Mittelstand

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Dieser Artikel erläutert den wirtschaftlichen Begriff, den soziologischen siehe Mittelschicht.
Darstellung der tragenden Rolle des Mittelstandes in Walter Wilhelms „Mission des Mittelstandes“ (1925)

Die Bezeichnung Mittelstand steht in Deutschland und Österreich

Der Ausdruck aus der Ständegesellschaft bekam diese Hauptbedeutung erst in jüngeren Jahren. Im Duden steht er noch im Jahre 2001 für die Mittelschicht[1]. Besonders in der Schweiz wird er weiterhin so benutzt.

Mangels äquivalenter Übersetzungen hat das Wort als Lehnwort mittelstand in die englische und spanische Sprache Eingang gefunden.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine allgemein akzeptierte oder gesetzlich vorgeschriebene Definition des Mittelstandes gibt es nicht. Er besteht zum großen Teil, aber nicht nur, aus Familienunternehmen.

Qualitative Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mittelstand ist gekennzeichnet durch die Einheit von Eigentum, Leitung, Haftung und Risiko, d.h. durch die Einheit von wirtschaftlicher Existenz und Führung sowie die verantwortliche Mitwirkung der Unternehmensführung an allen unternehmenspolitisch relevanten Entscheidungen.

Quantitative Definitionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quantitativ bezieht sich der Mittelstandsbegriff auf Unternehmen aller Branchen einschließlich des Handwerks und der Freien Berufe, die eine bestimmte Größe nicht überschreiten. Hilfsweise werden zur Größenbestimmung der Jahresumsatz, die Anzahl der Arbeitsplätze und/oder die Bilanzsumme herangezogen.

Nach der Definition des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn ist die Schnittmege von mittelständischen Unternehmen/Familienunternehmen und unabhängigen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sehr groß. Zugleich zählen aber auch Unternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten oder mehr als 50 Millionen Euro Umsatz zum Mittelstand/Familienunternehmen, wenn bis zu zwei natürlichen Personen oder ihre Familienangehörigen (direkt oder indirekt) mindestens 50% der Anteile des Unternehmens halten und diese natürlichen Personen der Geschäftsführung angehören. [2]

Die KfW-Bankengruppe definiert den Mittelstand über einen maximalen Jahresumsatz von 500 Millionen Euro. Unternehmen, deren Umsatz darüber liegt, können sich nicht für bestimmte staatliche Förderungen aus dem Hause der KfW Bankengruppe bewerben. Im internationalen Vergleich wird das Small Business oder das mittelgroße Unternehmen anhand einer Obergrenze definiert, die je nach Staat zwischen 100 und 500 Beschäftigten variiert.

Zum Vergleich: Kleine und mittlere Unternehmen sind nach einer Empfehlung der Europäischen Kommission zu Unternehmens-Größenklassen Firmen mit weniger als 250 Mitarbeitern und weniger als 50 Millionen Euro Jahresumsatz.

Volkswirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die volkswirtschaftliche Bedeutung des gewerblichen Mittelstands wird in der Regel auf der Basis der KMU-Definition des IfM Bonn berechnet, da die Mehrheit der kleinen und mittleren Unternehmen zum Mittelstand gehört. Zudem sind die prägenden qualitativen Merkmale des Mittelstands (Geschäftsführung, Eigentumsverhältnisse, wirtschaftliche Unabhängigkeit) aus den amtlichen Statistiken nur unzureichend ablesbar.

