Mister Spex
| Mister Spex SE
| |
|---|---|
| Rechtsform | SE |
| ISIN | DE000A3CSAE2 |
| Gründung | 2007 |
| Sitz | Berlin, Deutschland |
| Leitung | Tobias Krauss (Vorstand)[1] |
| Mitarbeiterzahl | 987 (2025)[2] |
| Umsatz | 217 Mio. EUR (2024)[3] |
| Branche | Onlinehandel, Optiker |
| Website | misterspex.de |
Die Mister Spex SE ist ein deutscher Online-Optiker, der 2016 als der größte Deutschlands und Europas galt.[4][5] Aufgrund seines Omnichannel-Vertriebskonzepts zählt das Unternehmen zu den Pionieren in der Branche des Onlinemarketings für optische Produkte.[6]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gründung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Unternehmen wurde im Dezember 2007 von Dirk Graber, Björn Sykora, Philipp Frenkel und Thilo Hardt mit dem Ziel gegründet, den bis dahin wenig in Deutschland präsenten Brillen-Onlinehandel mit einem einfachen Online-Einkaufsmodell für Brillen voranzubringen.[7] Unterstützt wurde das Unternehmen in den ersten Jahren von Investmentgesellschaften wie DN Capital aus England, Xange aus Frankreich, Grazia Equity, High-Tech Gründerfonds, Team Europe Ventures und Astutia Ventures, die nach eigenen Angaben 2010 insgesamt mehr als sieben Millionen Euro Kapital zur Verfügung stellten.[8]
Einführung des Omnichannel-Konzepts
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit 2011 bietet Mister Spex die Möglichkeit, im Rahmen seines Omnichannel-Konzepts Sehtests und Brillenanpassungen bei lokalen Partnerunternehmen durchführen zu lassen, die im Gegenzug am Gewinn beteiligt sind.[9]
In den Jahren 2013 und 2015 erweiterte das Unternehmen sein Tätigkeitsfeld und übernahm die Online-Eyewear-Shops Lensstore und Loveyewear in Schweden und den norwegischen Kontaktlinsenhersteller Lensit.[10]
Neue Geschäftsführung und Restrukturierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nachdem Mirko Caspar 2023 das Unternehmen verlassen hatte,[11] bat auch Dirk Graber im Juli 2024 um seine Ablösung;[12] damit ist der letzte der Gründer ausgeschieden. Seit dem 1. April 2025 ist Tobias Krauss neuer CEO des Unternehmens.[13]
Nachdem die Prognose zu Umsatz und Ertrag korrigiert werden musste, wurde im Jahr 2024 ein Restrukturierungsprogramm mit der Bezeichnung „SpexFocus“ eingeleitet mit dem Ziel, die Rentabilität deutlich zu steigern.[14] Parallel dazu soll die Marke strategisch neu ausgerichtet werden und es wurden etwa neue Werbevideos gedreht, die gezielt die Zielgruppe der 40- bis 60-Jährigen ansprechen sollen.[15] Als weitere Maßnahme wurden alle acht internationalen Standorte geschlossen. Zunächst betraf das im Herbst 2024 den Standort in der Schweiz, anschließend folgten bis Jahresende die Filialen in Österreich und Schweden. In diesem Zuge entließ Mister Spex rund 150 Mitarbeiter.[3][1][13] Teil von „SpexFocus“ war zudem auch eine deutliche Reduzierung des Warenbestands sowie von Rabattaktionen.[13] Auch Marketing- und Werbemaßnahmen fuhr das Unternehmen zurück.[3]
Im Mai 2025 startete Mister Spex ein Abo-Modell, bei dem Kunden Brillen mieten können.[13]
Unternehmen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Geschäftsmodell
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mister Spex erwirtschaftete im Jahr 2024 216,8 Millionen Euro Umsatz, davon 89,9 Millionen Euro im Bereich Korrektionsbrillen, 64,9 für Sonnenbrillen, 57,9 für Kontaktlinsen, weitere 4 Millionen Euro für sonstige Produkte. Das Unternehmen beschäftigt (Stand 2025) 987 Mitarbeiter und hat eigenen Angaben zufolge acht Millionen Kunden.[2][3]
