Mittlere Don-Operation

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Operation Kleiner Saturn
Verlauf der Operation
Verlauf der Operation
Datum 16. Dezember 1942 bis 30. Dezember 1942
Ort
Ausgang sowjetischer Sieg
Folgen Zerschlagung der 8. italienischen Armee und der Armeeabteilung Hollidt; Abbruch des Unternehmen Wintergewitter
Konfliktparteien

Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Rumänien KonigreichRumänien Rumänien

Sowjetunion 1923Sowjetunion Sowjetunion

Truppenstärke
100.000 italienische Soldaten
60.000 Deutsche Soldaten
50.000 rumänische Soldaten
120 Panzer
110.000 Mann Verstärkung
371.000 Mann
1.170 Panzer
5.625 Geschütze und Granatwerfer
309 Flugzeuge
60.000 Mann Verstärkung

Die Mittlere Don-Operation (russisch Среднедонская операция) war eine Operation der Roten Armee, die vom 16. bis zum 30. Dezember 1942 im Rahmen der Stalingrader Gegenoffensive stattfand. Sie trug den Decknamen „Operation Kleiner Saturn“ (russisch Малый Сатурн).

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Operation Uranus hatte zur Einschließung der 6. Armee in Stalingrad geführt. Ende November 1942 begannen die sowjetischen Planungen für eine Nachfolgeoperation mit dem Decknamen „Saturn“. Dabei sollten die Südwestfront unter Generaloberst Nikolai Watutin und der linke Flügel der Woronescher Front unter Generalleutnant Filipp Golikow die Stellungen der italienischen 8. Armee (zugehörig zur Heeresgruppe B) am mittleren Don sowie der „Gruppe Hollidt“ und der rumänischen 3. Armee der Heeresgruppe Don am Tschir durchbrechen und über Millerowo weiter in allgemeiner Richtung auf Rostow und Taganrog vorstoßen. Damit wäre der gesamte deutsche südliche Heeresflügel inklusive der noch im Kaukasus stehenden Heeresgruppe A abgeschnitten worden.

Sowjetische Einheiten während der Operation kleinen Saturn im Dezember 1942

Zeitgleich zu dieser Operation sollten die Donfront und die Stalingrader Front die deutschen Kräfte im Stalingrader Kessel ausschalten (Operation „Kolzo“). Die Pläne für einen weitergehenden Vorstoß nach Rostow wurden jedoch Anfang Dezember aufgrund des hartnäckigen deutschen Widerstands bei Stalingrad abgeändert, da für „Saturn“ vorgesehene Kräfte (2. Gardearmee) an die Donfront verlegt werden mussten. Der Beginn der Operation, der für den 10. Dezember angesetzt war, musste aufgrund von Transportproblemen auf den 16. verschoben werden. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Entsatzunternehmen „Wintergewitter“ der Armeegruppe Hoth im Raum Kotelnikowo, auf das vorläufig alle deutschen Anstrengungen gerichtet wurden, bereits begonnen. Als Ziel wurde den beteiligten Fronten jetzt nach der Zerschlagung der italienischen 8. Armee und der Gruppe Hollidt das Unterbinden der deutschen Angriffsbemühungen im Raum Morosowsk und Nischne-Tschirskaja gegeben. Der Name der Operation wurde dementsprechend in „Kleiner Saturn“ abgeändert.

Laut einem Telefongespräch vom 1. Dezember 1942 zwischen Generalstabschef Kurt Zeitzler und Hitler erhielten die Italiener zur Panzerbekämpfung ein deutsches Pionierlehrkommando und deutsche Pioniere, ausgerüstet mit 9.000 Hafthohlladungen sowie Sprengkörpern.[1]

Italienische 8. Armee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommandeur: General Italo Gariboldi, Stabschef: General Bruno Malaguti

Alpinikorps, Generalleutnant Gabriele Nasci, Stabschef: Oberst Giulio Martinat

  • 2. Alpini-Division "Tridentina", General Luigi Reverberi
  • 3. Alpini-Division "Julia", General Umberto Ricagno
  • 4. Alpini-Division "Cunense", General Emilio Battisti

