Modelleisenbahn Faszination Gotthardbahn

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Nordrampe der Gotthardbahn, die durch die Modelleisenbahnanlage dargestellt wird.

Die Modelleisenbahn Faszination Gotthardbahn ist eine Modelleisenbahn-Dauerausstellung zu dem Thema Gotthardbahn der SBB.[1] Das Kernstück der Ausstellung ist eine realistische Nachbildung der Gotthard-Nordrampe der Gotthardbergstrecke im Maßstab 1:87. Diese letzten 30 km des Nordanstiegs bis zum Scheiteltunnel auf über 1.100 Meter Höhe sind besonders interessant wegen der Linienentwicklung der Gebirgsbahn mit vielen Brücken, Schutzbauten und drei fast einen vollen Kreis beschreibenden Kehrtunneln in der Talwand. Der Höhenunterschied der dargestellten Strecke beträgt in Wirklichkeit 600 m, im Modell etwas mehr als 2,5 m.

Die Ausstellung befindet sich in dem Ortsteil Reichelshofen (Steinsfeld/Bayern) bei Würzburg und Rothenburg ob der Tauber.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Anlage, deren Aufbau 2001 begann, sind 900 Meter Schienen nach Original-Gleisplänen verlegt. Es wurde die Topografie des Vorbilds nachgebaut und die Orte und Bahnhöfe von Erstfeld bis Göschenen nach Originalplänen und Fotografien nachgebildet. Dazu gehören die Spiral- oder Kehrtunnel beim Ort Wassen (Kanton Uri; den Kirchberg-, Wattinger- und Leggisteintunnel). Der weiter umgebende Geländebau ist beinahe abgeschlossen.

Die Anlage im Modellmaßstab 1:87 (Nenngröße H0) mit 260 m² Grundfläche ist als ein Zweileiter-Digitalsystem mit einem elektronischen Stellwerk für die 214 Weichen ausgeführt. Die Oberleitung mit den Portalen sind in der Anlage nur Attrappen. Im normalen Vorführbetrieb wird der Zuglauf durch die zweispurige Strecke insgesamt durch einen Blockbetrieb gesteuert.

Die zweigleisige Strecke der Gotthardbahn wird in der Form gezeigt, wie sie in den 1960er- und den 1970er-Jahren betrieben wurde. Die damals vorhandenen Betriebsgebäude und Gleise werden dargestellt, ebenso die damalige eingesetzte Signaltechnik und die verwendeten Fahrzeuge. Es werden vorbildgerechte Elektrolokomotiven eingesetzt wie zum Beispiel das Schweizer Krokodil. Die inzwischen parallel dazu erbaute Autobahn A2 gibt es im Modell nicht. Die Gestaltung der die Bahnstrecke umgebende Landschaft und Siedlungen richtet sich an der dargestellten Epoche aus. Allerdings sind auf der begleitenden Straße neben vielen Autos aus der Epoche vielleicht etwas mehr Radfahrer unterwegs als damals in der Realität üblich.

Lage der Nordrampe im Verhältnis zur gesamten Strecke

Die Gleise führen an den Enden hinter einer Abdeckung über einen Gleiswendel in einen Schattenbahnhof an Stelle der Zulaufstrecken von Arth-Goldau und des damaligen Tunnels nach Airolo. Der Schattenbahnhof simuliert die Züge, die von Norden aus Basel oder Zürich beziehungsweise aus Italien und dem Valle Leventina kommen.[2] Die Länge der Fahrt eines einzelnen Modellzugs beträgt 514 m, bis er wieder an seinem jeweiligen Ausgangspunkt zurück ist.[3]

Die Anlage befindet sich in zwei ehemals landwirtschaftlich genutzten Gebäuden und folgt zum Großteil deren Außenwänden. Verbunden mit dem großen Geländemodell ist eine Ausstellung von mehreren Hundert bis zu 50 Jahre alten Modellen von Lokomotiven und Zügen zu sehen. Ebenso gibt es Informationen über die Erbauer der Gotthardbahn, wie Alfred Escher und Louis Favre, aber auch über Mineure, Schaffner und Reisende.

Besonderheiten der Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Reuss-Tal sehen die Betrachtenden nur die hinter Fluss und Bahnlinie anstehende Talwand. Die andere Talhälfte, Gipfel und dergleichen sind nicht ausgeführt. Die Strecke befindet sich fast auf Augenhöhe der Betrachter. Der Seitenwechsel der Bahn im Flusstal findet bei der Intschireussbrücke kurz vor Intschi sowohl real wie im Modell statt.

