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MILF (Ausdruck)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Mom I’d Like to Fuck)

MILF, /mɪlf/ (Akronym für englisch Mother/Mom/Mum I’d Like to Fuck, wörtlich übersetzt: „Mutter, die ich gerne ficken würde“),[1] ist ein umgangssprachlicher, durch den Film American Pie bekannt gewordener und später durch die Porno- und Erotikindustrie weiter popularisierter Ausdruck für Frauen mittleren Alters, die eine begehrte Sexualpartnerin für deutlich jüngere (meist männliche) Personen darstellen.

Jennifer Coolidge (2012), Darstellerin von Stiflers Mutter in American Pie

Der Ausdruck MILF wurde Anfang der 1990er Jahre im Slang von College-Studenten an der amerikanischen Westküste gebraucht und in der Bedeutung „mother I’d like to fuck“ von der Linguistin Laurel A. Sutton erstmals 1995 in einem Gender-Studies-Sammelband notiert.[2] 1999 wurde er durch die Verwendung in der Teenager-Komödie American Pie – Wie ein heißer Apfelkuchen als Begriff der Jugendsprache bekannt. Dort wurde die Protagonistin Jeanine Stifler („Stifler’s Mom“) als MILF (in der deutschen Synchronisation eingedeutscht zu „MIGF“) bezeichnet. Die Rolle wurde von der damals 38 Jahre alten Darstellerin Jennifer Coolidge verkörpert. „MILF“ wurde anschließend als Titel unterschiedlicher gleichnamiger Pornofilmserien verwendet und ist mittlerweile als Bezeichnung für ein Genre der Pornografie, das Frauen mittleren Lebensalters zum Gegenstand hat, gebräuchlich. Inzwischen ist auch die Schreibweise „Milf“ ohne Versalien gebräuchlich.

Begriffsverwendung

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Das Motiv der älteren und sexuell erfahrenen Frau, die einen jüngeren Mann begehrt, lässt sich in unterschiedlichen Variationen in einer Reihe historischer wie zeitgenössischer Kulturerzeugnisse finden. Beispiele hierfür sind die Oper Le nozze di Figaro, der Spielfilm Die Reifeprüfung und die Fernsehserie Desperate Housewives.[3] Der Ausdruck „MILF“ wird heute als zeitgeistiges Phänomen in vielen unterschiedlichen Zusammenhängen aufgegriffen. Verwendung fand der Begriff zwischenzeitlich in Musikstücken, in Film- und TV-Serien-Dialogen sowie im Rahmen von Kampagnen und Performances. Der Begriff, so die Zeit 2015, sei von der Sexualwissenschaft wenig ausgelotet. Entstanden sei der Begriff zwar im Internet – speziell im Umfeld von Internetpornografie, breiter adaptiert worden sei er jedoch durch „eine Bewegung aus dem Volk“.[4] Das männliche Gegenstück des „DILF“ (Dad I’d Like to Fuck) ist mit geringer Zeitverzögerung und ohne die Konnotation mit Pornografie in den Medien aufgetaucht.[5]

Englischsprachig

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Die Band Fountains of Wayne veröffentlichte im Jahr 2004 mit dem Song Stacy’s Mom ein Musikvideo, welches Rachel Hunter in der Rolle einer „MILF“ zeigte. Die Band Pungent Stench veröffentlichte auf ihrem Album Ampeauty einen Song mit dem Titel Got MILF? – eine Anspielung auf Got Milk?, eine in den 1990er-Jahren populäre Werbekampagne der US-amerikanischen Milchwirtschaft. Der deutsche Rapper King Orgasmus One veröffentlichte im September 2011 ein 18er-Album, das den Titel „M.I.L.F.“ trägt. Inzwischen werden neben Kaffeetassen auch T-Shirts mit dem Aufdruck „got milf?“ oder „MILF in Training“ gehandelt. So sorgte unter anderem Britney Spears für Aufsehen, indem sie letzteres Shirt während ihrer ersten Schwangerschaft trug.