Das Unternehmen sieht sich nicht nur als Online-Händler, sondern verfolgt einen Omnichannel-Ansatz. So soll die Bequemlichkeit des Online-Kaufs mit Dienstleistungen in den Filialen verbunden werden, die nur vor Ort durchführbar sind, wie beispielsweise persönliche Beratungen, Sehtests oder Brillenanpassungen.[3][16] Neben dem Angebot in den eigenen Geschäften arbeitet Mister Spex dafür mit rund 300 Partneroptikern zusammen.[3]

Standorte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Berlin eröffnete 2016 der erste stationäre Laden als firmeneigenes Geschäft.[17] 2021 war Mister Spex Europas führender Omnichannel-Optiker mit über 45 eigenen Läden in ganz Deutschland.[18] Mister Spex übernahm im Juli 2013 zudem das schwedische Online-Brillen-Unternehmen Lensstore, das mittlerweile in Norwegen, Finnland und Schweden unter der Marke Mister Spex operiert, sowie im Januar 2015 den norwegischen Kontaktlinsenhändler Lensit.[19] Nach der Schließung seiner internationalen Filialen im Zuge des Restrukturierungsprogramms 2024 betreibt Mister Spex (Stand 2025) 65 Filialen und ist nebenDeutschland auch mit Online-Shops in Österreich, der Schweiz und Schweden aktiv.[1]
Mister Spex betreibt Vertriebszentren in Berlin und Karmsund.[3] Seit 2016 ist Mister Spex zudem Ausbildungsbetrieb für die Augenoptik und hat fünf Lehrwerkstätten in Berlin, Köln, Reutlingen, Münster und Mannheim.[20]
Börsennotierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2020 änderte Mister Spex seine Rechtsform von GmbH zu AG und bereitete sich damit auf einen möglichen Börsengang im Jahr 2021 vor.[21][22] Der Zeitpunkt wurde Mitte 2021 auf spätestens September des Jahres konkretisiert[23] und dann auf den 2. Juli festgelegt.[24] Mister Spex hat mit seinem Debüt im geregelten Marktsegment Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse 375 Millionen Euro eingenommen.[25] Dabei wurden 15 Millionen Aktien zu je 25 Euro zugeteilt und die Mitte der von 23 bis 27 Euro reichenden Preisspanne als Ausgabepreis taxiert.[26] In den Jahren nach dem Börsengang schrieb das Unternehmen rote Zahlen[27] und der Handelspreis der Aktien fiel stark ab, bis auf Werte von nur noch 1,11 Euro im Jahr 2025.[28]
Anteilseigner
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Unternehmen ist Mitglied des Deutsche Börse Venture Network, das Unternehmen mit potenziellen Investoren verknüpfen möchte.[29][30]
2016 gehörten, nach eigenen Angaben, Scottish Equity Partners, Goldman Sachs,[31] Grazia Equity, XAnge, DN Capital und der High-Tech Gründerfonds zu den Investoren.[10] 2021 gehörten zu den Anteilseignern Investoren wie Goldman Sachs, DN Capital, der Intershop-Gründer Stephan Schambach und StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani. Global Growth Capital, eine Tochter der Internet-Holding Rocket Internet, stellte zudem ein Darlehen bereit. Stand 2025 sind die größten Anteilseigner Freefloat, Essilor Luxottica und Abacon.[32]
Produkte und Dienstleistungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mister Spex bietet Korrektionsbrillen, Sonnenbrillen, Kontaktlinsen und dazu passende Pflegemittel über seine eigenen Websites an. Im Sortiment des Unternehmens finden sich neun Eigenmarken und rund 100 Fremdmarken. Zu den Eigenmarken gehört beispielsweise die Sportbrillen-Reihe Moove, die drei Korrektions- und vier Sonnenbrillen-Modelle umfasst.[33] 2024 wurde die höherpreisige Eigenmarke Spexpro eingeführt, um mit maßangefertigten Brillengläsern den Umsatz zu steigern.[34] Zu den Fremdmarken gehören etwa Dior, Tom Ford, Illesteva und Hoya.[35][36]
