Minneapolis Miracle

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Minneapolis Miracle
Die Westfassade im Juli 2016
1 2 3 4 Gesamt
Minnesota Vikings 10 7 0 12 29
New Orleans Saints 0 0 7 17 24
Datum 14. Januar 2018
Stadion U.S. Bank Stadium
Stadt Minneapolis, Minnesota
Favorit Vikings um 5.5
Besucherzahl 66.612[1]
Fernsehübertragung
Network Fox NFL
Kommentatoren Joe Buck, Troy Aikman, Erin Andrews und Chris Myers

Als Minneapolis Miracle (englisch für Wunder von Minneapolis), auch Minnesota Miracle, wird der letzte Spielzug des Divisional-Round-Playoff-Spiels der NFC, oft auch das gesamte Spiel, zwischen den Minnesota Vikings und den New Orleans Saints bezeichnet, das am 14. Januar 2018 als Teil der Playoffs der Saison 2017 vor 66.612 Zuschauern im U.S. Bank Stadium in Minneapolis stattfand. Der Name Minneapolis Miracle wurde vom Sportkommentator Paul Allen geprägt, der das Spiel live im Radio kommentierte. Der Spielzug, bei dem erstmals in der Geschichte der NFL-Playoffs im letzten Spielzug ein spielentscheidender Touchdown erzielt wurde, erhielt unter anderem den NFL Play of the Year Award.

25 Sekunden vor Ende der Partie waren die Saints mit 24:23 in Führung gegangen, nachdem zuvor die Vikings zur Halbzeit noch mit 17:0 in Führung lagen. Bei ihrem letzten Spielzug, bei dem noch zehn Sekunden auf der Uhr waren, standen die Vikings an der eigenen 39-Yard-Linie. In diesem warf Case Keenum, der Quarterback der Vikings, einen 27 Yards weiten Pass auf Wide Receiver Stefon Diggs. Dieser brachte den Ball durch einen individuellen Fehler in der Defense der Saints bis in die Endzone und erzielte dadurch mit dem Auslaufen der Uhr den spielentscheidenden Touchdown, durch den die Vikings mit 29:24 gewannen.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Case Keenum, Quarterback der Minnesota Vikings

Die Minnesota Vikings hatten in der Regular Season 2017 mit 13:3-Siegen den Einzug in die Play-offs als Sieger der NFC North deutlich geschafft und waren damit hinter den Philadelphia Eagles zweitbestes Team der National Football Conference. Dadurch hatten sie in der Wild Card Round der Playoffs spielfrei.[2] Angeführt wurde die Offense der Vikings von Quarterback Case Keenum, der von den Verletzungen von Teddy Bridgewater, der bereits vor der Saison verletzt war, und Sam Bradford profitierte und dadurch ab der 2. Woche als Starting-Quarterback der Vikings auflief. Durch seine guten Leistungen blieb er auch nach der Genesung der ursprünglich vor ihm stehenden Quarterbacks Starter für Minnesota und war einer der besten Quarterbacks der Saison.[3] Mit Wide Receiver Adam Thielen aus der Offense sowie Defensive End Everson Griffen und Cornerback Xavier Rhodes aus der Defense hatte Minnesota zudem drei Spieler, die als Starter für den Pro Bowl 2018 nominiert waren, im Aufgebot, vier weitere Spieler waren als Ersatz nominiert.

Drew Brees, Quarterback der New Orleans Saints

Die New Orleans Saints waren mit 11:5-Siegen als Sieger der NFC South als viertbestes Team in der National Football Conference in die Playoffs eingezogen, wo sie zunächst in der Wild Card Round zuhause gegen die Carolina Panthers antreten mussten, die als fünftbestes Team über die Wild Cards qualifiziert waren. Da beide Mannschaften in derselben Division spielen, waren sie bereits in der Regular Season zwei Mal gegeneinander angetreten, beide Partien konnte New Orleans für sich entscheiden. Auch die dritte Begegnung in den Playoffs entschieden die Saints für sich, sie gewannen 31:26.[4] Wichtige Spieler von New Orleans waren unter anderem der zehnmalige Pro-Bowler Drew Brees auf der Position des Quarterbacks, der eine seiner besten Saison spielte und der Rookie Alvin Kamara auf der Position des Runningbacks, der unter anderem zum NFL Rookie of the Year gewählt wurde.[5][6] Darüber hinaus waren fünf weitere Spieler der Saints für den Pro Bowl nominiert, in dem das Team der NFC von Sean Payton, dem Headcoach der Saints, betreut werden sollte.

