Mithu Sanyal

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Mithu Sanyal

Mithu Melanie Sanyal (* 1971 in Düsseldorf-Oberbilk) ist eine deutsche Kulturwissenschaftlerin, Journalistin und Autorin. Ihre Themenschwerpunkte sind Popkultur, Postkolonialismus und Feminismus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mithu Sanyal wurde 1971 als Tochter einer polnischen Mutter und eines indischen Vaters in Düsseldorf geboren, wo sie bis heute mit ihrem Mann, einem Musiker, und ihrem Sohn lebt. Sie studierte deutsche und englische Literatur und promovierte über die Kulturgeschichte des weiblichen Genitals. Aus ihrer Doktorarbeit entstand 2009 das Buch Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts, das als Pionierarbeit zu diesem Thema gilt und in vielen Medien besprochen wurde.

Seit 1996 ist Mithu Sanyal feste Autorin für den WDR, für den sie Features und Hörspiele macht. Darüber hinaus schreibt sie für NDR, BR, Frankfurter Rundschau, Literaturen, taz, junge Welt, Bundeszentrale für politische Bildung etc. und war ehrenamtliche Redakteurin der feministischen Zeitschrift Wir Frauen.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für ihre Radiobeiträge über die Kulturgeschichte des Lesens wurde sie dreimal mit dem Dietrich-Oppenberg-Medienpreis der Stiftung Lesen ausgezeichnet.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher

Hörspiele

Artikel in Zeitungen und Zeitschriften

  • Seit 2017 schreibt Mithu Sanyal die regelmäßige Kolumne "Mithulogie" für Die Tageszeitung (taz)

Kontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. Februar 2017 sorgte der Artikel "Du Opfer" von Mithu Sanyal und der Journalistin Marie Albrecht in der Tageszeitung (taz) für Aufsehen. Hintergrund war, dass Sanyal am 1. Februar 2017 auf einer Lesung im taz Café in Berlin von Betroffenen gebeten wurde, den Begriff „Opfer" nicht zu benutzen, weil diese sich davon in eine Schublade gesteckt fühlten. Eine ähnliche Diskussion gab es ausgehend von Amerika bereits in den 1990er Jahren in der feministische Szene mit dem Ergebnis, dass der Begriff „survivor“ geprägt wurde, oder auf Deutsch „Überlebende“. Nur sind eben nicht alle Vergewaltigungen lebensbedrohlich. Wie wäre es also - schlugen die Frauen im taz-Café vor -, die Vorsilbe „über“ wegzulassen und sie durch „er“ zu ersetzen: "Erlebende sexualisierter Gewalt“? Sanyal und Albrecht stellten diesen Begriff am 17.2. 2017 in der taz mit dem dezidierten Hinweis vor, dass dieser Begriff das Wort "Opfer", an das juristische Rechte gebunden sind, nicht ersetzen solle; es ginge nur um eine weitere Möglichkeit der Selbstbezeichnung. Daraufhin schrieb der feministische Blog „Die Störenfriedas“ einen offenen Brief, in dem sie Sanyal vorwarfen, sexualisierte Gewalt zu verharmlosen. Sie schickten diesen Brief nicht an Sanyal, sondern an alle Redaktionen, für die sie arbeitet. Daraufhin titelte die feministische Monatszeitschrift EMMA am 21.2. 2017: „Opfer sollen nicht mehr Opfer heißen“. Zahlreiche Fake News Websites wie halle-leaks (am 22.2. 2017) kopierten das Foto von Sanyal aus der EMMA und schrieben darunter: „Gutmenschin rät Opfern: Vergewaltigung kann auch Erleben sein. Viel Spaß!“ oder ähnliche Verzerrungen ihrer Aussage. Die Argumentation lautete, da Sanyal aus einem Land komme, in dem Vergewaltigung legal sei (ihr Vater stammt aus Indien - wo Vergewaltigung sehr wohl strafbar ist), würde sie deutschen Frauen empfehlen, sich von Geflüchteten vergewaltigen zu lassen. Die rechte Webseite philosophie-perennis endete ihren Artikel vom 23.2. mit „Willkommen in Rapefugeestan“, andere mit Sanyals Adresse oder ihrer Telefonnummer oder einem Link zur EMMA. Und auch die AfD Sachsen entdeckte plötzlich den Feminismus und kritisierte Sanyal mit denselben Worten wie die Störenfriedas. Das Ergebnis davon war ein Shitstorm, bei dem Sanyal Hunderte Emails mit Vergewaltigungs- und Morddrohungen erhielt. [2] Sanyals Sprachvorschlag wurde in den deutschen Medien breit diskutiert, von negativen Artikeln wie "Erlebnis Vergewaltigung" von Ursula Scheer am 24.2. 2017 in der FAZ bis hin zu sehr persönlichen und positiven Artikeln wie "Gewalt ohne Namen" von Marion Detjen in Die Zeit vom 27.2. 2017. Von anderen feministischen blogs wurde Sanyal breit verteidigt. Hannah C. schrieb am 21.2. 2017 in der Mädchenmannschaft: "Mithu M. Sanyal, Kulturwissenschaftlerin und Autorin, hat sich etwas getraut, und kaum jemand hat's gemerkt. Sie hat mit Menschen gesprochen, die als Opfer bezeichnet werden, und deren Wunsch nach Selbstbestimmung um die Bezeichnung in die Presse und damit den Diskurs selbst hineingetragen." Hunderte Menschen schrieben Sanyal solidarische Emails und setzten sich online und offline für sie ein.[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mithu Sanyal – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. deutschlandfunk.de, Andruck - Das Magazin für Politische Literatur, 21. November 2016, Christiane Florin: Narrative der Gewalt: Über die Kulturgeschichte der Vergewaltigung (24. November 2016)
  2. Debatte statt Hetze, taz, 25.2. 2017 [1]
  3. Am 3.3. 2017 sagte Mithu Sanyal in der Sendung Kultur heute im Deutschlandfunk: "Neben dem Hatestorm gab es auch wirklich mal einen Lovestorm." [2]