Fahrrad mit Hilfsmotor

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Pedelecs gelten als FmH, wenn die Tretunterstützung über 25 km/h bis max. 45 km/h hinausreicht.

Bei einem Fahrrad mit Hilfsmotor (FmH) handelt es sich um ein Fahrrad, das mit einem Hilfsmotor versehen ist. Es stellt eine Übergangsform vom Fahrrad zum Kraftrad dar. Der Begriff ist rechtlich definiert und beschreibt ein Kraftfahrzeug, das hinsichtlich der Gebrauchsfähigkeit die Merkmale eines Fahrrades aufweist [§6 (1)]. Darüber hinaus bestehen Einschränkungen in Bezug auf Hubraum und Höchstgeschwindigkeit. Je nach Rechtslage des jeweiliges Staates wird das FmH unterschiedlich eingeordnet und mit Auflagen zur technischen Ausstattung, Helm- und Führerscheinbestimmung belegt. In Deutschland gehören auch Mofas, Leichtmofas, sowie einige E-Bikes und Pedelecs zu den FmH.

Bauarten[Bearbeiten]

FmH mit Verbrennungsmotor[Bearbeiten]

Leichtmofa-Motor von Sachs, 1998

In der Vergangenheit waren Fahrräder mit Hilfsmotor meist mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet, der ursprünglich das Vorderrad antrieb. Der Motor wurde meist als Anbaumotor verkauft und konnte an gewöhnlichen Fahrrädern montiert werden. Als erstes Motorfahrrad gilt die Werner von 1897 mit Riemantrieb auf das Vorderrad. Solex übernahm mit der Vélosolex von 1946 bis 1988 mit einem Reibrollenantreib sehr erfolgreich dieses Konzept. Die NSU Motosulm (1931–1935) hatte Kettenantrieb auf das Vorderrad. Überblicher war der Hinterradantrieb. Die Einbauvariante des Motors in den Rahmen – über, unter (z.B. Lohmann-Motor) oder vor dem Tretkurbellager – stellten übliche Konzepte dar. Die Saxonette von 1937 mit dem Motor an der Hinterachse angebracht, ist eine Bauweise, die heute als Leichtmofa produziert wird. In der DDR fand der 49 cm³ - MAW-Hilfsmotor, der von 1954 bis 1959 gebaut wurde, die größte Verbreitung. Im Volksmund wurde er "Hühnerschreck", "Hackenwärmer" etc. genannt. Einer der wenigen verbliebenen Hersteller von Verbrennungsmotoren für Fahrräder ist Sachs mit der Saxonette.

Mofa[Bearbeiten]

Hercules Prima 5S – ein Mofa klassischer Bauart, produziert 1991–2005
Piaggio Zip Scooter 25 – als Stadtroller ein typisches Mofa von heute

Das Silbenwort Mofa ist abgeleitet von Motor-Fahrrad bzw. Motorisiertes Fahrrad. Es beschreibt in Deutschland seit dem 24. April 1965 einspurige, einsitzige Fahrräder mit Hilfsmotor mit einer Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 25 km/h und einer Drehzahl von maximal 4.800 min−1.[1]

Zu Vorkriegszeiten wurden bereits Mofas produziert, die zwar mit Pedalen ausgestattet waren, ansonsten aber eher kleinen Motorrädern glichen.[2] Anfang der 1960er Jahre wurde ein kleines handliches Moped entwickelt, für das der Begriff Mofa wiederbelebt wurde. Von den ersten Mopeds unterschieden sich diese konstruktiv vor allem durch deutlich kleinere Räder und eine in Deutschland auf 25 km/h beschränkte Höchstgeschwindigkeit. Die neu geschaffene Fahrzeugklasse erfreute sich als eine Art Modeerscheinung, aber auch aufgrund der Führerscheinfreiheit insbesondere unter Jugendlichen großer Beliebtheit. Die Mofa-Baumuster waren teilweise als Kleinkraftrad mit bis zu 50 km/h Höchstgeschwindigkeit zu haben und wurden von Jugendlichen vielfach darüber hinausgehend frisiert. In den 1980er Jahren war der Mofa-Trend abgeflaut, die produzierten Stückzahlen rückläufig. Spätestens mit dem Aufkommen preiswerter, in Deutschland auf 25 km/h beschränkter Mofa-Motorroller in den 1990er Jahren, spielten klassische Mofas auf dem deutschen Markt keine Rolle mehr. Die Liste ehemaliger Moped- und Mofahersteller ist lang. In der DDR wurde kurzzeitig ebenfalls ein Mofa produziert, das SL 1. Weil Mofas in der DDR bis zu 40 km/h schnell fahren durften, war das SL 1 trotz seiner Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h ein Mofa. Im Ostblock war die Jawa Babetta eines der wenigen produzierten Mofas, das unter anderem erfolgreich in der Bundesrepublik Deutschland verkauft wurde.[3]

