Mittelmeer-Diät

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Übliche Bestandteile der mediterranen Ernährung
La Piramide Universale della Dieta Mediterranea

Die Mittelmeer-Diät (oder mediterrane Ernährung) ist ein Ernährungsmodell, das auf Olivenöl, Vollkorn-Getreideprodukten, unverarbeitetem frischem oder getrocknetem Obst und Gemüse, Fisch und einer gemäßigten oder geringen Menge an Milchprodukten, Wein und Fleisch sowie vielen Kräutern und Gewürzen basiert. Die Mittelmeer-Diät wurde 2010 von der UNESCO in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. In Übereinstimmung mit der Gastronomie fasst die UNESCO die gesamte Bandbreite von Lebensstil, Kommensalität, Tradition und Rituale zusammen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Konzept wurde von dem amerikanischen Wissenschaftler Ancel Keys erstellt, der von den geringen Zahlen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den Bevölkerungsgruppen, die sich so ernähren, beeindruckt war. Grund seiner Studie war der rasante Anstieg von Herzinfarkten und Schlaganfällen bei wohlhabenderen Amerikanern nach dem Zweiten Weltkrieg. Kritiker vermuteten jedoch, dass das Ausmaß mit einem entsprechenden Rückgang der Todesfälle aufgrund von Infektionskrankheiten bei jungen Menschen zusammenhängen könnte – daher ein größerer Anteil der Todesfälle aufgrund chronischer Krankheiten wie Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall, sowie der Art und Weise, wie Todesursachen in Sterbeurkunden erfasst wurden. Ancel Keys war überzeugt, dass eine Hauptursache für Herzerkrankungen hohe Cholesterinwerte und gesättigte Fette aus Milchprodukten und rotem Fleisch waren. Bei seinen Untersuchungen nahm er Zufallsstichproben von Italienern, Spaniern und Kretern für die Sieben-Länder-Studie. Schon lange vor seinem Abschlussbericht war Keys von der Wirksamkeit der Mittelmeer-Diät bei der Senkung des Cholesterinspiegels und damit der Herzkrankheit überzeugt. Er schrieb 1959 Eat Well and Stay Well, wobei seine Frau einige nicht sehr mediterrane Rezepte beisteuerte, was später mit The Mediterranean Way untertitelt wurde.

Gesundheitliche Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vielfältigen Ursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden häufig als Folge mehrerer Risikofaktoren zusammengefasst. Was Keys und andere ignorierten, sind das Rauchen und die Armut (was möglicherweise erklärt, warum Monaco die höchste Lebenserwartung in der Welt hat). Das Musterbeispiel Griechenland hat jedoch die fünfthöchste Anzahl fettleibiger Menschen auf der Welt und eine kürzere Lebenserwartung als Großbritannien. In den Modellen für perfekte Gesundheit werden immer wieder „Paradoxe“ gefunden, darunter das französische „Paradox“ mit geringen Herzkrankheitsraten und hoher Lebenserwartung bei einem hohen Konsum an gesättigten Fetten und regelmäßig ein Glas Rotwein.[1]

Seitdem untersuchten viele wissenschaftliche Studien gesundheitliche Aspekte und Auswirkungen derartiger Ernährungsweisen und -Komponenten. Laut systematischen wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten senkten derartige Ernährungsweisen die Gesamtsterblichkeit.[2][3] Die positiven Effekte sind stärker wenn diese Ernährung mit körperlicher Aktivität und dem Verzicht auf Rauchen und Alkoholkonsum kombiniert werden.[3] Zudem wurden auch positive Auswirkungen für ein Vorbeugen von Diabetes Typ 2 und Herzerkrankungen – der häufigsten Todesursache weltweit – ermittelt.[4][5][6] Sie kann zudem von übergewichtigen Menschen zum Gewichtsverlust angewendet werden.[7]

Variationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mediterrane Ernährung kann als pflanzenbasierte Ernährung angesehen werden, da sie nur wenige tierische Lebensmittel beinhaltet.[8]

Es können Variationen der Grundlagen der üblichen oder traditionellen mediterranen Ernährung konstruiert und mit wissenschaftlichen Mitteln untersucht werden. Diese Modifikationen können auf weitere Verbesserungen der menschlichen Gesundheit im Allgemeinen, auf personalisierte Gesundheitsziele – wie Gewichtsabnahme oder Muskelwachstum – und/oder auf ökologische Nachhaltigkeit abzielen.

Erhöhung des pflanzlichen Anteils[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine randomisierte kontrollierte Studie, in der ca. 300 fettleibige Personen nach dem Zufallsprinzip eine von drei Ernährungsweisen zugeteilt bekamen, zeigte, dass eine gezielte zusätzliche Erhöhung des Anteils pflanzlicher Lebensmittel – wie z. B. die tägliche Einnahme von Nahrung auf Basis von Mankai-Eiweißshakes – neben einer zusätzlichen Einschränkung des Fleischkonsums und dem regelmäßigen Konsum von grünem Tee die positiven Effekte der Mittelmeerdiät verstärken kann.[9][10]

Vergleich zu einer rein pflanzlichen Ernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftler um Neal D. Barnard sind der Frage nachgegangen, wie sich ein gänzlicher Verzicht auf tierische Lebensmittel im Vergleich auswirkt.

