Missionar

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Ein Missionar (aus dem Lateinischen für „Gesandter“) ist ein Angehöriger einer Religion, der, oft in einem fremden, Land seinen Glauben verbreiten will oder, im Auftrag einer Missionsgesellschaft, religiös motiviert soziale Arbeit leistet. Mit dem Begriff sind im europäisch geprägten Kulturkreis vor allem christliche Missionare gemeint, während die anderen missionierenden Religionen ihre eigenen Bezeichnungen für diese Personengruppe haben.

Voraussetzungen[Bearbeiten]

Um als Missionar in ein anderes Land zu gehen, bedarf es je nach Einsatzort und -bereich der Erfüllung gewisser Voraussetzungen:

  • Berufung
  • Bekehrung und Erfahrungen im Glaubens- und Gemeindeleben
  • Stabile Gesundheit und körperliche Fitness
  • Bereitschaft, in einer anderen Kultur zu leben und sich entsprechend anzupassen
  • Sprachkenntnisse oder die Bereitschaft, sie zu erwerben
  • Fachkenntnisse
  • Bereitschaft zur geduldigen Wiedereingliederung in das Heimatland nach längerem Auslandsaufenthalt

Ausbildung[Bearbeiten]

Je nach Arbeitsauftrag durch die sendende Organisation haben Missionare unterschiedliche Ausbildungen. Der biblisch-theologische Teil ist im Regelfall ein beträchtlicher Teil davon. Außerdem haben wohl alle Missionare interkulturelle Zusatzqualifikationen, um ihr Einleben im Einsatzland einfacher zu gestalten.[1]

Christentum[Bearbeiten]

Hauptartikel: Mission (Christentum)

Im Christentum haben Missionare und Missionarinnen eine wichtige Bedeutung. Der erste Missionar, der in der Bibel erwähnt wird, ist Jona (Siehe Bibelbuch Jona). Jona erhält den Auftrag von Gott (JHWH) den Menschen in Ninive zu predigen. Auch die ersten Apostel waren Missionare und verkündigten das Evangelium von Jesus Christus. Das Christentum ist bis heute eine missionierende Religion. Biblische Grundlage ist der sogenannte Missionsbefehl Jesu Christi nach dem Evangelium des Matthäus (vgl. Mt 28,19-20a EU).

Eine Grundlage für eine Tätigkeit als Missionar besteht in einem religiösen Sendungsbewusstsein, das Missionare dazu motiviert, ihren Glauben auch anderen Personen und Völkern nahezubringen (Evangelisation). Eine andere Grundlage kann die Nächstenliebe und das Fehlen bestimmter Infrastruktur in finanziell armen Ländern sein. So senden manche Missionsgesellschaften beispielsweise Ärzte (Missionsärzte), Krankenpflegepersonal, Handwerker, Lehrer und Hochschullehrer (Agrarwirtschaft, Medizin, Theologie u. a. m.) aus. Oft arbeiten Partnerkirchen oder andere Partnerorganisationen aus finanziell reicheren und ärmeren Ländern zusammen. Die Missionswerke, die im Dachverband evangelischer Missionswerke „Evangelisches Missionswerk in Deutschland e. V.“ Mitglied sind, entsenden Personal nur auf ausdrückliche Anforderung ihrer Partnerkirchen in Übersee.

Christliche Missionare spielten seit der Kolonialgeschichte eine bedeutende Rolle als Lieferanten ethnographischer Aufzeichnungen, die für die wissenschaftliche Völkerkunde bis heute von großem Wert sind. Allerdings führten sie auch zu diversen Missverständnissen der religiösen Vorstellungen dieser Völker, da die Missionare ihre Beobachtungen zwangsläufig aus einer christlichen Perspektive interpretierten: Dabei wurde etwa mit numinosen Kräften der nordamerikanischen Indianer wie Manitu oder Wakan der christliche Gott identifiziert oder die Bedeutung verschiedener Details wurde überschätzt, so etwa des in vielen indianischen Mythen gefundenen Dualismus von „Gut und Böse“[2] oder des Traumes als Quelle transzendenter Erkenntnis.[3]

Wahrnehmung der christlichen Missionare[Bearbeiten]

Der Globetrotter und Schriftsteller Colin Ross schreibt 1928 in seinem Buch Mit Kind und Kegel in die Arktis:
„Mag man über den Wert der Mission verschiedener Ansicht sein, über den Wert der Missionare jedoch kaum. Ich wenigstens habe sie in allen Breiten als hervorragende,ungewöhnlich weitblickende Menschen kennengelernt, die nicht nur im allgemeinen mehr von den Sitten und Gebräuchen wie von der Psyche der Eingeborenen wissen als irgendein anderer Weißer, sondern die gewöhnlich auch ein erstaunlich weitherziges Verstehen für die ursprünglichen religiösen Vorstellungen der Menschen haben, die sie zum Christentum bekehren.“

