Mittelalterliche Bronzefünten des niederdeutschen Kulturraums

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Mittelalterliche Bronzefünten des niederdeutschen Kulturraums sind Taufbecken aus Bronze, die, beginnend mit dem 13. Jahrhundert, insbesondere in den Hansestädten an der südlichen Ostseeküste die bis dahin üblichen steinernen Taufen ersetzten, die oftmals aus Granit, meist jedoch aus Kalkstein von der Insel Gotland gefertigt waren. Die aufwendigeren Bronzefünten trugen dem gestiegenen Repräsentationsbedürfnis Rechnung und ermöglichten ein filigraneres Bildprogramm.

Der Import von Taufsteinen aus Kalkstein von der schwedischen Insel Gotland nach Norddeutschland und das Beispiel der Taufe des schwedischen Bischofs Beno Korp auf Fehmarn zeigen deutlich, dass Taufkessel den Hansekaufleuten des Mittelalters genauso als Handelswaren galten wie Retabel, Triumphkreuze oder andere sakrale Ausstattungsgegenstände. Die Südgrenze des Einflussbereichs der Hanse lässt sich grob durch eine Kurve beschreiben, die ungefähr von Köln über Göttingen, Halle (Saale) und Frankfurt (Oder) nach Thorn führt. Fast alle erhaltenen mittelalterlichen Bronzefünten befinden sich (oder befanden sich ursprünglich) nördlich dieser Linie.

Die nachstehende Liste soll die verbliebenen Exemplare in Mecklenburg-Vorpommern, dem nordöstlichen Niedersachsen und Schleswig-Holstein in zeitlicher Folge erfassen und soweit möglich den Stiftern und den ausführenden Gießern zuordnen. Nach der Zäsur der Reformation folgten auf die hier dargestellten Formen der Gotik in Norddeutschland barocke Taufen, deren Gestaltung nicht mehr in dem bisherigen Maße auf das Becken als Tauffass abhob. Im Herzogtum Schleswig wurden allerdings am Ende des 16. Jahrhunderts von Michael Dibler weitere Tauffässer in Bronze gegossen, die in der St. Nicolaikirche in Eckernförde (1588) und der Marienkirche in Flensburg (1591) erhalten sind. Sie lehnen sich von der Form noch an die gotischen Taufkessel an. Die in lateinischer Schrift abgefassten Schriftbänder und das Bildprogramm ordnen sie jedoch bereits der Renaissance zu, weshalb sie in der nachstehenden Liste nicht aufgeführt werden. In Dänemark gehören auf dem jütischen Festland die gotischen Fünten im Dom zu Ribe (1375), im Dom zu Århus (1481) und die in Flensburg gegossene Fünte der Marienkirche Hadersleben (1485) zu den bekannteren Beispielen. Aber auch an der polnischen Ostseeküste setzt sich das Vorkommen von Taufen dieser Art in größeren Kirchen fort. Hier sei als Beispiel auf die Fünte im Dom zu Kolberg (1345) verwiesen.

Tabelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalterliche Fünten aus Bronzeguss (13. bis 15./16. Jahrhundert)
Standort Gießer Jahr Anmerkungen Abbildung
Eddelak, St. Marien um 1200 wahrscheinlich die älteste Bronzefünte in Schleswig-Holstein
Tellingstedt, St. Martin Commons-logo.svg 13. Jahrhundert
Smt taufe.jpg
Hamburg-Blankenese, Kirche am Markt Commons-logo.svg 13. Jahrhundert Die Fünte stammt aus der Nienstedtener Kirche.
Bk taufkessel.jpg
Eberswalde, St. Maria Magdalena Commons-logo.svg 13. Jahrhundert Pokal mit schwachem Nodus, drei kurze Tatzenfüße
Eberswalde Maria Magdalena Taufbecken.jpg
Brandenburg an der Havel, St. Gotthardt Commons-logo.svg 13. Jahrhundert Pokal ohne Nodus mit vier zusätzlich angebrachten Trägern
Halberstadt, St. Johannis Commons-logo.svg 13. Jahrhundert Pokal auf vier Löwen ruhend
Delve, St. Marien Commons-logo.svg zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts
Delve Taufe (2).jpg
Halberstadt, Dom Commons-logo.svg zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts Der Kessel ruht auf drei kleinen Füßchen. Die Fünte befindet sich im Domschatz.