Seit Mai 2025 bietet Mister Spex auch ein Abo-Modell für Brillen an. Kunden können zwei oder drei Brillen auswählen und zahlen für diese inklusive einer Versicherung eine monatliche Gebühr. Nach zwölf Monaten kann eine Brille gegen ein anderes Modell getauscht werden.[13] Zu den Dienstleistungen von Mister Spex gehört außerdem ein Augengesundheits-Check, den das Unternehmen an allen Standorten anbietet.[37]
Preise und Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Unternehmen erhielt für seine erste Offline-Filiale in Berlin 2016 einen Red dot award. 2017 folgten ein iF Design Award und der POPAI D-A-CH Award.[38] Ebenfalls 2017 wurde Mister Spex vom Deutschen Institut für Service-Qualität als bester Onlineshop in der Kategorie Optics ausgezeichnet.[39] Des Weiteren erhielt das Unternehmen, laut der Studie „Reifegrad-Analyse Onlineshops 2014“ des EHI Retail Institute, in der Kategorie „Schmuck, Uhren & Brillen“ die beste Bewertung und wurde mit der höchsten Reifegradbezeichnung „Shopping-Highlight“ ausgezeichnet.[40] Die Stiftung Warentest bewertete 2014 Mister Spex insgesamt mit befriedigend, wobei die Qualität der Brillen mit gut und die fachliche Beratung mit ausreichend benotet wurde.[41][42] Im Jahr 2022 gewann das Unternehmen zudem drei German Brands Awards.[43]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- misterspex.de
- Brand eins 2/2020: Ein bisschen kurzsichtig
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c Stephan Knieps: Warum manche Onlinehändler auch stationär erfolgreich sind - und andere nicht. In: Wirtschaftswoche. 21. September 2025.
- ↑ a b FY 2024 Results Presentation ( vom 25. Juli 2025 im Internet Archive) (PDF), auf ir.misterspex.com
- ↑ a b c d e f g Mister Spex. Zusammengefasster Lagebericht der Gesellschaft und des Konzerns für das Jahr 2024. veröffentlicht in Northdata am 31. Dezember 2024. Abgerufen am 16. Oktober 2025.
- ↑ Julia Kilian: Online-Händler kämpfen sich in Optikmarkt. In: dpa, n-tv. 26. August 2016, abgerufen am 2. September 2016.
- ↑ Online-Optiker Mister Spex eröffnet Laden in Mitte und baut Lager in Spandau In: Tagesspiegel. 29. Februar 2016. Abgerufen am 5. September 2016.
- ↑ Kristian Klooß: Wie Brille24 und Mister Spex den Brillenhandel aufwühlen. In: Manager Magazin. 25. April 2013, abgerufen am 5. September 2016.
- ↑ Danijel Visevic: Mit ein paar Klicks zur neuen Brille - Der Online-Optiker Mister Spex. In: Deutsche Welle. 13. November 2013, abgerufen am 25. September 2016.
- ↑ Neue Investoren bei Mister Spex - Sieben Millionen Euro für Wachstumsprojekte. In: Mister Spex. 7. September 2010, abgerufen am 2. Februar 2021.
- ↑ Christin Bohmann: Mister Spex greift Fielmann und Apollo an. In: Die Welt. 7. September 2015, abgerufen am 27. September 2016.
- ↑ a b Über Mister Spex. In: Mister Spex. Abgerufen am 2. September 2016 (Offizielle Website).
- ↑ Ole Spötter: Mister Spex: Co-CEO Mirko Caspar geht. In: Fashion United. 21. Dezember 2023, abgerufen am 5. August 2024.
- ↑ Jan Schroder: Mister Spex: CEO Dirk Graber tritt nach 16 Jahren zurück. In: Fashion United. 17. Juli 2024, abgerufen am 5. August 2024.
- ↑ a b c d e Lisa Ksienrzyk: Mister Spex unter neuer Führung: Tobias Krauss plant radikale Umstrukturierung. In: Wirtschaftswoche. 5. Juni 2025.
- ↑ Johannes Stoffels: Mister Spex: Klare Umsatzwarnung für 2025. In: 4 Investors. 17. Juni 2025, abgerufen am 4. September 2025.
- ↑ Mister Spex will Optiker deines Lebens sein. In: etailment.de. 9. August 2024.
- ↑ Handfeste Mehrwerte fürs Kerngeschäft. In: Internet World Business. 11/2022.
- ↑ Melanie Wassink: Wer kauft schon seine Brille im Internet? In: Hamburger Abendblatt. 5. März 2016, abgerufen am 10. September 2016.
- ↑ Retail. In: Mister Spex. Abgerufen am 24. Januar 2022 (deutsch).