In dem Film Voll auf die Nüsse aus dem Jahr 2004 mit Ben Stiller ist „MILFs“ der Name eines Teams während des finalen Dodgeball-Turniers in Las Vegas. Der US-amerikanische Fernsehsender The CW hat im Jahr 2007 einen Pilotfilm für eine Comedy-Serie mit dem Titel MILF & Cookies produziert. Die Serie wird von Randi Mayem Singer sowie Will Smith und Jada Pinkett Smith produziert und handelt von vier Single-Müttern, die mit ihren Kindern alle in demselben Apartment-Komplex leben. Am 10. April 2008 wurde auf NBC die Episode MILF Island der Sitcom-Serie 30 Rock von Tina Fey ausgestrahlt, die als Thema eine nicht existierende TV-Serie namens „MILF-Island“ hat.

Während des US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes 2008 wurde der Begriff VPilf (Vice Presidents I’d like to fuck) geschaffen. In Anlehnung an MILF wurde damit die republikanische Vize-Präsidentschaftskandidatin Sarah Palin betitelt. Der parodistische Pornofilm Who’s Nailin’ Paylin? bezieht sich in seinem Untertitel „Adventures of a Hockey MILF“ auf Aussagen Palins (diese bezeichnete sich selbst als Hockey mom).

Rund um die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton wurde vor allem auf Internetblogs und Facebook der Begriff QILF (Queen I’d like to fuck).[6] als Begriff des Netzjargons verbreitet; es kursiert auch der Ausdruck PILF (Princess …).[7] Mittlerweile werden T-Shirts mit diesem Slogan verkauft. Auch Königin Rania von Jordanien wird als QILF bezeichnet. Ebenso werden attraktive männliche Stars wie David Beckham, Cristiano Ronaldo oder Bruce Willis im mittleren oder fortgeschrittenen Lebensalter insbesondere in Szene-Magazinen als DILFs bezeichnet.[8]

Deutschsprachig

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In Deutschland wurde der Begriff im Jahr 2011 von der Initiative „MILFs gegen Merkel“ aus dem Umfeld der satirischen Partei Die PARTEI aufgegriffen. Die Aktion diente der Unterstützung bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus 2011, bei denen der einschlägige Slogan auch auf einem Wahlplakat Verwendung fand.

Der deutsche Schriftsteller und Musiker Heinz Strunk veröffentlichte 2017 das Album Die gläserne Milf als Soundtrack zur Verfilmung seines Romans Jürgen.[9] Die deutsche Autorin und Standup-Künstlerin Jasmina Kuhnke verwendete bis 2026 das Pseudonym „Quattromilf“ in Anspielung auf ihre vierfache Mutterschaft. Auf ihren Social-Media-Kanälen definierte sie „Milf“ als Backronym „Mom I’d like to follow“.[10][11]

Logo der Sendung M.O.M – Milf oder Missy? (2020)

Im Jahre 2020 startete das deutsche Streamingportal Joyn die Dating-Sendung M.O.M. – Milf oder Missy, in der zwei Männer aus 14 Frauen zwischen 24 und 46 Jahren auswählen sollen.[12] Die Münchner Bürgermeisterin Katrin Habenschaden sowie die bayrische Landtagspräsidentin Ilse Aigner kritisierten die Bezeichnung der Sendung und insbesondere die breitflächige Plakatkampagne als diskriminierend.[13][14] Nachdem 111 Beschwerden beim Werberat eingegangen waren, zog der Sender die Plakatkampagne zurück, änderte den Namen der Sendung in M.O.M. – Die neue Datingshow und vertonte sie teilweise neu.[15] Nicht von der Änderung betroffen war die Wortverwendung der Teilnehmer sowie die Berichterstattung über die Sendung.[16] Auf die in der gestoppten Plakatkampagne gestellte Frage: „Ist MILF ein Kompliment?“ antwortete Gastmoderatorin Natascha Ochsenknecht in einem Interview, sie verstehe das Wort als Kompliment – „Eigentlich ist MILF ein Kompliment, leider hat das nicht jeder verstanden.“[17] Verona Pooth veröffentlichte 2023 den Ratgeber Die Super-MILF, in dem sie Lebensführungs-Tipps für Frauen mittleren Alters gibt.[18]

