Für ihr zweites Album wurden Milli Vanilli 1990 mit dem Grammy Award als „Best New Artist“ ausgezeichnet. Dabei verglich sich Pilatus mit Paul McCartney, Elvis Presley, Mick Jagger und Bob Dylan.

Der Skandal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Gewinn des Grammy nahm sich das Duo einen Rechtsanwalt, der Farian für die Produktionsbedingungen einer zweiten Platte beraten sollte.[4] Farian lehnte ab und klärte den Anwalt über die Sachlage auf. Das Ende der Band läutete die Amerika-Tour von Pilatus und Morvan ein, die sie gegen den Willen Farians antraten. Bei einem Auftritt blieb das Playbackband stehen, was dem Publikum offenlegte, dass die beiden Musiker nicht selber sangen. Am 14. November 1990 gab Farian bekannt, dass die beiden eigentlich gar nicht singen konnten. Sie bewegten lediglich die Lippen zum Gesang von Charles Shaw, Brad Howell, John Davis und anderen. Farian selbst hatte ebenfalls mitgesungen, so wie bereits bei seinem größten Erfolg Boney M. Als Chorsängerinnen fungierten Jodi Rocco und Linda Rocco.[5] Linda Rocco wurde Ende der 1990er Jahre als Lead-Sängerin der Disco-Band Masterboy bekannt.

Nach dem Skandal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insbesondere in den USA wurde der Skandal intensiv in den Medien behandelt. Der Grammy Award wurde der Gruppe aberkannt, die Plattenfirma Arista Records strich das Duo aus ihrem Repertoire und ein US-Gericht sicherte jedem Käufer eines der beiden Alben eine Entschädigung zu.

Farian formierte die Musiker hinter der Band zuzüglich der Sängerin Gina Mohammed unter dem Namen „The Real Milli Vanilli“ neu. Das Album The Moment of Truth erreichte die Top 30 der deutschen Albumcharts, konnte die Erfolge des Vorgängeralbums jedoch nicht wiederholen. Auf dem neuen Album führte Farian die Sänger der einzelnen Lieder detailliert auf.

In den USA wollte Farian das zweite Album nicht unter einem mit Milli Vanilli verbundenen Namen veröffentlichen und formierte stattdessen die neue Gruppe Try ’N’ B, in der jedoch mit Gina Mohammed und Ray Horton zwei Mitglieder von „The Real Milli Vanilli“ vertreten waren, ergänzt durch Kevin Weatherspoon und Tracy Ganser. Die US-Version des Albums – als Try 'N' B betitelt – enthielt sieben leicht veränderte Versionen von Liedern aus dem Album The Real Milli Vanilli. Die internationale Version des Albums (Sexy Eyes) enthielt lediglich drei neue Versionen der Lieder von The Real Milli Vanilli und acht neue Titel, von denen die Dr.-Hook-Coverversion Sexy Eyes in Deutschland ein Charterfolg wurde.

Übersicht über Band-Mitglieder der verschiedenen Gruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bandname Aktive Zeit Mitglieder Produzent
Empire Bizarre 1987–1988 Fab Morvan, Rob Pilatus Ralph Siegel
Milli Vanilli 1988–1990 nur Tanz: Fab Morvan, Rob Pilatus; nur Gesang: Charles Shaw, Brad Howell, John Davis, Frank Farian und andere Frank Farian
The Real Milli Vanilli 1991 Gina Mohammed, Ray Horton und andere Frank Farian
Try ’n’ B 1992 Ray Horton, Kevin Weatherspoon, Gina Mohammed, Tracy Ganser Frank Farian
Rob & Fab 1993 Fab Morvan, Rob Pilatus

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Try ’n’ B

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[6][7] Anmerkungen
DeutschlandDeutschland DE OsterreichÖsterreich AT SchweizSchweiz CH Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK Vereinigte StaatenVereinigte Staaten US Vereinigte StaatenVereinigte Staaten R&B
1988 All or Nothing – The First Album /
2 x 2 (LP 1, UK)
4
(39 Wo.)
3
(36 Wo.)
5
(12 Wo.)
6
(25 Wo.)
Erstveröffentlichung: 14. November 1988
DE, CH: Gold, AT: Platin, UK: Silber (für The First Album)
1989 All or Nothing – US Remix Album /
2 x 2 (LP 2, UK)
4
(28 Wo.)
3
(19 Wo.)
Erstveröffentlichung: 26. Juni 1989
CH, UK: Platin (für das Doppelalbum)
1989 Girl You Know It’s True 1
(78 Wo.)
8
(61 Wo.)
Erstveröffentlichung: 7. März 1989
US: 6-fach-Platin
1990 The Remix Album 32
(20 Wo.)
80
(8 Wo.)
Erstveröffentlichung: 15. Mai 1990
US: Gold
1991 The Moment of Truth – The 2nd Album 19
(13 Wo.)
6
(12 Wo.)
19
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: 10. Februar 1991
The Real Milli Vanilli, AT: Gold

weitere Alben

  • 1990: Keep on Running (unveröffentlicht)
  • 1993: Rob & Fab (als Rob und Fab)
  • 1998: Back and in Attack (unveröffentlicht)

Kompilationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1989: Maximum Milli Vanilli – The Hits That Shook the World
  • 1992: Girl You Know It’s True
  • 2006: Greatest Hits (VÖ: 13. Oktober)
  • 2013: Girl You Know It’s True – The Best of Milli Vanilli

