Miroslav Volf

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Miroslav Volf, Yale Theological Conversation, Yale Divinity School, Februar 2006

Miroslav Volf (* 25. September 1956 in Osijek, Jugoslawien, heute Kroatien) ist ein einflussreicher kroatischer evangelikaler, anglikanischer Theologe, bekannt für seine Arbeiten innerhalb der Systematischen Theologie. Aufgrund seiner Erfahrungen im Kroatienkrieg hat er eine Theologie der Vergebung und Gewaltlosigkeit entwickelt. Gegenwärtig hat er die Henry B. Wright-Professur für Systematische Theologie an der Yale University inne und ist Direktor des Yale Center for Faith and Culture, das er auch gegründet hat.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volf wurde im kroatischen Osijek geboren, wuchs im kommunistischen Serbien als Sohn eines Pastors einer Pfingstkirche auf. Als Jugendlicher wurde er stark beeinflusst durch seinen späteren Schwager Peter Kuzmić, einem führenden osteuropäischen evangelikalen Theologen, der unter anderem das evangelisch-theologische Seminar in Osijek gegründet hatte, an dem Volf 1977 seinen Bachelor machte.

Zwischen dem Master of Arts am Fuller Theological Seminary 1979 und dem Doktorat summa cum laude an der Universität Tübingen bei Jürgen Moltmann 1986 leistete er in Jugoslawien Militärdienst, wo er als bekennender Christ und aufgrund seines Auslandsstudiums starken Pressionen ausgesetzt war. Diese Erfahrungen verarbeitete er theologisch in seinem Buch The End of Memory: Mistreatment, Memory, Reconciliation.

Von 1979 bis 1991 lehrte er am evangelisch-theologischen Seminar in Osijek und war von 1984 bis 1989 gleichzeitig Herausgeber einer christlichen Zeitschrift. 1991 musste das gesamte Seminar aus Osijek fliehen und kam in ein abgelegenes reformiertes Pfarrhaus in Slowenien, wo Volf mit seiner Frau und sechs Studenten in einem Raum lebte, während sie im Fernsehen sehen mussten, wie ihre eigenen Häuser im 150 km entfernten Krieg zerstört wurden. Volf selbst war in diesem Krieg nicht Partei, er stammte aus einer ethnisch gemischten Familie und war als Angehöriger einer traditionell pazifistischen Freikirche auch in der Konfession weder katholisch-kroatisch noch orthodox-serbisch festgelegt, aber er erlebte, wie sich seine Studenten und seine christlichen Freunde durch den Krieg in Serben und Kroaten spalteten. Dieser Kontext und diese Kriegserfahrung prägt seine Theologie bis heute.[1]

Ab 1991 lehrte er am Fuller Theological Seminary Systematische Theologie. 1994 habilitierte er in Tübingen bei Jürgen Moltmann und war dann Professor am Fuller Theological Seminary, bis er 1998 nach Yale berufen wurde, wo er die Henry B. Wright-Professur für Systematische Theologie innehat.[2]

Volf engagiert sich zudem bei ökumenischen und interreligiösen Gesprächen, um sich theologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart zu stellen. So war er 2015 Hauptreferent der Studientage des Instituts für ökumenische Studien der Universität Fribourg und des Studienzentrums für Glaube und Gesellschaft.[3][4]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volf wuchs auf als Mitglied der pfingstlerischen evangelischen Kirche von Kroatien. In den Vereinigten Staaten trat er erst der Presbyterian Church bei und ist heute Mitglied der Episcopal Church. Er war verheiratet mit Judith Gundry, mit der er Söhne adoptierte. Er ist in zweiter Ehe verheiratet mit Jessica, mit der er eine leibliche Tochter Mira hat.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am bekanntesten ist sein Buch Exclusion and Embrace (deutsch: Von der Ausgrenzung zur Umarmung), er behandelt darin Themen wie Ausgrenzung, Gewalt, Vergebung und Versöhnung aus christlicher Perspektive. Grundlegend dabei ist für Volf Gottes Bundesschluss mit den Menschen und eine aktualisierte Auslegung des Gleichnisses Jesu vom verlorenen Sohn, worin der barmherzige Vater auf beide Söhne zugeht, seine Hände ausbreitet und sie umarmen will. Exclusion and Embrace wurde von Christianity Today zu einem der 100 besten religiösen Bücher des 20. Jahrhunderts gewählt.

