Modernisierungstheorie

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Eine Modernisierungstheorie ist eine Theorie, die Prozesse der Modernisierung und Ursachen für die Moderne erklärt. Der Begriff bezieht sich auf eine Gruppe von Entwicklungstheorien aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen.

Annahmen und Argumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Grundinteresse der Modernisierungstheorie konzentriert sich auf die Frage, wie es zu den einschneidenden Veränderungen der „Moderne“ in den westlichen Gesellschaften im 18. und 19. Jahrhundert kommt. Sie geht davon aus, dass die Ursachen für die Moderne nicht extern (also etwa durch Bodenschätze), sondern endogen bedingt sind.[1] Zudem geht sie davon aus, dass die Faktoren miteinander zusammenhängen und sich gegenseitig bedingen. Modernisierungstheorien schöpfen dabei aus einer Reihe von wirtschaftswissenschaftlichen, sozialwissenschaftlichen und geschichtswissenschaftlichen Disziplinen. Grundzüge der Modernisierungstheorie finden sich bereits bei Tocqueville (1835/40), Emil Durkheim und Max Weber. Schon Max Weber sah wie heutige Vertreter der Theorie die Entwicklungen der Moderne nicht nur positiv.[2]

Insbesondere folgende Theoreme führt die Modernisierungstheorie aus, um den Wandel in der Moderne zu erklären:

  • Differenzierungstheorem: Verschiedene gesellschaftliche Bereiche – wie das Recht, die Politik, die Wirtschaft oder die Religion – lösen sich voneinander und folgen einer je eigenen Logik. Dadurch werden die einzelnen Teilbereiche effektiver, und Spannungen – z.B. zwischen Religion und Recht – können friedlich gelöst werden. Anders als in traditionalen Gesellschaften, wo beispielsweise die Religion alles dominiert, müssen in differenzierten Gesellschaften die verschiedenen Bereiche berücksichtigt und miteinander abgewogen werden.[3]
  • Mobilisierungstheorem: Gesellschaftliche Entwicklung setzt die Mobilisierung von Legitimität, von sozialen Gruppen (soziale Aufstiegsmöglichkeit), aber auch von Ressourcen voraus (Kapital, Kaufkraft, Naturschätze, Technik). Technische, organisatorische oder kulturelle Innovationen sind für diese Entwicklung entscheidend. Sie tragen zur Industrialisierung bei. Diese wiederum führt zu einem allgemeinen Wohlstandsanstieg, der Bildung, Hygiene, hochentwickelte Institutionen wie Universitäten, Gesundheitsfürsorge oder Sozialsysteme ermöglicht. Durch die soziale Mobilisierung, die unter anderem durch die Urbanisierung hervorgerufen wird, fallen Standesgrenzen; das Ideal der Gleichheit wird immer wichtiger.[4]
  • Partizipationstheorem: Je höher der Differenzierungsgrad einer Gesellschaft, desto mehr werden Vermittlungsmechanismen zwischen den einzelnen Teilen der Gesellschaft erforderlich. Die größere Bildung der Bürger, vor allem aber auch ihr staatstragender Wohlstand, der an Bedeutung gewinnende Gleichheitsgrundsatz und die Infragestellung traditionaler Legitimierung (z. B. durch Herkunft) erfordert ein höheres Beteiligungsniveau aller bei der Legitimierung zentraler Entscheidungen. Der Wohlstandsanstieg durch die Industrialisierung ermöglicht es, dass Bürger sich für eine Partizipation qualifizieren können. Ihre materielle Beteiligung am Staatsgeschehen (durch Steuern) bestärkt ihr Mitbestimmungsrecht. Die höhere und ausgeweitete Partizipation aber ermöglicht, dass Interessenkonflikte reduziert werden. Das ermöglicht einen friedlichen Ausbau der Wirtschaft, der demokratischen Institutionen wie der Schule oder der Hospitäler etc.[5]
  • Säkularisierungstheorem: Indem durch die Differenzierung andere Bereiche gegenüber der Religion an Bedeutung gewinnen, relativiert sich der Einfluss der Religion.[6]
  • Theorem der Konfliktinstitutionalisierung: Strukturell bedingte Interessenkonflikte werden durch die Institutionalisierung der Austragungsformen in ihrem gesamtgesellschaftlichen Störwert reduziert.

