Modus (Grammatik)

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Der Modus (auch: die Aussageweise) ist ein Konjugationsparameter beziehungsweise eine grammatische Kategorie des Verbs. Durch Modi wird die subjektive Stellungnahme des Sprechers zur Satzaussage ausgedrückt. Grammatische Modi lassen sich übergeordnet unterscheiden in reale und irreale Modi.

Realität und Irrealität[Bearbeiten]

Nach dem britischen Linguisten Frank R. Palmer lassen sich grammatische Modi in ein System bringen, das die zwei Pole der Realität und Irrealität besitzt,[1] abhängig davon, ob der Modus sich auf reale Ereignisse oder Fakten bezieht oder auf Ereignisse, die (noch) nicht stattgefunden haben.
Es gibt Sprachen, die diese Zweiteilung direkt abbilden – beispielsweise nordamerikanische Indianersprachen wie Caddo[2] – und andere, deren Modussystem in dieser Hinsicht unschärfer ist.

Reale Modi[Bearbeiten]

Reale Modi werden benutzt, um faktische Ereignisse oder allgemeingültige Wahrheiten auszudrücken:

  • Indikativ (Modus) – in indogermanischen Sprachen eine Normalform für Aussagen über reale Ereignisse oder allgemeingültige Wahrheiten
  • Evidentialität – Modus, der in manchen Sprachen für Ereignisse verwendet wird, die evident sind
  • sensorische Evidentalität – Modus, um die eigene Wahrnehmung eines Ereignisses durch Sinnesorgane zu betonen.
  • Energikus – Modus der kategorischen Behauptung

Irreale Modi[Bearbeiten]

Irreale Modi markieren Ereignisse, die sich (noch) nicht tatsächlich ereignet haben, deren Eintritt aber erwünscht ist, für möglich gehalten wird oder deren Eintritt von anderen Bedingungen abhängig ist „(was wäre, wenn“). Zu den irrealen Modi gehören unter anderem:

  • Imperativ (Befehl an die 2. Person), Jussiv (Befehl an die 3. Person), Adhortativ (Befehl an die 1. Person Plural, die Aufforderung zur gemeinsamen Handlung)
  • Optativ – Wunschform zum Ausdruck von Wünschen, teils abgeschwächten Anweisungen
  • Nezessitativ – Notwendigkeitsform
  • Potentialis – markiert Ereignisse, deren Eintritt der Sprecher grundsätzlich für möglich hält
  • Konditionalis – Der Eintritt eines Ereignisses hängt vom Eintritt eines anderen Ereignisses ab.

Gebrauch im Deutschen[Bearbeiten]

Formen[Bearbeiten]

Im Deutschen existieren drei flektierend gebildete Verbmodi: Indikativ (Wirklichkeitsform), Konjunktiv (Möglichkeitsform) und Imperativ (Befehlsform). Indikativ und Konjunktiv können grammatische mehrere Modi abbilden. Zusätzlich existieren sechs Modalverben (müssen, sollen, können, dürfen, wollen, mögen), mit deren Hilfe weitere Modi ausgedrückt werden können, teilweise in Kombination mit dem Konjunktiv, sowie Verben der Wahrnehmung, mit deren Hilfe Evidentialität ausgedrückt werden kann.

Verwendung[Bearbeiten]

Flektierte Verbformen[Bearbeiten]

Der Indikativ wird dazu verwendet, um Aussagen über Ereignisse, die tatsächlich stattfinden/stattgefunden haben, zu machen, etwa „Der Hund wedelt mit dem Schwanz” (er wedelt tatsächlich), oder für allgemeingültige Aussagen („Hunde wedeln mit dem Schwanz, wenn sie sich freuen”). Teilweise kann der Indikativ auch als Ersatz für den Imperativ verwendet werden, etwa im Passiv: „Jetzt wird geschlafen!“.

Der Konjunktiv wird als Konjunktiv I für die Wiedergabe der direkten Rede („Er sagte, dass er müde sei“), als Optativ („Er ruhe in Frieden“, nicht mehr produktiv), als Jussiv („Man nehme zwei Eier“) und, nicht mehr als Konjunktiv I erkennbar, als Adhortativ („Gehen wir essen!“) verwendet.
Der Konjunktiv II wird vor allem für irreale Konditionalgefüge verwendet, die völlig unmöglich („Er wäre früher gekommen, wenn er rechtzeitig aufgestanden wäre“) oder prinzipiell möglich, aber noch nicht eingetreten sind („Führe ich in die Stadt, könnte ich noch einkaufen“). Möglich sind außerdem Wünsche, deren Erfüllung je nach Kontext möglich („Ich hätte gerne eine Brezel“, „höflicher“ Konjunktiv) oder unmöglich sind („Ich wäre gerne am Meer“).

