Molenbeek-Saint-Jean/Sint-Jans-Molenbeek

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Molenbeek-Saint-Jean/Sint-Jans-Molenbeek
Coat of arms of Saint-Jean-de-Molenbeek.jpg Molenbeek-Saint-Jean Belgium.svg
Molenbeek-Saint-Jean/Sint-Jans-Molenbeek (Belgien)
Molenbeek-Saint-Jean/Sint-Jans-Molenbeek
Molenbeek-Saint-Jean/Sint-Jans-Molenbeek
Staat: Belgien
Region: Brüssel-Hauptstadt
Bezirk: Brüssel-Hauptstadt
Koordinaten: 50° 51′ N, 4° 20′ O50.8494444444444.3291666666667Koordinaten: 50° 51′ N, 4° 20′ O
Fläche: 5,89 km²
Einwohner: 94.854 (1. Jan. 2014)
Bevölkerungsdichte: 16.104 Einwohner je km²
Postleitzahl: 1080
Vorwahl: 02
Bürgermeister: Françoise Schepmans (Mouvement Réformateur)
Adresse der
Kommunalverwaltung:
Rue du Comte Flandre/
Graaf van Vlaanderenstraat 20
1080 Brüssel
Website: www.molenbeek.be
lplblelslh

Molenbeek-Saint-Jean (französisch) oder Sint-Jans-Molenbeek (niederländisch) ist eine der 19 Gemeinden der Region Brüssel-Hauptstadt. Es hat 94.854 Einwohner (Stand 1. Januar 2014) auf 5,89 km² Fläche.

Geographie[Bearbeiten]

Molenbeek-Saint-Jean liegt unmittelbar westlich der Brüsseler Altstadt (Porte de Flandre/Vlaamsepoort), von dieser durch den Charleroikanal getrennt. Außer an Brüssel-Stadt grenzt die Gemeinde an Anderlecht, Berchem-Sainte-Agathe/Sint-Agatha-Berchem, Koekelberg und Jette sowie, ganz im Westen, an die flämische Gemeinde Dilbeek. Die nahe dem Kanal gelegene Kirche St. Johannes gab dem Ostteil der Gemeinde den Namen, der Westteil heißt Molenbeek (Mühlbach) und ist etwas weniger dicht bebaut. Die Grenze verläuft etwa entlang der Eisenbahnstrecke und dem Bahnhof Beekkant.

Politik[Bearbeiten]

Die einstige Hochburg der Parti Socialiste wird seit der Kommunalwahl 2013 von einer Koalitionsregierung unter Ausschluss der Sozialisten regiert. Bürgermeisterin ist seither Françoise Schepmans von den Liberalen (Mouvement Réformateur). Sie hat den langjährigen Bürgermeister Philippe Moureaux abgelöst, der zwischenzeitlich auch Vizepräsident der Sozialisten und belgischer Minister war.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Rathaus von Molenbeek vom Place communale/Gemeenteplaats von Süden gesehen, rechts hinten der Art-Deco-Kirchturm der Johannes-der-Täufer-Kirche

Die Bevölkerung von Molenbeek-Saint-Jean hat einen hohen Anteil vor allem von Einwanderern, von denen heute die meisten aus Marokko stammen. Schon seit dem 19. Jahrhundert ist sie Zielpunkt von Einwanderungsbewegungen. Ein großer Teil der Bevölkerung Molenbeeks sind Muslime, besonders in den östlichen Stadtvierteln nahe dem Kanal. Der westliche Teil ist deutlich weniger dicht besiedelt und hat teilweise noch eine ländliche Prägung behalten, so im Regionalpark „Scheutbos“. Die Arbeitslosenquote liegt in Molenbeek dreimal höher als der Durchschnitt des Landes, für Jugendliche beträgt sie 2015 knapp 42 Prozent[1].

Tour L’Ecluse, Boulevard Mettewie, Molenbeek
Regionalpark „Scheutbos“

Islamistischer Terrorismus[Bearbeiten]

Die Stadt erlangte in den letzten Jahren Bekanntheit als Herkunftsort oder vorübergehender Wohnort islamistischer Extremisten. Von hier aus hat Fouad Belkacem seine salafistische-terroristische Bewegung Sharia4Belgium aufgebaut und IS-Kämpfer rekrutiert. „Zum ersten Mal kam Molenbeek bereits im Jahr 2001 in die Schlagzeilen: Abdessatar Dahmane, der Mörder des afghanischen Kriegshelden und Schrecken der Taliban, Ahmed Schah Massoud, war ebenso ein Stammgast des für seine radikalen Positionen bekannten Islamischen Zentrums in der Rue du Manchester Nr. 18 wie Hassan El Haski, der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Casablanca (2003, 41 Tote) und Madrid (2004, 200 Opfer). Aus Molenbeek stammten die Waffen, die im Januar 2015 beim Anschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ zum Einsatz kamen. Hier wohnte der französische Jihadist Mehdi Nemouche, der im Vorjahr im jüdischen Museum in Brüssel ein Blutbad anrichtete. Von hier aus brach im August 2015 Ayoub El Khazzani zum versuchten Anschlag auf den Schnellzug Amsterdam-Paris auf.“[2] Auch nach den Anschlägen am 13. November 2015 in Paris führte eine Spur nach Molenbeek.[3]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Kanal Charleroi-Brüssel mit westlichem Ufer, das die östliche Grenze von Molenbeek darstellt, von Süden gesehen, mit dem Porte de Flandre/Vlaamsepoort
Kanal Charleroi-Brüssel mit westlichem Ufer, das die östliche Grenze von Molenbeek darstellt, von Süden gesehen, mit der ehemaligen Bellevue-Brauerei

Industrie[Bearbeiten]

In den letzten Jahren wurden viele Industriebetriebe geschlossen und der schwierige Übergang zur Dienstleistungsökonomie eingeleitet, daher leidet die Gemeinde unter einer extrem hohen Arbeitslosigkeit von 31 %.

Verkehr[Bearbeiten]

Hauptstraße der Gemeinde ist die am Flämischen Tor (Porte de Flandre/Vlaamsepoort) beginnende Chaussée de Gand/Gentse Steenweg. Der Rathausplatz ist Fußgängerzone und Mittelpunkt der Gemeinde, die eher wie ein Innenstadtbezirk als eine selbständige Kommune wirkt. Der Leopold-II.-Boulevard im Norden der Gemeinde ist Teil der monumentalen Ost-West-Achse, an deren Endpunkt die Nationalbasilika des Heiligen Herzens auf dem Koekelberg steht.

Durch die Gemeinde verlaufen die U-Bahn-Linien 1, 2, 5 und 6 mit den Bahnhöfen Comte de Flandre/Graaf van Vlaanderen, Étangs Noirs/Zwarte Vijvers, Ossegem/Osseghem, Belgica, Beekkant, Weststation (dem Brüsseler Westbahnhof) und Ribaucourt sowie die Straßenbahnlinien 82, 83 und 85.

Sport[Bearbeiten]

Im Edmond-Machtensstadion trug der Fußballverein FC Molenbeek Brussels Strombeek seine Heimspiele in der Zweiten Division aus, er wurde mit Ende der Spielzeit 2014/15 aufgelöst. Der Verein entstand aus der Fusion der Clubs KFC Strombeek und RWD Molenbeek.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. „Molenbeek: Im Nachschublager des Jihad“, „Die Presse“ (Wien), 17. Nov. 2015
  2. „Molenbeek: Im Nachschublager des Jihad“, „Die Presse“ (Wien), 17. Nov. 2015
  3. http://www.tagesschau.de/ausland/belgien-ermittlungen-101.html