Altenkrempe, Basilika Commons-logo.svg Meister Johannes spätes 13. Jahrhundert Pokalform, nur Kuppa aus Bronze
Taufe Basilika Altenkrempe.JPG
Bad Bramstedt, St. Maria Magdalena Commons-logo.svg spätes 13. Jahrhundert
Bad Bramstedt Maria Magdalena baptismal font w.jpg
Rostock, St. Marien Commons-logo.svg niedersächsische Gießer datiert 1290 Auf die niedersächsische Herkunft der Künstler weisen Ähnlichkeiten mit der Bronzetaufe von 1225 im Hildesheimer Dom. Kessel und Deckel sind stilistisch deutlich unterschieden und stammen von verschiedenen Meistern. Eine Inschrift datiert den Guss oder die Weihe des Taufkessels auf Ostern 1290.
Germany Rostock St Mary baptismal font.jpg
Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum Commons-logo.svg um 1300 Die Fünte stammt aus der Marienkirche in Hemmingstedt.
Büsum, St. Clemens Commons-logo.svg um 1300 der Überlieferung zufolge im 15. Jahrhundert von Seeräubern aus der Pellwormer Kirche geraubt
Büsum - St.Clemens - Taufbecken.jpg
Marne, St. Maria Magdalena Commons-logo.svg um 1300
Meldorf, St. Johannis Commons-logo.svg Meister Ulricus[1] um 1300
St. Johannis (Meldorf) jm23993.jpg
Osterwieck, St. Stephani Commons-logo.svg um 1300 Kessel von 89 cm Durchmesser auf vier Trägern
Klein-Mutz, Dorfkirche Commons-logo.svg frühes 14. Jahrhundert vier Träger auf hohem Standring
Lüdingworth, St. Jacobi Commons-logo.svg frühes 14. Jahrhundert
Cuxhaven Luedingworth St. Jacobi 012 (RaBoe).jpg
Angermünde, St. Marien Commons-logo.svg Johannes Justus frühes 14. Jahrhundert
2010-03-05-angermuende-by-RalfR-11.jpg
Altenbruch, St. Nicolai Commons-logo.svg Meister Ulricus (?) frühes 14. Jahrhundert
St.-Nicolai (Altenbruch) 009.jpg
Lüneburg, St. Nicolai Commons-logo.svg Meister Ulricus[2] um 1325 aus der 1651 abgebrochenen Cyriacuskirche in Lüneburg übernommen
Münster, Dom Commons-logo.svg erste Hälfte des 14. Jahrhunderts Pokal mit Nodus, getragen von fünf Löwen. Die Taufe könnte auch aus Messing gefertigt sein (die Quellen sind hier widersprüchlich).
Münster, St.-Paulus-Dom, Alter Chor -- 2019 -- 3904.jpg
Wismar, St. Nikolai Commons-logo.svg Hans Apengeter zugeschrieben um 1335 Die Fünte stammt aus der 1960 gesprengten Marienkirche. Zuschreibung als Vorbild der Fünte der Lübecker Marienkirche.
Wismar Nikolaikirche Taufbecken aus St. Marien3.jpg
Lübeck, St. Marien Commons-logo.svg Hans Apengeter datiert 1337 Der Gießer Hans Apengeter wird auf dem Fries der Taufe in Mittelniederdeutsch namentlich benannt: Vergip alle Missetat deme di dit Vat gemaket hat Hans Apengeter was he genannt und was geboren van Sassenland. Auch die Stiftung dieser Taufe durch die Lübecker Patrizier Eberhard von Alen und Johann von Schepenstede ist außergewöhnlich gut dokumentiert.
