Misteltherapie

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Die Misteltherapie gehört zu den am häufigsten angewandten Verfahren in der komplementärmedizinischen Krebsbehandlung[1] im deutschsprachigen Raum[2] und wurde von dem Begründer der Anthroposophie Rudolf Steiner und der Ärztin Ita Wegman initiiert. Die aus der Weißbeerigen Mistel hergestellten Präparate werden zumeist innerhalb der anthroposophischen Medizin zur Zusatzbehandlung bei malignen Erkrankungen und im Rahmen der Palliativmedizin zur Verbesserung der Lebensqualität eingesetzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abbildung der Mistel (Viscum album) im Kreütterbuch des deutschen Arztes Hieronymus Bock.

Die Mistel ist eine traditionelle Heilpflanze, die bereits in der Vergangenheit in der Krebstherapie eingesetzt wurde.[3] Schon der griechische Arzt Hippokrates von Kos hat die Mistel als Heilpflanze genutzt.[4][5] Auch für die Germanen und Kelten galt die Mistel als heilig. Die keltischen Priester, die Druiden, brauten daraus Tränke, die gegen unterschiedliche Krankheiten helfen, aber auch Mut und Kraft verleihen sollten.[6] Der Einsatz der Mistel in der Onkologie wird erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt. 1543 erwähnt Leonhart Fuchs im New Kreutterbuch die Anwendung der Mistel bei Geschwülsten in Form eines äußerlich anzuwendenden Breies aus Blättern und Beeren.[7] Auch der deutsche Arzt Hieronymus Bock beschreibt die Mistel in seinem Kreütterbuch als wirksam gegen Geschwülste.[8]

Ab 1904 erwähnt Rudolf Steiner die Mistel in seinen Vorträgen. 1908 schreibt Steiner die Mistel erstmals als Pflanze für die Krebsbehandlung nieder. 1916 weist er auf "die komplementäre Natur von Mistel und Karzinom hin".[9] Ita Wegman nimmt diesen Hinweis auf und erarbeitet zusammen mit dem Zürcher Apotheker Adolf Hauser das erste injizierbare Präparat aus Apfelbaummisteln, das ab 1917 zur Behandlung angewendet wird. 1918 wird das Präparat von Adolf Hauser unter dem Namen Iscar registriert. 1920 stellt Rudolf Steiner die von Ita Wegman erprobte Misteltherapie erstmals bei einem Fachkurs für Mediziner und Pharmazeuten in Dornach bei Basel vor.[10][11][12][13][14]

Laut Steiners seien chirurgische Eingriffe bei Geschwulstbildungen durch eine Potenzierung der Mistel ersetzbar. Die Mistelfrucht müsse mit anderen „Mistelkräften“ mit einer sehr komplizierten Maschine zum Heilmittel gemacht werden. 1920 beschreibt Steiner, wie Gemische aus Sommer- und Wintersaft der Mistel nach anthroposophischer Intention herzustellen seien: Der Extrakt soll im Winter, möglichst zu Weihnachten, und im Hochsommer Ende Juni hergestellt werden. Dann soll der Sommersaft in den in einem rotierenden Gefäß befindlichen Wintersaft herunterfließen. Mit zunehmender Umdrehungsgeschwindigkeit des Rotationsgefäßes nehme die Wirksamkeit des Mittels zu. Damit die Wirkkräfte nach dem Zentrifugieren nicht verloren gingen, habe Steiner empfohlen, die Mischung möglichst in einer Tierblase aufzubewahren.[15] Gemäß der Postulate Steiners ist die Wirkebene der Mistelpräparate auch spirituell verortet: im Äther- und Astralleib, deren harmonisches Zusammenspiel durch den Einfluss ahrimanischer Wesen gestört werden könne.[16]