Klassische Mofas sind aufgrund ihrer Pedalen den Mopeds zuzuordnen. Heutige Mofas entsprechen in Konstruktion und Erscheinungsbild weitgehend den Motorrollern und verfügen lediglich über eine geänderte Sitzbank, sowie einen auf in Deutschland 25 km/h gedrosselten Motor. Seit der Mofa-Trend als Modeerscheinung der 1960er und 1970er Jahre abgeflaut ist, füllen diese Fahrzeuge eine Marktnische aus für Personen, die nicht im Besitz des Führerscheins AM sind. Außerdem gibt es eine Retro-Szene, die das schlichte Design der klassischen Mofas schätzt.

FmH mit Elektromotor[Bearbeiten]

FmHs mit Elektromotor werden in Deutschland und Österreich üblicherweise in drei Gruppen unterschieden:

  • Elektrofahrräder mit Tretunterstützung werden Pedelec genannt.
  • Handelt es sich um einen tretunabhängigen Zusatzantrieb, wird meist die Bezeichnung E-Bike gewählt.
  • FmHs mit Elektromotor ohne Tretantrieb sind meist als Roller ausgeformt und als E-Scooter bezeichnet.

FmHs sind stets nur ein möglicher Bestandteil der genannten Kategorien. Es ist im Umkehrsschluss keinesfalls so, dass alle E-Scooter, E-Bikes oder Pedelecs zu den FmHs gehören (vgl. rechtliche Einordnung). Alle drei Fahrzeuggruppen sind relativ neu und verbreiten sich zunehmend. Bereits 1973 gab es das Mofa Solo 720 und 1974 die Garelli Katja Elektro als Elektromofa auf dem Markt zu kaufen. Das Antriebskonzept konnte sich in dieser Bauform jedoch nicht durchsetzen. In chinesischen Großstädten wird das strombetriebene Fahrrad gebraucht, um die Luftverschmutzung zu mildern: Über 20 Millionen Exemplare werden dort jedes Jahr verkauft, mehr als 120 Millionen Fahrzeuge sind schon in Gebrauch.[4]

Rechtliche Einordnung[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland handelt es sich heute bei einem Fahrrad mit Hilfsmotor um ein Fahrrad mit einer Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 45 km/h und einem Verbrennungsmotor von maximal 50 cm³ Hubraum oder einem Elektromotor, das hinsichtlich der Gebrauchsfähigkeit die Merkmale eines Fahrrads aufweist.[5] Mit Merkmalen eines Fahrrades ist gemeint, dass es sich um ein einspuriges, einsitziges Fahrzeug handeln muss. Sitze zur Mitnahme von Kindern unter sieben Jahren dürfen angebracht sein [6]. Verkehrsrechtlich gilt ein FmH als Kleinkraftrad und erfordert Führerscheinklasse AM, sofern keine der untenstehenden Sonderregelungen zutreffen. Zum Betrieb auf den öffentlichen Straßen ist in jedem Falle ein Versicherungskennzeichen und eine Betriebserlaubnis erforderlich. Wie alle Kleinkrafträder sind auch FmHs zulassung- steuer- und TÜV-frei. FmHs müssen die Fahrbahn benutzen, wobei die örtliche Ausschilderung mitunter Ausnahmen für Mofas ausweist. Außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen Mofas grundsätzlich die Radwege benutzen [7].

Sonderregelungen[Bearbeiten]

