Miskawaih

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Iran um das Jahr 1000 (Buwaihiden, Samaniden-Staaten und abhängige Gebiete, Sallariden und abhängige Gebiete, Ziyariden-Staaten)

Miskawaih (geboren um 932; gestorben 1030) war ein früher arabischer Philosoph, Geschichtsschreiber und Philhellene.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über sein Leben ist nur wenig bekannt. Seine Vorfahren stammen aus Persien. Er soll vom Zoroastrismus zum Islam übergetreten sein. Er war mit der persischen und arabischen Sprache vertraut, mit der persischen Kultur und der griechischen Philosophie, Medizin und Naturforschung, und er liebte die Poesie. Miskawaih hatte Gelegenheit, den persischen Arzt, Naturforscher und Philosophen Avicenna in Hamadan[1] zu treffen, war mit Abū Haiyān al-Tawhīdī befreundet und gehörte zu dem Kreis der Gelehrten um den Bujidenwesir Ibn al-'Amid in Bagdad, er war Bibliothekar von dessen Bibliothek in Rey.[2] Er schrieb über eine Vielzahl von Themen, darunter Geschichte, Theologie, Philosophie und Medizin. Sein herausragender Beitrag liegt im Bereich der Ethik und Geschichtsschreibung.

Sein Werk über die Läuterung des Charakters, Tahdhīb al-achlāq,[3] zählt zu den Klassikern der islamischen Ethik (achlāq).[4] Später hat Nasīr ad-Dīn at-Tūsī (1201–1274) in seinem Werk Aḫlāq an-Nāṣirī Stellen daraus übernommen.

Miskawaih ist Verfasser des großen universalhistorischen Werkes Tadschārib al-umam (Die Erfahrungen der Völker), worin sich der Autor auf offizielle Dokumente und Kontakte zu Zeitgenossen stützen konnte. Es ist eine umfassende Geschichte der Welt nach at-Tabarīs Universalgeschichte und gilt als ein bedeutsames Werk der islamischen Geschichtsschreibung.

Zu den Kulturvölkern zählte Miskawai neben den Arabern und Persern nur die Inder und Byzantiner. Der Westen, das Frankenland, findet bei ihm noch keine Erwähnung.[5]

Er schrieb auch über spirituelle Medizin (tibb-i-ruhani[6]).[7]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C. Edmund Bosworth: “MESKAVAYH, ABU ʿALI AḤMAD,” Encyclopædia Iranica, online edition
  • Carl Brockelmann: History of the Arabic Written Tradition. 2016 (Online-Teilansicht)
  • Mohammed Arkoun: Contribution à l'étude de l'humanisme arabe au IVe-Xe siècle : Miskawayh, philosophe et historien. J. Vrin, 1970.
  • Elvira Wakelnig: Philosophy Reader from the Circle of Miskawayh. Cambridge University Press 2014; ISBN 9780521193610
  • Abdurrahman Badawi: “Miskawaih”, in: M. M. Sharif (Hrsg.): History of Muslim Philosophy, Vol. 1, S. 469 ff.
  • Majid Fakhry: A History of Islamic Philosophy (Third Edition). Columbia University Press, New York 2004, Kap. 6, S. 191 ff.
  • C. A. Qadir, Philosophy and Science in the Islamic World (Croom Helm, 1988, Nachdruck Routledge, 1990)
  • Muhammad Abdul-Haq Ansari: The Ethical Philosophy of Miskawaih. 1964 Digitalisat
  • Hamid Reza Yousefi: Einführung in die islamische Philosophie: Die Geschichte des Denkens von den Anfängen bis zur Gegenwart. 2016
  • Hamid Reza Yousefi: Die Bühnen des Denkens: Neue Horizonte des Philosophierens. 2013 (Online-Teilansicht)
  • Marcotte, Roxanne D.: "Ibn Miskawayh's Tartib al-Sa'ādāt (The Order of Happiness)", in: Langermann, Y. Tzvi (ed.): Monotheism and Ehitcs. Historical Monotheism and Ethics: Historical and Contemporary Intersections Among Judaism, Christianity and Islam. Leiden: Brill 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gotthard Strohmaier: Avicenna. Beck, München 1999, ISBN 3-406-41946-1, S. 140.
  2. C. Edmund Bosworth (2002)
  3. vgl. The Cambridge History of Moral Philosophy (2017), herausgegeben von Sacha Golob, Jens Timmermann, S. 159 f. in der Google-Buchsuche
  4. Die Oxford Encyclopedia of Philosophy, Science, and Technology in Islam (2014), herausgegeben von Salim Ayduz, Ibrahim Kalin, Caner Dagli (S. 211 in der Google-Buchsuche), beispielsweise zählt folgende classics of Islamic ethics auf: “al-Māwardī's Adab al-dunyā waʾl-dīn, Ibn Ḥazm's al-Akhlāq wa al-sīr, Abū Naṣr al-Ṭabarsī's Makārim al-akhlāq, Ibn Miskawayh's Tahdhīb al-akhlāq, Naṣīr al-Dīn al-Ṭūsī's Akhlāq-i Naṣīrī, Jalāl al-Dīn Dawwani's Akhlāq-i Jalālī, Kinalizade Ali Efendi's Akhlāq-i ʿAlaʿi” sowie weitere Werke.
  5. Gotthard Strohmaier: Avicenna. 1999, S. 140.
  6. TIBB-ı RÛHÂNÎ@1@2Vorlage:Toter Link/www.diyanetislamansiklopedisi.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. C. A. Qadir, S. 200, Anm. 8.
  8. IRIB: „„Dschawidan Cherad“, welches die Gedanken von iranischen, indischen, arabischen und griechischen Weisen enthielt“.
  9. vgl. Khwaja Abdul Hamid: Ibn Maskawaih: a study of his Al-fauz al-asghar. 1946