Demzufolge umfasste der Mittelstand in der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2013

  • rund 99,6 % aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen, in denen knapp
  • 59,2 % aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten angestellt sind,
  • rund 35,5 % aller Umsätze erwirtschaftet werden, sowie
  • rund 82,2 % aller Auszubildenden ausgebildet werden.[3][4]

Betrachtet man hingegen nur die Familienunternehmen, zeigt sich die volkswirtschaftliche Bedeutung anhand folgender Zahlen:

  • Etwa 95 Prozent der in Deutschland ansässigen Betriebe und Unternehmen werden als Familienunternehmen geführt.
  • Sie tragen etwa 41,5 Prozent zum Umsatz aller Unternehmen bei.
  • Sie stellen 57 Prozent der Arbeitsplätze.[5]

Der Mittelstand in Deutschland gerät im Zuge weiter fortschreitender Globalisierung und weltweit tätiger Kapitalgesellschaften zunehmend unter Wettbewerbsdruck. Um die sich daraus ergebenden Nachteile auszugleichen, haben sich in den zurückliegenden Jahrzehnten mehr und mehr mittelständische Unternehmen zu festen Kooperationen, sogenannten Verbundgruppen, zusammengeschlossen. Als einzelnes Mitglied einer Verbundgruppe bleibt dem jeweiligen Familienunternehmen die unternehmerische Selbständigkeit erhalten, durch gemeinsame überbetriebliche Aktivitäten kann es jedoch eine Marktposition erlangen, mit der sonst nur Großunternehmen aufwarten können. Verbundgruppen treten heute regional, überregional, national oder sogar international auf. Die überbetriebliche Zusammenarbeit der Verbundgruppe wird meist von einer rechtlich eigenständigen Zentrale aus organisiert und bezieht sich auf vielfältige Bereiche wie Einkauf, Marketing, Logistik, IT-Lösungen, Finanzierungsdienstleistungen, Beratung oder Schulung. In Deutschland sind aktuell rund 250.000 Unternehmen aus ca. 45 verschiedenen Branchen des Handels, des Handwerks und des Dienstleistungsgewerbes in ca. 400 Verbundgruppen zusammengeschlossen. 320 dieser Gruppen sind über den Zentralverband Gewerblicher Verbundgruppen e. V. (ZGV) mit Sitz in Berlin, Brüssel und Köln interessenpolitisch organisiert. Die Bedeutung des Mittelstandes wird auch daraus ersichtlich, dass sich über 160.000 kleine und mittlere Unternehmen mit ca. 4,3 Mio. Arbeitnehmern im Bundesverband mittelständischer Wirtschaft (BVMW) organisiert haben. Schwerpunkt der Verbandsarbeit sind die Bildung von Netzwerken, die Organisation von Veranstaltungen und die politische Interessenvertretung.[6]

Umfangreiches Datenmaterial findet sich auf der Internetseite des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn.

Finanzierung des Mittelstandes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank umfasste die Finanzierung des Mittelstandes (nach quantitativen Kriterien) im Jahr 2004 einen durchschnittlichen Eigenkapitalanteil von 15,1 % der Bilanzsumme. Das Fremdkapital wird zu 80 % durch Kredite finanziert.

Aufgrund der geringen Kapitalmarktintegration ist die Abhängigkeit von Bankkrediten sehr hoch. Entsprechend wuchs im Zuge der Finanzkrise die Befürchtung, dass aufgrund der Eigenkapitalsituation deutscher Banken sowie der schwierigen Situation auf den Verbriefungsmärkten für Mittelstandsrisiken eine Kreditklemme auf den deutschen Mittelstand zukommt. Mittlerweile hat sich die Kreditvergabe der deutschen Banken wieder verbessert. Im Juli 2010 ist die Kredithürde für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands im siebten Monat in Folge gesunken.[7]

In allen Wirtschaftssektoren liegen die durchschnittlichen Eigenkapitalquoten der KMU deutlich unter denjenigen der Großunternehmen, die 2004 eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von 27,5 % aufwiesen. Es gilt jedoch zu beachten, dass die durchschnittlichen Eigenkapitalquoten eine hohe Streuung nach Wirtschaftssektoren aufweisen. Im Vergleich zu 1997 konnten die kleinen und mittleren Unternehmen ihre Eigenkapitalquoten jedoch stärker ausweiten als die Großunternehmen.[8]

