Mit Burnout durch den Wald

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Filmdaten
OriginaltitelMit Burnout durch den Wald
ProduktionslandDeutschland
Originalsprachedeutsch
Erscheinungsjahr2014
Länge89 Minuten
Stab
RegieMichael Rowitz
DrehbuchMarkus B. Altmeyer
ProduktionQuirin Berg
MusikEgon Riedel
KameraRoman Nowocien
SchnittAchim Seidel
Besetzung

Mit Burnout durch den Wald ist ein deutscher Fernsehfilm aus dem Jahr 2014.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sechs Burnout-Patienten brechen mit ihrer gemeinsamen Therapeutin Hannah (Birge Schade) zu einer viertägigen Outdoor-Therapie in die Märkische Schweiz in Brandenburg auf: Da ist zum einen die allein erziehende Lehrerin Silvia (Stefanie Stappenbeck), die ihren Alltagsstress mit einer Kaufsucht zu kompensieren versucht und bereits kurz vor einem Hörsturz steht. Zum andern ist da der rastlose Unternehmensberater Johann (Max von Pufendorf), der Effizienz und Gewinnmaximierung mit Lebenssinn verwechselt. Johann ist ein selbsternannter Workaholic, der laut eigener Aussage keinerlei Schwächen hat, und nur mit dabei ist, weil er von seinem Chef und seiner Assistentin dazu gezwungen wurde. Und jetzt muss er sich auch noch ein Zimmer mit der frustrierten Lehrerin Silvia teilen. Die beiden sind sich direkt spinnefeind und können eine gewisse Anziehung dennoch nicht leugnen. Der Langzeitarbeitslose Alfred (Martin Brambach) wiederum sucht die Schuld an der Erschöpfungsgesellschaft im kapitalistischen System und in Leuten wie Johann, dem er im weiteren Verlauf des Films versucht, die Augen zu öffnen. Und zwar mit einem heftigen Schlag ins Gesicht.

Die stets unentschlossene und unterbezahlte Dauerpraktikantin Rosa (Paula Kalenberg), die sich von einem befristeten Vertrag zum nächsten hangelt, ist gerade mal Ende 20 und doch schon völlig ausgebrannt. Statt sich in der Kunst selbst zu verwirklichen, wie sie es immer wollte, arbeitet sie für eine Werbeagentur, um dicken Kindern ungesunde Vollfett-Schokolade schmackhaft zu machen. Und zu guter letzt fährt auch das gegensätzliche Rentner-Pärchen Herbert (Walter Kreye) und Gudrun (Jutta Speidel) mit zu diesem therapeutischen Outdoor-Trip: Während die leicht depressive Gudrun im Grunde nur noch auf den nahenden Tod wartet, will Herbert endlich seinen Ruhestand genießen und es noch mal so richtig krachen lassen. Zum großen Unverständnis von Gudrun hat er sich zu diesem Zweck bereits heimlich ein Wohnmobil gekauft, um damit die Welt zu bereisen.

Für die allzu optimistische Therapeutin Hannah erweisen sich ihre 6 gestressten Patienten im weiteren Verlauf als echte Härtefälle. Bald muss sie feststellen, dass sie mit ihren Standard-Methoden aus der Stressforschung an ihre Grenzen kommt: Gemeinsames Wandern durch die stille Natur, Brückenbau zur Schärfung der Teamfähigkeit und die Besinnung auf das Wesentliche durch eine Wachtherapie scheinen diesmal nicht so recht zu fruchten.

Letztendlich sind es vielmehr die Patienten selbst, die sich auf dieser Reise mehr oder weniger gegenseitig therapieren, in dem sie sich zuhören, sich annähern und ihre Probleme ernst nehmen. Und als Johann, der im Rahmen seines Consulting-Jobs bereits mit großer Verve zahlreiche Mitarbeiter entlassen hat, schließlich selbst zum Opfer einer Rationalisierungsmaßnahme wird, und man ihm telefonisch mitteilt, dass man seine Dienste nicht mehr benötigt, sieht auch der leidenschaftliche Verfechter der Leistungsgesellschaft ein, dass die Dinge nicht so einfach sind, wie er immer tut.

