Minsogak
| Minsogak | |
|---|---|
| Koreanisches Alphabet: | 민속악 |
| Hanja: | 民俗樂 |
| Revidierte Romanisierung: | Minsogak |
| McCune-Reischauer: | Minsogak |
Als Minsogak wird eine bestimmte koreanische Folklore bezeichnet.[1] Diese Art von traditioneller koreanischer Musik wird mit der einfachen Bevölkerung verbunden. Im Gegensatz zu Jeongak, der Musik der adeligen Oberschicht, wird die Musik im Minsogak schnell gespielt, das heißt, sie passt sich dem Herzschlag an. Wie im Jeongak ist auch im Minsogak Improvisation häufig.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die genaue Begriffsgeschichte der Minsogak-Volksmusik lässt sich nur schwer feststellen, erste ähnlich gebildete Wörter sind aus der Silla-Zeit überliefert.[2] Im Laufe der Joseon-Dynastie bildete sich der Begriff Minsogak als Bezeichnung für Volksmusik in Abgrenzung der Musik der Adeligen, bzw. der Hofmusik, Jeongak heraus. Zeitweise war für Jeongak auch das heute viel weiter gefasste Wort Gugak in Gebrauch.[3.1] Mittlerweile hat sich Gugak als allgemeine Bezeichnung für traditionelle koreanische Musik etabliert.
Die Hofmusik war wesentlich stärker reglementiert und wurde von eigenen, formalisierten Institutionen betreut.[2] Es gab allerdings zwischen den beiden großen Linien der koreanischen Musik personelle Überschneidungen, da einige Musiker sowohl Jeongak als auch Minsogak spielten. Dies kann für historische Kontexte die Abgrenzung erschweren. Dennoch wurde Minsogak recht eindeutig mit niedrigem sozialen Status in Verbindung gebracht. Eine Professionalisierung des Genres fand später über die orale Tradition eben dieser sozial niedriger gestellten Bevölkerungsgruppe statt.[4.1]
Nach den Imjin-Kriegen und den Manchu-Einfällen wurde im 17. bis zum 18. Jahrhundert eine eigene koreanische Musik formalisiert.[2][4.2] Beide Kriege verursachten große Veränderungen im sozialen und politischen Gefüge des Landes. In diesem Zusammenhang verbreiteten sich über reisende Schaustellertruppen Volkslieder im Land. Insbesondere nach dem 17. Jahrhundert bildeten sich so Vokalmusik und Instrumentalmusik als eigene Entwicklungsstränge heraus. Einen großen Einfluss hatten auch die buddhistischen und die schamanistischen Traditionen, die jeweils auch mit Musik verbunden waren. Weiterhin besteht bis heute eine lokalisierte Tradition im Minyo, die in der Regel nach den Regionen Gyonggi-Do, Seo-Do und Nam-Do unterteilt wird.[5] Diese teilen sich in weitere traditionelle Klassifikationen auf, die sich beispielsweise nach dem Ort der Aufführung – im Haus oder außerhalb dessen – richten. Seo-Do Minyo stammen aus einer Region, die heute auf dem Gebiet von Nordkorea liegt.
Seit dem 20. Jahrhundert wurde auch die Minsogak-Musik weitestgehend formalisiert und wird sowohl in koreanischer wie auch westlicher Musiknotation gelehrt.[4.3] In rezenter Zeit findet zudem teilweise eine Modernisierung der koreanischen Volksmusik statt.[6] Dabei werden auch neue Stilmittel, beispielsweise elektronische Beats, eingesetzt. Noch immer spiegelt sich in der Einteilung allerdings die soziale Hierarchie der Joseon-Dynastie.[7.1][4.4] Die Modernisierung ist nicht unumstritten und wird gelegentlich als Verwestlichung der Traditionen betrachtet.[7.2] Zeitgleich diente die Volksmusik nach der Unabhängigkeit Koreas als Identifikationspunkt für die Bevölkerung.[4.4] Damit einher gingen seit den 1960ern Bemühungen der koreanischen Regierung, die musikalischen Traditionen zu wahren und Minsogak zum immateriellen Kulturerbe zu bestimmen.
