Moischt

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Moischt
Stadt Marburg
Koordinaten: 50° 46′ 30″ N, 8° 49′ 2″ O
Höhe: 263 (227–281) m ü. NHN
Fläche: 3,87 km²[1]
Einwohner: 1211 (31. Dez. 2010)[2]
Bevölkerungsdichte: 313 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Eingemeindet nach: Cappel
Postleitzahl: 35043
Vorwahl: 0 64 24
Karte
Lage von Moischt in Marburg
Südwestlicher Ortseingang über die Hahnerheide
Südwestlicher Ortseingang über die Hahnerheide

Moischt [ˈmœʃt] ist ein Stadtteil von Marburg im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf mit etwa 1200 Einwohnern.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt etwa fünf Kilometer südöstlich von Marburg, in einer Mulde und an einem in Richtung Marburg bzw. nach Nordwesten ansteigenden Hang, dem Stempel, der zu den Lahnbergen überleitet.

Moischt grenzt im Süden und Osten an Beltershausen bzw. Wittelsberg, Ortsteile der Gemeinde Ebsdorfergrund.

Weitere Ortsteile und verwandte Orte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch existente Orte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hahnerheide: westlich in Richtung Cappel gelegene offene Ansiedlung (Ersterwähnung 1698), die seit ihrer Gründung zu Moischt gehört haben dürfte;
  • Hof Capelle: in einer Senke südwestlich der Hahnerheide gelegene Siedlung, die auf ein Gehöft des Deutschen Ordens zurückgeht. Sie war stets von Moischt unabhängig. Der Hof Capelle gehört auch nicht zu Moischt, sondern zu Beltershausen.

Wüstungen und unklare Orte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eisenbacher Heide: Ortschaft zwischen Moischt und Beltershausen; wird schon 1578 als „wüst“ erwähnt;
  • Herrenwieser Heide: 1699–1700 zwischen Moischt und Wittelsberg umstrittenes Areal;
  • Lampertshausen: Siedlung zwischen Moischt, Schröck und Wittelsberg; seit 1600 Wüstung.
Die Moischter Kirche (ev.), erbaut 1928

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moischt wurde erstmals um das Jahr 1248 in Dokumenten des Mainzer Erzbischofs unter dem Namen Mussede urkundlich erwähnt.[3] Keramikfunde aus der Karolingerzeit belegen eine weit frühere Besiedlung.

In unmittelbarer Nähe von Moischt soll am 30. Juli 1233 Konrad von Marburg, der Beichtvater der Heiligen Elisabeth, erschlagen worden sein. Der „Konrad-von-Marburg-Stein“ nahe Hof Capelle erinnert an die Tat, markiert jedoch nicht unbedingt den genauen Tatort. Dieser dürfte wohl in der Gemarkung Beltershausen (zu Ebsdorfergrund) liegen.

Am 31. Dezember 1971 wurde der bis dahin selbständige Ort in die Gemeinde Cappel eingegliedert. Diese kam am 1. Juli 1974 im Zuge der Gebietsreform in Hessen zu Marburg.[4]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Moischt unterstand im Überblick:[5][3]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. In Marburg wurde der Kreis Marburg für die Verwaltung eingerichtet und das Landgericht Marburg war als Gericht in erster Instanz für Moischt zuständig. 1850 wurde das Landgericht in Justizamt Marburg umbenannt. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[9]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Landgericht Marburg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Marburg. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[10] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Marburg. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[11]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[3]

1502: 10 Hausgesesse
1577: 25 Hausgesesse
1630: 23 Hausgesesse (8 vierspännige, 1 zweispännige, 1 einspännige Ackerleute, 12 Einläuftige)
1681: 15 hausgesessene Mannschaften
1747: 131 Einwohner. Erwerbspersonen: 2 Schmiede, 2 Leineweber, 1 Drechsler, 1 Schuhflicker, 2 Tagelöhner.
1838: 234 Einwohner (18 nutzungsberechtigte, 15 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 5 Beisassen). Familien: 18 Ackerbau, 8 Gewerbe, 12 Tagelöhner.
1861: 284 evangelisch-lutherisch, 2 römisch-katholisch Einwohner.
1961: 623 evangelisch, 28 römisch-katholisch Einwohner. Erwerbspersonen: 128 Land- und Forstwirtschaft, 109 Produzierendes Gewerbe, 45 Handel und Verkehr, 41 Dienstleistungen und Sonstiges.
Moischt: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
235
1840
  
222
1846
  
265
1852
  
293
1858
  
298
1864
  
294
1871
  
302
1875
  
315
1885
  
351
1895
  
354
1905
  
381
1910
  
388
1925
  
446
1939
  
491
1946
  
683
1950
  
686
1956
  
647
1961
  
658
1967
  
705
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbeirat hat sieben Sitze. Zwei davon belegen die Sozialdemokraten, die Mehrheit wird durch die CDU (3 Sitze) und die unabhängige Liste Dorfgemeinschaft (2 Sitze) gebildet. Ortsvorsteher ist Horst Mania (CDU) (Stand: 2011).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Moischt gibt es eine Vielzahl an Vereinen, diese sind der Turn und Sportverein, Feuerwehrverein (mit Modellbaugruppe), Burschenschaft, Jugendclub „Urmel“, Schützenverein, Theaterverein, Heimat- und Geschichtsverein, Männergesangverein mit Frauenchor und der Geflügelzuchtverein.

Zu den regelmäßigen örtlichen Veranstaltungen gehören beispielsweise die Maifeier, Theateraufführungen des Theatervereins, der Seniorennachmittag, Oster- und Weihnachtsmarkt, das Wandern der Ortsvereine zum Tag der deutschen Einheit sowie die Modellbauausstellung.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Moischt beheimatet sind mehrere Gewerbebetriebe. Es gibt trotz mehrerer Ansiedlungsversuche keinen Lebensmittelmarkt.

Die zuständige Grundschule befindet sich in Wittelsberg. Die meisten Schüler gehen nach der Grundschule auf die Gesamtschule Ebsdorfergrund Heskem oder in eine der Marburger Schulen. Für alle Schulen gibt es Schulbusse oder Linienverkehr.

Moischt gehört zum evangelischen Kirchspiel Wittelsberg/Moischt/Schröck bzw. zur katholischen Pfarrgemeinde St. Michael und St. Elisabeth in Schröck. Der Ort ist mehrheitlich evangelisch.

Öffentliche Einrichtungen in Moischt sind der städtische Kindergarten, der Sportplatz, Spielplätze, das Bürgerhaus und das Ortsgericht Marburg IV. Außerdem befindet sich auch das Alten- und Pflegeheim Haus Waldblick in Moischt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marburger Zahlen von 2009-2010 auf der Website der Stadt Marburg (pdf; S. 4)
  2. Marburger Zahlen von 2009-2010 auf der Website der Stadt Marburg (pdf; S. 10)
  3. a b c Moischt, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 17. Januar 2017)
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 387 und 403.
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  6. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 370 (online bei HathiTrust’s digital library).
  7. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 115 (online bei Google Books).
  8. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223–224.
  9. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  10. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  11. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Moischt – Sammlung von Bildern