Modernisierung durchläuft dabei verschiedene konkrete Phasen der Entwicklung, die jeweils Vorbedingungen für die weitere Entwicklung schaffen und aufeinander aufbauen. So stellt z. B. die Urbanisierung, die für die Industrialisierung nötigen Arbeitskräfte in städtischen Zentren bereit. Durch den aus der Industrialisierung folgenden Anstieg des Wohlstandes nimmt das Bildungsniveau zu, während die Ungleichheit abnimmt. Wie Carles Boix in einer Studie gezeigt hat, nimmt wiederum abnehmende Ungleichheit den Eliten die Furcht vor den ärmeren Schichten und einer Erweiterung des Wahlrechts – einer der Gründe, weshalb ökonomisches Wachstum in der Regel zu mehr Demokratie führt.[7]

Ausgangs des 20. Jahrhunderts wurde in der (deutschen) Soziologie besonders von Ulrich Beck das Schlagwort von der reflexiven Modernisierung ins Spiel gebracht. Die Moderne hat nicht mehr die traditionale Gesellschaft zur Basis und zum Gegenspieler, sondern die herausgebildete moderne Gesellschaft selbst übernimmt diese Funktionen.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Modernisierungstheorie von einem grundsätzlichen Wandel der westlichen Gesellschaften bis zum 19. Jahrhundert ausgeht, betont sie den Gegensatz zwischen „moderner“ (mit den Attributen dynamisch – rational – städtisch) und „traditioneller“ (mit den Attributen statisch – irrational/fatalistisch – agrarisch) Welt.[8]

Alte Ausformungen der Modernisierungstheorie aus den 1950er und 1960er Jahren begriffen Entwicklung als unumkehrbaren und zielgerichteten Wachstumsprozess und standen damit im Gegensatz zu zyklischen Vorstellungen der geschichtlichen Entwicklung. Dazu werden evolutionäre Universalien aufgelistet, die für jegliche Entwicklung von Gesellschaft charakteristisch sein sollen (Talcott Parsons).[9]

Daran schließen sich einige Kritikpunkte gegenüber der Modernisierungstheorie an:[10]

  • „Tradition“ und „Moderne“ seien in vielen Ansätzen idealtypische Konstruktionen, die nicht der Wirklichkeit entsprächen. Weder die traditionellen noch die modernen Gesellschaften entsprächen einem dieser Idealtypen, sondern stellten unterschiedliche Kombinationen traditioneller und moderner Elemente dar. Es herrschten große Unterschiede zwischen den Entwicklungsländern, „die“ Dritte Welt habe es nie gegeben. Diese Heterogenität erfordere unterschiedliche Entwicklungsstrategien für die einzelnen Länder.
  • Normative Kritik: Dieser Ansatz kritisiert die Modernisierungstheorie im Hinblick darauf, ob die beschriebenen Prozesse moralisch zu verurteilen seien. So bemängeln die Kritiker, dass Modernisierungstheoretiker Traditionen als Hindernisse für den take-off des ökonomischen Wachstums sähen, obwohl Modernisierung radikale Veränderungen der „traditionellen“ Gesellschaften mit sich brächten.[11]
  • Auch die Vorstellung der Interdependenz der Subprozesse der Modernisierung hat einen idealtypischen Charakter.
  • Die Vorstellung von Modernisierung als unausweichlichen, unumkehrbaren, gleichartig ablaufenden und progressiven Prozess sei eine Naturalisierung des sozialen Wandels, die auf der Metapher der Entwicklung beruhe. Dieser „soziale“ Evolutionismus gehe der biologischen Evolutionstheorie voraus[12] (siehe auch: Vergleich der soziokulturellen Evolutionsmodelle). Dass wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Fortschritt sich aber nicht synchron und schon gar nicht zwangsläufig linear entwickeln, zeigten die vielen Modernisierungsdiktaturen und irrationale Reaktionen auf das Scheitern der Entwicklung (vgl. den zunehmenden Fundamentalismus in den arabischen Staaten)[13]. Der Vorstellung von Modernisierung als nachholender Entwicklung (gegenüber den Vorreiterstaaten wie z. B. den USA) stehe die Erfahrung gegenüber, dass Geschichte sich nicht wiederholt. Die Situation der Entwicklungsländer sei eine ganz andere als die der europäischen Staaten des 18. und 19. Jahrhunderts. Überdies vergrößere sich der Abstand zwischen den reichsten und den ärmsten Ländern immer mehr. Ein „Einholen“ sei schon aus ökologischen Gründen nicht möglich, da der Ressourcenverbrauch pro Kopf der reichsten Länder nicht verallgemeinerbar sei.
  • Ein weiterer Aspekt sei die Fokussierung auf die USA oder die westlichen Industrieländer als Vorbild und Ziel, welches es zu erreichen gilt. Dieser „Eurozentrismus“ lasse keine anderen Wege zu, und im Kontext der politischen Gegebenheiten zu dieser Zeit (Kalter Krieg) wurde so das westliche System für die Entwicklungsländer als einzig anzustrebendes System vorgestellt. Analog wurde von den „sozialistischen“ Ländern ihr Entwicklungsmodell als allgemein verbindlich propagiert.
  • Methodisch wird der Theorie vorgeworfen, sie setze zu stark auf Strukturen. Aktuelle Ausformungen der Modernisierungstheorie haben diese Kritik aufgegriffen und schauen auch auf die Akteure.[14] Es würde ohne Einbezug der Akteure ein elementarer Mangel an Demokratie entstehen. Ein Beispiel hierfür seien Modernisierungspläne der Weltbank, die Entscheidungen auf Regierungsebene anbahnen ohne Konsultation der betroffenen Bevölkerungen vorzunehmen. Die Modernisierung würde daher zumeist als Angriff auf die Lebensweise erlebt – allerdings kommt es in Teilen der Bevölkerung auch zur Identifikation mit den modernisierenden Kräften.[15] Die Modernisierungstheorien rechtfertige ein undemokratisches Vorgehen aufgrund eines blue print, da sie von der vermeintlichen Überlegenheit des Wissens der Experten ausgehe.[16]

