Mit Siebzehn

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Film
Deutscher TitelMit Siebzehn
OriginaltitelQuand on a 17 ans
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 2016
Länge 116 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
Stab
Regie André Téchiné
Drehbuch André Téchiné,
Céline Sciamma
Produktion Olivier Delbosc,
Marc Missonnier
Musik Alexis Rault
Kamera Julien Hirsch
Schnitt Albertine Lastera
Besetzung

Mit Siebzehn (Originaltitel: Quand on a 17 ans) ist ein französisches Filmdrama von André Téchiné aus dem Jahr 2016 mit Sandrine Kiberlain, Kacey Mottet Klein und Corentin Fila in den Hauptrollen. Der Film nahm am Wettbewerb der Berlinale 2016 teil. Der Filmtitel bezieht sich auf die Anfangszeile „On n’est pas sérieux, quand on a dix-sept ans“ (französisch für „Man ist nicht ernsthaft, wenn man 17 Jahre alt ist“) eines Gedichts von Arthur Rimbaud. Laut Abspann basiert der Film auf dem Arte-Fernsehfilm New Wave.[2]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Damien ist ein siebzehnjähriger Abiturient, der mit seiner Mutter Marianne, einer Ärztin, zusammenlebt. Sein Vater Nathan ist Militärpilot auf einer Mission im Ausland. Sie führen ein normales, bürgerliches Leben in einer kleinen Stadt in einem Tal inmitten der Berge der Hautes-Pyrenäen.

In der Schule wird Damien von Thomas, einem Klassenkameraden, provoziert. Er stellt ihm ohne ersichtlichen Grund mitten in der Klasse ein Bein, sodass Damien stolpert. Von da an gibt es ständige Auseinandersetzungen zwischen ihnen: beim Sport und auf dem Schulhof. Beide sind Außenseiter in der Schule. Um sich zu schützen, nimmt Damien Selbstverteidigungskurse bei Paulo, einem Freund der Familie.

Doch auch Thomas hat seine Probleme. Jeden Tag benötigt er 90 Minuten zu Fuß und mit dem Bus, um die Schule zu erreichen. Marianne macht einen Hausbesuch auf Thomas' elterlichem Bauernhof, und diagnostiziert bei dessen Mutter Christine eine Lungeninfektion. Christine, die in der Vergangenheit Fehlgeburten hatte, ist schwanger und muss einige Zeit ins Krankenhaus. Als der zurückhaltende Thomas sich Sorgen um seine Mutter und das ungeborene Kind macht, beginnen sich seine Schulnoten zu verschlechtern. Um zu helfen, lädt Marianne Thomas ein, zu ihrer Familie zu kommen und dort zu bleiben, damit er seine Mutter in der Stadt im Krankenhaus besuchen und mehr Zeit mit Lernen verbringen sowie den langen Schulweg jeden Tag vermeiden kann. Dies fällt mit der Rückkehr Nathans zusammen, der zwischen zwei Auslandseinsätzen Heimaturlaub macht. Nathan wird von seiner Frau und seinem Sohn liebevoll begrüßt und lädt Thomas ein, bei seiner Familie zu bleiben. Von seinen Eltern gedrängt, akzeptiert Thomas widerwillig.

Das Teilen des gleichen Haushalts scheint die Beziehung zwischen den beiden Teenagern nicht zu verbessern. Damien ärgert sich darüber, dass seine Mutter von Thomas begeistert ist. Unterwegs in den Bergen, prügeln sich die beiden und müssen aufhören, da plötzlich ein starker Regen aufkommt. Während sie darauf warten, dass dieser aufhört, teilen sich die beiden Jungen eine Zigarette. Thomas schlägt dann vor, dass sie im See oben auf dem Berg schwimmen. Dort angekommen, zieht sich Thomas nackt aus und Damien starrt ihn an. Einige Tage später bittet Damien Thomas, ihn zu einem Mann zu fahren. Diesen hatte er zuvor kontaktiert, um sich über seine sexuelle Orientierung klar zu werden. Als der Mann versucht, Damien zu küssen, macht dieser einen Rückzieher. Auf dem Heimweg gesteht Damien Thomas seine Gefühle und sagt, er müsse wissen, ob er auf Jungs oder nur auf ihn stehe. Thomas begrüßt diese Offenbarung nicht. Er hält das Auto an und steigt am Ufer eines Flusses aus. Als Damien versucht, sich ihm zu nähern, stürzt Thomas, fällt in einen Graben und bricht sich das Handgelenk. Als Marianne merkt, dass die beiden Jungen weiter gekämpft haben, bittet sie Thomas, zu seinen Eltern zurückzukehren. Am nächsten Tag kommt Thomas zu spät zum Spanischunterricht und lächelt Damien zu, als er sich neben ihn setzt. Er erlaubt Damien sogar, seine unverletzte Hand mit einem Taschentuch zu trocknen. Ermutigt macht Damien den ersten Schritt und küsst Thomas, der die Zuneigung zunächst zu erwidern scheint, Damien dann aber doch wegdrückt und ihm ins Gesicht schlägt. Thomas wird von der Schule ausgeschlossen. Damien erzählt seiner Mutter, warum Thomas ihn geschlagen hat und offenbart seine wahren Gefühle für Thomas. Marianne hat Verständnis für ihren Sohn.