Der Ethnologe Christian Feest berichtet in seinem 1998 veröffentlichten Buch Beseelte Welten – Die Religionen der Indianer Nordamerikas davon, dass bis zum Anfang der 1970er Jahre Missionare „entweder (von den Kirchen als) heroische Vorboten (und oft genug Märtyrer) des wahren Glaubens“ gepriesen, oder von Menschenrechtlern „als des Ethnozids verdächtige Agenten des kapitalistischen Weltsystems“ verdammt wurden. „Realistischer erkennt man heute in ihnen Akteure in dem personenreichen und bis heute nicht abgeschlossenen Drama der Begegnung zwischen Alter und Neuer Welt, deren Handlungen aus ihrem spezifischen kulturellen Hintergrund erklärbar sind. So wenig wie „die Indianer“ waren „die Missionare“ eine homogene Gruppe – jenseits persönlicher Faktoren unterschiedlich geprägt durch Konfession, Ordenszugehörigkeit und Nationalität. Entsprechend differenziert ist das Ergebnis ihrer Bemühungen zu sehen.“[3]

Die Deutsche Catherina Rust, die unter Indianern am Amazonas aufwuchs und die Kontakte zu Missionaren sowohl aus der Sicht der Einheimischen als auch der Europäer erleben konnte, äußert sich an verschiedenen Stellen ihres Buch Das Mädchen vom Amazonas: Meine Kindheit bei den Aparai-Wajana-Indianern kritisch zu den Missionaren. Sie schreibt unter anderem: „Im Namen der Zivilisation setzen sich Kirchen und Sekten über die [in Brasilien] offiziell verbotene Zwangsmissionierung und über Quarantänezeiten hinweg. Wer Menschen um jeden Preis bekehren will, selbst solche, die keinen Kontakt wünschen, findet heute Mittel und Wege, dies dennoch zu tun. […] Die Missionare kommen in guter Absicht, beseelt von dem Gedanken, das `Wort Gottes´ auch noch unter die letzten `Heiden´ auf unserer Erde zu bringen“[4] (siehe auch: Ethnozid).

Missionare[Bearbeiten]

Hier nur eine Auswahl – mehr in der Kategorie Missionar.

Missionare des Frühmittelalters bei den Germanen und Kelten[Bearbeiten]

  • Patrick, Missionar der Iren im 5. Jh.
  • Severin von Noricum (~410-482), Missionar im heutigen Österreich
  • Goar (~495-575), Missionar am Mittelrhein
  • Columban von Luxeuil (540-615), Missionar im Frankenreich und in der heutigen Schweiz
  • Æthelberht (552/560-616/618), erster christlicher König des angelsächsischen Königreiches Kent
  • Arbogast († 618), Bischof von Straßburg
  • Mellitus († 624), Bischof von London
  • Justus von Canterbury († zwischen 627 und 631), Bischof von Rochester
  • Schwarzer Ewald und Weißer Ewald, angelsächsische Missionare in Westfalen am Ende des 7. Jh.
  • Suitbert (637-713), angelsächsischer Missionar zwischen Ruhr und Lippe
  • Willibrord (~658-739), „Apostel der Friesen“
  • Winfried Bonifatius (672/673-754), „Apostel der Deutschen“
  • Virgil (~700-784), Bischof von Salzburg
  • Willehad (~740-789), Missionar bei den Friesen und Sachsen
  • Liudger (~742-809), Bischof von Münster
  • Ansgar (801-865), Erzbischof von Hamburg-Bremen

Katholische Missionare[Bearbeiten]

Evangelische Missionare[Bearbeiten]

Zeugen Jehovas[Bearbeiten]

Organisationen, Institutionen, Missionsgesellschaften[Bearbeiten]

Hauptartikel: Missionsgesellschaft

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus W. Müller: Von der Notwendigkeit einer missionarischen Ausbildung zum Einsatz in der Mission. In: Thomas Schirrmacher, Christof Sauer (Hrsg.): Mission verändert – Mission verändert sich. Festschrift für Klaus Fiedler. = Mission Transforms – Mission is Transformed (= Edition Afem. Mission academics 16). VTR, Nürnberg 2005, ISBN 3-933372-77-1, S. 468–477.
  2. Åke Hultkrantz: Amerikanische Religionen, erschienen in: Horst Balz et al. (Hrsg.): Theologische Realenzyklopädie, Band 2: „Agende - Anselm von Canterbury“. Walter de Gruyter, Berlin, New York 1978, ISBN 978-3-11-019098-4. S. 402.
  3. a b Christian F. Feest: Beseelte Welten – Die Religionen der Indianer Nordamerikas. In: Kleine Bibliothek der Religionen, Bd. 9, Herder, Freiburg / Basel / Wien 1998, ISBN 3-451-23849-7. S. 111, 185–186.
  4. Catherina Rust: Das Mädchen vom Amazonas: Meine Kindheit bei den Aparai-Wajana-Indianern. Albrecht Knaus Verlag, München 2011. E-Book-Version S. 217.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Missionare – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Missionar – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Siehe auch[Bearbeiten]