Bekannte Vertreter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beiträge zum Feld der Modernisierungstheorien kommen u.a. von folgenden Vertretern:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Berger: Was behauptet die Modernisierungstheorie wirklich – und was wird ihr nur unterstellt? In: Leviathan. Bd. 24, Nr. 1, 1996, S. 45–62, JSTOR 23983855.
  • Monika E. Fischer: Raum und Zeit. Die Formen des Lernens Erwachsener aus modernisierungstheoretischer Sicht (= Grundlagen der Berufs- und Erwachsenenbildung. Bd. 51). Schneider-Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2007, ISBN 978-3-8340-0266-2.
  • Peter Flora: Modernisierungsforschung. Zur empirischen Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung (= Studien zur Sozialwissenschaft. Bd. 20). Westdeutscher Verlag, Opladen 1974, ISBN 3-531-11251-1 (Zugleich: Konstanz, Universität, Dissertation, 1973).
  • Markus Holzinger: Die Theorie funktionaler Differenzierung als integratives Programm einer Soziologie der Moderne? Eine Erwiderung auf Uwe Schimanks analytisches Modell aus global vergleichender Perspektive. In: Zeitschrift für Theoretische Soziologie. Nr. 1, 2017, S. 44-73. (ISSN 2195-0695).
  • Detlef Pollack: Modernisierungstheorie – revised: Entwurf einer Theorie moderner Gesellschaften. In: Zeitschrift für Soziologie. Bd. 45, Nr. 4, 2016, S. 219–240, doi:10.1515/zfsoz-2015-1013.
  • Andreas Reckwitz: Moderne. Der Kampf um die Öffnung und Schließung von Kontingenzen. In: Stephan Moebius, Andreas Reckwitz (Hrsg.): Poststrukturalistische Sozialwissenschaften (= Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft. 1869). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-518-29469-7, S. 226–244.
  • Walt W. Rostow: The Stages of Economic Growth. A Non-Communist Manifesto. Cambridge University Press, Cambridge 1960, (2nd edition. ebenda 1971, ISBN 0-521-09650-2; 2nd edition, reprinted. ebenda 1987; 3rd edition. ebenda 1990, ISBN 0-521-40070-8; 3rd edition, reprinted. ebenda 1991).
  • Anja Rullmann: Modernisierung und Dependenz. Paradigmen internationaler Kommunikationsforschung. In: Miriam Meckel, Markus Kriener (Hrsg.): Internationale Kommunikation. Eine Einführung. Westdeutscher Verlag, Opladen 1996, ISBN 3-531-12681-4, S. 19–47.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Mergel: Geht es weiterhin voran? Die Modernisierungstheorie auf dem Weg zu einer Theorie der Moderne. In: Thomas Mergel, Thomas Welskopp (Hrsg.): Geschichte zwischen Kultur und Gesellschaft. Beiträge zur Theoriedebatte (= Beck'sche Reihe. 1211). Beck, München 1997, ISBN 3-406-42011-7, S. 203–232.
  2. Detlef Pollack, Gergely Rosta: Religion in der Moderne. Ein internationaler Vergleich (= Schriftenreihe „Religion und Moderne“. Bd. 1). Campus, Frankfurt am Main u. a. 2015, ISBN 978-3-593-50175-8, S. 25–47; Thomas Mergel: Geht es weiterhin voran? Die Modernisierungstheorie auf dem Weg zu einer Theorie der Moderne. In: Thomas Mergel, Thomas Welskopp (Hrsg.): Geschichte zwischen Kultur und Gesellschaft. Beiträge zur Theoriedebatte (= Beck'sche Reihe. 1211). Beck, München 1997, ISBN 3-406-42011-7, S. 203–232; Wilhelm Hennis: Max Webers Fragestellung. Studien zur Biographie des Werks. Mohr, Tübingen 1987, ISBN 3-16-345150-0.
  3. Vgl. dazu insbesondere die Arbeiten von Niklas Luhmann; Niklas Luhmann: Macht im System. Herausgegeben von André Kieserling. Suhrkamp, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-58573-3.
  4. Gabriel A. Almond, James S. Coleman (Hrsg.): The Politics of the Developing Areas. Princeton University Press, Princeton NJ 1960.
  5. Carles Boix: Democracy and Redistribution. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 2003, ISBN 0-521-82560-1; Seymour Martin Lipset: Political Man. The Social Bases of Politics. Doubleday, Garden City NY 1960.