Deutsch:

  • Zusammen Wachsen. Globalisierung braucht Religion, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 2017, ISBN 978-3-579-08679-8
  • Öffentlich glauben in einer pluralistischen Gesellschaft, Marburg: Francke, 2015, ISBN 978-3-86827-538-4
  • Umsonst. Geben und Vergeben in einer gnadenlosen Kultur, Giessen: Brunnen, 2012, ISBN 978-3-7655-1185-1
  • Von der Ausgrenzung zur Umarmung. Versöhnendes Handeln als Ausdruck christlicher Identität, Marburg: Francke, 2012, ISBN 978-3-86827-355-7
  • Theologie auf dem Weg in das dritte Jahrtausend, Gütersloh: Christian Kaiser, 1996
  • Trinität und Gemeinschaft. Eine ökumenische Ekklesiologie, Mainz/Neukirchen-Vluyn: Grünewald/Neukirchener, 1996
  • Wir sind die Kirche! : Eine ökumenische Untersuchung über Kirche als Gemeinschaft,
  • Gerechtigkeit, Geist und Schöpfung. Die Oxford-Erklärung zur Frage von Glaube und Wirtschaft, (Hrsg. mit Hermann Sautter) Wuppertal: Brockhaus, 1992
  • Zukunft der Arbeit -- Arbeit der Zukunft. Der Arbeitsbegriff bei Karl Marx und seine theologische Wertung, München/Mainz: Christian Kaiser, 1988

Englisch:

  • For the Life of the World: Theology That Makes a Difference, zusammen mit Matthew Croasmun, Brazos Press, 2018
  • Flourishing: Why We Need Religion in a Globalized World, Yale University Press, 2016
  • Allah: A Christian Response New York: HarperCollins, 2011
  • A Public Faith: How Followers of Christ Should Serve the Common Good. Grand Rapids: Brazos Press, 2011
  • The End of Memory: Mistreatment, Memory, Reconciliation, 2006
  • Free of Charge: Giving and Forgiving in a Culture Stripped of Grace New York: Zondervan, 2005
  • After Our Likeness: The Church As The Image Of The Trinity Grand Rapids: Wm. B. Eerdmans, 1998
  • A Passion for God's Reign. Theology, Christian Learning, and the Christian Self (ed.) Grand Rapids: Eerdmans, 1998
  • A Spacious Heart. Essays on Identity and Belonging (with Judith M. Gundry-Volf) Harrisburg: Trinity Press, 1997
  • The Future of Theology. Essays in Honor of Jürgen Moltmann (ed. with T. Kucharz and C. Krieg) Grand Rapids: Eerdmans, 1996
  • Exclusion and Embrace. A Theological Exploration of Identity, Otherness, and Reconciliation Nashville: Abingdon, 1996
  • Work in the Spirit. Toward a Theology of Work New York: Oxford University Press, 1991

Kroatisch:

  • I Znam da sunce ne boji se tame. Teoloske meditacije o Santicevu vjerskom pjesnistvu ("The Sun Is Not Afraid of the Darkness." Theological Meditations on the Poetry of Aleksa Santic) Osijek: Izvori, 1986

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Miroslav Volf: Contextual Theologian Reflection. Patheos Blog
  2. Volf auf divinity.yale.edu
  3. Glaube und Gesellschaft
  4. Fritz Imhof: Neue Wege entdecken. Idea 3. Juni 2015, Seiten 14–15