Germany Luebeck St Mary baptismal font 1.jpg
Beidenfleth, St. Nicolai Commons-logo.svg 1340 Majuskelinschrift, Reliefs in zwei Reihen, vier Träger auf Standring
Beidenfleth Taufe.jpg
Wittenburg, St. Bartholomäus Commons-logo.svg Meister Wilkin aus Lüneburg 1342
Kiel, St. Nikolai Commons-logo.svg Hans Apengeter datiert 1344
Taufbecken Nikolaikirche, Kiel msu2017-9152.jpg
Otterndorf, St. Severi Commons-logo.svg Mitte des 14. Jahrhunderts
Otterndorf kirche 08.jpg
Rendsburg, St. Marien Commons-logo.svg Mitte des 14. Jahrhunderts
Bild 024a Rendsburg Marien Taufe.jpg
Siek, Friedenskirche Commons-logo.svg Gerhard Kranemann um 1350
Kirche Siek Bronzetaufe1.jpg
Kolberg, Dom Commons-logo.svg datiert 1355
Kolobrzeg katedra chrzcielnica.jpg
Schönberg, St. Laurentius Commons-logo.svg Gerhard Kranemann datiert 1357
St. Laurentius (Schönberg) Taufe 1.JPG
Munktorp, Kirche Commons-logo.svg um 1360 sechseckiger Pokal, getragen von drei Löwen
David Munktorp.png
Barth, St. Marien Commons-logo.svg nach 1360 Diese Fünte ist das einzig erhaltene bronzene Taufbecken in Vorpommern. Das achteckige Becken zeigt Menschen- und Tierköpfe. In dargestellten gotischen Giebelreihen sind jeweils paarweise Apostel, Heilige und Gruppen aus biblischen Geschichten zu sehen.
Barth Taufbecken.jpg
Parchim, St. Marien Commons-logo.svg 1365
Parchim St Marien Fünte.jpg
Bardowick, Dom St. Peter und Paul Commons-logo.svg 1367 von vier Figuren getragener Taufkessel
Bardowick.dom.Taufbecken.wmt.jpg
Bovenau, St. Maria Magdalena Commons-logo.svg 1375 (?) mit Umschrift, Münzen und kleinen Reliefs; drei Tragefiguren
IMG 1782 Bovenau Taufe.jpg
Ribe, Dom Commons-logo.svg 1375 Mit kleinen Reliefs in giebelartigen Rahmen und sechs Tragfiguren auf einem Ring: jeweils drei sich sehr ähnlich sehende Engel und drei fantastische Tiere im Wechsel. Reste einer Bemalung
Ribe Domkirke baptismal font S.jpg
Frankfurt (Oder), St. Gertraud Commons-logo.svg Meister Arnold 1376 Die Fünte stammt aus der 1945 zerstörten Marienkirche. Bedeutendes Kunstwerk, auf sechs Tragfiguren ein sechseckiger Kessel mit Deckel. Zahlreiche Reliefs stellen die Heilsgeschichte dar.
Altengamme, St. Nicolai Commons-logo.svg 1380
Snag taufe 2.jpg
Schwerin, Dom Commons-logo.svg letztes Viertel des 14. Jahrhunderts wohl im Wachsausschmelzverfahren hergestellt
TaufeSchwerinDom.JPG
Herrnburg, Dorfkirche Commons-logo.svg Ende des 14. Jahrhunderts Der Kessel ist glockenartig, an der Wandung mit flachem, aber reichem Maßwerk verziert. Untenherum läuft ein Streifen mit einer stilisierten Weinranke, am Rand befindet sich ein bärtiger Männerkopf, mit einer Vorrichtung gegenüber zur Wiederbefestigung des (verlorenen) Deckels. Die Beine sind in ihrem oberen Teil verdickt und mit Schuppen besetzt, blattähnliche Gebilde schließen diese nach unten zu ab, den Fuß bilden breite Tierklauen[3].
Elbing, Dom St. Nikolai Commons-logo.svg Meister Bernhauser 1387
Elblag 009.jpg
Burg auf Fehmarn, St. Nikolai Commons-logo.svg Apengeter-Kreis datiert 1391 Lateinische Inschrift anno milleno tricenteno nonageno primo non pleno fontem dedit hunc michi beno korp episcopus arosiensis. Frei übersetzt Im Jahre 1391 (nicht voll) gab mir diese Taufe Beno Korp, Bischof von Arosia. Das sechseckige gotische Bronzetaufbecken in Kelchform ist lübscher Herkunft und wird dem Apengeter-Kreis zugerechnet. Das Fassungsvermögen beträgt etwa 195 Liter (3 Ohm). Durch welche Umstände das Taufbecken nach Fehmarn kam, ist bis heute nicht ganz geklärt.[4] Bei Arosia handelte es sich um Västerås, in der Wikingerzeit als Handelsplatz unter dem Namen Aros gegründet wurde. Eine Kopie (Abguss) befindet sich seit 1955 im Dom zu Västerås als dem ursprünglichen Bestimmungsort.