1923 erscheint die Monografie der Mistel, ein Gesamtwerk zur Mistel, von Botaniker Karl von Tubeuf. 1927 berichtet Ita Wegman von der ersten Arlesheimer Maschine für die Mischung von Sommer- und Wintermistelextrakten. Ita Wegman, Werner Kaelin, Rudolf Hauschka und Lina Kaelin gründen 1935 den Verein für Krebsforschung (VfK). Der Verein führt die Arbeit Ita Wegmans nach ihrem Tod fort. Zur weiteren Erforschung soll das Institut Hiscia gegründet werden, maßgeblich an der Gründung beteiligt ist der Arzt Alexander Leroi. 1949 wird das „Haus der Mistel“ des Mistelforschungs-Instituts Hiscia eröffnet.

1963 gründete der Verein für Krebsforschung in der Nähe des Hauses Hiscia die Lukas-Klinik, die erste anthroposophische Spezialklinik für Tumorpatienten.

Die Herstellung der Iscador-Präparate erfolgt zunächst in den Räumen der Internationalen Laboratorien AG (ILAG), später Weleda, und wurde in den 1970ern vollständig in das Institute Hisica verlegt. Weleda bleibt bis 2013 Marketing- und Vertriebspartner für Iscador.

Iscador bleibt bis Mitte des 20. Jahrhunderts das einzige Präparat. Ab 1965 gibt es das Präparat Isucin von Arzt Karl Köller, was später zu Wala gehört. Ab 1971 ist das Präparat AbnobaVISCUM der Firma Abnoba erhältlich. Die Firma Helixor mit dem gleichnamigen Präparat gibt es ab 1971. 1986 wird Isorel in Österreich zugelassen.

2013 kündigt Weleda den Kooperationsvertrag mit dem Verein für Krebsforschung, dieser übernimmt anschließend die Verantwortung für Iscador und gründet die Iscador AG, die am 13. Dezember 2013 ins Handelsregister eingetragen wird.[17]

Herstellung der Präparate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Weißbeerige Mistel (Viscum album)

Durch die Auswahl des Wirtsbaumes, auf dem die Weißbeerige Mistel (Viscum album) gewachsen ist, könne die Wirkung auf einen Kranken stärker auf dessen individuelle Konstitution und sein erkranktes Organsystem fokussiert werden. In der Botanik werden nach ihren Wirtsbäumen drei Mistelunterarten unterschieden: Laubholz-, Tannen- und Kiefernmisteln[18][19]

Ergänzend zu den Präparaten der anthroposophischen Therapierichtung, bei denen der Gesamtextrakt als der Wirkstoff angesehen wird, entstanden phytotherapeutische Präparate der lektinorientierten Mistelanwendung, die sich auf einzelne Inhaltsstoffe, insbesondere das Mistellektin beziehen. Diese Variante der Misteltherapie, bei der man sich zwecks Normierung – entgegen der ursprünglichen anthroposophischen Intention – auf das Lektin als wesentliche Wirksubstanz bezieht, wurde aufgrund verabschiedeter arzneirechtlicher Sonderregelungen für die „Besonderen Therapierichtungen“ marktfähig. Die Namen einiger Mistelpräparate weisen auf die Bedeutung hin, die in jüngerer Zeit dem darin enthaltenen Lektin eingeräumt wird, z. B. Lektinol oder Cefalektin. Von diesen ist nur noch das Präparat Lektinol verfügbar.[16]

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Onkologische Behandlung bedeutet heute im engeren Sinne die drei Säulen von Chirurgie, Chemotherapie und Strahlentherapie, im weiteren Sinne lindernde und unterstützende Maßnahmen, dazu psychologische und Selbsthilfe. Die Misteltherapie kann den etablierten Verfahren in allen Phasen einer Krebserkrankung hinzugefügt werden, wenn der Behandler eine Indikation sieht.[20] Das amerikanische Nationale Krebsinstitut empfiehlt jedoch die Anwendung der Misteltherapie nur im Rahmen von methodisch hochwertigen Studien. Von einer Anwendung außerhalb von Studien wird aufgrund des fehlenden Wirksamkeitsnachweises abgeraten.[21]