In einer randomisierten, doppelblinden Cross-Over-Studie wurde die mediterrane Ernährung mit einer Öl-freien, rein pflanzlichen (veganen) Kost verglichen. Studienteilnehmer waren übergewichtige Erwachsene. Die Studie brachte folgendes Ergebnis: [11]

  • Beide Kostformen verringerten den Blutdruck, die mediterrane mit 6,0 mmHg, mehr als die vegane mit 3,2 mmHg.
  • Die mediterrane Kost führte zu keinem Gewichtsverlust, während die vegane Kost im Schnitt zu -6 kg Gewichtsverlust führte.
  • Die vegane Kost führte zu 3,4 kg Fettverlust und 315 cm³ weniger Viszeralfett.
  • Während die mediterrane Kost keinen Einfluss auf den Cholesterin-Spiegel hatte, führte die vegane Kost zu −18,7 mg/dL weniger Gesamtcholesterin und −15,3 mg/dL weniger LDL-Cholesterin.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alan Davidson: The Oxford companion to food. 3rd ed. New York, NY 2014, ISBN 978-0-19-967733-7, S. 510–511.
  2. Donna K. Arnett, Roger S. Blumenthal, Michelle A. Albert, Andrew B. Buroker, Zachary D. Goldberger, Ellen J. Hahn, Cheryl D. Himmelfarb, Amit Khera, Donald Lloyd-Jones, J. William McEvoy, Erin D. Michos, Michael D. Miedema, Daniel Muñoz, Sidney C. Smith, Salim S. Virani, Kim A. Williams, Joseph Yeboah, Boback Ziaeian: 2019 ACC/AHA Guideline on the Primary Prevention of Cardiovascular Disease. In: Circulation. 140, Nr. 11, 17. März 2019, S. e596–e646. doi:10.1161/CIR.0000000000000678. PMID 30879355.
  3. a b https://academic.oup.com/eurpub/article/28/5/955/5050889
  4. L Van Horn, JA Carson, LJ Appel, LE Burke, C Economos, W Karmally, K Lancaster, AH Lichtenstein, RK Johnson, RJ Thomas, M Vos, J Wylie-Rosett, P Kris-Etherton, American Heart Association Nutrition Committee of the Council on Lifestyle and Cardiometabolic Health; Council on Cardiovascular Disease in the Young; Council on Cardiovascular and Stroke Nursing; Council on Clinical Cardiology; and Stroke Council: Recommended Dietary Pattern to Achieve Adherence to the American Heart Association/American College of Cardiology (AHA/ACC) Guidelines: A Scientific Statement From the American Heart Association.. In: Circulation. 134, Nr. 22, 29. November 2016, S. e505–e529. doi:10.1161/CIR.0000000000000462. PMID 27789558.
  5. Alison B. Evert, Michelle Dennison, Christopher D. Gardner, W. Timothy Garvey, Ka Hei Karen Lau, Janice MacLeod, Joanna Mitri, Raquel F. Pereira, Kelly Rawlings, Shamera Robinson, Laura Saslow, Sacha Uelmen, Patricia B. Urbanski, William S. Yancy: Nutrition Therapy for Adults With Diabetes or Prediabetes: A Consensus Report. In: Diabetes Care. 42, Nr. 5, May 2019, S. 731–754. doi:10.2337/dci19-0014. PMID 31000505. PMC 7011201 (freier Volltext).
  6. American Diabetes Association: 5. Lifestyle Management: Standards of Medical Care in Diabetes-2019. In: Diabetes Care. 42, Nr. Suppl 1, January 2019, S. S46–S60. doi:10.2337/dc19-S005. PMID 30559231.
  7. Vincent A. Pallazola, Dorothy M. Davis, Seamus P. Whelton, Rhanderson Cardoso, Jacqueline M. Latina, Erin D. Michos, Sudipa Sarkar, Roger S. Blumenthal, Donna K. Arnett, Neil J. Stone, Francine K. Welty: A Clinician's Guide to Healthy Eating for Cardiovascular Disease Prevention. In: Mayo Clinic Proceedings: Innovations, Quality & Outcomes. 3, Nr. 3, 2019, ISSN 2542-4548, S. 251–267. doi:10.1016/j.mayocpiqo.2019.05.001. PMID 31485563. PMC 6713921 (freier Volltext).
  8. Harvard Health Publishing: The right plant-based diet for you. Abgerufen am 17. Februar 2021.
  9. Green Mediterranean ('green Med') diet may be even better for health (en). In: medicalxpress.com. 
  10. Gal Tsaban, Anat Yaskolka Meir, Ehud Rinott, Hila Zelicha, Alon Kaplan, Aryeh Shalev, Amos Katz, Assaf Rudich, Amir Tirosh, Ilan Shelef, Ilan Youngster, Sharon Lebovitz, Noa Israeli, May Shabat, Dov Brikner, Efrat Pupkin, Michael Stumvoll, Joachim Thiery, Uta Ceglarek, John T. Heiker, Antje Körner, Kathrin Landgraf, Martin von Bergen, Matthias Blüher, Meir J. Stampfer, Iris Shai: The effect of green Mediterranean diet on cardiometabolic risk; a randomised controlled trial. In: Heart. 4. November 2020, ISSN 1355-6037, S. heartjnl-2020-317802. doi:10.1136/heartjnl-2020-317802. PMID 33234670.
  11. Neal D. Barnard, Jihad Alwarith, Emilie Rembert, Liz Brandon, Minh Nguyen: A Mediterranean Diet and Low-Fat Vegan Diet to Improve Body Weight and Cardiometabolic Risk Factors: A Randomized, Cross-over Trial. In: Journal of the American College of Nutrition. Band 0, Nr. 0, 5. Februar 2021, ISSN 0731-5724, S. 1–13, doi:10.1080/07315724.2020.1869625, PMID 33544066.