Modulares Smartphone

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein modulares Smartphone ist ein Smartphone, das aus unterschiedlichen Komponenten (Modulen) besteht, die unabhängig voneinander ausgetauscht und verbessert werden können. Das Ziel dabei ist es, die Reparatur zu erleichtern, um Elektronikschrott zu reduzieren, da das Smartphone nicht komplett ersetzt werden muss.[1] Für Verbraucher ergibt sich dabei zusätzlich die Möglichkeit die Hardware besser an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.[2]

Die bisher bekanntesten Projekte bezüglich modularer Smartphones sind Phonebloks und Project Ara, das erste modulare Smartphone auf dem Markt ist das Fairphone 2.[3]

Aktuelle Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fairphone 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fairphone 2 mit transparenter Rückseite, die den modularen Aufbau erkennen lässt

Das Fairphone 2 setzt auf eine hohe Modularität, um den Benutzern die einfache Reparatur zu ermöglichen und damit Elektroschrott zu reduzieren. Dazu wurde das Telefon in 7 Module aufgeteilt, die sich mit wenig Aufwand auswechseln lassen. So lässt sich das Display ohne zusätzliches Werkzeug tauschen, für die anderen Module benötigt man nur einen Schraubenzieher. Anders als bei vielen anderen Geräten, geht die Garantie beim Fairphone 2 nicht verloren, wenn es geöffnet wird. Auch eigene Betriebssysteme wie Android mit und ohne Google, LineageOS, SailfishOS und Ubuntu Touch können die Benutzer aufspielen, was das Unternehmen aktiv unterstützt. Darüber hinaus verfolgt Fairphone das Ziel, möglichst viele konfliktfreie Rohstoffe zu verbauen und die Arbeiter, die in den Produktionsprozess involviert sind, besser zu bezahlen. Das Telefon wurde ab Ende 2015 ausgeliefert und ist damit das erste modulare Smartphone auf dem Markt.[4]

Die einzelnen Module sind:[5]

  • ein externes Gehäuse
  • eine Batterie
  • eine Kerneinheit (mit Chipset, Speicher, Modem, Antennen, SIM- & MicroSD-Karten-Slot, und Sensoren)
  • ein Bildschirm
  • ein Empfangs-Modul (mit Empfänger, Front-Kamera, Kopfhöreranschluss)
  • ein Kamera-Modul (mit Rück-Kamera und Blitz)
  • ein Lautsprecher-Modul (mit Lautsprecher, Vibrationsmotor, Hauptmikrofon und USB-Anschluss)

SHIFT6m[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modularer Aufbau des Shift6m

Das SHIFT6m setzt auf maximale Modularität, um Reparaturen schnell und kostengünstig durchführen zu können, die Lebensdauer der Geräte zu maximieren und somit Elektroschrott zu reduzieren. Die Verbindungen bestehen aus Steckverbindern oder Schraubverbindungen. Um Verwechslungsgefahr vorzubeugen, wurde darauf geachtet, dass nur eine einzige Schraubenart verwendet wurde (Torx 3 in der gleichen Länge). Der Schraubendreher dazu liegt der Packung bei. Das SHIFT6m besitzt über 13 Module, die sich in Sekunden ohne zusätzliches Werkzeug auswechseln lassen.

Als derzeit erster Hersteller bietet SHIFT einen Gerätepfand[6] und ermöglicht Geräte-Upgrades zu jeder Zeit und in jedem Zustand des Gerätes.

Anders als bei vielen anderen Geräten, geht die Garantie beim SHIFTPHONE nicht verloren, wenn es geöffnet wird. Auch eigene Betriebssysteme wie Android mit und ohne Google oder Sailfish OS können die Benutzer aufspielen. Dies wird vom Unternehmen aktiv unterstützt. Darüber hinaus verfolgt SHIFT das Ziel, möglichst viele konfliktfreie Rohstoffe zu verbauen und betreibt eine eigene Fertigung nach fairen Richtlinien[7]. Das SHIFTPHONE ist damit nach dem Fairphone das zweite modulare, in weiten Bereichen faire Smartphone auf dem Markt und das modularste Modell der High-End-Geräteklasse.