Mistelpräparate können in Deutschland zur kurativen, adjuvanten Krebstherapie seit 2011 nicht mehr zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden. Die Erstattungsfähigkeit in der palliativen Therapie von malignen Tumoren zur Verbesserung der Lebensqualität bleibt jedoch bestehen.[22][23][24]

In der Regel wird der Extrakt der Mistel vom Patienten unter die Haut (subkutan) oder – im klinischen Rahmen durch Ärzte – direkt in Tumorgewebe gespritzt. Möglich sind außerdem die perorale, die intravenöse Gabe oder die Injektion in bestimmte Körperhöhlen: In Rippenfellspalt und Herzbeutelspalt kann bei krebsbedingten Flüssigkeitsansammlungen eine sterile Entzündung mit anschließender Verklebung, die so genannte Pleurodese beziehungsweise Perikardiodese, angeregt werden.

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klinische Studien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die unabhängige Cochrane Collaboration kam 2008 bei der Auswertung von Studien zu dem Ergebnis, dass die Misteltherapie keinen Überlebensvorteil bei verschiedenen Krebsarten zeigt. Zwei Studien zeigten Hinweise darauf, dass Mistelextrakte die Lebensqualität bei Brustkrebs positiv beeinflussen können – jedoch fehlt hierfür eine Bestätigung durch andere Studien.[25] Eine Metaanalyse, die von dem Hersteller des Mistelpräparates finanziert wurde, zeigte 2008 bei Einschluss aller prospektiven matched-pair-Studien bei Patientinnen mit Brustkrebs, die parallel eine medizinisch-onkologische Behandlung erhielten, bei Einnahme eines Mistelpräparates keinen signifikanten Überlebensvorteil, wenn die randomisierten Studien betrachtet wurden.[26]

2014 veröffentlichten Wilfried Tröger und Kollegen eine randomisierte kontrollierte Studie, welche die Lebensqualität von Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom unter der Mitwirkung der Misteltherapie untersuchte. Die Patienten der Mistelextraktgruppe bekamen hierfür zusätzlich zur Symptomkontrolle von Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Dyspepsie – „best supportive care“ genannt – durchgehend über die maximale Studiendauer von einem Jahr dreimal pro Woche subkutane Mistelextraktinjektionen. Die Autoren kamen zum Ergebnis, dass diese Misteltherapie die Lebensqualität von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Pankreaskarzinom im Vergleich zu Best Supportive Care allein signifikant verbesserte. Die Arbeit wurde indirekt vom herstellenden Pharma-Unternehmen gesponsert.[27] Die Arbeit wurde von mehreren Fachrezipienten kritisiert. Insbesondere die Studienmethodik wurde als mangelhaft bewertet.[28][29][30][31][32] Martin Pollmeier verwies anlässlich der Studienveröffentlichung unter anderem auf potentielle Risiken der Misteltherapie: Weil die Gefahr bestünde, dass durch die Anregung der Immunabwehr auch das Tumorwachstum angeregt wird und wegen möglicher unerwünschter Wirkungen bis hin zum lebensbedrohlichen Schock, würden sowohl die American Cancer Society als auch die Schweizer Gesellschaft für Onkologie Mistelinjektionen ablehnen.[33]

2019 wurde in einer umfangreichen Metaanalyse[34][35] der Forschungsgruppe von Jutta Hübner, Professorin für Integrative Onkologie, der Effekt auf das Überleben einer Misteltherapie zusätzlich zur konventionellen Krebstherapie ausgewertet. Dieser Effekt war bei den Teilnehmern fast immer marginal und konnte überdies in den Studien mit hoher Qualität nicht gezeigt werden.[36] Ein Einfluss auf die Lebensqualität fehlte in den methodisch höherwertigen Studien.[36] Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass sich weder Vorteile in Hinsicht auf das Überleben noch auf die Lebensqualität und therapiebedingten Nebenwirkungen bei Mistelpräparaten für Krebspatienten ergeben haben.

Wechselwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bewertung, ob die lektinbezogene Misteltherapie klinisch unbedenklich ist, rückte bei den Immunmodulatoren, die eine Schlüsselrolle bei der Wirkung spielen, in jüngster Zeit vermehrt die dokumentierte Ambivalenz von Zytokinwirkungen in den Mittelpunkt des Interesses: „Zellen des Immunsystems können nach ihrer Aktivierung nicht nur antitumorale Potenz entfalten, sondern über Zytokine und Wachstumsfaktoren auch Angiogenese und Tumorwachstum stimulieren.“ Die Grundlagenforschung der letzten Jahre habe gezeigt, dass die Zytokine, die durch Mistellektin I in vitro und in vivo vermehrt freigesetzt werden, die Proliferation von Zellen unterschiedlicher Tumoren, Leukämien und Lymphome stimulieren können. Die experimentellen Befunde zeigten für die lektinbezogene Mistelanwendung die realistische Möglichkeit der Gefährdung zumindest einzelner Patienten bei bestimmten Tumorarten beziehungsweise in bestimmten Tumorstadien auf.[37] Die Misteltherapie sollte daher nicht bei Krebsarten Anwendung finden, die vom Immunsystem ausgehen (z. B. Leukämien oder Lymphome) bzw. in Gegenwart von immunmodulierenden Medikamenten.[38]

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Angaben zu Nebenwirkungen unterscheiden sich von Mistelpräparat zu Mistelpräparat. Hintergrund sind die besonderen Zulassungsbedingungen für Mistelpräparate. Die meisten wurden im Rahmen der Bestimmungen für die „besonderen Therapierichtungen und traditionelle[n] Arzneimittel“ zugelassen, was bedeutet, dass die Zulassung als Arzneimittel nicht an die Durchführung moderner Studien geknüpft ist.[21]

Horneber et al. fanden im Rahmen ihrer systematischen Übersichtsarbeit aus dem Jahre 2001, dass im Zusammenhang mit der Anwendung von Mistelextrakten über unerwünschte Ereignisse berichtet wurde, die leicht und nicht lebensbedrohlich waren, im Allgemeinen wurde festgestellt, dass die Mistelextrakte gut verträglich sind und wenig Nebenwirkungen haben. Lokale Entzündungsreaktionen an der Injektionsstelle (wie Rötung, Schwellung, Schmerzen) zählten zu den häufigen Reaktionen, diese sind typisch für die Stimulierung der körpereigenen Abwehr und sollten, wenn im gewünschten Maße, nicht behandelt werden, da sie von alleine abklingen.[39] Gelegentliche Nebenwirkungen umfassten einen generalisierten Juckreiz, generalisierte Urtikaria und Rhinitis. Weitere seltene bis sehr seltene Nebenwirkungen betrafen das Herz-Kreislauf-System, den Magen-Darm-Trakt (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Dehydratation) und das Immunsystem (Fieber, Anstieg der weißen Blutkörperchen im Blut), sowie Atemnot und Bronchospasmen. Schwerwiegende Komplikationen waren selten.[40] Bisher wurde in seltenen Einzelfällen von einem anaphylaktischen Schock berichtet.[41]

Nicht angezeigt ist die Misteltherapie während der Schwangerschaft und in der Stillzeit.[20] Neben dem möglichen Einfluss auf das Tumorwachstum (siehe Abschnitt: Wechselwirkungen) sind im Zusammenhang mit Mistelanwendungen auch berichtete Erkrankungen mit möglicher Immunpathogenese zu berücksichtigen.[42] Bei Anwendung bei primären Hirntumoren oder Hirnmetastasen besteht die Möglichkeit, dass die Misteltherapie Ödeme verursacht.[38]

