Mimetesit

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Mimetesit
Mimetite-139756.jpg
Mimetesit-Kristallstufe aus der Tsumeb Mine, Namibia (Größe: 4,1 cm × 3,5 cm × 2,8 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen
  • Arsenikbleispath
  • Arsensaures Blei
  • Flockenerz
  • Gorlandit
  • Grünbleierz[1]
  • Mimetit[1]
  • Traubenblei
Chemische Formel Pb5[Cl|(AsO4)3]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate, Vanadate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
8.BN.05 (8. Auflage: VII/B.39)
41.08.04.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem hexagonal
Kristallklasse; Symbol hexagonal-dipyramidal; 6/m[2]
Raumgruppe P63/m (Nr. 176)[3]
Gitterparameter a = 10,211 Å; c = 7,4185 Å[3]
Formeleinheiten Z = 2[3]
Häufige Kristallflächen {1010}, {0001} oder {1011}, selten {1121} oder {2131}[4]
Zwillingsbildung sehr selten nach {1122}[4]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3,5 bis 4[4]
Dichte (g/cm3) gemessen: 7,24; berechnet: 7,26[4]
Spaltbarkeit undeutlich nach {1011}; spröde
Bruch; Tenazität uneben bis schwach muschelig
Farbe farblos, weiß, grau, braun, honiggelb, orangegelb, grünlich
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Diamantglanz, Fettglanz, Harzglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 2,147
nε = 2,128[5]
Doppelbrechung δ = 0,019[5]
Optischer Charakter einachsig negativ
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten in Salpetersäure und Kalilauge löslich[6]
Besondere Merkmale piezoelektrisch; mögliche rote Fluoreszenz unter UV-Licht

Mimetesit, auch unter den veralteten bergmännischen Bezeichnungen Arsenikbleispath oder Grünbleierz bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Phosphate, Arsenate und Vanadate. Er kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Pb5[Cl|(AsO4)3][7] und ist damit chemisch gesehen ein Bleiarsenat mit zusätzlichen Chlorionen.

Mimetesit entwickelt prismatische oder pyramidale Kristalle, aber auch traubige, radialstrahlige oder erdige Mineral-Aggregate, die entweder farblos oder durch Fremdbeimengungen bzw. Strukturfehler weiß, grau, braun, orangegelb, grünlich gefärbt sein können.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals als eigenständige Art wurde das Mineral 1832 durch den französischen Mineralogen François Sulpice Beudant beschrieben, der es aufgrund seiner großen Ähnlichkeit zum Pyromorphit als Mimetèse nach dem altgriechischen Wort μίμησις mímēsis für Nachahmung oder Nachahmer benannte.

August Breithaupt hängte 1841 in seiner deutschsprachigen Mineralbeschreibung die mineraltypische Endung -it an, entsprechend also Mimetesit, und gab als Synonyme pollachites arsenicus, Arsenischer Blei-Spath (auch Arsenikbleispath), Grünbleierz und Arsenikbleispath an.[8] Wilhelm von Haidinger wählte in seinen Aufzeichnungen von 1845 dagegen den Namen Mimetit, der sprachrichtig vom griechischen Wortstamm abgeleitet ist. Dieser setzte sich jedoch nur im englischen Sprachraum durch.[1]

Als Typlokalität gilt die Grube „Treue Freundschaft“ bei Johanngeorgenstadt im sächsischen Erzgebirge in Deutschland. Zwischenzeitlich wurde festgestellt, dass es sich beim "Mimetesit" von Johanngeorgenstadt um monoklinen Mimetesit-M handelt.[9]

