Mimoň

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mimoň
Wappen von Mimoň
Mimoň (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Liberecký kraj
Bezirk: Česká Lípa
Fläche: 1548,1406[1] ha
Geographische Lage: 50° 39′ N, 14° 44′ OKoordinaten: 50° 39′ 19″ N, 14° 43′ 37″ O
Höhe: 280 m n.m.
Einwohner: 6.501 (1. Jan. 2016)[2]
Postleitzahl: 471 24
Kfz-Kennzeichen: L
Verkehr
Straße: Stráž pod RalskemDoksy
Bahnanschluss: Řetenice–Lovosice–Česká Lípa–Liberec
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 8
Verwaltung
Bürgermeister: František Kaiser (Stand: 2007)
Adresse: Mírová 120
47124 Mimoň III
Gemeindenummer: 561835
Website: www.mestomimon.cz
Lage von Mimoň im Bezirk Česká Lípa
Karte

Mimoň (deutsch Niemes) ist eine Stadt des Okres Česká Lípa in der Region Liberec im Norden der Tschechischen Republik.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mimoň liegt an der Mündung des Panenský potok (deutsch Jungfernbach) in die Ploučnice (deutsch Polzen) an der alten Handelsstraße von Zittau nach Prag. Sie wird überragt vom Berg Roll (Ralsko). Auf dessen Gipfel befindet sich die Ruine der gotischen Burg Ralsko (Rollburg), Namensgeber des benachbarten Truppenübungsplatz Ralsko.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Sudetendeutsche Freikorps mit Hakenkreuz-Armbinden am 10. Oktober 1938 auf dem Marktplatz zur Begrüßung deutscher Truppen.

Der Ort wurde 1371 zum ersten Mal als Zollstation erwähnt; in dieser Zeit war der Ort im Besitz der Herren von Wartenberg, welche die Burg Mimoň erworben und an ihre Herrschaft von Děvín angeschlossen hatten. Danach wechselten die Besitzer mehrfach, insbesondere in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

In dem 1985 gesprengten Schloss befand sich eine für Nordböhmen wichtige Bibliothek mit Büchern aus dem Zeitraum zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert. Sie war von Adam Franz von Hartig gegründet worden, einem Mitglied der aus Schlesien stammenden Adelsfamilie Hartig, die 1719 in den böhmischen Grafenstand erhoben wurde. Weitere Bestandserweiterungen gehen auf Adam Ludwig von Hartig (1710–1738), seine Frau Gräfin Kager von Globen (1716–1759) sowie Franz de Paula Anton Graf von Hartig (1758–1797) zurück. Letzterer war als Gesandter am sächsischen Hof tätig und konnte in seinem Umfeld für die Schlossbibliothek von Niemes/Mimoň zahlreiche Bücher erwerben.

Die Bestände gingen später an das Nationalmuseum in Prag. Ihre thematische Vielfalt ist sehr groß; es finden sich darin belletristische, naturwissenschaftliche, ökonomische, politische und philosophische Monographien.[3] 1836 gründete der Tuchmachermeister Anton Schicketanz (1803–1866) gemeinsam mit seinen Söhnen eine Textilfabrik, aus welcher die erfolgreiche Firma Anton Schicketanz und Söhne hervorging, die unter seinem Enkel Ludwig Anton Schicketanz (1856–1922) ein Großbetrieb der Textilindustrie wurde.[4]

Niemes war ab der Mitte des 19. Jahrhunderts Sitz eines Bezirksgerichts (Gerichtsbezirk Niemes) im Bezirk Böhmisch Leipa (tschechisch: Česká Lipa).

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Einwohner

gesamt

Nationalität
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1845 [5] 3.400
1921 [6] 5.610 4.957 (88 %)
1930 [7] 6.113 5.331 (87 %) 638 (10 %)

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918), war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich (später Österreich) galten. Der neue Staat erhob ungeachtet des von Woodrow Wilson verkündeten Selbstbestimmungsrechts der Völker Anspruch auch auf die deutsch besiedelten Teile der Länder der böhmischen Krone und schuf vollendete Tatsachen, indem im November 1918 Truppen der Tschechoslowakischen Republik das Sudetenland besetzten. Der Vertrag von St. Germain[8] sprach diese strittigen Territorien gegen den Willen der dortigen deutschen Bevölkerung der Tschechoslowakei zu.