Bei Untersuchungen in Zellkulturen[43] konnten Inhaltsstoffe des Mistelextraktes (Lektine) ein Tumorwachstum sogar beschleunigen.[44]

Handlungsempfehlungen von Fachgesellschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im Juli 2021 veröffentlichte S3-Leitlinie Komplementärmedizin für onkologische Patientinnen und Patienten spricht sich weder gegen noch für eine Verordnung von Mistelgesamtextrakt (Viscum album L.) enthaltenden Präparaten hinsichtlich der Verlängerung von Lebenszeit aus, da die vorliegenden Daten nicht für eine abschließende Bewertung ausreichen. Wegen der Heterogenität der Daten gibt die Leitlinie an, dass die subkutane Gabe von Mistelgesamtextrakt (Viscum album L.) für den therapeutischen Einsatz zur Verbesserung der Lebensqualität bei Patienten mit soliden Tumoren erwogen werden kann (niedrigster Empfehlungsgrad). Herausgegeben wird die Leitlinie von dem Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG) und der Deutschen Krebshilfe (DKH)[45]  

Die Arbeitsgemeinschaft für gynäkologische Onkologie e. V. bewertet die "Mistellektine (Viscum album) zur Reduktion therapieassoziierter Nebenwirkungen" mit Oxford LeO 1a, Oxford GR, AGO +/-.[46][47]

Die Anwendung der Mistel an Patientinnen mit Brustkrebs kann laut der Gesellschaft für Integrative Onkologie SIO (Society for Integrative Oncology) zur Verbesserung der Lebensqualität in Erwägung gezogen werden. Die Mistel erhält hier auf der Scala A,B,C,D,H,I einen Grad C.[48]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirksamkeit der Misteltherapie in der Krebsbehandlung (Verlängerung der Überlebenszeit und Verbesserung der Lebensqualität) ist der Studienlage zufolge sehr fragwürdig.[49] In verschiedenen Übersichtsarbeiten zeigten methodisch einwandfreie Studien keine Vorteile der Misteltherapie gegenüber Placebo. Studien mit positiven Ergebnissen enthielten methodische Mängel. Eine therapeutische Wirksamkeit konnte nicht festgestellt werden.[50][40][20]

Die Anwendung der Misteltherapie in der Krebsbehandlung sollte als ergänzende Maßnahme zu schulmedizinischen Krebstherapien und mit Vorsicht erfolgen, da die Misteltherapie mit seltenen, erheblichen Nebenwirkungen verbunden sein kann.[20] Die Grundlagen der Anthroposophischen Medizin und damit der Misteltherapie wurden 2008 von zwei Professoren der Medizin und an anderer Stelle als pseudowissenschaftlich angesehen.[51][52][53]