In „MILFS“ abgewandelter Schriftzug auf einem Miles-Transporter in Düsseldorf

Seit Anfang 2024 erlangte der Carsharing-Dienst Miles Mobility Aufmerksamkeit durch flächendeckenden Vandalismus an seinen Fahrzeugen. Immer wieder wird seitdem der untere Strich des Buchstabens „E“ von zahlreichen Fahrzeugen entfernt, sodass das Wort „MILFS“ zu lesen ist.[19]

Die in der Bezeichnung MILF hinterlegte Verknüpfung von Mutterschaft und Sexualität ist für westliche Gesellschaften eigentlich unüblich. Das Zurschaustellen von Sexualität wird dort eher mit Jugend, Kinderlosigkeit und dem Nichtvorhandensein romantischer Beziehungen assoziiert.[20] Dieser Vorstellung stehen Darstellerinnen wie beispielsweise Brandi Love, die auch als Privatperson eine offene Ehe führt, entgegen. Laut May Friedman, Professorin für soziale Arbeit an der Toronto Metropolitan University, fügt sich die Inszenierung der Sexualität von MILFs in Pornofilmen dennoch in die dort herrschenden Logiken ein: Frauen mittleren Alters würden als passive Objekte dargestellt, die lediglich dem männlichen Lustgewinn dienten. „Anstatt ein Ort für Mütter zu sein, die gerne ficken, werden Mütter in diesem Schema gefickt – und zwar in jeder Hinsicht.“[21] Eine Inhaltsanalyse aus dem Jahr 2014, die insgesamt 100 frei im Internet verfügbare pornografische Clips aus den Genres „Teen“ und „MILF“ verglich, kam jedoch zu dem Ergebnis, dass es bei MILF-Videos wahrscheinlicher sei, dass Darstellerinnen Sex initiieren und auch die Art der sexuellen Aktivitäten vorgeben.[22]

Innerhalb der Pornobranche existieren eine Reihe von Filmreihen, die sich dem MILF-Genre zuordnen lassen, wie beispielsweise It’s a Mommy Thing! oder Dirty Rotten Mother Fuckers. Bekannte Filme des Genres sind außerdem Produktionen wie 40 ans, Tentations d’une Femme Mariée, Octomom Home Alone oder American MILF. Seit 2006 kürt die Organisation X-Rated Critics Organization jedes Jahr eine Darstellerin zur „MILF of the Year“.

Neben der Bezeichnung MILF lässt sich in Pornofilmen gelegentlich auch die Bezeichnung GILF für „Grandmother I’d Like to Fuck“ bzw. „Grandfather I’d Like to Fuck“ finden. Insgesamt betrachtet ist das GILF-Genre aber deutlich weniger bedeutsam als das MILF-Genre.

Pornodarstellerinnen, die im wahren Leben Mutter werden, sehen sich oft mit feindseligen Reaktionen konfrontiert. Darstellerinnen berichten davon, dass ihre Kinder insbesondere in den sozialen Medien beleidigt werden und Regierungsinstitutionen teilweise erfolgreich versuchen, den Müttern aufgrund ihres Berufes das Sorgerecht für ihre Kinder zu entziehen.[23][24]

