Millowitsch-Theater

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Millowitsch-Theater
(Volksbühne am Rudolfplatz)
Millowitsch-Theater
Lage
Adresse: Aachener Straße 5
Stadt: Köln
Koordinaten: 50° 56′ 11″ N, 6° 56′ 13″ OKoordinaten: 50° 56′ 11″ N, 6° 56′ 13″ O
Architektur und Geschichte
Eröffnet am: 16. Oktober 1936
Zuschauer: 402 Plätze
Internetpräsenz:
Website: Millowitsch-Theater

Volksbühne am Rudolfplatz

Zeitungsanzeige von 1892

Das Millowitsch-Theater war ein privates Theater in Köln, das durch den Volksschauspieler Willy Millowitsch überregional bekannt wurde. Bis 2014 wurde auch die Spielstätte in der Aachener Straße 5, eine der größten privat geführten Kölner Bühnen, als Millowitsch-Theater bezeichnet. Seit 2015 hieß diese offiziell „Volksbühne am Rudolfplatz“ und wurde nur noch je ein Halbjahr von Peter Millowitsch und seinem Ensemble bespielt. Millowitsch hat das Theater nach sieben Generationen am 25. März 2018 aus wirtschaftlichen und Altersgründen geschlossen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1792 fand der Name Millowitsch mit dem Lohkuchenhändler und Puppenspieler Michael Millowitsch erstmals in Köln Erwähnung. 1793 wurde der Sohn Franz Andreas geboren († 1875), der das Stockpuppentheater von seinem Vater übernahm. Nachdem im November 1822 im rechtsrheinischen Köln die Deutzer Schiffbrücke fertiggestellt worden war, unterhielt er mit einem mobilen Theater die Passanten, die auf die Öffnung der Brücke warteten, wenn ein Schiff vorbeifuhr.

1830 wurde Sohn Josef Caspar geboren, der eine feste Spielstätte in Köln bezog; es wurde noch immer mit Stockpuppen gespielt. Hierfür beantragte am 16. August 1843 Franz Andreas Millowitsch die Konzession; am 27. November 1845 wurde die Konzession für eine Wanderbühne erbeten.[2] Doch die Bezirksregierung lehnte die Anträge wegen des bereits bestehenden Hänneschen-Theaters ab. Im November 1847 spielte er mit einem Gewerbeschein in Deutz, eröffnete 1849 ein kleines Theater in der Weyerstraße und übergab dieses 1865 an seinen Sohn Josef Caspar Millowitsch. Dieser starb 1867, und erst die nächste Generation mit Wilhelm Josef Millowitsch, der 1854 zur Welt kam, stellte das Theater auf echte Schauspieler um. So trat die Familie erstmals am 1. Mai 1895 als „Kölner plattdeutsche Volksbühne“ am Neumarkt auf.[3]

Wilhelm Josef Millowitsch spielte zwar nach wie vor die traditionellen Puppentheaterstücke mit Figuren wie dem Hänneschen oder Tünnes und Schäl, aber nach und nach verlagerte sich der Schwerpunkt auf Revuestücke wie die Reise um die Erde in 80 Tagen. Er starb 1909, und seine Frau Emma übernahm bis 1920 die Leitung des Theaters. Danach führte der 1880 geborene Sohn Peter Wilhelm Millowitsch die Bühne. Wegen der Wirtschaftskrise war das Theater gezwungen, an ständig wechselnden Orten zu spielen, bis sich Peter Millowitsch 1936 am heutigen Standort in der Nähe des Rudolfplatzes in Köln niederließ. Am 16. Oktober 1936 wurde mit dem Stück Mädchen für alles die Premiere im neuen Haus gefeiert. Das Gebäude in der Aachener Straße 5 beherbergte bis dahin die Coloniasäle, in denen Tanzveranstaltungen, aber im Ersten Weltkrieg auch militärische Musterungen durchgeführt wurden.[4]

1940 übernahm Peters Sohn Willy die Leitung des Hauses. Die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs beschädigten das Theater nur wenig, und so konnte der Spielbetrieb auf Wunsch von Konrad Adenauer, dem damaligen Kölner Oberbürgermeister, bereits am 19. Oktober 1945 mit dem Dreiakter Das Glücksmädel wieder aufgenommen werden.[5] Im gleichen Jahr starb Willys Vater Peter Wilhelm Millowitsch. Nach dem Krieg leitete Willy Millowitsch das Theater zusammen mit seiner Schwester Lucy Millowitsch, mit der er bis 1969 große Erfolge auf der Bühne feierte.

Am 27. Oktober 1953 wurde mit dem Stück Der Etappenhase des niederdeutschen Dichters Karl Bunje vom NWDR die erste Live-Übertragung eines Bühnenstücks im Fernsehen ausgestrahlt. Das als Ersatz für eine ausgefallene Sportübertragung gedachte Bühnenstück machte das Millowitsch-Theater deutschlandweit bekannt. Es spezialisierte sich fortan überwiegend auf den derb-komischen Schwank als Theaterform. In diesem Genre folgten mehr als 100 weitere Stücke, von denen viele zu Straßenfegern wurden wie Schneider Wibbel, Tante Jutta aus Kalkutta mit einer Einschaltquote von 88 %[6] oder Et fussig Julche, bei dem Tochter Mariele Millowitsch einen ihrer ersten Auftritte hatte.