Die wichtigsten Module sind:

  • A-Frame mit Bildschirm-Einheit
  • B-Frame mit weiteren modularen Technologie-Komponenten (einzeln wechselbar):
    •   Batterie   
    • Kameras (einzeln tauschbar)
    • Kerneinheit (mit Chipset, Speicher, Modem und den meisten Sensoren)
    • Fingerprint-Sensor mit LED-Light
    • SIM- & MicroSD-Karten-Slot
    • Antennen-Einheit (mit Antennen für 4G, WIFI, Bluetooth und GPS)
    • Schalter-Einheit
    • Sub-PCB mit GSM Antenne und Hauptmikrofon
    • Lautprechereinheit Kopf
    • Lautsprechereinheit Fernsprechen
  • Back-Cover zum sicheren Verschließen des Gerätes

LG G5[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Mobile World Congress in Barcelona stelle LG das Telefon LG G5 vor, welches sich durch eine Klappe an der Unterseite mit Modulen erweitern lässt. Der Wechsel der Module erfolgt dabei über einen kleinen Taster an der Seite des Gerätes, welcher einen Schiebemechanismus öffnet. Durch diesen lässt sich auch der Akku aus dem Metallgehäuse heraus ziehen. Außerdem verfügt das Telefon über zwei Kameras, wobei eine für Weitwinkelaufnahmen dient. Zusammen mit dem Telefon wurden ein Lautsprecher-Modul und ein Kamera-Modul präsentiert.[8]

Phonebloks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Explosionsansicht des Phonebloks Konzepts

Das Konzept Phonebloks wurde im September 2013 vom niederländischen Designer Dave Hakkens in einem YouTube-Video veröffentlicht und erreichte innerhalb der ersten 24 Stunden über eine Million Aufrufe.[9] In dem Video besteht das Smartphone aus einer Hauptplatine (genannt Base), auf die unterschiedliche Komponenten (genannt Bloks) vergleichbar mit Legosteinen gesteckt werden. Bislang ist nicht geplant, das Konzept konkret umzusetzen; es wurde allerdings eine Gemeinschaft gegründet, die das Ziel hat, die Industrie für die Einsparung von Elektronikschrott zu motivieren.[10][11] Entgegen teilweiser Verwechslung gehört Phonebloks nicht direkt zu Project Ara, sondern es unterstützt dieses.[11]

Project Ara[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konzeptbild von einem Project Ara Smartphone. Die einzelnen Module sind nicht mehr erkennbar.

Das Project Ara wurde am Anfang von Motorola, später von Google getrennt von Phonebloks entwickelt, sollte im Gegensatz zu diesem aber voraussichtlich im Jahr 2015 umgesetzt werden.[11] Das Smartphone bestand aus einem Endoskeleton unterschiedlicher Größe (genannt Endo), in das seitlich Module eingesteckt werden können.[11] Im Jahr 2016 wurde zuerst auf der Google I/O eine Neuausrichtung des Projekts verkündet, bei der größere Einschnitte in die Modularisierbarkeit vorgenommen wurden. Später im Jahr wurde das Projekt eingestellt.[12]

PuzzlePhone[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PuzzlePhone begann mit einem YouTube-Video von Alejandro Santacreu Alfonso als offener Standard und wird zurzeit von Circular Devices Oy umgesetzt.[13][14] Im Konzept gibt es drei auswechselbare Teile, aus denen das Gerät zusammengesetzt ist:[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Phonebloks Hauptseite. Abgerufen am 27. Juli 2015 (englisch).
  2. Erstes offizielles Video von Phonebloks. Abgerufen am 27. Juli 2015 (englisch).
  3. Phonebloks: ein Smartphone-Klotz mit interessantem Baukasten-Prinzip - AndroidPIT. Abgerufen am 27. Juli 2015.
  4. Offizielle Homepage von Fairphone. Abgerufen am 16. November 2015.
  5. Die Architektur des Fairphone 2. Abgerufen am 16. November 2015.
  6. Erklärung zur Handhabung des SHIFT-Gerätepfands. Abgerufen am 22. Januar 2018.
  7. SHIFT Report 2016 (Deutsch). Abgerufen am 22. Januar 2018.
  8. LG G5 - Das modulare Android Smartphone im ersten Hands on. STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H., abgerufen am 23. Februar 2016.
  9. Über-Seite von Phonebloks. Abgerufen am 27. Juli 2015 (englisch).
  10. FAQ von Phonebloks. Abgerufen am 27. Juli 2015 (englisch).
  11. a b c d FAQ von Project Ara. Abgerufen am 27. Juli 2015 (englisch).
  12. Ingo Pakalski: Google bestätigt das Ende des modularen Smartphones. In: golem.de. 5. September 2016, abgerufen am 5. September 2016.
  13. a b Erstes Video, in dem Puzzle Phone vorgestellt wird. Abgerufen am 27. Juli 2015 (englisch).
  14. Hauptseite von Puzzle Phone. Abgerufen am 27. Juli 2015 (englisch).