Beide Teams waren bereits in der ersten Woche der Regular Season, ebenfalls in Minnesota, aufeinandergetroffen. Die Partie endete mit einem 29:19-Sieg für die Vikings.[7]

Startaufstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Spieler standen in den Startaufstellungen der beiden Teams:[1]

New Orleans Position Minnesota
Offense
Ted Ginn Jr. WR Adam Thielen
Terron Armstead LT Riley Reiff
Senio Kelemete G/C / LG Mike Remmers
Max Unger C Pat Elflein
Larry Warford RG Rashod Hill
Ryan Ramczyk RT Cameron Fleming
Michael Hoomanawanui TE Kyle Rudolph
Michael Thomas WR Stefon Diggs
Drew Brees QB Case Keenum
Mark Ingram RB Latavius Murray
Austin Carr WR/TE David Morgan
Defense
George Johnson LDE/LE Danielle Hunter
Sheldon Rankins LDT/DT Tom Johnson
Tyeler Davison RDT/NT Linval Joseph
Cameron Jordan RDE/RE Everson Griffen
Craig Robertson WIL/MLB Eric Kendricks
Manti Teʻo MLB/SLB Anthony Barr
Jonathan Freeny SAM/LCB Trae Waynes
Ken Crawley LCB/RCB Xavier Rhodes
Vonn Bell SS/CB Terence Newman
Marcus Williams FS/SS Andrew Sendejo
Marshon Lattimore RCB/FS Harrison Smith

Spielzusammenfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Hälfte verlief gut für die Vikings. In ihrem ersten Drive erzielten die Saints kein neues First Down und mussten früh punten, wonach die Vikings nach ihrem ersten Drive durch einen Touchdown von Jerrick McKinnon und einem erfolgreichen Extrapunkt mit 7:0 in Führung gingen. Auch im zweiten Drive gelang der Offense der Saints kein Punktgewinn und nach einem weiteren Punt erhöhten die Vikings durch ein Field Goal von Kai Forbath aus 20 Yards Entfernung auf 10:0. Im nächsten Angriff der Saints warf Quarterback Drew Brees einen weiten Pass auf Ted Ginn, der von Minnesotas Safety Andrew Sendejo intercepted wurde. Im darauffolgenden Drive der Vikings bauten sie ihre Führung nach einem Touchdown durch Latavius Murray auf 17:0 aus. Nach einer weiteren Interception der Saints vergaben beide Seiten je einen Field-Goal-Versuch, so dass es beim 17:0 als Pausenstand blieb.

Nach der Halbzeitpause gelang den Saints im dritten Quarter ihr erster Punktgewinn mit einem Touchdown durch Michael Thomas (17:7). Danach warf Case Keenum eine Interception, nach der die Saints wenig später mit einem weiteren Touchdown auf 17:14 verkürzten. Mit einem Field Goal aus 49 Yards konnten die Viking ihren Vorsprung wieder erhöhen (20:14). Nach jeweils einem erfolglosen Drive beider Teams gingen die Saints mit ihrem dritten Touchdown erstmals in Führung (20:21). Mit noch einer Minute und 29 Sekunden auf der Uhr holten sich die Vikings durch ein Field Goal aus 53 Yards die Führung wieder zurück, womit es 23:21 stand. Die Saints erzielten 25 Sekunden vor Schluss ebenfalls ein Field Goal und stellten somit die Führung wieder her (23:24).[7][1]

Somit blieben den Vikings bei einer verbliebenen Auszeit 25 Sekunden mit 75 Yards Entfernung von der gegnerischen Endzone, um mindestens ein Field Goal zu erzielen. Nach einer 5-Yard-Strafe wegen eines False Starts der Offense, einem Pass für 19 Yards und zwei unvollständigen Pässen standen die Vikings ohne weitere Auszeit außerhalb der Field-Goal-Reichweite an der eigenen 39-Yard-Linie, 61 Yards von der gegnerischen Endzone entfernt.

Die Vikings starteten einen Spielzug mit dem Namen „Buffalo Right, Seven Heaven“. Buffalo Right bedeutet, dass sich drei Receiver auf der rechten Seite bündeln, um die Deckung der Verteidigung durcheinander zu bringen, wobei buffalo als Code für bunch formation (deutsch etwa Bündelbildung) steht. Seven steht für die Laufroute der Receiver in Richtung Seitenauslinie. Ziel des Spielzuges war, den Ball an der Seitenauslinie zu fangen und danach durch das Verlassen des Spielfeldes die Uhr anzuhalten, um zumindest durch die Chance auf ein sehr langes Field Goal eine Chance auf den Sieg zu wahren.

Stefon Diggs erzielte den spielentscheidenden Touchdown

Tatsächlich gelang es dem Wide Receiver Stefon Diggs an der rechten Seitenauslinie, den Pass von Keenum an der gegnerischen 34-Yard-Linie zu fangen. Bevor dieser die Seitenauslinie überschreiten konnte, um die Uhr anzuhalten, versuchte Marcus Williams, Safety der Saints, Diggs zu tacklen. Bei einem erfolgreichen Tackle wäre die Zeit heruntergelaufen, ohne dass die Vikings noch eine Chance auf ein Field Goal bekommen hätten. Williams verfehlte Diggs allerdings und brachte zugleich unbeabsichtigt Ken Crawley, Cornerback aus seinem eigenen Team, zu Fall und nahm diesem somit die Chance, Diggs noch zu stoppen. Somit konnte Diggs unbedrängt zu einem Touchdown in die gegnerische Endzone laufen, die er mit dem Auslaufen der Uhr erreichte, was den Vikings den Sieg sicherte (29:24).[8][9][1]