Fehmarn Burg St Nikolai baptismal font.jpg
Hannoversch Münden, St. Blasius Commons-logo.svg Nikolaus von Stettin datiert 1392 Der mit Heiligen verzierte Taufkessel ruht auf vier besonders gestalteten Füßen. Vier männliche Figuren reiten auf Drachen, die sich ihrerseits auf Figuren stützen, die ein Aussehen zwischen Löwen[5] und Hunden - also wahren Höllenhunden - haben. Das symbolisiert den Sieg der Kirche über die Mächte der Finsternis, die hier das Taufbecken tragen müssen. Die Taufe ist das älteste Ausstattungsstück der Kirche.
Hann Muenden St. Blasius baptismal font 02.jpg
Berlin-Spandau, St. Nikolai Commons-logo.svg vermutl. Braunschweiger Ludolfus-Werkstatt 1398 Die Bronze-Taufe in St. Nikolai ist ein Vierträger mit Bodenring, wobei es das älteste datierte Taufbecken in Berlin-Brandenburg darstellt. Die lateinische Inschrift zu Ehren der Jungfrau Maria datiert die Weihe des Taufkessels auf 1398. Das Taufbecken wird durch vier Heiligenfiguren gehalten, bei denen es sich um die Apostel Johannes, Matthäus, Jakobus d. Ä. und eine unbestimmte Figur handeln kann. Der Messingdeckel stammt aus dem Jahr 1839.
Taufe Spandau-St. Nikolai DSCF1330.jpg
Heiligenstadt, St. Martin Commons-logo.svg um 1400 Eines der wenigen Bronzetaufbecken in Kübelform. Die Datierung ist sehr unsicher.
Heiligenstadt St. Martin Taufe 1.jpg
Strängnäs, Dom Commons-logo.svg um 1400 vier Träger auf einem oben geschlossenen Tragring, glockenförmiger Kessel
Strängnäs Domkyrka - KMB - 16000200103829.jpg
Linköping, Dom Commons-logo.svg um 1400
Linköpings domkyrka, den 26 april 2007, bild 60.jpg
Halberstadt, St. Martini Commons-logo.svg um 1400 Eine der wenigen Fünten, deren Tragefiguren die vier Paradiesflüsse symbolisieren. Auch eine farbige Bemalung findet sich sonst nicht.
TaufbeckenMartini.JPG
Salzwedel, St. Katharinen Commons-logo.svg 1421
Salzwedel St. Katharinen Bronzefünte.JPG
Gettorf, St. Jürgen Commons-logo.svg 1424 Mit Reliefs aus der Kindheitsgeschichte Jesu; vier Männer in burgundischer Tracht als Tragefiguren.
Taufe Gettorf.jpg
Einbeck, St. Alexandri Commons-logo.svg 1427
Einbeck, St. Alexandri, 2013-08 CN-08.jpg
Nordhausen, Justus-Jonas-Kirche Commons-logo.svg Meister Tile 1429 Die Fünte stammt aus der 1945 zerstörten Kirche St. Petri.
Nordhausen Petri Taufe 1.jpg
Halle (Saale), Marktkirche Commons-logo.svg 1430 vier Träger auf hohem Standring
HalleMarienkircheInnen 02.JPG
Varde, St. Jacobi Commons-logo.svg Niels Klokkestøber 1437 vier Träger auf Standring
Berlin-Mitte, St. Marien Commons-logo.svg 1437 Vier Fabelwesen mit angeschraubten Flügelbeinen auf runder Platte tragen die Fünte.
