Molenbeek-Saint-Jean/Sint-Jans-Molenbeek

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Molenbeek-Saint-Jean
Sint-Jans-Molenbeek
Blason Molenbeek Saint Jean.svg Molenbeek-Saint-Jean Belgium.svg
Molenbeek-Saint-JeanSint-Jans-Molenbeek (Belgien)
Molenbeek-Saint-JeanSint-Jans-Molenbeek
Molenbeek-Saint-Jean
Sint-Jans-Molenbeek
Staat: Belgien
Region: Brüssel-Hauptstadt
Provinz: (seit 01.01.1995 „entprovinzialisiert“)
Bezirk: Brüssel-Hauptstadtwub
Koordinaten: 50° 51′ N, 4° 20′ OKoordinaten: 50° 51′ N, 4° 20′ O
Fläche: 5,89 km²
Einwohner: 96.629 (1. Jan. 2017)
Bevölkerungsdichte: 16.406 Einwohner je km²
Postleitzahl: 1080
Vorwahl: 02
Bürgermeister: Françoise Schepmans (MR)
Adresse der
Kommunalverwaltung:
Rue Comte de Flandre 20
1080 Molenbeek-Saint-Jean

Graaf van Vlaanderenstraat 20
1080 Sint-Jans-Molenbeek
Website: www.molenbeek.irisnet.be
lblelslh

Molenbeek-Saint-Jean (französisch) oder Sint-Jans-Molenbeek (niederländisch) ist eine der 19 Gemeinden der zweisprachigen Region Brüssel-Hauptstadt in Belgien. Sie hat 96.629 Einwohner (Stand: 1. Januar 2017) auf 5,89 Quadratkilometern Fläche.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Molenbeek liegt unmittelbar westlich der Brüsseler Altstadt (Porte de Flandre/Vlaamsepoort), von dieser durch den Charleroikanal getrennt. Außer an die Stadt Brüssel grenzt die Gemeinde an Anderlecht, Berchem-Sainte-Agathe/Sint-Agatha-Berchem, Koekelberg und Jette sowie, ganz im Westen, an die flämische Gemeinde Dilbeek. Die nahe dem Kanal gelegene Kirche St. Johannes gab dem Ostteil der Gemeinde den Namen, der Westteil heißt Molenbeek (Mühlenbach) und ist etwas weniger dicht bebaut. Die Grenze verläuft etwa entlang der Eisenbahnstrecke und dem Bahnhof Beekkant.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einstige Hochburg der Sozialistischen Partei (PS) wird seit der Kommunalwahl 2013 von einer Koalitionsregierung unter Ausschluss der Sozialisten regiert. Bürgermeisterin ist seither Françoise Schepmans von den Liberalen (MR). Sie hat den langjährigen Bürgermeister Philippe Moureaux abgelöst, der zwischenzeitlich auch Vizepräsident der Sozialisten und belgischer Minister war.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus von Molenbeek vom Place communale/Gemeenteplaats von Süden gesehen, rechts hinten der Art-déco-Kirchturm der Johannes-der-Täufer-Kirche

Die Bevölkerung von Molenbeek hat einen hohen Anteil vor allem von Einwanderern, von denen heute die meisten aus Marokko stammen. Seit dem 19. Jahrhundert ist sie Zielpunkt von Einwanderungsbewegungen. Ein großer Teil der Bevölkerung Molenbeeks sind Muslime, insbesondere in den östlichen Stadtvierteln nahe dem Kanal. Der westliche Teil ist deutlich weniger dicht besiedelt und hat teilweise noch eine ländliche Prägung behalten, so im Regionalpark Scheutbos.

In Molenbeek befindet sich auch das serbisch-orthodoxe Kirchengebäude Hl. Sava, eine umgewidmete ehemals römisch-katholische Kirche.

Tour L’Ecluse, Boulevard Mettewie/Mettewielaan, Molenbeek
Regionalpark „Scheutbos“

Bekanntheit im Zusammenhang mit islamistischem Extremismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt erlangte in den letzten Jahren Bekanntheit als Herkunftsort oder vorübergehender Wohnort islamistischer Extremisten. Von hier aus baute Fouad Belkacem bis zu ihrem Verbot 2012 seine salafistisch-terroristische Bewegung Sharia4Belgium auf und rekrutierte IS-Kämpfer.

