Mina Ahadi

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Mina Ahadi, 2007

Mina Ahadi (Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i; * 1956 in Abhar, Iran) ist eine österreichische politische Aktivistin und Menschenrechtlerin iranischer Herkunft.[1]

Sie ist Leitungsmitglied der Arbeiterkommunistischen Partei Irans, Gründungsmitglied des Internationalen Komitees gegen Steinigung (2001), des Komitees gegen Todesstrafe (2004) und des Zentralrats der Ex-Muslime (2007), deren Vorsitzende sie seit der jeweiligen Gründung ist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ahadis Eltern gehören der ethnischen Minderheit der Aserbaidschaner im Iran an. Ihr Vater starb früh und die Mutter zog sie und ihre vier Geschwister alleine groß. Die Mutter blieb unverheiratet und trug wie alle Frauen der Stadt im öffentlichen Raum den Tschador[2].

1974 begann Mina Ahadi mit dem Studium der Medizin an der Universität Täbris, musste dieses jedoch wenige Wochen später abbrechen;[3] sie war an der linken Opposition gegen den Schah Mohammad Reza Pahlavi beteiligt. Nach Gründung der Islamischen Republik Iran durch Chomeini organisierte Ahadi Protestaktionen und Demonstrationen, durfte nicht mehr weiter studieren[4] und arbeitete in einer Fabrik. Ende 1980 durchsuchte der iranische Geheimdienst VEVAK ihre Wohnung und verhaftete ihren damaligen Mann sowie fünf Gäste, die kurz darauf hingerichtet wurden.[2] Die wegen ihrer politischen Aktivitäten gesuchte und später zum Tod verurteilte Ahadi verbrachte mehrere Monate im Untergrund in Teheran und floh 1981 in die Kurdenregion im Westen des Landes, wo sie zehn Jahre als Partisanin bei der kommunistischen Untergrundorganisation Komalah verbrachte.[5]

1990 ging sie ins Exil nach Wien und zog 1996 nach Köln.

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ahadi versteht sich als Atheistin. Religionen – nicht nur den Islam, sondern auch das Christentum und andere Religionen – betrachtet sie als „Instrumente der Unterdrückung“,[6] die „dumm“ machen.[7] Ahadi kämpft für die Rechte von Frauen und gegen die Todesstrafe, besonders die Steinigung. 2001 gründete sie das Internationale Komitee gegen Steinigung.[8] Sie ist Vorsitzende des 2004 gegründeten Internationalen Komitees gegen Hinrichtungen (ICAE)[9] und des 2007 gegründeten deutschen Zentralrats der Ex-Muslime.[10] Danach stand sie unter Polizeischutz.[11]

Ahadi warnt davor, Unterstützer des politischen Islam in Bemühungen gegen Radikalisierung in Deutschland einzubeziehen und kritisiert entsprechende Kooperationen der Bundesregierung. Kurz nach einem offenen Brief Ahadis an das Bundesfamilienministerium im Juli 2017 distanzierte sich dieses von einem entsprechenden Workshop mit der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Ministerin Katarina Barley versprach eine Antwort auf Ahadis Brief. [12]

Entschieden wehrt sich Ahadi gegen die Vereinnahmung durch Rechtspopulismus. Eine Kooperation mit der Alternative für Deutschland lehnt sie mit der Begründung ab, dass diese Partei eine ähnliche autoritäre, homophobe und sexistische Position wie die ultrakonservativen Islamverbände vertrete. Mit "ihrem traditionell-patriarchalen Familienbild, ihrer Aversion gegen eine fortschrittliche Sexualerziehung und ihrer rückständigen Haltung zu Menschenrechten und Wissenschaft" sei die Partei ähnlich fundamentalistisch ausgerichtet wie die Islamisten. [13] Mit ähnlicher Begründung wehrt sich Ahadi gegen Versuche der Instrumentalisierung durch das Blog Politically Incorrect, welchem sie vorwirft, wie die Islamisten ohne Rücksicht auf die Individuen die Welt in "Gut und Böse" einzuteilen. Die vermeintliche Islamkritik des Blogs sei ein Deckmantel, unter dem Rassismus und zynische Abschottungsphantasien verschleiert werden. [14]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Mariam Lau ist Mina Ahadi in der deutsch-iranischen Exilopposition „nicht besonders gut gelitten“. Durch ihren lautstarken Protest („Nieder mit der Islamischen Republik!“) während einer im April 2000 in Berlin veranstalteten Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung, die eine Diskussion zwischen liberalen Geistlichen und linken Oppositionellen eröffnen wollte, habe sie dem Regime einen Beleg für die umstürzlerische Absicht dieser Veranstaltung geliefert.[15]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mina Ahadi wurde im Oktober 2007 von der britischen National Secular Society mit dem mit 5000 britischen Pfund dotierten Irwin Prize for Secularist of the Year ausgezeichnet.[16]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mina Ahadi mit Sina Vogt: Ich habe abgeschworen. Heyne Verlag, München 2008, ISBN 978-3-453-15288-5 (Autobiografie)
  • Annika Joeres: Porträt. Atheistin in Schutzweste. Mina Ahadi, 52, iranische Ex-Muslimin, kämpft in Köln gegen Kopftuch und religiöse Einengung. FR v. 31. Mai 2008.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikiquote: Mina Ahadi – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Von Kommunisten und Rassisten – Verwirrung bei PI-News“, Die Zeit.
  2. a b Sina Vogt: „Partisanin gegen Lynchjustiz“, die tageszeitung, 14. März 2006.
  3. tagesspiegel.de vom 28. Februar 2007 (Memento vom 10. März 2007 im Internet Archive) Ich trug zwei Tage Kopftuch, abgerufen am 21. Februar 2013.
  4. Alle iranischen Hochschulen wurden auf Anweisung von Ruhollah Chomeini am 21. April 1980 geschlossen. Siehe auch: Kulturrevolution (Iran).
  5. Ich habe abgeschworen (2008), S. 181ff. „Mein Leben als Partisanin“.
  6. Anika Joeres in der Frankfurter Rundschau vom 31. Mai 2008.
  7. Torsten Thissen: "Religion macht dumm". In: welt.de. 23. Februar 2008, abgerufen am 20. November 2015.
  8. Till-R. Stoldt: Im Kampf mit den "frommen Sadisten". In: welt.de. 31. Oktober 2004, abgerufen am 20. November 2015.
  9. International Committee Against Executions (Homepage des ICAE)
  10. „Muslime schwören ab“, taz, 13. Februar 2007.
  11. The European: Mina Ahadi, Menschenrechtsaktivistin, abgerufen am 18. Februar 2013.
  12. Florian Chefai: Familienministerium spricht sich gegen Workshop islamistischer Organisationen aus". 28. Juli 2017, abgerufen am 12. August 2017.
  13. Mina Ahadi: Offener Brief: Islamkritikerin lehnt Einladung von AfD ab. 21. Mai 2016, abgerufen am 12. August 2017.
  14. Mina Ahadi: Offener Brief: "Hören Sie auf, mich für Ihre rechtsradikale Hetze zu instrumentalisieren!" 1. August 2017, abgerufen am 12. August 2017.
  15. Mariam Lau: Scharia oder Gnade? Die Zeit, 18. November 2010.
  16. „Secularist of the Year 2007“, Humanistischer Pressedienst, 22. Oktober 2007