Molotow (Musikclub)

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Molotow Club, mit Meanie Bar

Das Molotow ist ein 1990 gegründeter Musik-Club im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Er befand sich bis Dezember 2013 in den Esso-Häusern am Spielbudenplatz und lag 23 Stufen unterhalb des Straßenniveaus. Das Büro befindet sich in der Marktstraße im Karoviertel. Am 14. Dezember wurde der Club, wie auch alle anderen Bewohner und Gewerbetreibenden aus dem baufälligen Komplex, evakuiert. Bis zum Umzug in ein vorübergehendes Exil an der Holstenstraße, wurden Konzerte und Veranstaltungen in andere Hamburger Clubs ausgelagert. Seit September 2014 hat das Molotow einen neuen Standort am Nobistor, wo er vorerst bleiben kann bis zu der geplanten Rückkehr in einen Neubau am ehemaligen Standort Spielbudenplatz.

Geschäftsführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inhaber und Betreiber des Molotow ist Andi Schmidt, der auch Mitglied der Beatles-Coverband Punkles ist. Er arbeitete von 1990 an als Discjockey im Molotow und übernahm den Club 1994 als Pächter[1] von Club-Gründer Andreas Schnoor zusammen mit Gesine Judjahn – die später ausstieg.[2] Für die Programmplanung sind Mario Stresow und Fenja Möller verantwortlich.[3]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Molotow finden regelmäßig Konzerte von Bands aus verschiedenen musikalischen Richtungen wie Indie, Punk, Post-Rock sowie Poetry Slams, Partys aus dem Rock-, Pop- und Elektrobereich sowie andere Veranstaltungen statt. Außerdem ist das Molotow einer der Clubs, in denen das Reeperbahnfestival stattfindet.[4] Veranstaltungsort war der Kellerraum des Molotow, der Platz für etwa 300 Leute bot. Zu den Bands, die – oft vor ihrem kommerziellen Durchbruch[1] – im Molotow gespielt haben, zählen The White Stripes, Mumford & Sons, Die Toten Hosen, The Hives, Bright Eyes, Wir sind Helden, Mando Diao und The Killers.[3]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Molotow zählt zu den wichtigsten Musikclubs Deutschlands[3] und ist auch international bekannt.[5] Die Visions führte das Molotow 2005 in seiner Clubguide Top 50.[6] Im Leserpoll der Zeitschrift Intro wurde das Molotow 2008 unter die fünf beliebtesten Clubs gewählt[7], während es bei einer vergleichbaren Abstimmung des Musikexpress auf Platz 3 kam.[3] Das Molotow wird in dem Song „Wir sitzen so vorm Molotow“ von der Band Muff Potter erwähnt, die sich später auch gegen die drohende Schließung engagierten.[8] Mehrmals wurde das Molotow für das vielfältige Programm von der Kulturbehörde prämiert.[9]

Gefährdung des Fortbestandes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abgewendete Schließung (2008)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Molotow 2013
Das Molotow am Nobistor (2016)

Im Juni 2008 kündigte der Club die Kündigung des Mietvertrages zum Jahresende an. Als Gründe wurden die immer geringeren Umsätze bei gestiegenen Kosten genannt. Trotz der konstanten Besucherzahlen verringerten sich die Getränkeeinnahmen, wofür die Einführung des Rauchverbotes zum 1. Januar verantwortlich gemacht wurde[10], was eine Diskussion über die Wiederabschaffung des Rauchverbots nach sich zog.[11] Infolge der daraufhin versuchten Rettung des Clubs gab es Medienecho u. a. in der Bild-Zeitung[12], in der Welt[13] sowie in der Hamburger Morgenpost[14] und im Hamburger Abendblatt.[3] Durch eine Unterstützergruppe, die die Website rettet-das-molotow.de ins Leben gerufen hatte, wurden schließlich Mittel bereitgestellt, die eine Weiterführung des Clubs ermöglichten.[15]

