Moka Efti

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Unter dem Namen Moka Efti betrieb der griechische Kaufmann „Giovanni“ Eftimiades zwei Gastronomiebetriebe in Berlin, das erste Moka Efti und später das Moka Efti am Tiergarten.

Moka Efti[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Italien kommend hatte sich Eftimiades in Berlin niedergelassen und im März 1926 an der Leipziger Straße Ecke Friedrichstraße das Moka Efti eröffnet. Mit der Hilfe britischer Investoren erwarb er später den gegenüberliegenden 1887–1889 von Carl Schäfer erbauten Equitable-Palast und eröffnete dort im April 1929 auf 2800 m² das Moka Efti neu. Es handelte sich um ein Café- und Tanzhaus mit Fischrestaurant, in dem auch weitere Geschäfte untergebracht waren, beispielsweise ein Friseursalon, ein Billard­salon, ein Stenografie-Service und ein Schach­saal, der von Rudolf Elstner geleitet wurde. Zur besseren Erschließung der oberen Stockwerke wurde eine Rolltreppe installiert.

Das Moka Efti entwickelte sich binnen kurzer Zeit zum erfolgreichsten Café Berlins, mit einem Ausschank von 25.000 Tassen am Tag, während es nachts zum beliebtesten Tanzhaus der Stadt wurde. 1933 verkaufte Eftimiades seine Anteile am Betrieb. Am 4. Februar 1934 buchte es die NSDAP für eine exklusive Propagandaveranstaltung. In dem Stammorchester spielten zu jener Zeit James Kok und Kurt Wege.

Seit 1938 waren rund um das Gebäude, in dem auch das Orchester von Erhard Bauschke spielte, Schilder mit der Warnung aufgestellt, dass Swing­tanzen verboten sei. „Kellner gingen gegen Zuwiderhandelnde höflich, aber entschieden vor.“ Diese Verbote kamen „in jedem Fall mit ausdrücklicher Unterstützung durch das Berliner Regime“; 1939 zogen die Wehrmacht und NS-Parteiorgane nach.[1]

Moka Efti am Tiergarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eftimiades übernahm 1933 das Café Schottenhaml in der Bellevuestraße am heutigen Kemperplatz.[2] Er baute das Café zum 1550 m² großen Tanzlokal Moka Efti am Tiergarten um. Die Einrichtung beinhaltete viele Metallflächen, Wasserfälle und exotische Vögel. Eine historische Aufnahme zeigt einen mit Werbetafeln versehenen Sulky vor dem Rolandbrunnen, der von einem Strauß gezogen wurde.[3] Ragtime, Tango, Charleston und Swing gehörten zum musikalischen Standardprogramm.

Ende und Nachleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beide Lokale wurden 1943 bei einem alliierten Luftangriff zerstört. Eftimiades zog nach 1945 nach Frankfurt, wo er nach einem wirtschaftlich erfolglosen Versuch, als Verleger Fuß zu fassen, verarmt starb. Die Marke ‚Moka Efti‘ wurde später als italienische Kaffeemarke neu belebt, ebenso als Band­name genutzt.

In der Fernsehserie Babylon Berlin stellt der Zuschauerraum des Kinos Delphi in Berlin-Weißensee den Innenraum des Moka Efti dar.[4] Das Moka Efti aus der Serie weicht jedoch in seiner Architektur und der fiktionalen Nutzung als Bordell und Vorläufer einer Art „In-Disco“ vom echten Kaffee- und Tanzhaus Moka Efti ab.[5] Seine gläserne Fassade baute Uli Hanisch im Studio Babelsberg in der Kulissenlandschaft Neue Berliner Straße.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael H. Kater: Gewagtes Spiel. Jazz im Nationalsozialismus. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1995, S. 203 f.
  2. Eintrag der beiden Moka Efti-Betriebe im Berliner Adressbuch 1935, Branchenverzeichnis. Auf https://digital.zlb.de, abgerufen am 12. Juli 2019
  3. Werbung für das Moka Efti am Tiergarten mit einem exotisch bespannten Sulky. Auf https://clasebcn.com, abgerufen am 12. Juli 2019
  4. Babylon Berlin. Drehort: Stummfilmkino Delphi. Auf: rbb24, abgerufen am 12. Juli 2019
  5. Filmort: Das Moka Efti. Mit der Rolltreppe zu Kaffee und Tanz. Auf: rbb24, 31. August 2018, abgerufen am 12. Juli 2019
  6. Babelsberg baut sich ein neues altes Berlin. In: Berliner Zeitung, 20. Mai 2016, abgerufen am 12. Juli 2019