Sub-Genres
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zu den Sub-Genres des Minsogak gehören unter anderem:
Viele dieser Stile sind geprägt durch Improvisation, sowohl durch die Sänger als auch die Instrumentalisten, wobei der Grad der Improvisation durchaus variieren kann.[10.1] Allen Varianten des Minsogak gemeinsam ist die rhythmische Struktur, die in Tripeltakten aufgebaut ist.[10.2] Die Musik ist generell emotionaler und lebendiger als Jeongak.[10.3] Call-und-Response-Muster finden sich insbesondere im Nongak, die Beteiligung des Publikums kommt jedoch in verschiedenen Sub-Genres, z. B. ebenso im Pansori, vor.[9.2]
Typische Instrumentalisierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Traditionell basieren koreanische Stücke auf der Vokalmusik.[1] Eine Ausnahme bildet die instrumentelle Musik Samul Nori. Die Instrumente der koreanischen Musik sind in westlicher Kategorisierung Saiteninstrumente (Gayageum, Geomungo, Haegeum, Ajaeng), Blasinstrumente (Piri, Daegeum, Taepyeongso) und Schlaginstrumente (Buk, Janggu, Kkwaenggwari, Jing).[8] Dabei werden für Minsogak und Jeongak die gleichen Instrumente verwendet.[11.1]
Die Besetzung ändert sich je nach Sub-Genre, beispielsweise findet im Pansori, einem langen epischen Gesang, eine einzige Fasstrommel neben dem Solisten Verwendung. Dagegen werden im Sanjo eine ganze Reihe solistischer Instrumente, wie die Gayageum, Gomungo, Piri, Haegum oder Ajaeng, besetzt; dies in drei Sätzen, die ursprünglich improvisiert, später jedoch tradiert wurden.[1] Neben dem solistischen Instrument ist auch hier eine Begleitung mit Schlagwerk vorgesehen. Im Shinawi wiederum wird der Tanz in schamanistischen Ritualen durch rhythmische Untermalung begleitet, die komplett improvisiert wird.[10.1] Musikalische Elemente des Shinawi wurden auch in Pansori und Sanjo aufgenommen.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Nathan Hesselink: Contemporary directions. Korean folk music engaging the twentieth century and beyond. Institute of East Asian Studies, University of California Berkeley, Berkeley 2001.
- The Korean Overseas Information Service (Hrsg.): Handbook of Korea. 11. Auflage. The Korean Overseas Information Service, Seoul 2003, S. 574–577.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kim Hyejeong (김혜정): 민속악. In: National Gugak Center. Abgerufen am 28. November 2025 (koreanisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c d In einem Konzert vom Flughafen Incheon. In: Spurenkreis. Abgerufen am 28. November 2025.
- ↑ a b c Kim Hyejeong (김혜정): 민속악. In: National Gugak Center. Abgerufen am 28. November 2025 (koreanisch).
- ↑ Myosin Kim: Review. Reviewed Work: Contemporary Directions: Korean Folk Music Engaging the Twentieth Century and Beyond, Korea Research Monograph 27 by Nathan Hesselink. In: Korean Studies. Band 26, Nr. 2, 2002, S. 306–309.
- ↑ S. 306-307
- ↑ Nathan Hesselink: Contemporary directions. Korean folk music engaging the twentieth century and beyond. Institute of East Asian Studies, University of California Berkeley, Berkeley 2001.
- ↑ 민속음악. In: Ecyclopedia of Korean Culture. The Academy of Korean Studies, abgerufen am 28. November 2025 (koreanisch).
- ↑ Koreanische Saiteninstrumente. Wölbbrettzither, Hackbrett und Spießgeige als typische Instrumente traditioneller koreanischer Musik. In: Missionsmuseum der Erzabtei S. Ottilien. Abgerufen am 28. November 2025.
- ↑ Chan E. Park: Reclaiming Korea from "Korean Performance Tradition": A Critique of the Contemporization of "Kugak". In: Korean Studies. Band 35, 2011, S. 25–43.
- ↑ a b Musique Traditionnelle Coréenne : Un Voyage au Coeur de la Culture. In: Curtis Music. Abgerufen am 28. November 2025 (französisch).
- ↑ The Korean Overseas Information Service (Hrsg.): Handbook of Korea. 11. Auflage. The Korean Overseas Information Service, Seoul 2003.
- ↑ Mary E. Connor: The Koreas. ABC-CLIO, Santa Barbara / Denver / Oxford 2009.
- ↑ Melanie Guile: Culture in North Korea and South Korea. Heinemann Library, Oxford 2004.
- ↑ S. 20