In der Zwischenkriegszeit vermehrten sich die Spannungen im ganzen Land. Es kam zur sogenannten Sudetenkrise. [9] Da bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der von Sudetendeutschen bewohnten Randgebiete an Deutschland. Im sogenannten Münchner Abkommen [10] wurde dies geregelt.

Vertreibung der deutschsprachigen Einwohner

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, kamen die im Münchener Abkommen abgetretenen Territorien wieder an die Tschechoslowakei zurück und die deutschsprachige Bevölkerung wurde vertrieben. Ihr Vermögen durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholischen Kirchen von Niemes in der Tschechoslowakei enteignet. Seitens der Tschechischen Republik erfolgte keine Abgeltung für das eingezogene Vermögen.

Während des Zweiten Weltkriegs war in Niemes ein Wehrertüchtigungslager der HJ. Die Stadt hatte eine Möbelfabrik, die der deutschen Familie Fischel gehörte.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mimoň/Niemes: Mírová ulice

Die Stadt Mimoň besteht aus den Ortsteilen Mimoň I, Mimoň II, Mimoň III, Mimoň IV, Mimoň V, Mimoň VI, Srní Potok (Rehwasser) und Vranov (Rabendorf).[11] Grundsiedlungseinheiten sind Bohatická strana, Husova-Pražská, Kuřivodská strana, Letná, Mimoň-střed, Pod Ralskem, Průmyslový obvod, Slovany, Srní Potok, Svébořická strana, U lipové aleje, U nádraží, U nemocnice, U pily und Vranov.[12]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Mimoň und Vranov pod Ralskem[13].

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kirche
  • Bürgerschule
  • Stadtpark (das zugehörige, ehemalige Schloß der Grafen Hartig am Ringplatz wurde 1985 gesprengt)
  • Kapelle zum heiligen Grab mit Kriegerdenkmal
  • Postbrücke (nicht erhalten, da erneuert)
  • Sandbrücke mit Denkmal des Heiligen Nepomuk

In der Umgebung:

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Kostka (1870–1957), sudetendeutscher Minderheitenpolitiker
  • Rudolf Watzke (1892–1972), Konzertsänger
  • Rudolf Schicketanz (1900–1945), Jurist und sudetendeutscher Politiker der SdP und der NSDAP
  • Ernst Eichler (1930–2012), deutscher Slawist und Namenkundler
  • Hans Watzek (* 1932), Minister für Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft der DDR

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/561835/Mimon
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2016 (PDF; 371 KiB)
  3. Bernhard Fabian, Petr Mašek, Karen Kloth: Handbuch deutscher historischer Buchbestände in Europa. Bd. 2. Tschechische Republik – Schlossbibliotheken. Georg Olms Verlag, Hildesheim/Zürich/New York 1997, ISBN 3-487-10355-9, S. 140–141
  4. Ferdinand Seibt, Hans Lemberg, Helmut Slapnicka: Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. Herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum (Institut), Bd. III, R. Oldenbourg Verlag München 2000, ISBN 3-486-55973-7, S. 637; Franz Hantschel: Heimatkunde des politischen Bezirk Böhmisch Leipa, 1911
  5. F. C. Watterich von Watterichsburg: Handwörterbuch der Landeskunde des Königreichs Böhmen. 2. Auflage. C. W. Medau und Comp., Prag 1845, S. 931.
  6. Ernst Pfohl: Ortslexikon Sudetenland. Seite 383. Helmut Preußler Verlag-Nürnberg.1987. ISBN 3-925362-47-9
  7. Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon Band 4, Seite 322. Adam Kraft Verlag, 1985. ISBN 3-8083-1163-0.
  8. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  9. Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  10. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  11. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/561835/Obec-Mimon
  12. http://www.uir.cz/zsj-obec/561835/Obec-Mimon
  13. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/561835/Obec-Mimon

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mimoň – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konrad Badenheuer: Die Sudetendeutschen. Eine Volksgruppe in Europa. Sudetendeutscher Rat, München 2007, ISBN 978-3-00-021603-9.
  • Jan Šícha, Eva Habel, Peter Liebald, Gudrun Heissig: Odsun. Die Vertreibung der Sudetendeutschen. Dokumentation zu Ursachen, Planung und Realisierung einer „ethnischen Säuberung“ in der Mitte Europas 1945/46. Sudetendeutsches Archiv, München 1995, ISBN 3-930626-08-X.