- ↑ Warum Optiker um ihre Lizenz zum Gelddrucken bangen. In: Die Welt. 20. Juli 2015, abgerufen am 5. September 2016.
- ↑ Fünfte Lehrwerkstatt. In: Der Augenoptiker. Heft 9/2023.
- ↑ Sarah Heuberger 07 Jan 2021: Warum ein Börsengang von Mister Spex immer wahrscheinlicher wird. In: Business Insider. 7. Januar 2021, abgerufen am 18. März 2021.
- ↑ Mister Spex plant Börsengang 2021. In: Börsen-Zeitung. 16. Januar 2021, abgerufen am 18. März 2021.
- ↑ Online-Optiker will an der Börse 225 Millionen erlösen. In: Tagesschau. 14. Juni 2021, abgerufen am 24. Januar 2022.
- ↑ Christoph Kapalschinski: Mister Spex geht an die Börse und lockt Anleger mit seinem Wachstumstempo. In: Handelsblatt. 22. Juni 2021, abgerufen am 23. Mai 2023.
- ↑ Mister Spex-Aktie über Ausgabepreis: Moderate Zeichnungsgewinne bei Mister Spex-IPO. In: finanzen.net. 2. Juli 2021, abgerufen am 2. Juli 2021.
- ↑ Neuemission: Optiker Mister Spex erlöst mit Börsengang 375 Millionen Euro. In: Handelsblatt. 30. Juni 2021, abgerufen am 2. Juli 2021.
- ↑ Mister Spex SE Equity | A3CSAE | DE000A3CSAE2 | Share Price. In: Börse Frankfurt. Archiviert vom am 14. Dezember 2024; abgerufen am 28. Juli 2025.
- ↑ Historische Kurse zu Mister Spex | A3CSAE | wallstreetONLINE. In: Wallstreet Online. Archiviert vom am 25. Juli 2025; abgerufen am 28. Juli 2025 (deutsch).
- ↑ Deutsche Börse Venture Network. In: Venture Network. Abgerufen am 25. September 2016.
- ↑ dpa-AFX Reuters: Deutsche Börse startet Plattform für Startups mit Kapitalbedarf. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 6. September 2016, abgerufen am 25. September 2016.
- ↑ Birger Nicolai: Brillen: Goldman Sachs steigt bei Mister Spex ein - WELT. In: Die Welt. 7. Januar 2015, abgerufen am 28. Juli 2025.
- ↑ Share. In: Mister Spex. Abgerufen am 14. Oktober 2025.
- ↑ Neue Eigenmarke bei Mister Spex. In: etailment.de. 27. August 2024.
- ↑ Neue Eigenmarke von Mister Spex: SpexPro. In: etailment.de. 11. September 2024.
- ↑ Daniela Zumpf: Kunden im Fokus: Omnichannel-Strategie von Mister Spex. In: DOZ-Verlag. 20. Januar 2020, abgerufen am 16. Oktober 2025.
- ↑ Hoya Premium-Gläser jetzt bei Mister Spex. In: DOZ-Verlag. 18. September 2025, abgerufen am 27. Oktober 2025.
- ↑ Augengesundheits-Check. In: Der Augenoptiker. Heft 7/2025.
- ↑ Mister Spex: Erneut Ladenkonzept ausgezeichnet. In: Eyebizz. 14. März 2017, abgerufen am 16. Oktober 2025 (deutsch).
- ↑ Judith Kern: DISQ-Award für Mister Spex. In: DOZ-Verlag. 22. September 2017, abgerufen am 16. Oktober 2025.
- ↑ EHI-Studie: Mister Spex ist bester Online-Optiker. In: E-Commerce-News-Magazin. Archiviert vom am 20. September 2021; abgerufen am 28. Juli 2025 (deutsch).
- ↑ Mister Spex Brillen und Kontaktlinsen Online-Shop. In: testberichte.de. Abgerufen am 26. September 2016.
- ↑ Optiker: Was günstige Brillen aus Onlineshops taugen. In: Stiftung Warentest. 12. Januar 2015, abgerufen am 10. September 2016.
- ↑ Silke Sage: Mister Spex: Drei German Brand Awards 2022. In: Euro Focus. 17. Juni 2022, abgerufen am 16. Oktober 2025.