Nathan wird bei einer Mission getötet. Das Leben seiner Frau und seines Sohnes gerät aus den Fugen. Nach der Beerdigung umarmt Thomas Damien und tröstet ihn. Als Marianne in eine tiefe Depression fällt, kümmert sich Thomas um Marianne. Die Beziehung zwischen den beiden Jungen bessert sich deutlich. Sie arbeiten zusammen an einem Schulprojekt. Als Marianne die Kraft findet, wieder zu arbeiten, ist es Zeit für Thomas, auf seine Farm zurückzukehren. Marianne geht früher in dieser Nacht ins Bett. Damien sagt Thomas, dass er ihn immer noch liebt und dass er sich seiner Gefühle nicht schämt. Es kommt zu einer stürmischen Liebesnacht. Am nächsten Morgen geht Thomas, bevor Damien aufwacht. Damien geht zu Thomas' Farm, wo sie über die vergangene Nacht und ihre Gefühle sprechen. Thomas ist froh, Damien auf der Farm zu haben, aber jedes Mal, wenn Damien versucht, ihn zu küssen, weicht dieser aus, obwohl er es nicht bereut, Geschlechtsverkehr mit Damien gehabt zu haben. Einige Zeit später klopft ein nervöser Thomas an die Tür von Damiens Familienhaus und bittet Damien mitzukommen. Abergläubisch denkt er, ihn während der Wehen seiner Mutter zu brauchen. Marianne und Damien begleiten ihn zu dem glücklichen Anlass.

Marianne beschließt, dass es für sie besser ist, ein Stellenangebot anzunehmen und nach Lyon zu ziehen. Sie sagt ihrem Sohn, dass Thomas kommen und sie besuchen kann, aber Damien zweifelt. Marianne sagt ihm dann, dass er mehr Vertrauen in sich selbst und in das Leben haben muss. In der letzten Szene geht Thomas glücklich den Hang hinunter, um Damien zu treffen, und sie küssen sich.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kerstin Decker vom Tagesspiegel bezeichnet Mit Siebzehn als „beglückenden Film“, der von der „Zumutung des Erwachsenwerdens“ erzählt. „Eine Kamerafahrt, winterweiße und sommergrüne Straßen entlang, mit eindeutig überhöhter Geschwindigkeit, das ist der Vorspann, und schon ist die Atmosphäre dieses Films da, der so wenig aussprechen muss, um so viel zu sagen.“ Und die „dramaturgische Gewagtheit, um nicht von Gewaltsamkeit zu sprechen“, verzeihe man dem Film nicht zuletzt aufgrund von Sandrine Kiberlain als Marianne: „Das Temperament dieser Darstellerin, die auf fast hässliche Weise schön, auf eine anziehende Weise beinahe hässlich sein kann, zerstreut alle Zweifel.“[3]

„Entstanden ist ein sinnlicher, intensiver und doch wunderbar leichter Film“ schreibt Ula Brunner auf RBB Online, der auf „direkte, physische Weise erzählt“. Brunner zieht Parallelen zu früheren Filmen des Regisseurs und meint, dass er auch hier wieder seinen Figuren zunächst mit Distanz begegne, später wandle sich der Tonfall. Auch „nuancierte Charakterzeichnungen und geschickte Spannungsbögen“ seien bezeichnend für Téchiné und finden sich in Mit Siebzehn wieder. Des Weiteren habe „Téchiné, der Schauspielerregisseur“ auch hier „sein Geschick bei der Wahl seiner Darsteller bewiesen. Sandrine Kiberlain gibt die zupackende und lebensbejahende Mutter mit jenem Hauch von Melancholie, der eine tragische Wende in diesem Film vorausahnen lässt. Die beiden hochbegabten jungen Darsteller Kacey Mottet Klein und Corentin Fila spielen mit einer solchen Präsenz, dass das Begehren und eine Sehnsucht, die sie nicht benennen können, echt ist.“[4]

Im Perlentaucher schreibt Thekla Dannenberg: „Als Drama in drei Trimestern erzählt Techiné seine Geschichte der jugendlichen Liebe und des erotischen Erwachens, mit einem feinen Gespür für die emotionalen Konfusionen, für die Sinnlichkeit und all die Schlichen, mit denen junge Menschen vom Leben kosten, wie bitter es auch schmecken mag. Mit großer Eleganz und Delikatesse zeigt er verstohlene Blicke, gestohlene Berührungen und die vor Verlangen berstenden Körper.“[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Mit Siebzehn. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 166177/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. programm.ARD.de – ARD Play-Out-Center Potsdam, Potsdam, Germany: New Wave. Abgerufen am 3. Juli 2017.
  3. Kerstin Decker: Deine Fäuste, mein Körper. In: Der Tagesspiegel. 15. Februar 2016, abgerufen am 20. Februar 2016.
  4. Ula Brunner: Das Spiel von Anziehung und Widerstand. Rundfunk Berlin-Brandenburg, 14. Februar 2016, abgerufen am 20. Februar 2016.
  5. Thekla Dannenberg: Erzählt von der Liebe mit 17: André Techinés ‘Quand on a 17 ans’ auf perlentaucher.de, 15. Februar 2016, abgerufen am 30. März 2016.