Auf der Modell-Strecke steigen die Züge auf etwa 135 m Weg insgesamt über 2,5 m in die Höhe. Die Besucher können daneben herlaufen und so den Anstieg des Zugs optisch mit vollziehen.

Entlang der Strecke liegen sieben Ortschaften mit 22 nachgebildeten Tunnels und Galerien sowie 46 Brücken und Viadukte. Selbst für die Häuser in den Dörfern wurden fast keine im Handel erhältlichen Gebäude verwendet. 255 für die Anlage nachgebaute Gebäude geben den Ortschaften ihren individuellen Anblick in jener Zeitepoche.

Die Talwände sind mit mehr als 18.600 Bäumen bepflanzt. Beeindruckend sind die langen Talabschnitte ohne Kunstbauten oder Siedlungen, die vorbildgetreu die Dimension des Eingriffs in die Natur des Alpenraums durch den Bahnbau zeigen.[4]

Plan zum Pfaffensprung-Spiraltunnel und den beiden Kehrtunnel zum Höhengewinn in dem engen Reusstal bei Wassen.

Der 1500 m lange Spiraltunnel und die beiden 1100 m langen Kehrtunnel bei Wassen sind im Modell in ihrer Steigung vorbildgetreu dargestellt. Die Züge benötigen anders als zum Beispiel auf der Gotthardanlage im Verkehrshaus der Schweiz für ihre Durchfahrt die tatsächlich zu beobachtenden Zeiten. In Luzern drehen die Züge im Tunnel zwei Kreise, um eine annähernde Wirkung zu erzielen. Die dortige Höhendifferenz der insgesamt stark verkürzten, sichtbaren Strecke beträgt 1,49 m gegenüber 2,6 m in Reichelshofen.[5] Der Spiraltunnel und Kehrtunnel bei Wassen dienen dem Höhengewinn des Zugs in dem in diesem Abschnitt besonders steilen Tal. Sie sind im Modell in ihrer Abfolge bei Bergfahrt oder bei der Talfahrt der Züge durch die Tiefenentwicklung des Landschaftsmodells gut zu erkennen. Die dazwischen befindliche alte Brücke für die Landstraße und die anschließenden Tunnelportale sind vorbildgerecht nachgebildet.

Besondere Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Turm der Edlen von Silenen nach dem Vorbild aus der Mitte des 13. Jahrhunderts.
  • Das Kraftwerk Amsteg ist mit einem offenen Dach mit der Turbineneinrichtung dargestellt. Die Dienstbahn entlang der Druckleitungen an der Felswand ist ebenfalls nachgebildet. [6]
  • Der Chärstelenbach-Viadukt bei Amsteg und die Zgraggentalbrücke
  • Seckenviadukt bei Gurtnellen, die einzige Brücke, welche noch heute im Ursprungszustand ist, wenn auch auf Doppelspur verbreitert.[7]
  • Kraftwerk Wassen
  • Der Bahnhof der Schöllenen-Zahnradbahn ist ohne Betrieb dargestellt. Er befindet sich fast auf dem Gipfel der Anlage beidseits der SBB-Station Göschenen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schweizerische Eisenbahnen. In: Viktor von Röll (Hrsg.): Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 8: Personentunnel–Schynige Platte-Bahn. 2. Auflage, Urban & Schwarzenberg, Berlin und Wien 1917, S. 440.
  2. Schweizerische Nordostbahn (NOB), Artikel im HLS von 2011
  3. Technische Angaben auf der Homepage
  4. Zum Beispiel Pennula
  5. Baubericht bei: Die VHS–Gotthardbahn-Modellanlage gebaut durch Mitglieder der EMBL und bei Eisenbahn Amateur (CH): 1957
  6. Faszination Gotthardbahn. In: golden-sokrates.de. Abgerufen am 19. September 2015 (Abbildungen 10 und 11).
  7. Bilder: Das Vorbild ist eine 120 m lange Steinbogen-Brücke (der Nachbau)
    Bilder vom historischen Bau; "… alle anderen Brücken und Viadukte wurden mehrmals verstärkt und schliesslich neu gebaut.

Koordinaten: 49° 26′ 26″ N, 10° 12′ 43,3″ O