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Förderung des Mittelstandes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit März 1994 wird der deutsche Mittelstand im Wettbewerb mit dem Großen Preis des Mittelstandes ausgezeichnet.[9] Dazu findet jeweils im November jeden Jahres eine Preisverleihung statt, in der Unternehmen, Institutionen und Persönlichkeiten in unterschiedlichen Kategorien ausgezeichnet werden können. 2011 wurden bundesweit mehr als 3.500 Unternehmen zur Auszeichnung nominiert,[10] von denen eine Auswahl von einer Jury zur Preisverleihung ausgewählt werden. 2008 wurde der Vorstandsvorsitzende der Oskar-Patzelt-Stiftung, Dr. Helfried Schmidt, der gleichzeitig der Initiator des Wettbewerbs „Großer Preis des Mittelstandes“ war, für seine Leistungen mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.[11]

Seit 1996 verleiht markt intern den Deutschen Mittelstandspreis "für einen herausragenden und überzeugenden Einsatz sowie klare Positionen zum Wohle des Mittelstandes. Ausgezeichnet werden jene Politiker, die den deutschen Mittelstand nicht nur in Sonntagsreden hofieren, sondern ihm auch im politischen Alltag durch Tat und Rat zur Seite stehen."[12] Ausgezeichnet wurden u. a. Gerhard Schröder, Roman Herzog, Karl Kardinal Lehmann und Viviane Reding.

Seit 2003 wird jährlich der Medienpreis Mittelstand verliehen mit dem Ziel, das Engagement von Journalisten zum Thema Mittelstand weiter zu stärken sowie die Berichterstattung über den Mittelstand sichtbar zu machen und stärker zu würdigen. Träger des Preises ist der Wirtschaftsjunioren Deutschland e. V.[13] Den Juryvorsitz hatte 10 Jahre lang Martin Küper, Redakteur Wirtschaft beim rbb-Fernsehen. Seit Mai 2015 ist Roland Tichy[14] Juryvorsitzender (Stand November 2015).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Mittelstand – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gesamtheit der zur Mittelschicht Gehörenden Duden - Deutsches Universalwörterbuch, 4. Auflage der CD-ROM, Mannheim 2001
  2. [1] – Institut für Mittelstandsforschung – Abgerufen am 11. Februar 2016
  3. Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn: Backbone of the economy. The economic significance of small and medium-sized companies in Germany - Abgerufen am 11. Februar 2016
  4. Institut für Mittelstandsforschung (IfM) der Universität Mannheim: Bedeutung des Mittelstands in Deutschland, 13. Dezember 2005
  5. L. Haunschild, F. Wallau, H.-E. Hauser, H.-J. Wolter: Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen, Gutachten im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen, In: Institut für Mittelstandsforschung Bonn (Hrsg.): IfM-Materialien, Nr. 172, Bonn 2007
  6. Martin Kaschny, Matthias Nolden, Siegfried Schreuder: Innovationsmanagement im Mittelstand: Strategien, Implementierung, Praxisbeispiele. Gabler, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-02544-1.
  7. Zahlen zur Kreditvergabe im deutschen Mittelstand
  8. C. Adenäuer, L. Haunschild: Anmerkungen zur Eigenkapitalquote im deutschen Mittelstand. In: Institut für Mittelstandsforschung Bonn: Working Paper 2/2008
  9. Wer ist die Oskar-Patzelt-Stiftung? OPS Netzwerk GmbH, abgerufen am 3. März 2011.
  10. Nominierende 2011. OPS Netzwerk GmbH, abgerufen am 3. März 2011.
  11. Bundesverdienstkreuz für den Mittelstand. OPS Netzwerk GmbH, abgerufen am 3. März 2011.
  12. Quelle: markt intern
  13. Startseite des Wirtschaftsjunioren Deutschland e. V.
  14. Startseite von Roland Tichy