Den Mofas werden im öffentlichen Verkehrsraum einige Privilegien im Vergleich zu anderen Kfz eingeräumt
  • Leichtmofa bis 20 km/h: Fahrer von Leichtmofas sind von der Helmpflicht befreit und die elektrische Ausstattung des Fahrzeugs muss nur den Vorschriften für Fahrräder genügen. In Bezug auf Versicherungs- und Führerscheinfragen gelten dieselben Bestimmungen wie für das Mofa. Rechtsgrundlage ist in Deutschland die Leichtmofa-Ausnahmeverordnung (StVRAusnV) vom 26. März 1993.[8] Leichtmofas sind enger definiert als Mofas und müssen noch eine Reihe weiterer Kriterien erfüllen. [9]
  • Mofa bis 25 km/h: Ein Mofa ist nach § 4 FeV ein einspuriges einsitziges Fahrrad mit Hilfsmotor, auch ohne Tretkurbeln, mit dem eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 25 km/h erreicht wird. Zum Führen eines Mofas ist lediglich ein Mindestalter von 15 Jahren und nach § 5 FeV eine Mofa-Prüfbescheinigung erforderlich. Wer im Besitz einer Fahrerlaubnis egal welcher Klasse oder vor dem 1. April 1965 geboren ist, benötigt keine Prüfbescheinigung. Wie auch beim Leichtmofa handelt es sich um eine nationale Sonderregelung, die in anderen Ländern nicht anzutreffen ist und keiner EU-Norm entspricht.
  • Pedelecs gelten nicht als FmH, sondern als Fahrrad, wenn die Tretunterstützung bis maximal 25 km/h reicht und die Motorleistung 0,25 KW nicht übersteigt. [10]
  • Für FmHs, die bis 1952 bzw. 1957 erstmals in Verkehr gekommen sind, gelten Ausnahmeregelungen in Bezug auf zulässige Hubraumgröße und Höchstgeschwindigkeit.[11]
  • FmHs im Sinne der Bestimmungen der DDR gelten weiterhin als FmH, wenn sie bis 28.02.1992 erstmals in Verkehr gekommen sind.[12] Dieser Passus ist innerhalb der FeV allerdings bedeutungslos, da die gegenwärtigen Regelungen zur FmH-Fahrerlaubnis mit jenen der DDR von 1989 identisch sind.
  • Unklar ist die Einordnung elektrischer Mobilitätshilfen wie Segway Personal Transporter, für die inzischen einige spezielle Bestimmungen geschaffen wurden.

Geschichte[Bearbeiten]

Die juristisch definierten Anfänge des Fahrrads mit Hilfsmotors finden sich in § 27 des Gesetz über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 21. Juli 1923, das für Kleinkrafträder Zulassungs- und Führerscheinfreiheit feststellte. 1923 auf 1 PS Nutzleistung begrenzt, wurde 1928 nur der Hubraum auf 200 cm³ begrenzt.[13] 1938 wurden diese kleinen Krafträder führerscheinpflichtig (Klasse 4) und der Hubraum für diese - als Abgrenzung zum Klasse 1 Führerschein – auf maximal 250 cm³ Hubraum angehoben.[14] Die erste Nachkriegs-StVZO der BRD führte am 1. Januar 1953 das führerschein-, zulassungs- und steuerfreie Fahrrad mit Hilfsmotor (FmH) ein, das nun maximal 50 cm³ Hubraum und ein Gesamtgewicht von 33 kg haben durfte.[15] 1957 wurde das Gewichtslimit aufgehoben und bis 1960 galten als FmH das Moped (Motorrad mit Pedale) und ohne Pedale das Kleinkraftrad. Zum 1. August 1960 wurden für FmH bis 40 km/h Höchstgeschwindigkeit die Führerscheinklasse 5 (Moped/Mokick), für Kleinkrafträder ohne Geschwindigkeitsbegrenzung die Führerscheinklasse 4 eingeführt. Am 23. April 1965 wurde das einspurige und einsitzige Fahrrad mit Hilfsmotor, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h (auf ebener Fahrbahn) und einer maximalen Drehzahl des Motors von 4.800 min−1 als führerscheinfrei festgelegt.[16]

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich gibt es das „Fahrrad mit Hilfsmotor“ als Rechtsbegriff nicht und ist als Bezeichnung auch nicht üblich:

  • Ein „Fahrrad“ mit Verbrennungsmotor (beispielsweise ein Saxonette) ist kein Fahrrad, sondern ein Kraftfahrzeug (zweirädriges Kleinkraftrad der Motorfahrräder-Klasse L1e), das nach § 15 Abs. 1 KFG u. a. mit einem Rückspiegel, Abblend- und Fernlicht, Fahrtrichtungsanzeigern, Bremsleuchten und Kennzeichenbeleuchtung ausgestattet sein muss. Um ein solches Kraftfahrzeug Lenken zu dürfen ist das Tragen eines (zugelassenen Motorrad-)Schutzhelms Pflicht (siehe § 106 Abs. 7 KFG), sowie der Besitz eines Mopedausweises oder alternativ eine Lenkerberechtigung, egal welcher Klasse(n), erforderlich (siehe § 1 Abs. 5 und 6 FSG).
  • Als „Fahrräder mit Hilfsmotor“ können daher nur Fahrräder mit Elektroantrieb betrachtet werden. Rechtsgrundlage für diese ist § 2 Abs. 1 Z. 22 StVO in Verbindung mit § 1 Abs. 2a KFG.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz ist das Motorfahrrad („Mofa“) in Art. 175Vorlage:Art./Wartung/ch-Suche Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeugen (VTS; SR 741.41) geregelt. In der Deutschschweiz wird ein Motorfahrrad auch als Töffli, Pfupfer oder Schnäpper bezeichnet.