„Zum ersten Mal kam Molenbeek bereits im Jahr 2001 in die Schlagzeilen: Abdessatar Dahmane, der Mörder des afghanischen Kriegshelden und Schreckens der Taliban, Ahmad Schah Massoud, war ebenso ein Stammgast des für seine radikalen Positionen bekannten Islamischen Zentrums in der Rue du Manchester/Manchesterstraat Nr. 18 wie Hassan El Haski, der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Casablanca (2003, 41 Tote) und Madrid (2004, 200 Opfer). Aus Molenbeek stammten die Waffen, die im Januar 2015 beim Anschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ zum Einsatz kamen. Hier wohnte der französische Jihadist Mehdi Nemouche, der im Vorjahr im jüdischen Museum in Brüssel ein Blutbad anrichtete. Von hier aus brach im August 2015 Ayoub El Khazzani zum versuchten Anschlag auf den Schnellzug Amsterdam-Paris auf.“

Michael Laczynski: Die Presse[1]

Auch nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 führte eine Spur nach Molenbeek,[2][3] wo schließlich am 18. März 2016 die letzte noch flüchtige Schlüsselfigur der Anschläge, Salah Abdeslam, lebend gefasst werden konnte.[4] Nach den Bombenanschlägen im März 2016 am Flughafen Brüssel-Zaventem und in der Metrostation Maelbeek/Maalbeek gilt die Gemeinde Molenbeek weltweit als Symbol für den grassierenden Radikalismus in Belgien.[5]

Auch der Täter des gescheiterten Bombenanschlags im Bahnhof Bruxelles-Central/Brussel-Centraal im Juni 2017 wohnte in Molenbeek.[6]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kanal Charleroi-Brüssel mit westlichem Ufer, das die östliche Grenze von Molenbeek darstellt, von Süden gesehen, mit dem Porte de Flandre/Vlaamsepoort
Kanal Charleroi-Brüssel mit westlichem Ufer, mit der ehemaligen Bellevue-Brauerei

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den letzten Jahren wurden viele Industriebetriebe geschlossen und der schwierige Übergang zur Dienstleistungsökonomie eingeleitet, daher leidet die Gemeinde unter einer extrem hohen Arbeitslosigkeit von 31 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt in Molenbeek dreimal höher als der Durchschnitt des Landes, für Jugendliche betrug sie 2015 knapp 42 Prozent.[1] Molenbeek gilt als zweitärmste Gemeinde Belgiens.[7]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptstraße der Gemeinde ist die am Flämischen Tor (Porte de Flandre/Vlaamsepoort) beginnende Chaussée de Gand/Gentse Steenweg. Der Rathausplatz ist Fußgängerzone und Mittelpunkt der Gemeinde, die eher wie ein Innenstadtbezirk als eine selbständige Kommune wirkt. Der Leopold-II.-Boulevard im Norden der Gemeinde ist Teil der monumentalen Ost-West-Achse, an deren Endpunkt die Nationalbasilika des Heiligen Herzens auf dem Koekelberg steht.

Durch die Gemeinde verlaufen die U-Bahn-Linien 1, 2, 5 und 6 mit den Bahnhöfen Comte de Flandre/Graaf van Vlaanderen, Étangs Noirs/Zwarte Vijvers, Ossegem/Osseghem, Belgica, Beekkant, Weststation (dem Brüsseler Westbahnhof) und Ribaucourt sowie die Straßenbahnlinien 82, 83 und 85.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Edmond-Machtensstadion trug der Fußballverein FC Molenbeek Brussels Strombeek seine Heimspiele in der Zweiten Division aus, er wurde mit Ende der Spielzeit 2014/15 aufgelöst. Der Verein entstand aus der Fusion der Clubs KFC Strombeek und RWD Molenbeek.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vaartkapoen, Place Sainctelette/Sainctelette plaats à Molenbeek.

Das Gemeinschaftszentrum der Flämischen Sprachgemeinschaft "De Vaartkapoen" in der Rue de l'Ecole/Schoolstraat 76 ist nach der gleichnamigen Skulptur des belgischen Künstlers Tom Frantzen benannt, die er 1985 am Place Sainctelette/Sainctelette plaats aufstellte und die einen "Kanalbengel" (vaart für den Kanal bzw. das Kanalviertel, kapoen für "Bengel", "Rotzlöffel" im Brüsseler Dialekt) darstellt, der einen Polizisten als Symbol der staatlichen Autorität zum Sturz bringt.[8]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemeinde geboren:

Mit der Gemeinde verbunden:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Molenbeek-Saint-Jean/Sint-Jans-Molenbeek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Michael Laczynski: Molenbeek: Im Nachschublager des Jihad. In: Die Presse. Wien 17. November 2015 (Online [abgerufen am 22. März 2016]).
  2. Malte Pieper: Schon wieder führt eine Spur nach Molenbeek. Terrorangst in Belgien. In: tagesschau.de. 15. November 2015, abgerufen am 22. März 2016.
  3. Fabian Fellmann: Anschläge in Paris: Molenbeek, ein trübes Gewässer - NZZ, 21.11.2015
  4. "Wir haben ihn". Mutmaßlicher Paris-Attentäter Abdeslam gefasst. In: tagesschau.de. 19. März 2016, abgerufen am 22. März 2016.
  5. Niklaus Nuspliger, in: NZZ, 26. März 2016, S. 3.
  6. http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-06/stadt-bruessel-attentaeter-identitaet-belgien
  7. Wenig Veränderungen ein Jahr nach den Terroranschlägen. In: swr.de. Südwestrundfunk, 22. März 2017, abgerufen am 4. August 2017.
  8. [1] Homepage des Künstlers Tom Frantzen