Klassifikation[Bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Mimetesit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung der „Wasserfreien Phosphate, mit fremden Anionen F, Cl, O, OH“, wo er zusammen mit Alforsit, Belovit-(Ce), Belovit-(La), Carbonat-Fluorapatit, Carbonat-Hydroxylapatit, Chlorapatit, Fermorit, Fluorapatit, Fluorcaphit, Hedyphan, Hydroxylapatit, Hydroxylpyromorphit, Johnbaumit, Kuannersuit-(Ce), Morelandit, Phosphohedyphan, Pyromorphit, Strontiumapatit, Svabit, Turneaureit und Vanadinit die „Apatit-Gruppe“ mit der System-Nr. VII/B.39 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Mimetesit ebenfalls in die Abteilung der „Phosphate, etc., mit weiteren Anionen, ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der weiteren Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadat-Komplex (RO4). Das Mineral ist daher entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich großen Kationen (OH, etc.):RO4 = 0,33:1“ zu finden, wo es zusammen mit Alforsit, Belovit-(Ce), Belovit-(La), Carbonat-Fluorapatit, Carbonat-Hydroxylapatit, Chlorapatit, Fluorphosphohedyphan, Fluorstrophit, Hydroxylapatit, Hydroxylapatit-M, Deloneit-(Ce), Fermorit, Fluorapatit, Fluorcaphit, Hedyphan, Hydroxylpyromorphit, Johnbaumit, Kuannersuit-(Ce), Morelandit, Phosphohedyphan, Pyromorphit, Svabit, Stronadelphit, Turneaureit und Vanadinit die „Apatit-Gruppe“ mit der System-Nr. 8.BN.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Mimetesit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“ ein. Hier ist er zusammen mit Hydroxylpyromorphit, Pyromorphit und Vanadinit in der „Pyromorphitgruppe“ mit der System-Nr. 41.08.04 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (A)5(XO4)3Zq“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Mimetesit kristallisiert in der Struktur von Apatit und kommt in mehreren polytypen Varietäten vor. Natürlich vorkommender Mimetesit ist meist hexagonal (Mimetit-H, Raumgruppe P63/m (Raumgruppen-Nr. 176) mit den Gitterparametern a = 10,211 Å und c = 7,4185 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle).[3]

Strukturuntersuchungen, z.B. am Mimetesit aus der Typlokalität bei Johanngeorgenstadt, zeigten, dass noch eine monokline Form vorkommt, die als Klinomimetit oder Mimetesit-M bezeichnet wird und in der Raumgruppe P21/b (Nr. 14) kristallisiert.[9] Eine weitere polytype Varietät mit der Bezeichnung Mimetesit-2M (P21 (Nr. 4)) konnte an einem Mimetesit aus China (Xianghualing, Linwu County, Hunan Provinz) nachgewiesen werden.[10] Mimetesit-M und Mimetesit-2M waren zeitweise als eigenständige Minerale anerkannt, wurden jedoch 2010 diskreditiert.[11]

Eigenschaften[Bearbeiten]

Morphologie[Bearbeiten]

Häufig tritt der Mimetesit in gut entwickelten Kristallen auf, die entweder kurz- bis langprismatisch gestreckt nach [0001], tonnen- oder walzenförmig nach {1010} bzw. {1000} oder spitzpyramidal geformt sein können. Daneben finden sich aber auch erdige, körnige, nadelige, traubige bzw. sphärolithische, nierige und radialstrahlige Mineral-Aggregate, oft aufgewachsen auf seine Begleitminerale.[5]

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten]

Mimetesit ist piezoelektrisch, baut also ähnlich wie Quarz oder Turmalin bei periodisch wechselnder, elastischer Verformung eine elektrische Spannung auf.[4]

Unter UV-Licht zeigen manche Mimetesite eine rötliche Fluoreszenz, ähnlich der von neonfarbenen Textmarkern.[4]

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Kampylit aus Cumberland, Cumbria, England
Gesamtgröße der Stufe: 7,9 × 6,8 × 3,5 cm
Arsendescloizit (grün, traubig) und Prixit (hellgelb, faserig) aus der Ojuela Mine, Mapimí, Durango, Mexiko (Bildbreite: 3 mm)

Bekannte Varietäten sind der Kampylit, ein phosphorhaltiger Mimetesit mit orangeroter Farbe, der unter anderem als tonnenförmige Kristalle in Cumberland gefunden wurde[6], sowie ein faseriges bzw. haariges Aggregat namens Prixit.[12]

Bellit ist dagegen ein Mineralgemenge aus Quarz, Mimetesit und Krokoit.[13] Er ist sind damit definitionsgemäß als Gestein zu werten.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Sphärolithischer Mimetesit (grün) mit Wulfenit (orange)

Es ist ein Sekundärmineral in Oxidationszonen im Eisernen Hut von Blei- und Zink-Lagerstätten mit arsenhaltigen Mineralen und kommt deshalb häufig in Paragenese mit verschiedenen Blei-, Arsen- und anderen Mineralen wie zum Beispiel Galenit, Pyromorphit, Vanadinit, Wulfenit, Smithsonit und Calcit vor.

