Mittelbuchen

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Koordinaten: 50° 10′ 40″ N, 8° 53′ 18″ O

Mittelbuchen
Stadt Hanau
Ehemaliges Gemeindewappen von Mittelbuchen
Höhe: 115 (150–160) m ü. NHN
Fläche: 9,43 km²[1]
Einwohner: 3787 (1. Apr. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 401 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 63454
Vorwahl: 06181

Mittelbuchen ist der urkundlich am frühesten belegte und vor allem ländlichst geprägte Stadtteil von Hanau im Main-Kinzig-Kreis in Hessen mit rund 3900 Einwohnern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelbuchen liegt auf einer Höhe von 116 m über NN und ist der nördlichste Stadtteil von Hanau, 5,5 km nordwestlich der Kernstadt gelegen und von dieser durch einen Forst getrennt. Die Stadt Frankfurt am Main liegt etwa 17 Kilometer westlich. Die nächstgelegenen Orte sind im Westen der Stadtteil Wachenbuchen der Stadt Maintal und im Osten Bruchköbel, jeweils nur wenige Hundert Meter entfernt. Etwa drei Kilometer nordwestlich liegt, getrennt durch den Höhenrücken der „Hohen Straße“, Kilianstädten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich der Gemarkung sind archäologisch mehrere jungsteinzeitliche Dörfer der Bandkeramischen Kultur aus der Zeit von 5500 bis 4900 v. Chr. nachgewiesen, darunter auch eine Siedlung der sogenannten Ältesten Linearbandkeramik am nördlichen Rand von Mittelbuchen (Hinter dem Hain), also aus der Zeit, als die ersten Menschen in Mitteleuropa sesshaft wurden. Auch nachfolgend sind aus der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der frühen Eisenzeit zahlreiche Fundstellen belegt. In der frühen Zeit der römischen Besetzung der Wetterau befand sich hier am Ende 1. Jh. n. Chr. ein Kastell des ersten Wetterau-Limes. Im weiteren Verlauf der römischen Kaiserzeit wurde die Gemarkung durch mehrere römische landwirtschaftliche Einzelhöfe geprägt, den sogenannten villae rusticae. Eine herausgehobene – wenn auch bisher nur in Ansätzen erkennbare – Bedeutung scheint Mittelbuchen bereits in der frühen Völkerwanderungszeit (3. – 6. Jahrhundert n. Chr.) gehabt zu haben, wie 1994 entdeckte spektakuläre Siedlungsfunde im Bereich der Oberdorfelder Straße gezeigt haben. Die Lage des heutigen Ortes geht auf eine fränkische Siedlung zurück, von der sich zahlreiche Gräber nordwestlich des alten Ortskernes fanden.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste erhaltene Erwähnung der Gemarkung Bucha stammt vom 1. Juni 798 aus einer im Lorscher Codex verzeichneten Schenkungsurkunde eines Liubert an das Kloster Lorsch.[3] Eine Unterscheidung zwischen den benachbarten späteren Buchen-Orten Mittelbuchen, Wachenbuchen, und der heutigen Wüstung Lützelbuchen wurde zu dieser Zeit noch nicht getroffen. Der Name der drei Orte findet sich auch in der Bezeichnung der übergeordneten politischen Einheit, des Amtes Büchertal wieder. Der Ort war ab dem 11. Jahrhundert über längere Zeit ein Dorf der Herren von Buchen, deren Burg Wachenbuchen sich wenige Kilometer südwestlich von Mittelbuchen befand. Deren Nachfolger waren im 13. Jahrhundert die Herren von Hanau. In der Nähe des Kinzigheimer Hofes findet sich auf Mittelbuchener Gemarkung die Altenburg, eine weitere Burganlage, deren Datierung unklar ist. Das Amt Büchertal und damit Mittelbuchen gehörte zu der Herrschaft und späteren Grafschaft Hanau, dann der Grafschaft Hanau-Münzenberg. 1370 war die Vogtei ein Lehen der Herren von Hanau an die von Brauneck.

