Mitteldestillat

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Gasöl
Andere Namen

straight-run, Mittelöl, Blauöl oder Grünöl, Vacuum Gas Oil

Kurzbeschreibung Raffinationsprodukt, Dieselkraftstoff, Brennstoff
CAS-Nummer
  • 93924-33-5 [1]
  • 64742-29-6 [2]
Eigenschaften
Aggregatzustand flüssig
Viskosität

2–8 mm²/s (20 °C)[3]

Cetanzahl

40–60 CZ

Siedebereich
  • 190–330 °C [1]
  • 230–400 °C [2]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
08 – Gesundheitsgefährdend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 350
P: ?
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4][1][2]
Giftig
Giftig
(T)
R- und S-Sätze R: 45
S: 45​‐​53
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Gasöl SA
Andere Namen

Gasöl ISO-DMA

Kurzbeschreibung Raffinationsprodukt, Brennstoff
CAS-Nummer

64741-49-7 [5]

Eigenschaften
Aggregatzustand flüssig
Viskosität

max. 6 mm2/s (40 °C) [5]

Dichte

max. 0,860 kg/l (15 °C) [5]

Cetanzahl

40–60 CZ

Siedebereich

220–450 °C [5]

Flammpunkt

≥60 °C [5]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [6]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [7][5]
Gesundheitsschädlich Umweltgefährlich
Gesundheits-
schädlich
Umwelt-
gefährlich
(Xn) (N)
R- und S-Sätze R: 51/53​‐​65​‐​66
S: 24​‐​61​‐​62
UN-Nummer 1202
Gefahrnummer 30
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Mitteldestillat nennt man die Produkte, die bei der Raffination von Rohöl im „mittleren“ Siedebereich (140 °C bis 370 °C) gewonnen werden.[8] Sie fallen in zwei Primärfraktionen als Kerosin (Petroleum) mit einem Siedebereich von 140-250 °C und Gasöl mit einem Siedebereich von etwa 250-350 °C an.[9] Dazu zählen leichtes Heizöl, Dieselkraftstoff und Jet A1.

Ebenso werden Komponenten, die bei der Rektifikation eines Vielstoffgemischs aus den mittleren Abzügen gewonnen werden, als Mitteldestillate bezeichnet (z. B.: Kerosin, Leichtgasöl, Schwergasöl).

Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Mitteldestillaten bilden die Alkane mit 70-80 % den Hauptbestandteil, unter ihnen die Naphthene mit 20-25 % und die iso-Parafine. In der Aromatenfraktion (20-30 %) herrschen die Alkylbenzole vor (bis etwa 15 %), gefolgt von den Alkylnaphthalinen. Auch die Indane (Benzolkern mit Cyclopentan kondensiert) sind mit 4-6 % noch durchaus deutlich vertreten. In Mitteldestillaten findet man Alkylbenzole, Alkylnaphthaline und Alkylanthracene. Aus massenspektroskopischen Untersuchungen lässt sich zusätzlich die symmetrische C-Verteilung um C18 bis C20 entsprechend dem Destillationsschnitt der Mitteldestillate zeigen. Indane und Indene gleicher Siedelage sind als Begleitsubstanzen vorhanden.[10]

Zusammensetzung eines Mitteldestillates[10]
Verbindungen Gewichts %
n- und iso-Alkane 50-53
Monocyclische Alkane 10-16
Dicyclische Alkane 6-9
Tetracyclische Alkane 1,5-4
Alkylbenzole 4-12
Indane, Tetraline 4-6
Indene 0,5-1,5
Naphthalin 0,1-0,2
Alkylnaphthaline 7-9
Acenaphthene 0,5-1,5
Tricyclische Aromaten 0,1-0,9

Gewinnung der Mitteldestillate bei der Rohöldestillation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Destillation von Erdöl werden verschiedene Rohstoffe gewonnen. Das vom Röhrenofen erhitzte Rohöl fließt in den Destillationsturm (auch Destillations-Kolonne genannt). Dieser enthält eine große Anzahl von Böden, in denen sich von unten nach oben sinkende Temperaturen einstellen. Sobald die Öldämpfe nach oben steigen, kühlen sie ab und kondensieren. Je nach der Siedetemperatur geschieht das auf unterschiedlichen Böden der Kolonne. Die Mitteldestillate werden durch Seitenabzüge aus der Destillationskolonne abgezogen. Schweres Gasöl wird knapp oberhalb des Rohöleintritts in die Kolonne abgezogen, Leichtgasöl wird einige Böden darüber, Kerosin kurz unterhalb des Kolonnenkopfes. In nachfolgenden Seitenstrippern werden ggf. leichte Anteile aus der jeweiligen Mitteldestillatfraktion entfernt. Hierdurch wird der Flammpunkt der jeweiligen Komponente erhöht.

Aufbau einer Haupttrennsäule in der Erdölraffination[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Der komplette Aufbau ist unter dem Eintrag Erdölraffinerie beschrieben.)

  • Die Kopffraktion wird in die Überdrucktrennsäule geleitet, in der Raffineriegas, Flüssiggase und Benzin gewonnen werden.
  • Der erste Seitenabzug wird in den ersten Seitenstripper geleitet, wobei Kerosin produziert wird.
  • Der zweite und dritte Seitenabzug sind die Mitteldestillatabzüge, welche in den jeweils zweiten & dritten Seitenstripper geleitet werden. Hier werden die Gasölfraktionen gewonnen.
  • Die Sumpffraktion wird entweder direkt als schweres Heizöl verwendet oder in der Vakuumdestillation in Bitumen und Vakuumgasöl aufgetrennt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Eintrag zu Gasöle, paraffinhaltig; Gasöl – nicht spezifiziert in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 8. Mai 2008 (JavaScript erforderlich)
  2. a b c Eintrag zu Gasöle (Erdöl), chemisch neutralisiert; Gasöl – nicht spezifiziert in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 17. März 2013 (JavaScript erforderlich)
  3. Vorsorgeplan Schadstoffunfallbekämpfung: Bekämpfungshandbuch, Kapitel 5.1.2 Viskosität (Viscosity): Viskositäten der wichtigsten Ölprodukte, abgerufen 9. Oktober 2016.
  4. Für Stoffe ist seit dem 1. Dezember 2012, für Gemische seit dem 1. Juni 2015 nur noch die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung gültig. Die EU-Gefahrstoffkennzeichnung ist daher nur noch auf Gebinden zulässig, welche vor diesen Daten in Verkehr gebracht wurden.
  5. a b c d e f SICHERHEITSDATENBLATT Gasöl SA, Gasöl ISO-DMA (Memento vom 15. November 2008 im Internet Archive)
  6. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  7. Für Stoffe ist seit dem 1. Dezember 2012, für Gemische seit dem 1. Juni 2015 nur noch die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung gültig. Die EU-Gefahrstoffkennzeichnung ist daher nur noch auf Gebinden zulässig, welche vor diesen Daten in Verkehr gebracht wurden.
  8. Rüdiger Düsing: Multidimensionale Fluoreszenzspektroskopie in der Umweltanalytik. Herbert Utz Verlag, 2002, ISBN 978-3-8316-0092-2, S. 5 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Jochen Latz: Entschwefelung von Mitteldestillaten für die Anwendung in mobilen Brennstoffzellen-Systemen. Forschungszentrum Jülich, 2008, ISBN 978-3-89336-535-7, S. 7 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  10. a b Hubert Hellmann: Umweltanalytik von Kohlenwasserstoffen. John Wiley & Sons, 2009, ISBN 3-527-62445-7, S. 9 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).