Mnogozelewoi laboratorny modul

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Mehrzweck-Forschungsmodul
MLM - ISS module.jpg
MLM (Computergrafik) an alter Planposition Sarja-nadir. Gut zu erkennen der Kopplungsknoten (unten) mit Luftschleuse (unten links), der ERA (links) und die Solargeneratoren
Raumstation: Internationale Raumstation
Startdatum: geplant für Dezember 2017
Masse: 20,3 t
Länge: 13 m
Durchmesser: 4,1 m
Benachbarte Module
Flugrichtung
Triangle Up.svg
Triangle Left.svg Zenit / Nadir Triangle Right.svg
Swesda / ─
Triangle Down.svg

Das Mnogozelewoi laboratorny modul (MLM, russisch Многоцелевой лабораторный модуль - МЛМ, englisch Multipurpose Laboratory Module, deutsche Übersetzung Mehrzweck-Forschungsmodul), ist ein Forschungsmodul für die Internationale Raumstation (ISS), das zurzeit bei RKK Energija und GKNPZ Chrunitschew im Auftrag von Roskosmos gebaut wird. Inzwischen erhielt das Modul auch die Bezeichnung Nauka (Нау́ка, „Wissenschaft“).

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Planungen der ISS aus den frühen 1990er Jahren sahen am russischen Segment der Station mehrere Forschungsmodule vor, die an den Basismodulen Sarja und Swesda angehängt werden sollten, um die Forschungskapazitäten deutlich zu erhöhen. Aufgrund knapper Mittel und Problemen mit Transportsystemen konnten diese Pläne jahrelang nicht weiter verfolgt werden. Erst 2009 und 2010 gelangten mit Poisk und Rasswjet, die auch als MIM 2 und MIM 1 bezeichnet werden, zwei kleine Module mit eingeschränkten Forschungsmöglichkeiten zur Station.

Im August 2004 entschloss man sich, zum Bau des MLM auf das bereits seit 1998 zu rund 70 % fertiggestellte Sarja-Ersatzmodul mit der Bezeichnung FGB-2 (Abkürzung für russisch функционально-грузовой блок 2, englisch Functional Cargo Block 2) zurückzugreifen, das seit dem erfolgreichen Start von Sarja am 20. November 1998 nicht mehr benötigt wurde. Der frühere Hauptauftragnehmer GKNPZ Chrunitschew wurde 2006 durch RKK Energija ersetzt, jedoch beteiligte sich Chrunitschew weiterhin maßgeblich an der Herstellung des Moduls.

Das MLM ist ähnlich dem Sarja-Modul aufgebaut, mit einer Länge von 13 m und einem maximalen Durchmesser von 4,1 m. Die Startmasse des Moduls soll 20,3 t betragen. Nach dem nachträglichen Einbau aller Elemente soll die Masse bis auf 24 t steigen. Das Modul ist in zwei Sektionen unterteilt, den zylindrischen Hauptteil und den kugelförmigen Übergangsadapter. Das unter Druck stehende Volumen beträgt 71 m³, davon entfallen 64 m³ auf den Hauptteil und 7 m³ auf den Adapter.

In der Ausgangskonfiguration verfügte das MLM über drei Kopplungsadapter: einen aktiven vom Typ „SSWP G4000“ am vorderen Ende, der zum Andocken an das Sarja-Modul der ISS gedacht war, sowie einen axialen und einen radialen passiven Adapter am kugelförmigen Kopplungsknoten. Der axiale passive Kopplungsstutzen vom Typ „SSWP G4000“ soll zum Andocken von Sojus-Raumschiffen und Progress-Transportern dienen. Am radialen Adapter soll eine Luftschleuse zum Ausbringen von Experimenten in den freien Weltraum angebracht werden.

Im Jahre 2005 wurde ein Vertrag zwischen der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos und der europäischen ESA unterzeichnet, nachdem zusammen mit dem MLM der europäische Roboterarm ERA gestartet werden soll. Neben Wartungs- und Überwachungsarbeiten wird es ERA möglich sein, Experimente mit Hilfe der Luftschleuse im Weltraum auszusetzen.

Nach mehreren Planungsänderungen wurde der Dockingadapter am Bug des MLM durch den größeren „SSWP G8000“ ersetzt und das Modul soll nun im Dezember 2017 am Nadir-Punkt von Swesda angebracht werden. Dazu wird kurz zuvor Pirs mit einem Progress-Transporter abgekoppelt und zum Verglühen gebracht. Weiterhin ist vorgesehen, am Nadir-Kopplungsaggregat ein spezielles Knotenmodul (Pritschal (UM), 2018)Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren mit insgesamt 6 Kopplungsstutzen anzubringen, welches die Montage weiterer Forschungsmodule (NEM 1, 2019)Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren sowie das Ankoppeln bemannter und unbemannter Raumschiffe erlaubt.

Start und Installation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach derzeitigem Planungsstand soll MLM zusammen mit dem European Robotic Arm (ERA) an Bord einer russischen Proton-M-Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur aus zur Raumstation gebracht werden. Der Start des zugeteilten Aufbaufluges 3R war ursprünglich für 2009 geplant, sollte dann 2014 erfolgen, verzögerte sich aber aufgrund mehrerer technischer Probleme immer wieder und ist nun für Dezember 2017 vorgesehen.[1] Vor der Installation des MLM wurden im Rahmen des Shuttle-Transportfluges für das Modul Rasswet (STS-132) die Luftschleuse, ein Radiator sowie Ersatzteile für den europäischen Roboterarm ERA geliefert. Im All werden diese Ausrüstungsgegenstände später durch den ERA am MLM angebracht.

Wissenschaftliche Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das MLM stellt nach derzeitigem Planungsstand das zentrale Forschungsmodul im russischen Segment der ISS dar. Hauptaufgabe des MLM wird daher die Nutzung für Experimente sein. Zu den Bordsystemen gehört unter anderem die Kontrollstation für den europäischen Roboterarm ERA sowie Befestigungs- und Andockpunkte an der Außenhaut, die diesen mit Energie und Daten versorgen. Neben der eigenen Forschungskapazität stellt das MLM Kopplungsadapter für die Luftschleuse und ein Zubringerfahrzeug zur Verfügung. Freie Kopplungsstutzen halten die Option offen, den Forschungsbereich zu erweitern. Im Hauptteil des Moduls sind ein Schlafplatz (der dritte im russischen Stationssegment), sowie Wasch- und Toilettenanlagen geplant. Zur Lagerung von Frachten und Ersatzteilen sind bis zu 8 m³ Volumen vorgesehen. Bis zu 3 t wissenschaftliche Geräte finden im MLM Platz, dafür stehen 4 m³ Volumen zur Verfügung.

Auch nach dem Umbau wird das MLM über die gleichen Triebwerksysteme und Solargeneratoren wie Sarja verfügen. Nach dem Andocken an die Station dienen die Triebwerke zur ergänzenden Lagekorrektur der Station und als redundantes System bei einem Ausfall der Steuerungssysteme von Sarja und Swesda. Zusätzlich verfügt das Modul über Treibstoffpumpen und Leitungen, die den Transfer des von Progress-Frachtern angelieferten Treibstoffs in die weiteren russischen Module ermöglichen. Mit den Solargeneratoren kann Energie zum Betrieb des Moduls und zur Versorgung des russischen Segmentes erzeugt werden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. FGB-2/MLM. Russian Space Web, 20. Juni 2016, abgerufen am 24. August 2016 (englisch).