Mittlerer arterieller Druck

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Der mittlere arterielle Druck, abgekürzt MAD oder MAP (von englisch mean arterial pressure), beschreibt in der Medizin den Mittelwert der Blutdruckkurve über die Zeit und gilt als zuverlässigster Parameter für die Organdurchblutung. Normwerte liegen im Bereich von 70 bis 105 mmHg.

Druckkurve in der Aorta
Druckkurve in peripheren Arterien

Physiologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der mittlere arterielle Druck ist die Summe des hydrodynamischen Drucks, der als Produkt von Herzzeitvolumen (HZV) und totalem peripheren Widerstand (TPR) berechnet wird, und des zentralen Venendrucks (ZVD), wobei letzterer nur einen kleinen Teil beiträgt und oft vernachlässigt wird:

Der mittlere arterielle Druck liegt zwischen dem systolischen und dem diastolischen arteriellen Druck. Nur in sehr herznahen arteriellen Gefäßen entspricht er annähernd dem arithmetischen Mittel. In peripheren Gefäßen weist die Blutdruckkurve ein schmales Maximum und eine breite Basis auf,[1] sodass der mittlere arterielle Druck näher am diastolischen als am systolischen Druck liegt. Eine Faustformel zur Abschätzung aus peripher gemessenem systolischen und diastolischen Druck lautet:[2]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der MAD wird in der Therapie als Messgröße herangezogen, um die Organperfusion abzuschätzen und sicherzustellen. Dies spielt besonders in der Intensivmedizin bei der Versorgung kritisch kranker Patienten eine Rolle, z. B. bei Katecholamintherapie oder Sepsis. Auch zur Berechnung des Cerebralen Perfusionsdrucks (CPP), der als Maß für die Hirndurchblutung verwendet wird, wird der MAD herangezogen:

oder

,

wobei ICP der intracranielle Druck und CVP der zentralvenöse Druck ist. Unter Vernachlässigung der aktuellen Luftdruckverhältnisse wird der jeweils höhere Wert der beiden vom mittleren arteriellen Druck subtrahiert.[3]

Bestimmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Invasive Messung: Die direkte Bestimmung des Mitteldrucks durch invasive Blutdruckmessung stellt die genaueste Methode dar. Hierzu wird der Mittelwert der gemessenen arteriellen Druckkurve berechnet. Dieses Verfahren wird vor allem in der Intensivmedizin und zur intraoperativen Blutdruckmessung eingesetzt.[4]
  • Oszillometrische Messtechnik: Dieses Verfahren kommt bei automatischen Blutdruckmessgeräten zum Einsatz. Dazu wird der Manschettendruck in festgelegten Intervallen abgelassen. Im Bereich zwischen systolischem und diastolischem Druck kommt es zu einer Schwingung der Gefäßwand (Oszillation), die sich auf die Manschette überträgt. Dabei erreichen die Oszillationen ihr Maximum bei dem Manschettendruck, der dem arteriellen Mitteldruck entspricht. Das Oszillationsmaximum und damit der MAD können dabei mit weit höherer Genauigkeit bestimmt werden als das Ende der Oszillation, das dem diastolischen Druck entspricht.[4]
  • Auskultatorische Messung nach Riva-Rocci: Während der manuellen Blutdruckmessung werden die oben genannten Oszillationen als Korotkow-Geräusch vom Untersucher wahrgenommen. Dadurch können der systolische und diastolische Blutdruckwert ermittelt werden.

Ebenso wird der MAD sehr vom Füllungsgrad der Gefäße beeinflusst und das Verhältnis zum diastolischen und systolischen arteriellen Druck schwankt beim gleichen Patienten im Verlauf. Daher ist es wichtig zu unterscheiden, ob es sich beim MAD tatsächlich um das Integral des arteriellen Drucks über die Zeit oder ob es sich nur um einen angenähert aus den gemessenen systolischen und diastolischen Werten kalkulierten Druck handelt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erwin-Josef Speckmann et al. Physiologie. 5. Auflage, 2008. Elsevier Verlag, München. S. 420
  2. W. Wilhelm et al. Praxisbuch Intensivmedizin. 2011. Springer Verlag, Heidelberg. S. 21
  3. Pranevicius et al.: Modified Calculation of the Cerebral Perfusion Pressure in a Sitting Position: Jugular Starling Resistor and Related Clinical Implications Anesthesia Patient Safety Foundation Newsletter, Volume 23, No. 2, 21-36 Circulation 84,122.
  4. a b Schulte am Esch et al. Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie. 3. Auflage, 2007. Georg Thieme Verlag, Stuttgart. S. 437-439.