1363 wird eine Pfarrkirche genannt, die dem Heiligen Bonifatius geweiht war. Kirchliche Mittelbehörde war vor der Reformation das Archidiakonat des Propstes von St. Maria ad Gradus in Mainz, Landkapitel Roßdorf. Das Patronat lag bei den Herren, später den Grafen von Hanau. Seit 1486 war der Pfarrer von Mittelbuchen zugleich einer der Kanoniker der Stiftskirche St. Maria-Magdalena in Hanau.[4]

Hanau war Mainzer Pfandschaft und stand unter der Vormundschaft von Erzbischof Johann von Nassau, als mit Schreiben vom 29. April 1419 und 16. Mai 1419 der Befehl des erzbischöflich-mainzischen Kellners zu Hanau ergangen ist, dass der Ort Mittelbuchen von den Ortsbewohnern, „Landsiedeln“ zu befestigen, zu „umbgraben“ sei, also mit Graben und Wall zu versehen ist. In anderen Angaben heißt es, der Ort wurde ab dem späten 15. Jahrhundert von einer 725 Meter langen und 60 cm dicken Mauer umschlossen. Dieses ist nach den neuesten Untersuchungen aber nicht richtig. Auch das heute noch bestehende „Obertor“ erfuhr seine Ersterwähnung nicht im Jahr 1535, sondern bereits im Jahr 1485. Wann der daneben stehende „Säuturm“ entstanden ist, ist nicht bekannt.

Der auf einer Anhöhe stehende Kirchturm ist wohl in der gleichen Zeit erbaut worden, was die Jahreszahl 1494 ausweist. Es ist anzunehmen, das dieser als Wart- und Wehrturm genutzt wurde.

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisches Obertor mit Wehrturm und Heimatmuseum.
Alteburg im Wald bei Mittelbuchen

In erhaltenen Urkunden wurde Mittelbuchen unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[5]

  • Bucha (798)
  • Buchon (um 850)
  • Buochon (948)
  • Buochehun (1059)
  • Buocho (1062)
  • Buchen (1237)
  • Mittelnbuchen (1344)
  • Mittilnbuychin (1360)

Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reformation setzte sich in der Grafschaft Hanau-Münzenberg in der Mitte des 16. Jahrhunderts zunächst in ihrer lutherischen Ausprägung durch. In einer „zweiten Reformation“, wurde die Konfession der Grafschaft Hanau-Münzenberg erneut gewechselt: Graf Philipp Ludwig II. verfolgte ab 1597 eine entschieden reformierte Kirchenpolitik. Er machte vom Jus reformandi Gebrauch, seinem Recht als Landesherr, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen, und setzte dies für die Grafschaft weitgehend als verbindlich durch, so auch in Mittelbuchen. Kirchliche Oberbehörde war nun das Konsistorium in Hanau. Die Gemeinde gehörte zur „Klasse“ (Dekanat) Bücherthal.

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg und damit auch das Amt Büchertal und Mittelbuchen.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1803 wurde die Landgrafschaft Hessen-Kassel zum Kurfürstentum Hessen erhoben. Während der napoleonischen Zeit stand das Amt Büchertal ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807–1810 zum Fürstentum Hanau und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, ging das Amt Büchertal im neu gebildeten Kreis Hanau auf.

Mit dem Aufkommen der Industrialisierung wuchs die Bevölkerungszahl gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf über tausend Einwohner an.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Ort durch zwei Luftangriffe zum Teil zerstört.

Im Vorfeld der Gebietsreform in Hessen stand Mittelbuchen vor der Entscheidung, sich Bruchköbel, der neu gebildeten Stadt Maintal oder Hanau anzugliedern. Die Gemeindevertretung entschied sich mit einer Stimme Mehrheit für Hanau. So wurde Mittelbuchen am 31. Dezember 1971 ein Stadtteil von Hanau.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind:[5]

  • 1544: 0117 Mann
  • 1587: 0086 wehrhafte Männer
  • 1632: 0052 Familien[7]
  • 1644: 0246[8]
  • 1686: 0300[9]
  • 1707: 0065 Familien
  • 1754: 0094 Familien = 411 Einwohner
  • 1895: 0874 Einwohner
  • 1939: 1.310
  • 1961: 1.592
  • 1970: 1.860
  • 2010: 3.705[10]
Mittelbuchen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
604
1840
  