Während Herbert und Gudrun sich am Ende dazu entscheiden, die letzte Etappe ihres Lebens lieber getrennt zu gehen, findet die shoppingsüchtige Silvia ausgerechnet in dem frisch gefeuerten Zahlenoptimierer Johann einen neuen Partner und Hausmann, der vielleicht wieder ein wenig Ordnung in ihr Leben – und in ihr überzogenes Bankkonto – bringen wird. Rosa wiederum nimmt den Rat des Langzeitarbeitslosen Alfred ernst und macht erst mal ein Sabbatjahr – anstatt sich weiter von skrupellosen Arbeitgebern ausbeuten zu lassen. Und Alfred selbst besinnt sich schließlich auf seine Studentenzeit, in der er sich als Taxifahrer verdingt hat. Statt weiter als Hot Dog verkleidet in der Fußgängerzone Flyer zu verteilen, wie das Jobcenter es von ihm verlangt hat, setzt er sich also wieder ins Taxi und lernt dort jede Menge interessante Menschen kennen.

Auch wenn die Patienten am Ende nicht vollkommen im Reinen sind, sind sie doch ein kleines Stückchen weiser geworden. Die Therapeutin Hannah ist am Ende dieser für sie ziemlich anstrengenden Reise allerdings durchaus selbst therapiebedürftig. Denn auch wenn sie ihren Patienten den guten Rat mit auf den Weg gegeben hat, nicht immer so hohe Erwartungen an sich selbst und das Leben zu haben, damit man nicht so schnell enttäuscht wird, waren ihre eigenen Erwartungen, in 4 Tagen gleich 6 Burnouts zu kurieren, wie Johann anmerkt, vielleicht etwas zu ambitioniert. Kein Wunder also, dass diese extrem hohe Erwartung in der eigenen Überforderung endet.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TV Spielfilm lobte das "gut aufgelegte Ensemble" in einem "milden bis nachdenklichen, teils sehr witzigen Ensemblestück zur Volkskrankheit", das "von den Darstellern und guten Figurenzeichnungen" lebt.[1]

Die Frankfurter Neue Presse hingegen war der Meinung der Film wolle "vieles auf einmal sein und nicht immer schafft er den Spagat zwischen den Genres überzeugend. Dazu wirken die Charaktere bisweilen wenig durchdacht".[2]

Die Frankfurter Rundschau findet, dass der Film "außer durch seine zugewandte, jeder Szene sensibel angepasste Bildgestaltung (Roman Nowocien) nicht zuletzt dank der Schauspieler" überzeugt."Klischees werden angenommen, sofern sie einen wahren Kern bergen; aber hinter den scheinbar stereotypen Rollen verbergen sich Menschen, die fortwährend und mit unterschiedlichen Verzweiflungsgraden um Selbstbestimmung, Orientierung, Würde ringen." Der Rezensent Harald Keller schreibt weiter, dass die Geschichte "im gesellschaftlichen Geschehen" ankert und Berufsbiografien aufblättert, "mit denen sich viele Zuschauer identifizieren können: Überforderung, Entlassungsgespräche, das Ringen um Weiterbeschäftigung, die regelmäßige Vorstellung bei der Arbeitsagentur, die Vorurteile, mit denen sich Langzeitarbeitslose konfrontiert sehen. Tragik und Komik gehen hier Hand in Hand, Dialogwitz, eine Romanze, Slapstick-Momente geben der Handlung den unterhaltsamen Charakter, verwässern aber nicht das Anliegen. Damit gelingt eine heitere Bestandsaufnahme; es wäre vermessen, der Komödie einen Mangel an Ursachenerkundung vorzuwerfen. Dafür sind andere Genres zuständig."[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. TV Spielfilm, aufgerufen am 14. September 2014
  2. Frankfurter Neue Presse, aufgerufen am 14. September 2014
  3. Frankfurter Rundschau, aufgerufen am 7. März 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]