In Deutschland wurde das Mineral neben seiner Typlokalität Johanngeorgenstadt in Sachsen unter anderem noch in Baden-Württemberg (Schwarzwald), Bayern (Spessart), Hessen (Taunus), Niedersachsen (Harz), Nordrhein-Westfalen (Bergisches Land, Eifel, Sauerland), Rheinland-Pfalz (Siegerland, Westerwald) und in Sachsen-Anhalt (Harz) entdeckt.

Weltweit wurde Mimetesit bereits in Constantine in Algerien; Mendoza in Argentinien; mehrere Regionen von Australien; Provinz Luxemburg in Belgien; La Paz in Bolivien; Oblast Smoljan und Oblast Wraza in Bulgarien; Chile; Volksrepublik China; viele Regionen in Frankreich; Attika und Makedonien in Griechenland; Iran; Irland; mehrere Regionen in Italien; Hokkaidō, Honshū und Kyūshū in Japan; Nordwestliches Territorium und Québec in Kanada; Kasachstan; Souss-Massa-Daraâ in Marokko; mehrere Regionen in Mexiko; Namibia; auf der Nordinsel von Neuseeland; Akershus, Nordland und Telemark in Norwegen; Kärnten, Niederösterreich, Salzburg, Steiermark und Tirol in Österreich; Polen; mehrere Regionen in Portugal; Russland; Dalarna und Värmland und Schweden; mehreren Kantonen in der Schweiz; Südafrika; mehrere Regionen in Spanien; Songkhla in Thailand; Böhmen und Mähren in Tschechien; Ungarn; sowie in vielen Regionen von Großbritannien und den Vereinigten Staaten gefunden.[14]

Verwendung[Bearbeiten]

Mimetesit kommt zwar selbst nicht in abbauwürdigen Mengen vor, wird aber als Nebengemengteil zusammen mit anderen Bleierzen zur Gewinnung von Blei abgebaut.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • M. Pasero, A R Kampf, C Ferraris, I V Pekov, J R Rakovan, T J White: Nomenclature of the apatite supergroup minerals. In: European Journal of Mineralogy. Band 22 (2010), S. 163–179 (PDF 722,5 kB)
  •  Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. Auflage. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 77.
  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 173.
  •  Friedrich Klockmann, Paul Ramdohr, Hugo Strunz (Hrsg.): Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978 (Erstausgabe: 1891), ISBN 3-432-82986-8, S. 638.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mimetite – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 233, 275.
  2. Webmineral - Mimetite (englisch)
  3. a b c American Mineralogist Crystal Structure Database (englisch)
  4. a b c d e f Mimetite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 63,1 kB)
  5. a b c Mindat - Mimetite (englisch)
  6. a b  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 638.
  7.  Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 5. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2008, ISBN 3-921656-17-6.
  8. Johann Friedrich August Breithaupt: Vollständiges Handbuch der Mineralogie. Arnoldische Buchhandlung, 1841, S. 289 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  9. a b Y.Dai, John M. Hughes, Paul B. Moore: THE CRYSTAL STRUCTURES OF MIMETITE AND CLINOMIMETITE,Pb5(AsO4)3Cl Canadian Mineralogiste Vol. 29, 1991, pp. 369 - 376 (PDF)
  10. Zhuming Yang, Kuishou Ding, Jeffrey de Fourestier, He Li: The crystal structure of mimetite-2M, a new polymorph of mimetite from Xianghualing tin-polymetallic orefield, Hunan Province, P. R. China N. Jb. Miner. Abh. (J. Min. Geochem.) 190/2, 2013, pp. 229 – 235 (PDF)
  11. Mindat - Mimetite-M und Mimetite-2M
  12. Mineralienatlas:Prixit (Wiki)
  13. Mineralienatlas:Bellit (Wiki)
  14. Fundortliste für Mimetesit beim Mineralienatlas und bei Mindat