621
1846
  
622
1852
  
686
1858
  
665
1864
  
725
1871
  
756
1875
  
754
1885
  
827
1895
  
874
1905
  
1.003
1910
  
1.110
1925
  
1.208
1939
  
1.310
1946
  
1.542
1950
  
1.619
1956
  
1.563
1961
  
1.592
1967
  
1.717
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. August 1965 wurde der Gemeinde Mittelbuchen im Landkreis Hanau, Regierungsbezirk Wiesbaden, ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Gold eine grüne Buche zwischen den schwarzen Buchstaben M und B.[11]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mittelbuchen gibt es keine Schule. Mittelbuchener Grundschüler besuchen die für beide Stadtteile gemeinsam betriebene Büchertalschule an der Gemarkungsgrenze zwischen Mittelbuchen und Maintal-Wachenbuchen. Weiterführende Schulen sind in Hanau und Bruchköbel vorhanden.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Östlich von Mittelbuchen verläuft die Bundesstraße 45. Straßenverbindungen existieren nach Hanau und den umliegenden Städten und Gemeinden.

Die Hanauer Straßenbahn AG bedient Mittelbuchen mit Bussen der Linie 9. Die aus Richtung Niederdorfelden kommende Regionalbuslinie MKK-31 durchquert Mittelbuchen ebenfalls, eine Fahrt mit dieser Buslinie ist allerdings doppelt so teuer wie mit der Linie 9.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Jüngling: Vom Altertum zum Mittelalter. bucha marca 798–1998 iubilans. In: Festschrift 1998, S. 10–39.
  • Tim Kerig: Hanau-Mittelbuchen. Siedlung und Erdwerk der bandkeramischen Kultur. Materialvorlage – Chronologie – Versuch einer handlungstheoretischen Interpretation. Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologie 156. Bonn 2008.
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck 14, ISSN 0342-2291). Elwert, Marburg 1926, S. 72 f. (Unveränderter Neudruck. ebenda 1974, ISBN 3-7708-0509-7).
  • Eugen Heinz Sauer: Büchertalgeschichten : Festbuch zur 1200-Jahr-Feier der Stadtteile Hanau-Mittelbuchen und Maintal-Wachenbuchen. 1997
  • Eugen Heinz Sauer: Zwölfhundert Jahre Mittelbuchen. Eine Chronik von Mittelbuchen von den frühesten Anfängen bis zu seiner Eingemeindung in die Stadt Hanau. Hanau 1979.
  • Ernst Gimplinger: „Flurnamen in Mittelbuchen in Vergangenheit und Gegenwart“. Hanau 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik für den Stadtteil im Internetauftritt der Stadt Hanau, abgerufen im März 2016.
  2. Statistik der Stadt Hanau vom Juni 2015: Einwohnerzahlen mit Hauptwohnsitz, abgerufen im März 2016.
  3. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 5), Urkunde 3013, 1. Juni 798 – Reg. 2622. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 56, abgerufen am 21. April 2016.
  4. Max Aschkewitz: Pfarrergeschichte des Sprengels Hanau („Hanauer Union“) bis 1986, Teil 1 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 33. Marburg 1984, S. 245.
  5. a b „Mittelbuchen, Main-Kinzig-Kreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 22. Dezember 2014)
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 345.
  7. In den Jahren 1632, 1707 und 1754 wurde in der Grafschaft Hanau die Zahl der Einwohner ermittelt. Die Zahlen sind hier wiedergegeben nach Erhard Bus: Die Folgen des großen Krieges – der Westen der Grafschaft Hanau-Münzenberg nach dem Westfälischen Frieden. In: Hanauer Geschichtsverein: Der Dreißigjährige Krieg in Hanau und Umgebung = Hanauer Geschichtsblätter 45 (2011), ISBN 978-3-935395-15-9, S. 277–320 (289 ff.)
  8. Sauer: 1200 Jahre, S. 72.
  9. Sauer: 1200 Jahre, S. 72.
  10. Stadt Hanau
  11. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 31. August 1965 (StAnz. S. 1102) Seite 2 der tif-Datei 1,8 MB