Das Mindestalter zum Fahren eines Motorfahrrads beträgt nach Art. 6Vorlage:Art./Wartung/ch-Suche Verkehrsregelnverordnung (VRV; SR 741.11) 14 Jahre. Zum legalen Fahren mit einem Mofa benötigt man nach Art. 3Vorlage:Art./Wartung/ch-Suche VRV einen Führerausweis für Motorfahrräder, den man nach erfolgreich abgeschlossener Theorieprüfung und einem absolvierten Sehtest erhält. Dieser Ausweis ist für jene Personen nicht erforderlich, die im Besitz eines Führerausweises sind.

Es gilt nach Art. 18Vorlage:Art./Wartung/ch-Suche VTS eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeuges von 30 km/h. Die Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit, zum Beispiel durch eine Fahrt bergab, stellt aber nach Art. 5Vorlage:Art./Wartung/ch-Suche VRV keine Verletzung einer Verkehrsregel dar. Nach Art. 94Vorlage:Art./Wartung/ch-Suche Verkehrszulassungsverordnung (VZV; SR 741.51) ist eine abgeschlossene Haftpflichtversicherung und ein Motorfahrrad-Kontrollschild vorgeschrieben; der Fahrzeugausweis mit der eingeklebten Versicherungsvignette ist mit dem Ausweis des benützten Motorfahrrades immer mitzuführen. Nach Art. 3bVorlage:Art./Wartung/ch-Suche VRV sind Führer von Motorfahrrädern mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von maximal 20 km/h von der Helmpflicht ausgenommen.

Da in der Schweiz 14- und 15-jährige keine Motorroller fahren dürfen, sind sie auf die klassischen Mofas (mit Pedalen) angewiesen. Motorroller bis 50 cm³ und unbeschränkte Höchstgeschwindigkeit dürfen erst ab 16 Jahren mit dem Führerausweis A1 (Schweiz) gefahren werden.

Auch in der Schweiz entfällt die Helmpflicht bei Mofas mit einer Höchstgeschwindigkeit unter 20 km/h oder bei Pedelecs, die bis maximal 25 km/h unterstützen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kleinmotoren für den Fahrradantrieb in: Kraftfahrzeugtechnik 5/1953, S.150-153 (inkl. Übersichtstabelle über die technischen Daten der damals produzierten Hilfsmotoren)
  • Manfred Nabinger: Deutsche Fahrrad Hilfsmotoren der vierziger und fünfziger Jahre. Podszun-Verlag 2008, ISBN 978-386133-494-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verordnung zur Änderung der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung vom 23. April 1965, Bundesgesetzblatt Teil I, S. 344.
  2. Kraftfahrzeugtechnik 4/1954, S. 114.
  3. http://www.jawamoped.com/html/history.html
  4. http://www.idw-online.de/pages/de/news515872
  5. §6 (1) [1].
  6. (1)Satz 1 [2]
  7. § 2 Straßenbenutzung durch Fahrzeuge (4) [3]
  8. Verordnungen über Ausnahmen von Straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften. BGBl. I 1993, 395. http://www.gesetze-im-internet.de/stvrausnv/]
  9. Definition Leichtmofa[4]
  10. Richtlinie 2002/24/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. März 2002.
  11. FeV § 76 Übergangsrecht (8) Satz 2 [5]
  12. FeV § 76 Übergangsrecht (8) Satz 1 [6]
  13. Vgl. Verordnung über den Kraftfahrzeugverkehr vom 16. März 1928 (RGBl S. 91)
  14. FE-Klasse 4 ausgestellt vor dem 1. Dezember 1954 gilt heute noch für Krafträder bis 250 cm³ Hubraum.
  15. DER SPIEGEL 14/1954
  16. Verordnung über die Änderung der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung vom 23. April 1965. BGL Nr. 18 vom 30. April 1965, Seite 344.
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