Auch wenn der Touchdown das Spiel entschieden hatte, war den Regeln zufolge zwingend noch die Ausführung des Point after Touchdown notwendig. Da fast alle Spieler der Saints das Feld verlassen hatten und die Vikings den Sieg feierten, entstand eine längere Pause, bis beide Teams die Aufstellung für eine Two-Point-Conversion eingenommen hatten, wobei die Vikings mit einem Quarterback Kneel auf weitere Punkte verzichteten.[10][1]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt wurde insbesondere der Livekommentar im Radio von Paul Allen, der den Begriff des Minneapolis Miracle als erstes verwendete:

„Vikings at their own 39, it’s third down. Three receivers right, Thielen left, Marshon Lattimore 12 yards from Adam… Case on the deep drop, steps up in the pocket, he’ll fire to the right SIDE, CAUGHT BY DIGGS! He got loose! At the thirty! Ten! TOUCHDOWN! Are you kidding me?! It’s a Minneapolis Miracle! Stefon Diggs! And the Minnesota Vikings have walked off on the New Orleans Saints! It’s a 61-yard Minneapolis Miracle![11]

Der Fehler des Rookies Williams, der im dritten Quarter noch mit einer Interception wesentlich zur Aufholjagd der Saints beigetragen hatte, wurde von einigen als einer der größten Fehler in der Geschichte der NFL-Playoffs bezeichnet.[12][13]

Am 3. Februar 2018 erhielt der Spielzug bei den NFL Honors 2018 den Preis NFL Play of the Year Award.[14]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Sieg gegen die Saints wahrten die Vikings die Chance, als erstes Team in einem Super Bowl im eigenen Stadion zu spielen. Im NFC Championship Game unterlag Minnesota jedoch deutlich den Philadelphia Eagles mit 7:38, die im Super Bowl LII mit einem 41:33 gegen die New England Patriots erstmals den Super Bowl gewannen.

Zudem führte das Ende des Spiels zu einer geringfügigen Regeländerung in der NFL, nach der der Point after Touchdown nach einem spielentscheidenden Touchdown bei heruntergelaufener Zeit abgeschafft wurde.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e National Football League Game Summary: New Orleans Saints at Minnesota Vikings, National Football League, 14. Januar 2018, abgerufen am 11. Oktober 2018 (PDF, englisch).
  2. Vikings lock up a first-round bye, No. 2 seed in NFC playoffs with win over Bears auf espn.com, 1. Januar 2018, abgerufen am 11. Oktober 2018 (englisch).
  3. Case Keenum is having the ultimate breakout, but we shouldn't be surprised auf espn.com, 11. Januar 2018, abgerufen am 11. Oktober 2018 (englisch).
  4. Panthers vs. Saints 2018 results: New Orleans survives comeback attempt, moves on to Divisional round auf sbnation.com, 7. Januar 2018, abgerufen am 11. Oktober 2018 (englisch).
  5. Drew Brees: New Orleans Saints und nichts anderes auf ran.de, 26. Januar 2018, abgerufen am 11. Oktober 2018.
  6. Metrics that Matter: Record-setting efficiency from Alvin Kamara auf profootballfocus.com, 12. Februar 2018, abgerufen am 11. Oktober 2018 (englisch).
  7. a b Saints vs. Vikings 2018 live results: Minnesota wins instant classic on miracle finish auf sbnation.com, 14. Januar 2018, abgerufen am 11. Oktober 2018 (englisch).
  8. Vikings outrun their tortured history, stun Saints with miraculous final play by Stefon Diggs, The Washington Post, 14. Januar 2018, abgerufen am 11. Oktober 2018 (englisch).
  9. ‘That Play Right There Was God’: Diggs, Dings and Dumbfounded Vikings On How They Stunned Saints auf si.com, 15. Januar 2018, abgerufen am 11. Oktober 2018 (englisch).
  10. a b NFL eliminates unnecessary PATs, two-point conversions after walk-off touchdowns auf cbssports.com, 28. März 2018, abgerufen am 11. Oktober 2018 (englisch).
  11. This call of the 'Minneapolis Miracle' will give you the chills auf vikingswire.usatoday.com, 16. Januar 2018, abgerufen am 11. Oktober 2018 (englisch).
  12. After final play blunder, Marcus Williams vows to 'do all I can to never let that happen again' auf espn.com, 15. Januar 2018, abgerufen am 11. Oktober 2018 (englisch).
  13. Was Marcus Williams' whiff the worst mistake in NFL playoff history? auf sportingnews.com, 16. Januar 2018, abgerufen am 11. Oktober 2018 (englisch).
  14. Vikings' 'Minneapolis Miracle' Named Play Of The Year auf patch.com, 5. Februar 2018, abgerufen am 11. Oktober 2018 (englisch).