Investitionsstau

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Als Investitionsstau wird ein Zustand bezeichnet, wenn notwendige Investitionen über einen längeren Zeitraum unterlassen wurden. Es handelt sich um keinen absolut definierbaren Begriff, sondern eher um eine Metapher. Ein ähnlicher Begriff ist Sanierungsstau.

Im Allgemeinen spricht man von einem Investitionsstau, wenn Investitionen nicht getätigt werden, die als notwendig erachtet werden. Die Notwendigkeit einer Investition lässt sich jedoch nicht absolut bestimmen und ist von subjektiven Einschätzungen beeinflusst. So kann gänzlich unterschiedliche Auffassung darüber bestehen, welcher Erhaltungszustand einer Sache als noch ausreichend oder eben nicht mehr ausreichend betrachtet wird.

In der klassischen Bilanztheorie wird davon ausgegangen, dass es grundsätzlich notwendig sei, Investitionen in Höhe der jeweiligen Abschreibungen vorzunehmen, um eine gleichbleibende Substanz zu erhalten. Liegen die Investitionen niedriger, stelle dies Desinvestition dar. Ist eine Desinvestition nicht gewünscht, so sind die notwendigen Investitionen zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen. Der Investitionsbedarf staut sich auf. Ebenfalls von einem Investitionsstau spricht man, wenn als notwendige erachtete Erweiterungsinvestitionen unterbleiben.

Entsprechend spricht man von Modernisierungsstau, wenn notwendige Modernisierungsmaßnahmen nicht vorgenommen worden sind (und künftig nachgeholt werden müssen).

Unternehmensbewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Unternehmensbewertung spielen die Einzahlungsüberschüsse des Unternehmens eine zentrale Rolle. Während im Substanzwertverfahren ein Investitionsstau über die niedrigeren Buchwerte der Anlagen automatisch zu einer Reduzierung des Unternehmenswertes führt, muss beim Ertragswertverfahren darauf geachtet werden, dass der Gewinn nicht durch einen Verzicht auf notwendige Investitionen überzeichnet wird. Ein deutlich von 1 abweichendes Marktwert-Buchwert-Verhältnis kann ein Hinweis auf einen Investitionsstau sein.

Gesamtwirtschaftlicher Investitionsstau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene kann es aus bilanztheoretischer Sicht in einer Marktwirtschaft zu einem Investitionsstau kommen, wenn administrierte Preise unterhalb der Marktpreise festgelegt werden. Da in diesem Fall die Produktion der entsprechenden Güter und Dienstleistungen nicht mehr lohnend ist, wird die Investition in Anlagen zur Herstellung dieser Güter reduziert. Die bestehenden Kapazitäten werden weiter genutzt, verfallen aber mangels Ersatzinvestitionen. Ein typisches Beispiel sind die Wohnungsmärkte. Vielfach wurden die Mietpreise hier künstlich niedrig festgelegt. Die Folge war eine Reduzierung der Wohnungsbauinvestitionen, obwohl dies politisch eigentlich nicht da Ziel war. Zur Überwindung von Investitionsstaus können, so Peter Bofinger, „konjunkturgerechte Wachstumsprogramme“ dienen.[1]

Auch der dauerhaft starke Exportüberschuss der deutschen Wirtschaft, kann als ein Investitionsstau im Inland interpretiert werden.[2]

In der Zentralplanwirtschaft verhält es sich anders, hier werden nicht nur Preise administrativ festgelegt, sondern auch die Investitionsvolumen der vergesellschafteten Ökonomie zentral gesteuert. Künstlich niedrig gehaltene Mietpreise etwa in der DDR führten keineswegs zu einer Reduktion der Wohnungsbauinvestitionen. Jedoch war die Investitionskraft des Staates insgesamt relativ gering, sodass Investitionen etwa zur Sanierung von Altbaubeständen oft zurückgestellt werden mussten. Ein Investitionsstau kann demnach also sehr unterschiedliche, komplexe Ursachen haben.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. C. Brönstrup, A. Burchard, S. Vieth-Entus, R. Woratschka: „Wo ist der Investitionsstau am größten? Deutschland ist in einer Rezession. Staatliche wie private Investitionen könnten helfen. Aber wohin müsste das Geld fließen?“, Der Tagesspiegel Online, 14. Dezember 2008
  2. http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/hoher-kapitalexport-deutscher-exportueberschuss-bremst-investitionen/11729632.html