Mobilitätsbudget

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Mobilitätsbudget ist ein Angebot für Mitarbeiter von Unternehmen, das ihnen ermöglicht, dienstlich und/oder privat veranlasste Reisen mit Verkehrsmitteln ohne persönlichen Firmenwagen und mit alternativen Verkehrsmitteln abzudecken. Statt der Bereitstellung eines bestimmten Pkw hinterlegt der Arbeitgeber für den Mitarbeiter ein entsprechendes Volumen (z. B. in Geldeinheiten, in Kilogramm CO2 oder in Streckenkilometern).

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Allgemeinen stellen Unternehmen für den Reisebedarf bestimmter Mitarbeiter Firmenwagen bereit, die in der Regel auch privat genutzt werden können und entsprechenden gesetzlichen Versteuerungsregelungen unterliegen. Alternativ werden je nach Reiseanlass einzelne Verkehrsmittel gebucht, wie z. B. Mietwagen, Flug- oder Zugverbindungen. Die dabei anfallenden Kosten trägt oftmals das Unternehmen. Die Verkehrsmittel stehen dann aber ausschließlich für den vom Unternehmen veranlassten Reisezweck und in der Regel nicht zusätzlich zur privaten Nutzung zur Verfügung.

Einkäufer für Reiseleistungen (sogenannte Travelmanager oder Mobilitätsmanager) bestellen zunehmend Dienstleistungen, die die Vollkosten durch die Verknüpfung mehrerer Mobilitätsangebote reduzieren und administrativen Aufwand beim Abruf von Leistungen minimieren. Das Mobilitätsbudget stellt dahingehend eine zusätzliche Methode dar, Reisen von Mitarbeitern unabhängig vom gewählten Verkehrsmittel zu optimieren.[1] Dies kann je nach Unternehmen unterschiedliche Leistungen umfassen.[2]

Mögliche Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mobilitätsbudget bündelt einzelne Mobilitätsdienstleistungen in einem individuellen Paket, dessen Leistungsumfang und Budget je nach Reiseberechtigungsstufe des entsprechenden Unternehmens bzw. einzelnen Mitarbeiters festgelegt werden kann.

Mit dem Ziel, eine Alternative zum herkömmlichen personengebundenen Firmenwagen zu bieten, wird in der Regel ein zentraler Leistungsbaustein festgelegt, der um weitere Pakete ergänzt werden kann. Hierbei kann es sich beispielsweise um die BahnCard 100 handeln. Als Mobilitätskarte der Deutschen Bahn AG steht sie bereits für die dienstliche und private Nutzung von Fern- und Regionalverkehrsangeboten sowie Fernbusse der Deutschen Bahn in Deutschland zur Verfügung. In vielen deutschen Städten ermöglicht sie außerdem die Nutzung des lokalen Nahverkehrs zur An- und Abreise. Um die private Nutzung der über den Arbeitgeber beschafften BahnCard 100 zu ermöglichen, hat der Mitarbeiter den geldwerten Vorteil entsprechend steuerrechtlicher Regelungen abzuführen.

Als ergänzende Bausteine kommen Leistungen der sogenannten Anschlussmobilität in Betracht, wie zum Beispiel Carsharing, Mietwagen und Chauffeurservices oder Fahrradverleihsysteme. Dies soll die „Tür-zu-Tür-Mobilität“ des reisenden Mitarbeiters bei dienstlich oder auch privat veranlasster Reisetätigkeit sicherstellen.

Der Dienstleister des Mobilitätsbudgets gewährleistet den Zugang zu den bestellten Mobilitätsbausteinen (z. B. via Internetportal oder mobiler Applikation) und beantwortet spezifische Fragen der Nutzer sowie der Travelmanager. Außerdem wird die verursachergerechte Abrechnung der Budget-Verbräuche mit dem Unternehmen unter Einhaltung des Datenschutzes und Steuerrechtes sichergestellt und so die dienstliche von der privaten Nutzung abgegrenzt.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einer Marktstudie aus der Schweiz boten 2013 von 105 befragten Unternehmen fünf Prozent ihren Mitarbeitern ein frei verfügbares Mobilitätsbudget an.[3]

Praxisbeispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Deutsche Bahn AG bietet rund 3.000 Führungskräften mit dem Mobilitätsbudget seit 2013 eine Alternative zum persönlichen Firmenwagen an, da nicht jeder dazu berechtigte Mitarbeiter auch einen Firmenwagen benötigt, aber dennoch flexibel mobil sein soll.[4][5] Die Alternative ist die BahnCard 100, von der bis zu zwei Exemplare an den Haushalt der Führungskraft ausgestellt werden können. Ergänzt um das Carsharingangebot Flinkster und das Fahrradverleihsystem Call a Bike, für die jeweils separate Budgets eingerichtet werden, wird eine weite Abdeckung des Mobilitätsbedüfnisses gewährleistet.[6][7]
  • Das Beratungsunternehmen A.T. Kearney bietet seinen Mitarbeitern als Alternative zum Dienstwagen wahlweise eine BahnCard 100 oder ein Mobilitätsbudget an. Das Mobilitätsbudget kann für Mietwagen des Anbieters Sixt, den Chauffeurdienst myDriver und das Carsharing DriveNow eingesetzt werden.[8]
  • Das Pharmaunternehmen Daiichi Sankyo bietet seinen Mitarbeitern eine Mobilitätskarte als Bezahlmedium mit einem variablen Budget bis zu einer Höhe von maximal 10.000 Euro.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wie intelligente Mobilität funktioniert, greentravel, 19. November 2014.
  2. Was ist ein Mobilitäts-Budget?, EPOMM Newsletter, März 2012.
  3. Balz Eggenberger: Car Policy Studie 2013 (PDF), leetcompetence europe GmbH, 13. November 2013.
  4. DB Mobility Logistics AG: „Mobilitätsbudget“ als Alternative zum Firmenwagen. Presseinformation, 20. November 2015.
  5. DB Vertrieb GmbH: „Mobilitätsbudget – Alternative zum Firmenwagen?“.
  6. Deutsche Umwelthilfe: Flotten- und Mobilitätsstrategien ausgewählter deutscher Unternehmen. Zusammenstellung vom 24. Juli 2013 (PDF).
  7. Alina Steindl und Wolfgang Inninger: CarSharing und Mobilitätsbudget statt Dienstwagen?, in: Internationales Verkehrswesen. Jg. 68, Ausg. 4, 2016, S. 55.
  8. Mireille Pruvost: Heute hier, morgen dort, in: Autoflotte, Ausg. 4, 2018, online unter autoflotte.de.
  9. Oliver Graue: Wie Daiichi Sankyo Geschäftsreisen plant, in: BizTravel, Artikel vom 10. Februar 2016, online unter biztravel.fvw.de.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]