  6. Detlef Pollack: Historische Analyse statt Ideologiekritik. Eine historisch-kritische Diskussion über die Gültigkeit der Säkularisierungstheorie. In: Geschichte und Gesellschaft. Bd. 37, Nr. 4, 2011, S. 482–522, JSTOR 41330525.
  7. Carles Boix: Democracy and Redistribution. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 2003, ISBN 0-521-82560-1.
  8. Wie man ihn z. B. auch in dem Strukturalismus von Raúl Prebisch findet.
  9. Talcott Parsons: Evolutionäre Universalien der Gesellschaft. In: Wolfgang Zapf (Hrsg.): Theorien des sozialen Wandels. Kiepenheuer & Witsch, Köln u. a. 1969, S. 55–74; Über das Verschwinden indigener Gesellschaften als Preis des Fortschritts siehe John H. Bodley: Der Weg der Zerstörung. Stammesvölker und die industrielle Zivilisation. Trickster, München 1983, ISBN 3-923804-00-8.
  10. Vgl. stellvertretend Anja Rullmann: Modernisierung und Dependenz. Paradigmen internationaler Kommunikationsforschung. In: Miriam Meckel, Markus Kriener (Hrsg.): Internationale Kommunikation. Eine Einführung. 1996, S. 19–47, hier S. 28 ff.
  11. Als Beispiel gilt: „Economic development of an underdeveloped people by themselves is not compatible with the maintenance of their traditional customs and mores. A break with the latter is a prerequiste to economic progress. What is needed is a revolution in the totality of social, cultural and religious institutions and habits, and thus in their psychological attitude, their philosophy and their way of life. What is, therefore, required amounts in reality to social disorganization. Unhappiness and discontentment in the sense of wanting more than is obtainable at any moment is to be generated. The suffering and dislocation that may be caused in the process may be objectionable, but it appears to be the price that has to be paid for economic development; the condition of economic progress.“ – J. L. Sadie: The Social Anthropology of Economic Underdevelopment. In: The Economic Journal. Bd. 70, Nr. 278, 1960, S. 294–303, hier S. 302, JSTOR 2228729, zitiert in: Gérald Berthoud: Market. In: Wolfgang Sachs (Hrsg.): The Development Dictionary. A Guide to Knowledge as Power. Zed Books, London u. a. 1992, ISBN 1-85649-043-2, S. 70–87, Zitat S. 72–73.
  12. vgl. Condorcet: Esquisse d'un tableau historique des progrès historique de l'esprit humain (= GF Flammarion. 484). Introduction, chronologie et bibliographie par Alain Pons. Flammarion, Paris 1988, ISBN 2-08-070484-2 (geschrieben 1794), und Gilbert Rist: The history of development. From Western Origins to Global Faith. 3rd edition. Zed Books, London u. a. 2008, ISBN 978-1-84813-189-7.
  13. Vgl. zum islamistischen Fundamentalismus als Reaktion auf das Scheitern der Entwicklung Gilles Kepel: Der Prophet und der Pharao. Das Beispiel Ägypten: Die Entwicklung des muslimischen Extremismus. Piper, München u. a. Piper 1995, ISBN 3-492-03786-0.
  14. Forschungsüberblick bei Daniel Ziblatt: How did Europe democratize? In: World Politics. Bd. 58, Nr. 2, 2006, ISSN 0043-8871, S. 311–338, JSTOR 40060135.
  15. Vgl. zur Ambivalenz der Menschen, die zu „Unterentwickelten“ erklärt wurden, gegenüber der Modernisierung Gustavo Esteva: Fiesta – jenseits von Entwicklung, Hilfe und Politik. 2., erweiterte Neuauflage. Brandes & Apsel u. a., Frankfurt am Main u. a. 1995, ISBN 3-86099-101-9.
  16. Ahnherr aller Modernisierungstheoretiker ist neben Condorcet vor allem Auguste Comte. Der aufgrund wissenschaftlicher Einsicht von Experten gestaltete soziale Wandel soll bei Comte wie bei den Modernisierungstheoretikern die autonome, unvorhersehbare, eventuell revolutionäre Veränderung von unten ersetzen bzw. verhindern. Vgl. Auguste Comte: Rede über den Geist des Positivismus (= Philosophische Bibliothek. 468). Übersetzt, eingeleitet und herausgegeben von Iring Fetscher. Meiner, Hamburg 1994, ISBN 3-7873-1148-3.