Berlin-Mitte Marienkirche baptismal font (2).jpg
Hittfeld, St. Mauritius Commons-logo.svg Lorenz Grove datiert 1438
Hittfeld St. Mauritius Taufe 1.jpg
Handorf, St. Marien Lorenz Grove 1440
Ratzeburg, Dom Commons-logo.svg 1440
Ratzeburger Dom 1276.JPG
Brandenburg an der Havel, St. Katharinen Commons-logo.svg Tyterich Molner aus Erfurt 1440
Brandenburg St Katharinen Taufe 1440.png
Naumburg, St. Wenzel Commons-logo.svg 1441 Pokal mit sechseckiger Kuppa auf rundem Fuß, möglicherweise gestiftet durch Peter von Schleinitz
Osterburg, St. Nikolai Meister Volker 1442
Haseldorf, St. Gabriel Commons-logo.svg datiert 1445 Der Standring dieser Fünte ist mit einem Rundbogenfries und vier Wappen versehen. Vier Figuren tragen die kesselartige Kuppa. Darauf befindet sich umlaufend eine Inschrift. Kleine Reliefs zeigen Darstellungen von Maria, einer Kreuzgruppe und dem Heiligen Georg.
Haseldorf Taufe f.jpg
Bad Segeberg, St. Marien Commons-logo.svg Ghert Klinghe datiert 1447
Marienkirche Segeberg Bronzefünte.jpg
Nordby (Fanø), Nordby Kirke Mitte des 15. Jahrhunderts Durchmesser 61,5 cm; Marmorsockel von 1887
Nordby Kirke, døbefont.JPG
Prenzlau, Klosterkirche St. Nikolai Commons-logo.svg 15. Jahrhundert Die Fünte stammt aus der 1945 abgebrannten Marienkirche. Pokal mit schwachem Nodus, der Fuß ruht auf drei Tierfiguren, zwischen Fuß und Kuppa drei Träger, die Kuppa hat 1 m Durchmesser. 13 kielbogige Felder zeigen Christus als Richter und die zwölf Apostel.
Gadebusch, St. Jakob und St. Dionysius Commons-logo.svg datiert 1450 Der umlaufenden Inschrift der Fünte mit entsprechendem Wappen und den Initialen HK zufolge wurde diese Taufe 1450 von dem Priester Hinrich Koppelmann gestiftet. Drei kniende Engel tragen den runden Kessel, der von zwei umlaufenden, von der Inschrift jedoch getrennten Reihen mit je elf separat gegossenen, aufgenieteten Reliefs geschmückt wird. Unter niedrigen Maßwerkbögen sind jeweils für sich stehende Szenen der Passion Christi sowie der Stifter der Fünte bildlich dargestellt. Die Gusstechnik und die Art der plastischen Darstellung machen diese Bronzefünte neben denen der Marienkirche in Rostock und der Nikolaikirche in Wismar zu einer der bedeutenden in Nordostdeutschland.
Bronzefuente.jpg
Probsteierhagen, St. Katharinen Commons-logo.svg 1454
Probsteierhagen Bronzetaufbecken.jpg
Groothusen, Kirche Commons-logo.svg Ghert Klinghe 1454 Das Becken ruht auf vier Diakonen. Auf der Wandung werden die Kreuzigung inmitten der Standfiguren von Aposteln, der Madonna und des Heiligen Mauritius dargestellt.
Groothusen church baptismal font north side.jpg
Groothusen taufe9.jpg
Lübeck, St. Aegidien Commons-logo.svg Hinrich Gerwiges datiert 1453 Die schlichte gotische Bronzefünte in Aegidien fällt hinter dem prunkvollen Umbau des Barock aus dem Jahr 1710 zunächst nicht ins Auge. Das Tauffass wird von drei Klerikern auf den linken Schultern getragen. Die weitere Verzierung besteht nur in der lateinischen Majuskelumschrift. Beseler weist darauf hin, dass das nunmehr glatte Mittelfeld ursprünglich mit Figurennischen versehen war, die man auf den Kessel aufgelötet hatte.[6]
Germany Luebeck St Aegidien baptismal font 02.jpg
Lübeck, Dom Commons-logo.svg Lorenz Grove datiert 1455 Dieses Taufbecken zeigt zwölf Relieffiguren (Segnender Heiland mit Siegesfahne, Maria, neun Apostel und die Heilige Dorothea). Der Kunsthistoriker Max Hasse hat darauf hingewiesen, dass die Relieffiguren Merkmale des Weichen Stils aufweisen. Ihre Formen waren vermutlich älter. Bei der Herstellung des Beckens im Lehmhemdverfahren wurden die Relieffiguren nach dem Guss des Kessels als separate Gussteile auf den Kessel aufgenietet. Ungewöhnlich ist auch die Kombination mit der im Verhältnis dazu auch noch recht großen Figur der heiligen Dorothea. Der Kessel steht auf einem mittigen, kelchförmigen Fuß und außen auf drei knienden Engeln. Er ist mit Laurens grove signiert.