Einzelnachweise

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  1. ↑ Duden | Milf | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. Abgerufen am 31. Mai 2020.
  2. ↑ Laurel A. Sutton: Bitches and Skanky Hobags. The Place of Women in Contemporary Slang. In: Kira Hall, Mary Bucholtz (Hrsg.): Gender Articulated. Language and the Socially Constructed Self. 1. Auflage. Routledge, London/New York 1995, ISBN 0-415-91398-5, S. 279–296.
  3. ↑ May Friedman: Beyond MILF: Exploring Sexuality and Feminism in Public Motherhood. In: Atlantis. Band 36, Nr. 2, 2014, ISSN 1715-0698, S. 49–60, hier S. 50, doi:10.7202/1119784ar.
  4. ↑ Christian Fuchs: MILF: Mutter, Sex, Objekt. In: Zeit Online. 21. Mai 2015, abgerufen am 10. Oktober 2026.
  5. ↑ DILFs. Dads I’d Like to F—-·. In: IMDb. 20. September 2012, abgerufen am 12. August 2016.
  6. ↑ QILF im Urban Dictionary. Abgerufen am 12. August 2016.
  7. ↑ PILF im Urban Dictionary. Abgerufen am 12. August 2016.
  8. ↑ Danielle Tullo, Kate Beckman: 32 Hottest DILFS of All Time. There is nothing better. In: Cosmopolitan. 19. Mai 2015, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 21. November 2019; abgerufen am 25. Februar 2025 (englisch).
  9. ↑ Sassan Niasseri: Heinz Strunk: Die gläserne Milf. In: Rolling Stone. 6. April 2017, abgerufen am 10. Oktober 2026.
  10. ↑ Bedrohung durch Rechte: Schwarze Autorin Jasmina Kuhnke sagt Auftritt auf Buchmesse ab. In: rnd.de. 19. Oktober 2021, abgerufen am 10. Oktober 2026.
  11. ↑ Jasmina Kuhnke: „Quattromilf“: Ich habe meinen Social-Media-Account gelöscht. Linkssein bleibt Handarbeit! In: der freitag. 17. Juni 2026, abgerufen am 10. Oktober 2026.
  12. ↑ Anja Rützel: Suhlen im flachen Plattitüdenbassin – "M.O.M – Milf oder Missy" bei Joyn. In: Spiegel Online. 9. Mai 2020, abgerufen am 10. Oktober 2026.
  13. ↑ Jasmin Menrad: Bürgermeisterin Habenschaden wütet wegen Streaming-Werbung. In: Abendzeitung. 30. Mai 2020, abgerufen am 10. Oktober 2026.
  14. ↑ Lisa Schnell: Medien: Aigner kritisiert Werbekampagne für Datingshow. In: sueddeutsche.de. 5. Juni 2020, abgerufen am 10. August 2020.
  15. ↑ Gustav Theile: Nach öffentlicher Kritik: Joyn zieht „Milf“-Werbung zurück. In: FAZ. 5. Juni 2020, abgerufen am 10. Oktober 2020.
  16. ↑ Anna Eube: „Milf oder Missy“ und „Beauty and the Nerd“ – Nur eines ist guter Trash. In: Die Welt. 11. Juni 2020 (welt.de [abgerufen am 21. Juni 2020]).
  17. ↑ Katharina Hiltensperger: Interview: Natascha Ochsenknecht über Altersunterschiede in der Liebe. In: Bild der Frau. 8. Juli 2020, abgerufen am 10. Juli 2020.
  18. ↑ Sophie-Marie Schulz: Verona Pooth: Buchpräsentation „Die Super-MILF“ in Berlin – „Ich kann lesen. Will ich aber nicht“. 2. November 2023, abgerufen am 3. November 2023.
  19. ↑ Christian Hensen: Carsharing: Statt Miles rollen "Milfs" durch unsere Städte – wie ein Scherz langsam zum Problem wird. In: Stern. 19. Februar 2024, abgerufen am 9. Oktober 2024.
  20. ↑ Beth Montemurro, Jenna Marie Siefken: MILFS and Matrons: Images and Realities of Mothers’ Sexuality. In: Sexuality & Culture. Band 16, 2012, S. 366–388, doi:10.1007/s12119-012-9129-2.
  21. ↑ May Friedman: Beyond MILF: Exploring Sexuality and Feminism in Public Motherhood. In: Atlantis. Band 36, Nr. 2, 2014, ISSN 1715-0698, S. 49–60, hier S. 56, doi:10.7202/1119784ar.
  22. ↑ Sarah A. Vannier, Anna B. Currie, Lucia F. O'Sullivan: Schoolgirls and Soccer Moms: A Content Analysis of Free “Teen” and “MILF” Online Pornography. In: The Journal of Sex Research. Band 51, Nr. 3, 2014, S. 253–264, doi:10.1080/00224499.2013.829795.
  23. ↑ Caroline West: Disrupted Mothering: Porn Performers Experiences of the Idealised Sexual Maternal Dichotomy. In: Susan Liddy, Deirdre Flynn (Hrsg.): The Routledge Handbook of Motherhood on Screen. Routledge, London/New York 2025, ISBN 978-1-003-38971-2, S. 213–228.
  24. ↑ Gernot Kramper: Erotik-Superstar Riley Reid erzählt, wie ihre Porno-Karriere ihre Familie zerstörte. In: Stern. 20. Mai 2023, abgerufen am 10. Oktober 2026.