Bislang sind für alle marktgängigen Mistelpräparate keine Nachweise für eine therapeutische Wirksamkeit erbracht worden. Die Evidenz des klinischen Nutzens werde als „schwach und nicht überzeugend“, die Qualität der Beobachtungsberichte bezüglich der Methodik als „enttäuschend mangelhaft“ bewertet. Die veröffentlichten Daten zur Misteltherapie und die mit Mistelextrakten gesammelte klinische Erfahrung „rechtfertigt nicht die unkontrollierte, allgemeine Anwendung und die in der Werbung erhobenen Ansprüche“. Mangels beweiskräftiger, klinischer Wirksamkeitsstudien sei der Einsatz der Mistel in der Krebstherapie „in der Betreuung von Tumorpatienten aus wissenschaftlicher, ethischer und sozioökonomischer Sicht derzeit nicht zu vertreten“.[54]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • G. S. Kienle und H. Kiene: Die Mistel in der Onkologie. Fakten und konzeptionelle Grundlagen. Schattauer, 2003, ISBN 3-7945-2282-6.
  • G. S. Kienle, H. Kiene, H. Albonico: Anthroposophische Medizin in der klinischen Forschung. Wirksamkeit, Nutzen, Wirtschaftlichkeit, Sicherheit. Schattauer, Stuttgart 2006, ISBN 3-7945-2471-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Mistletoe is a complementary cancer treatment that is widely used, usually in addition to and alongside recommended conventional cancer therapy.“ Maurice Orange et al.: Durable Regression of Primary Cutaneous B-Cell Lymphoma Following Fever-inducing Mistletoe Treatment: Two Case Reports. In: Global Advances in Health and Medicine. Volume 1, Number 1, March 2012, S. 18.
  2. Konsensus Statement unter der Ägide der ÖGAM: Komplementäre Krebstherapie in der Allgemeinmedizin: Stellenwert der Misteltherapie (PDF; 178 kB). In: Internationale Zeitschrift für ärztliche Fortbildung. Nr. 8/April 2005, ISSN 1726-0027
  3. Gustav Ehrhart / Heinrich Ruschig (Hrsg.): Arzneimittel. Entwicklung, Wirkung, Darstellung, 2 Bände, Verlag Chemie, Weinheim 1968. Seite 1767
  4. Sabine Glöser: Ausstellung: Auf den Spuren der Mistel. Abgerufen am 29. September 2021.
  5. Anna Bolten: Mythen um Misteln – Medizinprodukt der Vergangenheit. 30. April 2021, abgerufen am 29. September 2021.
  6. Simone Wichert und Veronika Baum: Misteln - Mehr als nur Weihnachtsdeko. Abgerufen am 29. September 2021.
  7. Matthias Rostock: Die Misteltherapie in der Behandlung von Patienten mit einer Krebserkrankung. 24. März 2020, abgerufen am 29. September 2021.
  8. Anna Bolten: Mythen um Misteln – Medizinprodukt der Vergangenheit. 30. April 2021, abgerufen am 29. September 2021.
  9. Hartmut Ramm: Mistel und Krebs 70 Jahre Forschungsinstitut Hiscia, Sonderdruck zur Geschichte der Krebstherapie mit der Mistel. Hrsg.: Verein für Krebsforschung. 2019, ISBN 978-3-03307405-7.
  10. Theodor Much: Viva Miraculix: Misteltherapie. In: “Der” veräppelte Patient?, Edition Va Bene, Wien, 2003. S. 117.
  11. Christine Murphy: Iscador: Mistletoe and Cancer Therapy. Lantern Books, New York, 2001. S. 52 f.
  12. Ita Wegman. Porträt auf kulturimpuls.org, Biographien Dokumentation der Forschungsstelle Kulturimpuls, Dornach; abgerufen am 27. Februar 2020.
  13. H. Ramm: Einfluß bodenchemischer Standortfaktoren auf Wachstum und pharmazeutische Qualität von Eichenmisteln (Viscum album auf Quercus robur und petraea). Landbauforschung Völkenrode - FAL Agricultural Research, Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Braunschweig, 2006. S. 1 f.