Dom in Luebeck Taufbecken.JPG
Aschersleben, St. Stephani Commons-logo.svg 1464 Pokal mit drei zusätzlich angebrachten Trägern, Reliefs in Kielbogen-Arkatur.
Lübeck, St. Jakobi Commons-logo.svg Klaus Grude datiert 1466 Das eherne Taufbecken ist von Grude beim Guss mit Pfingsten 1466 signiert und datiert. Es war eine testamentarische Stiftung des Lübecker Ratsherrn Johann Broling.[7] Das Becken steht auf den gleichen Füßen in der Gestalt kniender Engel wie das Taufbecken von Lorenz Grove aus dem Jahr 1455 im Lübecker Dom. Daraus wird gefolgert, die Formen Groves müssten auf Klaus Grude übergegangen sein. Außen sind auf dem Kessel neun Reliefs mit Bildern der Apostel aufgenietet, das Taufbecken wurde also nicht in einem Stück gegossen.
Germany Luebeck St Jakobi baptismal font 1.jpg
Gardelegen, Marienkirche Commons-logo.svg datiert 1466 Das Taufbecken stammt aus der Gardelegener Nikolaikirche. Es zeigt eine Kreuzigungsgruppe, die zwölf Apostel und den Hl. Nikolaus[8]
Gardelegen Marienkirche Taufe.JPG
Lauenburg, St. Maria Magdalena Commons-logo.svg Cord Friedebusch datiert 1466
Pilsum, Kreuzkirche Commons-logo.svg Hinrich Klinghe 1469 Das Becken ruht auf vier Diakonen als Standfiguren, deren Köpfe durch die Evangelistensymbole dargestellt werden. Die Evangelisten Matthäus und Markus werden irrtümlich beide als „sanctus marcus“ bezeichnet. Die Namen der Figuren in den Feldern, die durch kleine Musikerfiguren voneinander getrennt werden, sind auf Nimbenumschriften angegeben. Nach der Kreuzigungsszene mit Maria und Johannes folgen zwölf Apostel (mit Paulus und Matthias statt Judas Iskariot und Judas Thaddäus) sowie Bischof Nikolaus.
Pilsum baptismal font eastside.jpg
Zeven, St. Viti Commons-logo.svg Hinrich Klinghe 1469 Mit „ghert klinge“ signiert, aber aus stilistischen Gründen Hinrich Klinghe zugeschrieben. Drei Diakone tragen das Becken, auf dessen Wandung die Kreuzigungsszene und zehn Apostel als Relief dargestellt werden.
Bramstedt, St. Jacobi Commons-logo.svg Hinrich Klinghe 1469 Das Becken ruht auf vier Diakonen. In den Feldern werden biblische Figuren dargestellt.
Bramstedt St Jacobi Kirche 06 (RaBoe).jpg
Eilsum, Kirche Commons-logo.svg Barthold Klinghe der Ältere 1472 Vier Diakonen tragen das Becken, auf dessen Wandung Christus, Maria und Apostel erscheinen.
Eilsum church baptismal font nortwest side.jpg
Müden, St. Laurentius Commons-logo.svg Hinrich Klinghe 1473 Drei Diakone als Standfiguren tragen das Becken. Kielbögen gliedern die Beckenwandung. Darüber sind Lilienornamente angebracht, in den Feldern darunter finden sich Apostelfiguren mit ihren Attributen.
