Mira (Anatolien)

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Lage von Mira und benachbarter Staaten
Relief von König Tarkasnawa von Mira bei Karabel

Mira war ein Vasallenstaat des hethitischen Großreichs in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrtausends v. Chr. Es gehörte zu den Arzawa-Ländern und liegt im Westen Kleinasiens.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach neueren Erkenntnissen grenzte Mira im Norden bei Karabel an das Šeḫa-Flussland, was schon 1975 von Hans Gustav Güterbock angenommen wurde und durch die Lesung der Karabel-Inschrift 1998 von John David Hawkins[1] bestätigt wurde. Im Süden grenzte es, vielleicht bei Milas, an die Lukka-Länder, im Osten, vermutlich etwa bei Afyon, an das hethitische Mutterland.[2] Angrenzungen an andere Länder wie Pitašša, Maša und das Königreich Arzawa (im engeren Sinn) sind nur für bestimmte Zeitphasen nachweisbar. Mira war das am nächsten am Land Ḫatti gelegene der Arzawa-Länder.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Erwähnung Miras findet sich im Zusammenhang mit dem Arzawa-Feldzug Großkönig Šuppiluliumas I. im 14. Jhd. v. Chr., wobei unklar bleibt, ob Mira dabei zu den Gegnern des Großkönigs zählte und wie seine Beziehungen zu Arzawa waren. Die Tochter Šuppiluliumas, Muwatti, wurde mit dem aus den Arzawa-Ländern stammenden Mašḫuiluwa vermählt. Nach der siegreichen Beendigung des Arzawa-Feldzugs durch Muršili II., den Sohn Šuppiluliumas, setzte Muršili seinen Schwager Mašḫuiluwa in Mira als Vasallenfürst ein und ließ ihm 600 Mann zum persönlichen Schutz zurück. Ob oder wie weit nach der Zerschlagung der Arzawa-Länder das gesamte Gebiet Mira angegliedert wurde, ist nicht geklärt.[3] Wahrscheinlich ist jedoch, dass das Gebiet Miras sich danach bis an die Ägäisküste erstreckte und Apaša (vermutlich Ephesos) zur Hauptstadt hatte.[4] Mašḫuiluwa wurde bald darauf des Eidbruchs beschuldigt, nachdem er das Land Pitašša gegen den Großkönig aufgehetzt hatte, und floh in das wohl westlich an der kleinasiatischen Ägäisküste gelegene Land Maša. Muršili drohte Maša mit Angriff und forderte seine Auslieferung, worauf er in die Hauptstadt Ḫattuša deportiert wurde. Als Nachfolger wurde im Einvernehmen mit den Großen von Mira Mašḫuiluwas Neffe und Adoptivsohn Kupanta-Runtiya eingesetzt.[5]

In der Regierungszeit des Usurpators Ḫattušili III. im 13. Jhd. v. Chr. kam es wahrscheinlich nochmals zu Unstimmigkeiten zwischen diesem und dem König von Mira (wahrscheinlich noch Kupanta-Runtiya) wegen dessen Eintreten für den vom Thron gestürzten Urḫi-Teššup. Ob es zum Krieg zwischen dem Großreich und Mira kam, bleibt ungeklärt. Die letzte bisher bekannte Erwähnung findet Mira im Vertrag von Tudḫaliya IV. mit seinem Cousin oder Onkel Kurunta von Tarḫuntašša, ebenfalls im 13. Jhd., wo unter den Vertragszeugen ein König von Mira mit Namen Alantalli genannt wird.[3]

Könige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mašḫuiluwa (ca. 1330–1300 v.Chr.; luw. „Mäuschen“); Mann von Muwatti, Schwester von Muršili II.
  • Kupanataruntiya (Kupantakurunta; ca. 1300–1240 v.Chr.); Neffe und Adoptivsohn von Mašḫuiluwa.
  • Alantalli (ca. 1240–1210 v.Chr.)
  • Tarkasnawa (ab ca. 1210 v.Chr.; luw. "Esel"); Sohn von Alantalli
  • Mašḫuitta oder Parḫuitta (nach 1200 v.Chr.)

Zeugnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Felsinschrift am Suratkaya wird ein Großprinz Kupantakurunta genannt, höchstwahrscheinlich der Sohn des Mašḫuiluwa. Durch die Nennung von Mira in der Inschrift ist eine Ausdehnung des Landes zumindest bis zum östlichen Teil des Latmosgebirges nachgewiesen.

Mira wird in etwa 20, größtenteils nur bruchstückhaft erhaltenen, Keilschrifttafeln aus Boğazkale (Ḫattuša) aus dem 14. und 13. Jhd. v. Chr. bezeugt. Auf dem Felsrelief von Karabel ist ein König von Mira mit Namen Tarkasnawa abgebildet. Die dortige hieroglyphen-luwische Inschrift spricht von

Tarkasnawa, König [des Landes] Mira
[Sohn] Alantallis, des Königs des Landes Mira
Enkel des ...., des Königs des Landes Mira[2]

Der Name Tarkasnawa taucht auch auf einem Silbersiegel und in Siegelabdrücken aus Ḫattuša auf, wo der Name früher unzutreffend als Tarkondemos gelesen wurde.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. J. David Hawkins: Tarkasnawa, King of Mira: 'Tarkondemos', Boğazköy sealings and Karabel, in: Anatolian Studies 48, 1998, S. 1-31.
  2. a b Horst Ehringhaus: Götter, Herrscher, Inschriften - Die Felsreliefs der hethitischen Großreichszeit in der Türkei, von Zabern 2005 S. 91 ISBN 3-8053-3469-9
  3. a b c Susanne Heinhold-Krahmer: Mira in Erich Ebeling, Bruno Meissner, Dietz-Otto Edzard: Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie, Walter de Gruyter, 1997 S. 218–220 ISBN 9783110148091 bei GoogleBooks
  4. Charles Allen Burney: Historical dictionary of the Hittites. Scarecrow Press, 2004 S. 202 ISBN 9780810849365 bei GoogleBooks
  5. Horst Klengel: Geschichte des hethitischen Reiches. Brill 1999 S. 194 ISBN 9789004102019 bei GoogleBooks