Mindestreserve

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wichtige Mindestreservesätze
Zentralbank Satz
Chinesische Volksbank 20,0 %[1]
Europäische Zentralbank 1 %[2]
Federal Reserve System 10 %
Bank Rossii 3,5 %
Schweizerische Nationalbank 2,5 %

Die Mindestreserve (kurz MR, auch Mindestreserveverpflichtung) ist eine proportionale Bankeinlage, die mindestens vorgeschrieben ist und damit eine Bankenregulierung.

In den meisten Mindestreserve-Systemen werden die Geschäftsbanken gezwungen, bei der Zentralbank eine Mindestreserve zu hinterlegen. Dabei ist die Mindestreserve ein geldpolitisches Instrument der jeweiligen Zentralbanken zur Steuerung der Nachfrage der Geschäftsbanken nach Zentralbankgeld. Sie wird von der Zentralbank festgelegt als Anteil an den Einlagen der Kunden der jeweiligen Geschäftsbank.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Mindestreservesatz[Bearbeiten]

Zur Bestimmung der Höhe der verpflichtenden Mindestreserve wird der sogenannte Mindestreservesatz r_{SE} von den Zentralbanken bestimmt. Er bezeichnet das proportionale Verhältnis zwischen der Mindestreserve und dem Volumen an Sichteinlagen, das Geschäftsbanken dem Nichtbankensektor ausgestellt haben. Für die Steuerung der Geldschöpfung spielt dieser Satz in der Realität eine eher untergeordnete Rolle, da der Satz selten geändert wird.

Der Satz wirkt unmittelbar auf die Liquiditätslage der Banken. Eine Erhöhung der Reservesätze entzieht den Kreditinstituten Liquidität, eine Senkung führt Liquidität zu. Dabei dienen die Mindestreserven zur Beeinflussung des Geldumlaufs und der Kreditgewährung, indem die Mindestreserve die Giralgeldschöpfung beschränkt. Je nachdem wie hoch der aktuelle Reservezinssatz in Relation zu den möglichen Erträgen aus anderen Anlageformen liegt, kann sich die Mindestreserve negativ auf den Ertrag der Kreditinstitute auswirken. Dem Gegenüber stehen aber die Erträge aus den Krediten für deren Vergabe sie erforderlich ist.

Geldpolitisches Instrument[Bearbeiten]

Die Mindestreserve ist ein mengenwirksames und liquiditätspolitisches Instrument der Geldpolitik. Sie ermöglicht es der Zentralbank, die Geschäftsbanken bei ihrer Kreditverteilung von ihren eigenen Krediten bei der Zentralbank abhängig zu machen, indem sie die Mindestreservepflicht erhöht oder senkt. Die Geschäftsbanken sind im Gegenzug auf Zentralbankgeld angewiesen.

Unterhält eine Geschäftsbank bei der Zentralbank einen Betrag, der die Mindestreserve übersteigt, so ist der überzählige Betrag eine Überschussreserve. Die Überschussreserve ist meist nur sehr gering. Genauer entspricht sie dem Sichtguthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank minus der Mindestreserve minus dem Bargeldbestand der Geschäftsbanken, welcher für Barabhebungen der Nichtbanken bereitgestellt ist.[3]

Im Falle der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion ist das wichtigste geldpolitische Instrument das Hauptrefinanzierungsinstrument der Europäischen Zentralbank. Die wichtigsten Funktionen des Mindestreservesystems sind dabei die Stabilisierung der Geldmarktsätze und die Vergrößerung der strukturellen Liquiditätsknappheit im Bankensystem[4].

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wirksam ab 18. Mai 2012. http://www.n-tv.de/wirtschaft/China-lockert-die-Zuegel-article6253821.html
  2. Seit 18. Januar 2012. http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Kerngeschaeftsfelder/Geldpolitik/Mindestreserven/mindestreserven.html
  3. Horst Wagenblaß, Volkswirtschaftslehre, öffentliche Finanzen und Wirtschaftspolitik, 7. Auflage, Heidelberg 2001, S. 159
  4. Die Geldpolitik der EZB. Europäische Zentralbank, Frankfurt 2004