Muedentaufe2.jpg
Bützow, Stiftskirche Commons-logo.svg 1474
Esens, St. Magnus Commons-logo.svg Hinrich Klinghe 1474 Die vier Sphinxen, auf denen das Becken ruht, wurden nachträglich angebracht (um 1600). Die Beckenwandungen sind durch Kielbögen gegliedert. Die größte Darstellung nimmt die Kreuzigungsszene mit Maria und Johannes ein. Dem schließen sich fünf Apostel, ein Relief der Taufe Christi im Jordan, ein heiliger Bischof und weitere fünf Apostel an.
Taufbecken in St. Magnus in Esens
Uttum, Kirche Commons-logo.svg Hinrich Klinghe 1474 Das Becken ruht auf vier Diakonen. Auf der Beckenwandung folgen nach der Kreuzigungsszene fünf Apostel, Bischof Nikolaus, Christi Taufe und weitere fünf Apostel.
Uttum churchbaptismal font north side.jpg
Stendal, St. Marien Commons-logo.svg Lübecker Meister 1474
Stendal Marienkirche Fuente 2 2011-09-17.jpg
Pellworm, Alte Kirche Commons-logo.svg Hinrich Klinghe 1475 Ursprünglich von Laurens Leve für die Kirche zu Buphever gestiftet, die in der Burchardiflut 1634 unterging.
Warschau, Nationalmuseum Commons-logo.svg Jodocus Tauchen 1475 Die Fünte stammt aus der Elisabethkirche in Breslau und wurde 1946 in das Nationalmuseum Warschau überführt.
Tauchen Baptismal font 02.jpg
Schleswig, Dom Commons-logo.svg Hinrich Klinghe 1480 Unsigniert. Hinrich Klinghe zugeschrieben wegen Ähnlichkeit mit der ebenfalls von Laurens Leve gestifteten Pellwormer Fünte. Barocke Träger von 1666 und Reste einer Bemalung
Schleswig Dom baptismal font 01.jpg
Albersdorf, St. Remigius Commons-logo.svg Klinghe-Werkstatt letztes Viertel des 15. Jahrhunderts Das Becken ruht auf vier flachen Stützen, auf denen St. Georg im Relief dargestellt ist. Die sorgfältig gearbeiteten Darstellungen in den Feldern zeigen außer der Taufe Jesu und Maria mit Kind die Heiligen Petrus, Matthias, Philippus, Jacobus d. J., Jacobus d. Ä., Katharina, Johannes Ev., Remigius, Bartholomäus, Paulus.
Albersdorf Taufbecken.jpg
Aarhus, Dom St. Clemens Commons-logo.svg Peter Hansen 1481
AarhusDom-04-1.jpg
Hadersleben, Marienkirche Commons-logo.svg Peter Hansen 1485 in Flensburg Das Becken steht auf vier einzelnen Füßen, deren Form den Symbolen der vier Evangelisten nachempfunden sind.
Haderslev Domkirke baptismal font S.jpg
Norderbrarup, Marienkirche Commons-logo.svg Peter Hansen 1486
Norderbrarup Taufbecken.jpg
Lenzen, St. Katharinen Commons-logo.svg 1486
Lenzen Stadtkirche Taufbecken.jpg
Halk, St. Jacobi Commons-logo.svg Peter Hansen 1491
Halk døbefont 1.jpg
Heiligenstadt, St. Marien Commons-logo.svg Hans Tegetmeiger und Arnt Eddelendes 1492 Grapenförmiger Kessel auf drei Trägern
Heiligenstadt St. Marien Taufe.jpg
Wiegboldsbur, Wibadi-Kirche Commons-logo.svg Peter Clockgether datiert 1496 Wird von vier Rittern getragen. Unter den Kielbögen in der Beckenwandung sind die Kreuzigungsszene und Apostel zu sehen.
Wibadi-Kirche Taufe0.jpg
Flensburg, St. Nikolai Commons-logo.svg Peter Hansen 1497 Kuppa in Kesselform auf vier Evangelisten als Standfiguren. Der Glockengießer Hansen schuf 1486 bereits das Taufbecken in Norderbrarup.