II. Armeekorps: Korpsgeneral Giovanni Zanghieri, Stabschef: Oberst Ugo Almici

  • 5. Infanteriedivision "Cosseria", Divisionsgeneral Enrico Gazzale
  • 3. Infanteriedivision "Ravenna", Brigadegeneral Francesco Dupont
  • Divisionsgruppe „ 23. März“, Generalleutnant Luigi Martinesi
  • deutsches Grenadier-Regiment Nr. 318, Oberst Erich Mielke (von der 213. Sicherungs-Division)

XXXV. Armeekorps General Giovanni Messe, dann Francesco Zingales Stabschef: Oberst Gaetano Vargas

  • 298. Infanterie-Division, Generalmajor Arnold Szelinski
  • 9. Infanterie-Division "Pasubio", Divisionsgeneral Guido Boselli
  • Divisionsgruppe "3. Januar", Generalleutnant Filippo Diamanti

XXIX. Armeekorps: General der Infanterie Hans von Obstfelder

  • 52. Infanteriedivision "Turino", Divisionsgeneral Roberto Lerici
  • 3. schnelle Division „Aosta“, Divisionsgeneral Ettore de Blasio
  • 2. Infanteriedivision "Sforzesca", General Carlo Pellegrini
  • 156. Division "Vicenza", Brigadegeneral Etelvoldo Pascolini

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Operation Kleiner Saturn begann mit Vorangriffen in Bataillonsstärke ab dem 11. Dezember. Betroffen waren die italienische Division Cosseria zwischen Nowaja Kalitwa und Samodurowka, das deutsche 318. Infanterie-Regiment bei Deresowka, die Division Ravenna aus dem Brückenkopf Werchnij-Mamon und die Division Pasubio bei Ogolew. Der Verbindungsoffizier zur italienische 8. Armee der General Kurt von Tippelskirch hielt diese Angriffe für Fesselungsangriffe und glaubte nicht an eine Durchbruchsabsicht.[2] Später schätze das Deutsche Verbindungskommando zu den italienische Truppen ein, dass diese Vorangriffe in der Absicht erfolgten die den russischen Winter ungewohnten Italiener zu schwächen und geringe Widerstandsfähig gegen Kälte auszunutzen, und dies in Folge der Nacht und Nacht anhaltenden Gefechte auch erreicht wurde, und die italienischen Truppen bereits vor Beginn des Großangriffs „beinahe völlig erschöpft“ waren.[3] Am 16. Dezember um 8:00 Uhr begann der Hauptangriff mit einem anderthalbstündigen Artilleriebeschuss. Die Angriffstruppen der sowjetischen 6. Armee (Generalleutnant F. M. Charitonow) und der 1. Gardearmee (Generalleutnant W. I. Kuznezow) überquerten östlich von Nowaja Kalitwa den zugefrorenen Don und stießen aus dem Brückenkopf von Werchnij-Mamon und aus dem umliegenden Gebiet vor. Die 3. Gardearmee (Generalleutnant D. D. Leljuschenko) formierte sich am linken Flügel im Raum östlich von Bokowskaja zum Durchbruch über den Tschir. Dichter Nebel verhinderte bis zum Mittag den Einsatz von Fliegerkräften. Das italienische II. Korps hielt einen Tag stand und wich dann zurück; die vor dem Brückenkopf stehende Division Ravenna wurde überrollt. Die deutsche 298. Infanterie-Division die beim südöstlich angrenzenden italienischen XXXV. Korps eingesetzt war, musste sich ebenfalls zurückziehen. Der sowjetische Durchbruch führte in den folgenden Tagen zu einem von Panik und Verzweiflung geprägten Rückzug nach Taly und Kantemirowka, dessen das italienische Armeeoberkommando nicht mehr Herr wurde, auch weil es keine Lagemeldungen von den überrannten Verbänden mehr erhielt und über keine ausreichenden Reserven verfügte.