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[6][7] Anmerkungen
DeutschlandDeutschland DE OsterreichÖsterreich AT SchweizSchweiz CH Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK Vereinigte StaatenVereinigte Staaten US Vereinigte StaatenVereinigte Staaten R&B Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Dance
1988 Girl You Know It’s True
All or Nothing – The First Album
1
(28 Wo.)
1
(18 Wo.)
2
(18 Wo.)
3
(15 Wo.)
2
(26 Wo.)
3
(20 Wo.)
3
(11 Wo.)
Erstveröffentlichung: 25. Juni 1988
DE: Gold, UK: Silber, US: Platin
1988 Baby Don’t Forget My Number
All or Nothing – The First Album
9
(17 Wo.)
11
(11 Wo.)
16
(11 Wo.)
1
(21 Wo.)
9
(15 Wo.)
10
(8 Wo.)
Erstveröffentlichung: 10. Dezember 1988
US: Gold
1989 Blame It on the Rain
All or Nothing – US Remix Album
3
(23 Wo.)
8
(20 Wo.)
22
(4 Wo.)
52
(10 Wo.)
1
(23 Wo.)
14
(16 Wo.)
Erstveröffentlichung: 13. Juli 1989
US: Platin
1989 Girl I’m Gonna Miss You
All or Nothing – The First Album
2
(27 Wo.)
1
(18 Wo.)
1
(23 Wo.)
2
(16 Wo.)
1
(21 Wo.)
20
(14 Wo.)
Erstveröffentlichung: 22. Juli 1989
DE, AT: Platin, UK: Silber, US: Gold
1990 All or Nothing
All or Nothing – US Remix Album
17
(10 Wo.)
14
(8 Wo.)
22
(5 Wo.)
74
(2 Wo.)
4
(15 Wo.)
54
(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: 20. Januar 1990
1990 Keep on Running
The Moment of Truth – The 2nd Album
4
(26 Wo.)
2
(19 Wo.)
8
(11 Wo.)
Erstveröffentlichung: 24. November 1990
DE, AT: Gold
1991 Too Late – True Love
The Moment of Truth – The 2nd Album
25
(4 Wo.)
26
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 14. April 1991
The Real Milli Vanilli

weitere Singles

  • 1989: Megamix
  • 1991: Nice ’n’ Easy (The Real Milli Vanilli)

Videoalbum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1990: Milli Vanilli in Motion (US: Doppelplatin)

Künstlerauszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RSH-Gold

  • 1989
  • 1991: in der Kategorie „Deutschproduktion Männlich“

Auszeichnungen für Musikverkäufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Silberne Schallplatte[8]

  • Großbritannien
    • 1988: für die Single „Girl You Know It’s True“
    • 1989: für das Album „All or Nothing“
    • 1989: für die Single „Girl I’m Gonna Miss You“

Goldene Schallplatte[8]

  • Deutschland
    • 1988: für die Single „Girl You Know It’s True“
    • 1989: für das Album „All or Nothing“
    • 1991: für die Single „Keep on Running“
  • Österreich
    • 1991: für die Single „Keep on Running“
    • 1991: für das Album „The Moment of Truth“
  • Schweiz
    • 1998: für das Album „All or Nothing“
  • USA
    • 1989: für die Single „Baby Don’t Forget My Number“
    • 1989: für die Single „Girl I’m Gonna Miss You“
    • 1990: für das Album „The Remix Album“

Platin-Schallplatte[8]

  • Deutschland
    • 1990: für die Single „Girl I’m Gonna Miss You“
  • Österreich
    • 1990: für das Album „All or Nothing (US Remix Album)“
    • 1990: für die Single „Girl I’m Gonna Miss You“
  • Schweiz
    • 1990: für das Album „All or Nothing (US Remix Album)“
  • Großbritannien
    • 1989: für das Album „All or Nothing (US Remix Album)“
  • USA
    • 1989: für die Single „Girl You Know It’s True“
    • 1990: für die Single „Blame It on the Rain“

2× Platin-Schallplatte[8]

  • USA
    • 1989: für die DVD „In Motion“

6× Platin-Schallplatte[8]

  • USA
    • 1990: für das Album „Girl You Know It’s True“
Land Silver disc icon.png Silber Gold record icon.svg Gold Platinum disc icon.png Platin
DeutschlandDeutschland Deutschland 0 3 1
OsterreichÖsterreich Österreich 0 2 2
SchweizSchweiz Schweiz 0 1 1
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 0 3 10
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 3 0 1
Insgesamt 3 9 15

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.radiobremen.de/magazin/kultur/musik/pop_tragoedien/milli_vanilli.html
  2. http://www.swr.de/imperia/md/content/swr2/sms/november/051129-manuskript.rtf
  3. Full cast and crew for „Das Erbe der Guldenburgs“ Das späte Glück (1990). In: IMDb. Abgerufen am 31. Dezember 2012 (englisch).
  4. Den US-Amerikaner John Branca. Quelle laut http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Milli_Vanilli&diff=prev&oldid=28770700 : Interview mit Frank Farian über das Projekt Milli Vanilli in der Tageszeitung „Die Welt“ vom 6. März 2007
  5. http://www.christianthiele.com/?p=150
  6. a b Chartquellen: Singles1 Singles2 Alben1 Alben2 UK US1 US2
  7. a b Gold-/Platin-Datenbanken: DE AT CH UK US
  8. a b c d e Auszeichnungen für Musikverkäufe: DE AT CH UK US

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]