Sankt Nikolaj Kirke (Flensborg) 13.JPG
Debstedt, St. Dionysius Commons-logo.svg Goteke Klinghe 1497
Næstved, St. Petri Commons-logo.svg um 1500 Pokal ohne Nodus, stilistisch an der Schwelle zur Renaissance
Nordenskirker Naestvedpeder (82).jpg
Heiligenstadt, St. Aegidien Commons-logo.svg Hans Rese 1507
Kröpelin, Stadtkirche Commons-logo.svg Andreas Ribe 1508
Kröpelin Stadtkirche Taufbecken.jpg
Mölln, St. Nicolai Commons-logo.svg Peter Wulf 1509
Mölln Taufe 1.jpg
Eutin, St. Michaelis Commons-logo.svg 1511
St. Michaelis (Eutin) Taufbecken.JPG
Rostock, St. Petri Commons-logo.svg Andreas Ribe 1512 Glockenförmiger Kessel mit drei fellbekleideten Trägerfiguren, an der Wandung zwei Reihen von Relieffiguren
St. Petri Rostock Font1.jpg
Næstved, St. Mortens Commons-logo.svg 1515 Vier Löwen als Tragfiguren
Flintbek, Kirche Commons-logo.svg Reymer Jappe 1515
Flintbek Taufbecken 1.jpg
Salzwedel, St. Marien Commons-logo.svg Hans von Köln 1522
Marienkirche Taufe.jpg

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Glockenkunde#Fünten – Quellen und Volltexte
  • Johannes Baltzer, Friedrich Bruns: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Freien und Hansestadt Lübeck. Herausgegeben von der Baubehörde. Band III: Kirche zu Alt-Lübeck. Dom. Jakobikirche. Ägidienkirche. Nöhring, Lübeck 1920. Unveränderter Nachdruck 2001, ISBN 3-89557-167-9.
  • Hartwig Beseler (Hrsg.): Kunsttopographie Schleswig-Holstein. Neumünster 1974. Neuauflage 1989, ISBN 3-529-02627-1.
  • Gustav Lindtke: Lübecker Bronzetaufen des Mittelalters. In: Der Wagen. 1966, S. 53–62.
  • Albert Mundt: Die Erztaufen Norddeutschlands von der Mitte des XIII. bis zur Mitte des XIV. Jahrhunderts. Dissertation. Universität Halle (Saale) 1908. Klinkhardt & Biermann, Leipzig 1908, (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  • Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. II. Band: Die Amtsgerichtsbezirke Wismar, Grevesmühlen, Rehna, Gadebusch und Schwerin. Schwerin 1898. Neudruck 1992, ISBN 3-910179-06-1.
  • Reinhold Spichal: Waren mittelalterliche Bronzetaufbecken auch verkörperte Raummaße? Eichamt Bremen, Bremen.
  • Wolfgang Teuchert: Taufen in Schleswig-Holstein. Boyens, Heide in Holstein 1986, ISBN 3-8042-0365-5 (Kleine Schleswig-Holstein-Bücher 37).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Zuschreibung durch Thieme-Becker an den Meister Ulricus steht wohl in Widerspruch zu Datierungen bei Beseler, wonach die Fünte aus dem letzten Viertel des 13. Jahrhunderts stammen soll.
  2. In Lüneburg und dem Niederelberaum nachweisbarer Wanderglockengießer der erste Hälfte des 14. Jahrhunderts, Schüler des Herman gen. Clocgetere. (Nach Thieme-Becker: Meister Ulrich)
  3. nach Mundt (Lit.), S. 10.
  4. Hans Wentzel: Das Taufbecken des Beno Korp und einige verwandte Skulpturen in Schweden und Norddeutschland. 1938. (PDF; 2,9 MB)
  5. Jan Seewald, Große Baudenkmäler Heft 344 Deutscher Kunstverlag, München Berlin, 1993
  6. Beseler (1974), S. 73 ff.
  7. Emil Ferdinand Fehling: Lübeckische Ratslinie. Nr. 525; † 1464(!), Schonenfahrer; er stiftete seiner Stadt testamentarisch 4.000 Mark zum Bau des Holstentores.
  8. Jürgen Bajerski: Kleiner Führer durch die St. Marienkirche Gardelegen. Gardelegen 2001.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]