Den sowjetischen Truppen gelang am 17. Dezember aufgrund ihrer starken Überlegenheit an Panzern der Durchbruch und ihre Angriffsspitzen stießen 20 bis 25 km in Richtung auf Kantemirowka vor. Die linke Flanke der Gruppe Hollidt wurde durch den italienischen Rückzug entblößt. Am gleichen Tag griff die 3. Gardearmee in westlicher Richtung über den Tschir die Reste der rumänischen 3. Armee und der Gruppe Hollidt an.

Am Ende des 18. Dezember wurde die feindliche Front in vier Stücke zerschnitten. Besonders erfolgreich beim Vormarsch in der Tiefe der gegnerischen Verteidigung waren das 24. (Generalmajor W. M. Badanow) und der 25. Panzerkorps (Generalmajor P. P. Pawlow), welche die Offensive auf Tazinskaja und Morosowsk entwickelten. Um die Sowjets zu verlangsamen, wurden von anderen Frontabschnitten sowie aus Westeuropa vier Panzer- und vier Infanteriedivisionen hierher verlegt. Aufgrund der sowjetischen Erfolge entschied Erich von Manstein am 23. Dezember, das Unternehmen Wintergewitter, und damit den versuchten Entsatz, der in Stalingrad eingekesselten 6. Armee, abzubrechen. Die weiteren sowjetischen Vorstöße in das Hinterland, nach Tschertkowo, Millerowo und schließlich bis vor Ternoskaja erlaubten die Vereinigung mit sowjetischen Verbänden, die im Südosten im Bereich der Armeeabteilung Hollidt durchgebrochen waren. Damit war die 8. Armee bis auf das ganz im Nordwesten stehende Alpini-Korps eingekesselt. Die abgeschnittenen Verbände versuchten, sich in zwei Gruppen nach Südwesten durchzuschlagen: Die nördliche Gruppe wurde ab 21. Dezember 1942 bei Arbusowka zerschlagen. Die südliche Gruppe erlitt bei Werchne-Tschirskaja schwere Verluste, dem Rest gelang der Rückzug über Skosiskaja nach Forschadt am Donez.

Am 24. Dezember wurde der Flugplatz Tazinskaja mit dem dort befindlichen großen Vorratslager vom sowjetischen 24. Panzerkorps eingenommen. Von den 180 auf dem Flugplatz befindlichen Junkers Ju 52 konnten 108 entkommen.[4] Am Ende des 24. Dezember waren die Hauptkräfte der italienischen 8. Armee bei Alexsejewo-Losowskij und Werchne-Tschirskaja, wo sie eingeschlossen worden waren, zerschlagen. Ende Dezember erreichten die Truppen der Südwestfront die Linie Nowaja Kalitwa – Markowka – Woloschino – Tschernikowskij.

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rote Armee zerschlug etwa 10 Divisionen der Achsenmächte (6 italienische, drei rumänische und eine deutsche) machte 60.000 Gefangene, erbeutete 1.900 Geschütze, 176 Panzer und 370 Flugzeuge, stieß 250–300 km vor und erreichte den Rücken der Heeresgruppe Don.

Alle deutschen Bemühungen zum Entsatz der in Stalingrad eingeschlossenen Truppen mussten nach dieser Niederlage abgebrochen werden, da die Stabilisierung der Front absoluten Vorrang erhielt. Damit war das Schicksal der 6. Armee praktisch besiegelt. Am 30. Dezember erhielt auch die von der Abschneidung bedrohte Heeresgruppe A im Kaukasus den Befehl zum Rückzug.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Heiber: Hitlers Lagebesprechungen: Die Protokollfragmente seiner militärischen Konferenzen 1942 - 1945. Stuttgart 1962, S. 59.
  2. Thomas Schlemmer: Die Italiener an der Ostfront 1943/43. München 2005, S. 63.
  3. Zusammenfassung der Gefechtsberichte des Deutschen Verbindungskommandos bei den Divisionen der 8. italienischen Armee und gemeinsame Schlußfolgerungen vom 12. November 1943. Zit n. Schlemmer, S. 112.
  4. Charles D. Winchester: Hitler's War on Russia. Osprey Publishing, 2011. ISBN 978-1-84603-195-3. S. 111.