  14. Es war einmal vor 100 Jahren. Iscador AG, anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Misteltherapie; abgerufen am 27. Februar 2020.
  15. Barbara Burkhard: Anthroposophische Arzneimittel. Eine kritische Betrachtung. GOVI, Eschborn 2000, S. 116f.
  16. a b H. Rüdiger et al: Neues aus der Lectinologie. Deutsche Apothekerzeitung-online, 17/2000.
  17. Hartmut Ramm: Mistel und Krebs 70 Jahre Forschungsinstitut Hiscia, Sonderdruck zur Geschichte der Krebstherapie mit der Mistel. Hrsg.: Forschungsinstitut Hiscia. 2019, ISBN 978-3-03307405-7, S. 15.
  18. Barbara Burkhard: Anthroposophische Arzneimittel. Eine kritische Betrachtung. GOVI, Eschborn 2000, S. 112ff.
  19. Süddeutsche Zeitung: Experte: Misteln sind für Bäume kein Problem. Abgerufen am 17. November 2021.
  20. a b c d Edzard Ernst, M. Pittler, B. Wilder (Hrsg.): The Desktop Guide to Complementary and Alternative Medicine. 2. Auflage. Elsevier 2006, S. 442.
  21. a b Die Mistel in der Krebstherapie: Standard oder alternative Methode?, Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Heidelberg. 23. Oktober 2012. Abgerufen am 4. September 2014.
  22. http://web.archive.org/web/20140111132926/http://www.bkk-arzneimittelberatung.de/content/themen/druckversionen/phyto_druck.pdf. (PDF) Archiviert vom Original am 11. Januar 2014; abgerufen am 5. Juni 2015.
  23. Mistel in der GKV. In: www.gaed.de. Abgerufen am 5. Juni 2015.
  24. BSG, Urteil vom 11. 5. 2011 – B 6 KA 25/10 R. In: lexetius.com. Abgerufen am 8. Juni 2015.
  25. M. A. Horneber et al.: Mistletoe therapy in oncology. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews. Nr. 2, 16. April 2008, S. CD003297, doi:10.1002/14651858.CD003297.pub2, PMID 18425885.
  26. Renatus Ziegler, Ronald Grossarth-Maticek: Individual Patient Data Meta-analysis of Survival and Psychosomatic Self-regulation from Published Prospective Controlled Cohort Studies for Long-term Therapy of Breast Cancer Patients with a Mistletoe Preparation (Iscador). In: Evidence-based complementary and alternative medicine : eCAM. Band 7, Nummer 2, Juni 2010, S. 157–166, doi:10.1093/ecam/nen025, PMID 18955332, PMC 2862937 (freier Volltext).
  27. W. Tröger, D. Galun, M. Reif, A. Schumann, N. Stanković, M. Milićević: Quality of life of patients with advanced pancreatic cancer during treatment with mistletoe—a randomized controlled trial. In: Dtsch Arztebl Int. 111, 2014, S. 493–502. doi:10.3238/arztebl.2014.0493. PMID 25142075. Deutscher Volltext.
  28. Andreas Neubauer: Viele offene Fragen In: Dtsch Arztebl Int. 112(1-2), 2015, S. 8; doi:10.3238/arztebl.2015.0008a.
  29. Jutta Hübner: Einige Mängel In: Dtsch Arztebl Int. 112(1-2), 2015, S. 9–10; doi:10.3238/arztebl.2015.0009b.
  30. Bernhard Wörmann: Neues Medikament in der Therapie des inoperablen Pankreaskarzinoms? In: Dtsch Arztebl Int. 112(1-2), 2015, S. 10; doi:10.3238/arztebl.2015.0010a.
  31. M. Lelgemann et al.: Nicht haltbare Behauptungen In: Dtsch Arztebl Int. 112(1-2), 2015, S. 10–1; doi:10.3238/arztebl.2015.0010b.
  32. Frank P. Meyer: Mehr Fragen offen als beantwortet In: Dtsch Arztebl Int. 112(1-2), 2015, S. 11; doi:10.3238/arztebl.2015.0011a.
  33. Martin Pollmeier: Die Misteltherapie als homöopathische Magie In: Dtsch Arztebl Int. 112(1-2), 2015, S. 9; doi:10.3238/arztebl.2015.0009a.
  34. M. Freuding et al.: Mistletoe in oncological treatment: a systematic review : Part 1: survival and safety. In: Journal of Cancer Research and Clinical Oncology. Band 145, Nr. 3, März 2019, S. 695–707, doi:10.1007/s00432-018-02837-4, PMID 30673873.
