Mohnöl

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Mohnöl
Rohstoffpflanze(n)

Schlafmohn (Papaver somniferum)

Herkunft

Samen

Farbe

farblos bis blassgelb;
goldgelb (heißgepresst)

Inhaltsstoffe
Ölsäure 10,5–36,8 %[1]
Linolsäure 41–75 %[1]
Linolensäure < 1 % bis 9,4 %[1][2]
Palmitinsäure 7,8–21,5 %[1]
Weitere Fettsäuren Stearinsäure 1,4–10,9 %[1]
Eigenschaften
Dichte 0,923–0,926 kg/l bei 15 °C[3]
Viskosität η = 63 mPA·s[4]
Oxidationsstabilität 5,5 h[5]
Schmelzpunkt −17 °C[6]
Flammpunkt 255 °C[7]
Iodzahl 128–146[4][6]
Verseifungszahl 188–196[4]
Brennwert 39,6 MJ/kg[8]
Cetanzahl 36,7[9]
Herstellung und Verbrauch
Wichtigste Produktionsländer Tschechien, Türkei, Spanien, Ungarn[10]
Verwendung Speiseöl, Kosmetik, Technik
Schlafmohn (Papaver somniferum)
Mohnsamen
Weiße Mohnsamen

Mohnöl ist ein Pflanzenöl das aus den kleinen Samen des Schlafmohns gewonnen wird. Die europäischen Sorten werden aus blauen oder grauen Samen gewonnen. Die anderen Sorten stammen von weißen, braunen oder schwarzen Samen.[11] Das Öl wird überwiegend durch Kaltpressung gewonnen.

Es ist farblos bis blassgelb (weißes Mohnöl), beinahe geruchlos mit angenehmem Geschmack. Heißgepresstes Öl ist goldgelb (rotes Mohnöl).[11]

Es kann auch von Klatschmohnsamen ein Öl gewonnen werden welches ähnliche Eigenschaften aufweist.[12]

Die Ausbeute beträgt zwischen 30 und 40 Prozent. Das Öl wird auch in relativ geringen Mengen in Österreich, dort vor allem im Waldviertel, produziert und ist ein relativ teures, wiederentdecktes Nischenprodukt. In Frankreich wird es „huile blanche“, weißes Öl genannt, im englischen heißt es „poppy seed oil“.[13]

Beispiel für ein Triglycerid in Mohnöl mit zwei rot markierten dreifach ungesättigten Fettsäureresten – abgeleitet von der α-Linolensäure – sowie einem blau markierten gesättigten Fettsäurerest – abgeleitet von der Palmitinsäure.

Der Mohnanbau im Waldviertel hat eine lange Tradition, die bis in das Mittelalter zurückreicht. Damals kultivierten Mönche Mohn zur Herstellung von Medikamenten gegen Schmerzen und Schlaflosigkeit und nutzten das Mohnöl als Lampenöl. Weiterhin wurde Mohnöl verwendet um Ölpapier herzustellen.

Das Öl zählt zu den halbtrocknenden Ölen und ist daher langsamer trocknend als das Leinöl, es eignet sich deshalb bedingt auch als Grundstoff zur Herstellung von Malerfarben für die Ölmalerei.

Die Triglyceride im Öl der Mohnsamen weisen einen besonders hohen Anteil an dem Omega-6-Fettsäure-Rest auf, der sich von der Linolsäure ableitet.[14] Wegen seines intensiven nussigen Eigengeschmacks wird es heute als Speiseöl hauptsächlich für Salate und Kaltgerichte verwendet. Da es nicht über 170 Grad erhitzt werden soll, ist es zum Braten und Backen nur bedingt geeignet.

Weiterhin findet Mohnöl Verwendung in Medizinprodukten und Kosmetika.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Jeno Bernath: Poppy: The Genus Papaver. Harwood Academic, 1998, ISBN 90-5702-271-0, S. 384.
  2. Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umwelfragen: Pflanzenölbetriebene Blockheizkraftwerke. Teil 1, 2002, S. 7, online (PDF; 2,12 MB), lfu.bayern.de, abgerufen am 30. April 2017.
  3. Ullmann's encyclopedia of industrial chemistry. Vol. A 10: Fats and oils, VCH, Weinheim 1995.
  4. a b c Alain Karleskind: Manuel des corps gras. 2. Volumes, AFCEG, TEC DOC, Paris 1992, ISBN 978-2-85206-662-5.
  5. B. Bozan, F. Temelli: Chemical composition and oxidative stability of flax, safflower and poppy seed and seed oils. In: Bioresource Technology. Volume 99, Issue 14, 2008, S. 6354–6359, doi:10.1016/j.biortech.2007.12.009.
  6. a b D. K. Salunkhe: World Oilseeds. Van Nostrand Reinhold, 1992, ISBN 0-442-00112-6, S. 455.
  7. M. A. Rakusin: Die Untersuchung des Erdöles und seiner Produkte. Vieweg, 1906, Let Me Print 2013, ISBN 978-5-87762-073-5 (Reprint), S. 152.
  8. Ayhan Demirbas: Biodiesel. Springer, 2008, ISBN 978-1-84628-995-8, S. 78.
  9. Forest Gregg: SVO. New Society, 2008, ISBN 978-0-86571-612-4, S. 47.
  10. FAO Statistik 2014.
  11. a b Emil Abderhalden (Hrsg.): Biochemisches Handlexikon. 3. Band, Springer, Berlin 1911, ISBN 978-3-642-51194-3, S. 29.
  12. W. Awe, G. Kunert: Das Öl der Klatschmohnsamen (Papaver Rhoeas) im Vergleich mit dem Schlafmohnöl (Papaver somniferum). In. Fette Seifen. 52(5), 1950, S. 268–273. doi:10.1002/lipi.19500520503.
  13. Dole Food Company: Encyclopedia of Foods. Academic Press, 2002, ISBN 978-0-12-219803-8, S. 398.
  14. Sabine Krist u. a.: Analysis of Volatile Compounds and Triglycerides of Seed Oils Extracted from Different Poppy Varieties (Papaver somniferum L.). In: J. Agric. Food Chem. 53(21), 2005, S. 8310–8316, doi:10.1021/jf0580869.