Weitere Publikumslieblinge waren über viele Jahre die Kölner Volksschauspielerin Elsa Scholten, die seit 1920 beim Millowitsch-Theater spielte, sowie Franz Schneider (seit etwa 1946), Lotti Krekel (seit 1958), Frank Barufski (seit 1959) und Walter Hoor. Zu den nicht theatergebundenen Mitwirkenden gehörten Bubi Scholz und Günter Lamprecht (Der Meisterboxer), Peter René Körner (Tante Jutta aus Kalkutta) oder Eddi Arent (Der müde Theodor). Trude Herr übernahm ab 1948 kleine Rollen am Millowitsch-Theater.[7]

1998 wurde das Theater von Willys Sohn Peter Millowitsch übernommen; Willy Millowitsch starb 1999. Es wurden weiterhin Schwänke gespielt, die überwiegend Peter Millowitsch schrieb. Zudem traten Mundartgruppen wie die Bläck Fööss, die Paveier oder De Räuber sowie andere Kölner Ensembles wie die Wise Guys oder Basta im Millowitsch-Theater auf.

Das Ensemble des Millowitsch-Theaters bei Käsch in de Täsch, 2015: Leo Mader, Samy Orfgen, Peter Millowitsch, Ariana Weil, Dmitri Alexandrov, Robert Sertic

Seit Anfang 2015, verbunden mit einer umfangreichen Sanierung des Theaters, firmierte die Spielstätte unter der Bezeichnung Volksbühne am Rudolfplatz. Getragen vom Verein Freie Volksbühne Köln verfügt der Saal über 402 Plätze, davon 356 im Parkett und 46 auf dem Balkon.[8] Das Theater wurde jeweils ein halbes Jahr lang von Peter Millowitsch mit dem Millowitsch-Theater genutzt. In der anderen Jahreshälfte folgten zunächst Veranstaltungen der Theater-, Konzert- und Gastspieldirektion Otto Hofner GmbH. Die verbleibenden fünf Monate nutzte die Volksbühne am Rudolfplatz selbst die Spielstätte und setzte dabei auf Comedy-, Kabarett- und Musikdarbietungen.[9]

Das Theater war weiterhin Sitz der Millowitsch Theater GmbH.[10] Am 25. März 2018 fand mit dem Stück Wer weiß wofür et jot es dessen letzte Vorstellung statt.[11]

Theaterstücke (Auswahl großer Erfolge; Premierendatum)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • So leben wir alle Tage (11. Oktober 1933)
  • Mädchen für alles (16. Oktober 1936)
  • Das Glücksmädel (19. Oktober 1945)
  • Der Etappenhase (27. Oktober 1953)
  • Drei kölsche Jungen (17. Januar 1954, 1965 und 1980)
  • Das Glücksmädel (15. Mai 1954)
  • Die spanische Fliege (16. August 1958)
  • Der keusche Lebemann (3. Mai 1959)
  • Schneider Wibbel (13. Juni 1959)
  • Der Meisterboxer (20. Februar 1960 und 1968)
  • Der blaue Heinrich (9. Juli 1960 und 1983)
  • Im Nachtjackenviertel (11. März 1961 und 1975)
  • Tante Jutta aus Kalkutta (24. März 1962)
  • Die drei Scheinheiligen (4. September 1964)
  • Paris ist eine Reise wert (20. Oktober 1966)
  • Der ungläubige Thomas (3. Mai 1967)
  • Paradies der flotten Sünder (19. April 1968)
  • Et fussig Julche (1978)
  • Der müde Theodor (19. Mai 1979)
  • Das Liebesverbot (22. September 1984)
  • Adel verpflichtet zu nichts (1985)
  • Die Prinzessin vom Nil (1987)
  • Der wahre Jakob (1988)
  • Bei uns im Viertel (1989)
  • Der Raub der Sabinerinnen (1991)
  • Der keusche Lebemann (1992)
  • Wo laufen sie denn? (1996)
  • Liebesgrüße aus Nippes (1997)
  • Der König vom Friesenplatz (1998)
  • Mitgemacht, Bargeld lacht (1999)
  • Ufos üvverm Aldermaat (2000)
  • Klüngel bei Klettenbergs (2001)
  • Et kütt wie et kütt (2002)
  • Saionara Tante Klara (2003)
  • Taxi nach Ehrenfeld (2004)
  • Einmol Prinz zo sin (2005)
  • D'r Papst kütt (2006)
  • Echt Kölnisch Wasser (2007)
  • Man kennt sich, man hilft sich (2008)
  • Wenn im Puff dat Licht ausjeht (2009)
  • Bauer braucht Sau (2010)
  • Für eine Handvoll Flönz (2011)
  • Tanzmariechen XXL (2012)
  • Dat nennt man Camping (2013)
  • Annemie ich kann nit mih (2014)
  • Käsch in de Täsch (2015)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Willy Millowitsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. rundschau-online.de
  2. Peter Fuchs: Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2, 1991, S. 131.
  3. Peter Fuchs: Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2, 1991, S. 161.
  4. Siehe dazu den Musterungsaufruf vom 5. Mai 1917 in den Coloniasälen: Landsturm Musterung Köln 1917.gif
  5. Monika Estermann, Edgar Lersch (Hrsg.): Buch, Buchhandel und Rundfunk 1945–1949 (= Mediengeschichtliche Veröffentlichungen. Band 1). Otto Harrassowitz Verlag, 1997, ISBN 3-447-03875-6, ISSN 1431-9705, S. 27 (books.google.de).
  6. Willy Millowitsch, Prisma Starguide
  7. Horst O. Hermanni: Von John Gabin bis Walter Houston. 2009, S. 387 (books.google.de).
  8. Volksbühne am Rudolfplatz – Vermietung. In: volksbuehne-rudolfplatz.de. Abgerufen am 15. Oktober 2015.
  9. Volksbühne am Rudolfplatz: Neues Programm im Millowitsch-Theater. In: rundschau-online.de. Abgerufen am 15. Oktober 2015.
  10. Impressum. In: www.millowitsch.de. Abgerufen am 15. Oktober 2015.
  11. ksta.de