  35. M. Freuding et al.: Mistletoe in oncological treatment: a systematic review : Part 2: quality of life and toxicity of cancer treatment. In: Journal of Cancer Research and Clinical Oncology. Band 145, Nr. 4, April 2019, S. 927–939, doi:10.1007/s00432-018-02838-3, PMID 30673872.
  36. a b Annette Mende: Misteltherapie bei Krebs: Kein Effekt auf Heilung oder Lebensqualität. Pharmazeutische Zeitung, 29. März 2019, abgerufen am 4. Dezember 2019.
  37. Barbara Burkhard: Anthroposophische Arzneimittel. Eine kritische Betrachtung. GOVI, Eschborn 2000, S. 134.
  38. a b Die Misteltherapie - Wirksamkeit. Abgerufen am 2. April 2018.
  39. Die Misteltherapie - Wirksamkeit | DKG. Abgerufen am 17. November 2021.
  40. a b M. A. Horneber et al.: Mistletoe therapy in oncology. In: Cochrane Database Syst Rev. (2), 16. Apr. 2008, S. CD003297. Review. PMID 18425885
  41. C. Bauer et al.: Anaphylaxis to viscotoxins of mistletoe (Viscum album) extracts. In: Ann Allergy Asthma Immunol (94) 2005, S. 86–89. PMID 15702822
  42. Barbara Burkhard: Anthroposophische Arzneimittel. Eine kritische Betrachtung. GOVI, Eschborn 2000, S. 133f.
  43. H. J. Gabius et al.: Evidence for stimulation of tumor proliferation in cell lines and histotypic cultures by clinically relevant low doses of the galactoside-binding mistletoe lectin, a component of proprietary extracts. In: Cancer Investigation. Band 19, Nr. 2, 2001, S. 114–126, doi:10.1081/cnv-100000146, PMID 11296616.
  44. Martin Bauer: Zwischen Patientenschutz und Patientenautonomie: Das ethische Dilemma der Alternativmedizin. In: Dominik Gross (Hrsg.): Ethik in der Medizin in Lehre, Klinik und Forschung. Königshausen & Neumann, 2002, ISBN 978-3-8260-2271-5, S. 256.
  45. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF), Kurzversion 1.0, 2021; AWMF Registernummer: 032/055 OL (Hrsg.): S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen. Juli 2021, S. 114.
  46. Diagnostik und Therapie früher und fortgeschrittener Mammakarzinome, Komplementäre Therapie. Arbeitsgemeinschaft für gynäkologische Onkologie e. V., 2. März 2021, abgerufen am 20. Oktober 2021.
  47. Kommission Mamma | Leitlinien & Empfehlungen | Leitlinien & Stellungnahmen | AGO - Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie. Abgerufen am 20. Oktober 2021.
  48. Heather Greenlee, Melissa J. DuPont-Reyes, Lynda G. Balneaves, Linda E. Carlson, Misha R. Cohen: Clinical practice guidelines on the evidence-based use of integrative therapies during and after breast cancer treatment. In: CA: A Cancer Journal for Clinicians. Band 67, Nr. 3, 2017, ISSN 1542-4863, S. 194–232, doi:10.3322/caac.21397 (wiley.com [abgerufen am 20. Oktober 2021]).
  49. Lutz Edler: Mistel in der Krebstherapie: Fragwürdige Ergebnisse neuerer klinischer Studien. In: Dtsch Arztebl. 101(1-2), 2004, S. A-44 / B-39 / C-39.
  50. E. Ernst, K. Schmidt, M. K. Steuer-Vogt: Mistletoe for cancer? A systematic review of randomised clinical trials. In: Int J Cancer. 107, 2003, S. 262–267. PMID 12949804
  51. Klaus-Dietrich Bock und Manfred Anlauf: Am Ende des Weges: Magie als Kassenleistung? (Memento vom 15. April 2008 im Internet Archive)
  52. Helfen Misteln gegen Krebs? 14. Juni 2017, abgerufen am 4. Juli 2019.
  53. Dirk Böttcher: Hoffnung in geringer Konzentration - brand eins online. brand eins, abgerufen am 4. Juli 2019.
  54. Barbara Burkhard: Anthroposophische Arzneimittel. Eine kritische Betrachtung. GOVI, Eschborn 2000, S. 133–135.