Evakuierung, Abriss und Übergangslösung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Molotow befand sich in den Esso-Häusern, die ihren inoffiziellen Namen nach der im Gebäudekomplex befindlichen Kieztanke trugen. In den 2000er und 2010er Jahren kam es zu mehreren hochwertigen Bauvorhaben in St. Pauli, so etwa der Neubebauung des Areals der ehemaligen Bavaria-St. Pauli-Brauerei. Beeinflusst durch die dadurch steigenden Immobilienpreise, plante der Eigentümer der Esso-Häuser diese abreißen zu lassen; an dieser Stelle plante er den Neubau von Eigentumswohnungen und Büros. Begründet wurde dies mit dem schlechten Zustand der bisherigen Bebauung.

Über die Abrisspläne entwickelte sich zuerst ein Streit zwischen Eigentümern, einer Initiative und Teilen der Kommunalpolitik.[16] Aufgrund von akuter Einsturzgefahr wurde das gesamte Areal um die Esso-Häuser in der Nacht auf den 15. Dezember 2013 jedoch vorzeitig geräumt. Der zwingend gewordene Abriss war damit vorverlegt werden. Bis zum Umzug an einen neuen Standort wurden die Konzerte und Veranstaltungen in andere Hamburger Clubs ausgelagert.[17]

Im März 2014 zog das Molotow vorübergehend in das ehemalige Möbel Brandes-Haus in die Holstenstraße 5. Am 18. September 2014, pünktlich zum jährlichen Reeperbahn Festival, konnte der Club in den Räumen der ehemaligen China Lounge am Nobistor eröffnen.[18] Dort hat er eine Bleibe für die kommenden Jahre, bevor er vermutlich wieder an den Spielbudenplatz zurückkehren wird.[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Mr. Molotow, Kurzportrait im Hamburger Abendblatt vom 27. Juni 2008
  2. Molotow: Wo der Schweiß von der Decke tropft ndr.de vom 24. Juni 2011
  3. a b c d e Heinrich Oehmsen: Hamburgs Klublandschaft verödet. In: Hamburger Abendblatt. 27. Juni 2008, abgerufen am 24. September 2014.
  4. Molotow (Memento des Originals vom 13. Januar 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.reeperbahnfestival.com auf reeperbahnfestival.com
  5. Heinrich Oehmsen: Nur schnelle Hilfe kann noch retten in Hamburger Abendblatt, 27. Juni 2008
  6. Clubguide Top 50 (Visions, 2005) auf indiepedia.de
  7. Intro Nr. 157, Februar 2008
  8. Muff Potter: Wir retten so das Molotow auf pop-frontal.de
  9. Hamburger Kulturbehörde zeichnet neun Musikclubs aus in Hamburger Abendblatt
  10. Molotow-Ende: Clubkombinat fordert Bekenntnis zu Liveklubs in Hamburger Abendblatt, 28. Juni 2008
  11. Molotow: Rettungsaktion und unrühmliche Diskussion… (Memento vom 1. August 2008 im Internet Archive) auf punkrocknews.blogspot.com
  12. 30 Prozent Umsatzrückgang wegen Rauchverbot - Erste Kiez-Klubs dicht in Bild, 27. Juni 2008
  13. Nadine Lischick: Gäste retten Musikclub "Molotow" in Die Welt, 13. August 2008
  14. Sven Niechziol: Molotow vor dem Ende in der Hamburger Morgenpost, 28. Juni 2008
  15. Clubszene Hamburg Das Molotow ist vorerst gerettet! (Memento des Originals vom 15. September 2008 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.intro.de auf intro.de
  16. St. Pauli: "Esso-Häuser" sollen abgerissen werden (Memento vom 9. Februar 2012 im Internet Archive), 8. Februar 2012
  17. Ende einer Legende, Hamburger Morgenpost, 21. Dezember 2013.
  18. Spiegel online vom 17. September 2014: Reeperbahn Festival 2014
  19. Molotow findet dauerhafte Bleibe auf dem Kiez (Memento vom 31. August 2014 im Internet Archive), NDR, 29. August 2014.