Moeletsi Mbeki

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Mbeki in Leiden (2007)

Moeletsi Mbeki (* 30. November 1944[1] oder 1945[2][3]) ist ein südafrikanischer Medien-Manager und Wirtschaftsjournalist. Er ist der jüngere Bruder des früheren ANC- und Staatspräsidenten Thabo Mbeki und Sohn von Govan Mbeki, einem führenden Mitglied des African National Congress (ANC) und Weggefährte von Nelson Mandela und Walter Sisulu.

Leben[Bearbeiten]

Moeletsi Mbeki, Angehöriger der Mfengu (Fingo), wurde am 18. Juni 1942 in Idutywa in der Transkei, einem späteren „Homeland“, als Sohn des politisch sehr engagierten Lehrerpaars Epainette und Govan Mbeki (1910–2001) geboren. Sein Vater arbeitete auch als Journalist und war eine Führungsfigur der South African Communist Party (SACP) und des ANC, die beide verboten wurden. 1963 wurde sein Vater im Rivonia-Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt, die er bis zu seiner Freilassung im November 1987 auf Robben Island verbüßte. Nach der Verhaftung beider Eltern lebte er gemeinsam mit seinen beiden Brüdern und seiner Schwester bei Verwandten und Freunden. Er studierte an der University of Warwick und machte einen Masterabschluss in Ingenieurwissenschaften.

Er arbeitete als Journalist in Simbabwe, Algerien, Tansania, den USA und Großbritannien. 1986/87 war er Öffentlichkeitsreferent des Gemeinsamen Marktes für das Östliche und Südliche Afrika. Seit 1990 ist er Medienberater des ANC und Pressechef des Congress of South African Trade Unions. Er ist stellvertretender Direktor des Südafrikanischen Instituts für Internationale Angelegenheiten (SAIIA).

Journalistische Tätigkeit[Bearbeiten]

Mbeki schreibt für den New Statesman. Er hat mehrere Bücher über die Politik des südlichen Afrikas veröffentlicht und gilt als politischer Beobachter Afrikas.[4] 2008 kritisierte er das Treffen afrikanischer Staatschef der Afrikanischen Union mit Robert Mugabe als Zeichen des Zerfalls und der Unfähigkeit.[3]

In 2009 stieß er mit seinem Buch Architects of Poverty: Why African Capitalism Needs Changing (Die Architekten der Armut) eine breite Debatte an. Darin beschreibt er, wie die afrikanischen Eliten ihre Staaten als Goldesel betrachteten, sie den Lebensstil der Kolonialherren nachäfften, ein Leben in obszönem Luxus führten und dabei keinerlei Verantwortungsgefühl für ihre Länder hätten und sich nicht für deren Entwicklung interessierten. Die Folge sei eine Vernachlässigung des Wohlergehens der Bevölkerung, die mit Korruption, Kapitalflucht und letztlich einer Brutalität gegen kritische Stimmen verbunden sei.[5] Er warnt vor den „parasitären politischen Eliten“, die allmählich auch dem demokratischen Vorbild Südafrika an die Substanz gingen.

Er steht der Politik des Black Economic Empowerment des ANC sehr kritisch gegenüber und sieht sie als ein Geistesprodukt des weißen Kapitals, das nur eine kleine Klasse schwarzer Kapitalisten fördert.[6] Er zeichnet deutlich die Gefährlichkeit des falschen politischen Handels, dass den größten Teil der Bevölkerung weiterhin arm und eine kleine neue schwarze Elite unvorstellbar reich mache. Bei einer Rede vor dem Kapstädter Presseclub zur Krise der südafrikanischen Führung im Juli 2011 attestierte Mbeki dem ANC, nicht mehr für die Zukunft des Landes zuständig zu sein, und nannte Jacob Zuma und Julius Malema ein „Sing- und Tanzbrigade“.[7] Am nächsten Tag ließ Zuma eine Erklärung veröffentlichen, in der von gegenstandslosen und enttäuschenden Unterstellungen die Rede war, die von einer tiefen Verbitterung zeugten.[8] Zumas Sprecher und ein Sprecher des ANC bescheinigten Mbeki mangelnden Respekt, Frechheit und Unehrlichkeit.[9]

Im September 2011 forderte Mbeki die Demokratische Allianz bei einer Rede auf, Julius Malema und die ANC Youth League (ANCYL) in ihrer Forderung nach ökonomischer Freiheit zu unterstützen.[10] Nach dem Ausschluss von Malema aus dem ANC und dem Widerstand der ANCYL im November 2011 unterstützte Mbeki den Präsidenten der Jugendliga; er sprach davon, dass Malema die richtigen Fragen stelle, und prangerte den verschwenderischen Lebensstil führender südafrikanischer Politiker an.[11]

2011 publizierte er „Advocates for Change“ (Anwälte des Wandels), dessen Umsetzung von der Hanns-Seidel-Stiftung unterstützt wurde,[12] in dem er konkrete Lösungsansätze aufzeichnete.

Werke[Bearbeiten]

  • Moeletsi Mbeki: Architects of Poverty: Why African Capitalism Needs Changing. Central Books, 2009, ISBN 1770101616
  • Moeletsi Mbeki: Advocates for change: How to overcome Africa's challenges. Picador Africa, 2011, ISBN 978-1-77010-120-3

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Profil vom Mbeki im Who’s Who Southern Africa (englisch)
  2. Kurzprofil in Die Welt vom 9. August 2011, abgerufen am 22. November 2011.
  3. a b Die Staatschefs sind unfähig, Interview mit Mbeki in der Frankfurter Rundschau vom 2. Juli 2008, abgerufen am 20. November 2011
  4. Unsere politische Elite hätte genug Zeit gehabt. Interview mit Mbeki in Die Welt vom 8. August 2011, abgerufen am 20. November 2011.
  5. Moeletsi Mbeki: Architects of Poverty. 2009, S. 174
  6. Moeletsi Mbeki: Die Oligarchen sind noch an der Macht. Afrika Süd, Die Fachzeitschrift zum südlichen Afrika, 38. Jahrgang, Nr. 5, Oktober/November 2009
  7. Artikel Moeletsi Mbeki's criticism of Zuma disrespectful and disingenuous: ANC. In: Times Live vom 27. Juli 2011, abgerufen am 20. November 2011 (englisch).
  8. Moeletsi Mbeki allegations are baseless. Veröffentlichung auf den Seiten des südafrikanischen Präsidenten vom 27. Juli 2011, abgerufen am 20. November 2011 (englisch).
  9. Artikel Maharaj: Moeletsi Mbeki is wrong about Zuma. In: Mail & Guardian vom 27. Juli 2011, abgerufen am 20. November 2011 (englisch).
  10. Artikel Moeletsi Mbeki calls for DA to support ANCYL. In: The Sowetan vom 6. September 2011, abgerufen am 20. November 2011 (englisch).
  11. Artikel Mbeki backs ANCYL firebrand. In: Sunday Tribune vom 19. November 2011, abgerufen am 20. November 2011 (englisch).
  12. Die Angst der Machthaber vor zu viel Bildung, Die Welt vom 8. August 2011