Der Imperativ wird lediglich für Befehle verwendet („Wirf mir den Ball zu!“).

Modalverben[Bearbeiten]

Modalverben, auch modale Hilfsverben, erweitern die Ausdrucksmöglichkeiten des Deutschen im Bereich der epistemischen und deontischen Modalität, etwa „Ich muss gehen“ (Notwendigkeit, deontisch) oder „Es mag regnen“ (Möglichkeit, epistemisch). In Kombination mit Konjunktiv erscheinen zusätzliche Verwendungsmöglichkeiten, etwa Optativ („Er möge in Frieden ruhen“, Konjunktiv I + mögen) oder Potentialis („Ich könnte mein Zimmer blau streichen“, Konjunktiv II + können).[3]

Verben der Wahrnehmung[Bearbeiten]

Mit Verben der Wahrnehmung - sehen, hören, riechen, schmecken, spüren, fühlen - kann Evidentialität ausgedrückt werden, etwa:

  • Ich sah ihn kommen.
  • Ich habe den Schuss gehört.
  • Ich habe den Rauch gerochen.
  • Ich habe das Salz geschmeckt.
  • Ich habe das Erdbeben gespürt/gefühlt.

Der Sprecher betont die Sicherheit der vermittelten Information, da er das beschriebene Ereignis persönlich wahrgenommen hat.

Gebrauch in anderen Sprachen[Bearbeiten]

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Das Konditional (Bedingungsform) wird in romanischen Sprachen als eigener Modus angesehen, nicht so im Deutschen.

Am häufigsten wird im Deutschen der Indikativ benutzt, doch auch der Konjunktiv hat viele Verwendungszwecke, beispielsweise für die Wiedergabe der indirekten Rede, die besonders in Nachrichtentexten und Berichten häufig vorkommt. Auch der Infinitiv findet im Deutschen häufige Verwendung, beispielsweise in Verbalkonstrukten wie „Sie können jetzt gehen“ oder als Ersatz für den Imperativ („Nicht aus dem Fenster hinauslehnen!“).

Der Terminus Subjunktiv wird im Deutschen als Synonym zu Konjunktiv und in anderen Sprachen als Hauptbezeichnung für den dem Konjunktiv entsprechenden Modus verwendet (z. B. Englisch: The subjunctive; subjunctive mode/mood; Spanisch: Subjuntivo; Französisch: Subjonctif). Die Verwendungsweisen können aber von dem des deutschen Konjunktivs abweichen.

In anderen Sprachen gibt es teilweise andere Modi, wie zum Beispiel den Jussiv (zum Beispiel im Persischen; Wiedergabe des Jussivs im Deutschen kann mit Hilfe der 3. Pers. Singular/Plural Konjunktiv I erfolgen („Nehme er sein Buch“), was allerdings ungebräuchlich ist), den Energikus (zum Beispiel im Arabischen), den Optativ, der typisch für das Altgriechische, Türkische und Finnische ist. Weitere Modi sind der Konditional (beispielsweise in romanischen Sprachen zum Ausdruck einer möglichen Wirklichkeit), der Suppositiv zum Ausdruck einer Vermutung (türkisch), der Renarrativ (zum Beispiel im Bulgarischen zur Wiedergabe von Informationen aus zweiter Hand). In der indogermanischen Grundsprache existiert ein sehr ursprünglicher „Basismodus“ Injunktiv, der keine formale Kennzeichnung aufweist und nur die Zeitdauer einer Handlung (im Aorist: punktuelle Handlung mit Zeitdauer „absolut Null“, im Präsens: Dauerhandlung oder wiederholte Handlung mit Zeitdauer „potentiell unendlich“) ausdrückt, nicht aber wiedergibt, ob diese Handlung in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft stattfindet.

Alternative Ausdrucksweisen[Bearbeiten]

Die semantische Kategorie der Modalität muss nicht durch das Verb oder dieses allein ausgedrückt werden. Modale Einstellungen können unter anderem auch durch Modalverben (wollen, können, dürfen, müssen, mögen, sollen) oder durch Satzadverbien (vermutlich, vielleicht) ausgedrückt werden.


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. F. R. Palmer: Mood and Modality. Cambridge University Press, Cambridge 1986, ISBN 0-521-31930-7.
  2. Lynette R. Melnar: Caddo Verb Morphology. University of Nebraska Press, Lawrence 2004, ISBN 0803232209
  3. Engel, Ulrich: Deutsche Grammatik, Julius Groos Verlag, Heidelberg 1996, ISBN 3-87276-752-6, Kapitel V6.4