Mittelwelle

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Abstrahlung einer oberflächennahen Bodenwelle und einer an der Ionosphäre reflektierten Raumwelle (mit Multi-Hop)

Als Mittelwellen (MW oder MF für engl. Medium Frequency bzw. auf Empfangsgeräten oft mit AM für „Amplitudenmodulation“ bezeichnet) bezeichnet man elektromagnetische Wellen im Bereich von 300 kHz (1000 m Wellenlänge) bis 3000 kHz mit einer Wellenlänge von 100 m.[1]

Technische Details[Bearbeiten]

Auf Grund ihrer guten Reflexionseigenschaften an der Ionosphäre eignet sich die Mittelwelle besonders zur Fernübertragung und wird vom Rundfunk, von Funkamateuren (160-Meter-Band) und im Seefunk benutzt. Aus historischen Gründen wird die Amplitudenmodulation verwendet, weil sich AM mit einfachsten Mitteln (Kristallempfänger) demodulieren lässt, was in den Anfangsjahren des Rundfunks entscheidend war.

Von einem Mittelwellensender kann sowohl eine Bodenwelle als auch eine Raumwelle (je nach Antennenform) abgestrahlt werden. Die Bodenwelle breitet sich entlang der Erdoberfläche aus und hat, je nach benutzter Frequenz, eine Reichweite von bis zu 300 km um den Sendemast. Als Sendeantennen kommen heute meist selbststrahlende Sendemasten und T-Antennen zum Einsatz, aber auch Kreuzdipole mit vertikaler Abstrahlung. Seltener werden geerdete Türme, an Masten aufgehängte Vertikalreusen oder Langdrahtantennen verwendet.

Die Raumwelle spielt beim Fernempfang eine besondere Rolle. Diese wird in die Erdatmosphäre ausgestrahlt und wird an der Ionosphäre zurück zur Erdoberfläche reflektiert. In den Tagesstunden dämpft die Ionosphäre die Mittelwellensignale, weil sie sehr viele ungebundene Elektronen enthält. In den Nachtstunden, wenn die Dämpfung durch die D-Region schwächer wird, steigt die Reichweite bis über tausend Kilometer. Daher kann nachts eine größere Anzahl an Mittelwellensendern empfangen werden als tagsüber. So können in Europa während der Nachtstunden sogar Mittelwellensender vom amerikanischen Kontinent empfangen werden.

Werden Raum- und Bodenwelle gemeinsam empfangen, dann kommt es zu Störungen durch Interferenzen, dem Nahschwund.

Der üblicherweise für Rundfunkübertragungen genutzte Bereich der Mittelwelle liegt zwischen 525 kHz und 1705 kHz, das ist deren Gesamtausdehnung über alle weltweit zugeteilten Bänder nach dem Genfer Wellenplan (1975), RJ81 und RJ88 (ITU-Vereinbarungen), die sich leicht zueinander unterscheiden. Niedrigste jemals in Europa verwendete Frequenz war die des BR auf 522 kHz (hier aufgrund einer von vielen Sonderzuweisungen, die nur für Sender sehr kleiner Leistung erteilt wurden), die höchste Frequenz in Europa wurde verwendet bis zum 1. Juli 2012 von Radio Vatikan auf 1611 kHz.

Nutzung der Mittelwelle in Europa[Bearbeiten]

Durch die Abschaltung von vielen leistungsstarken Rundfunksendern auch im Mittelwellenbereich konnten 2010 weniger Radiosender aus Europa als noch Mitte der 1980er Jahre empfangen werden. In Deutschland wurden zwischen 2012 und Anfang 2015 fast alle öffentlich-rechtlichen Mittelwellensender abgeschaltet. Die dadurch eingesparten Gelder müssen für den Ausbau von DAB+ genutzt werden.[2]

Sonstiges[Bearbeiten]

Analoge Videorekorder, die nach dem Color-Under-Verfahren arbeiten, speichern das Farbsignal des Videobildes im Bereich der Mittelwelle bei 600–1000 Kilohertz. Nach diesem Verfahren arbeiten nahezu alle analogen Heimvideorekorder wie z. B. VHS und Video8.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frequency Allocation. U.S. DEPARTMENT OF COMMERCE, National Telecommunications and Information Administration, 2003, abgerufen am 9. Januar 2015.
  2. Fast alle ARD-Radiosender stellen Mittelwelle ein auf heise.de vom 6. Januar 2015