Mongolenfleck

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Klassifikation nach ICD-10
D22.5 Melanozytennävus des Rumpfes
ICD-10 online (WHO-Version 2019)
Bild eines Mongolenflecks

Der Mongolenfleck (auch kongenitale dermale Melanozytose, Asiatenfleck, Sakralfleck, Steißfleck, Hunnenfleck) bezeichnet ein oder mehrere unregelmäßige bläuliche Muttermale meist am Rücken, Gesäß oder Kreuzbein eines Kindes.

Klinik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem sogenannten Mongolenfleck handelt sich um eine harmlose Ansammlung von Pigmentzellen (Melanozyten). Dieses Überbleibsel der Embryonalentwicklung entsteht dadurch, dass die Melanozytenvorläufer (Melanoblasten) aus einer Gewebeschicht des Neuralrohrs (aus dem später das Rückenmark entsteht) in die Haut einwandern.

Der Mongolenfleck verblasst im Laufe der Kindheit und verschwindet meistens spätestens im Laufe der Pubertät.[1]

Selten kommen persistierende, sehr ausgedehnte oder generalisierte Formen vor. Prinzipiell können auch andere Körperstellen als Rücken und Gesäß betroffen sein (z. B. Gesicht oder Extremitäten)[2]

Epidemiologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Mongolenfleck leitet sich aus den überholten Rassentheorien ab, nach denen Menschen ostasiatischer Herkunft sowie die amerikanischen Ureinwohner als „Mongolide“ bezeichnet wurden. 99 % der Kinder von Chinesen, Japanern, Koreanern, Vietnamesen, Mongolen, Turkvölkern, Indochinesen, Indianern und Eskimos haben bei der Geburt einen Mongolenfleck. Das Mal findet sich jedoch fast ebenso häufig bei Menschen aus Vorderasien, die früher der angeblichen „europiden Rasse“ zugerechnet wurden. Die Häufigkeit reicht in Asien von 95 bis 100 %, in Ostafrika (früher „Negride“) von 90 bis 95 %.[3] In geringer Häufung kommt er auch bei Europäern aus dem ostmediterranen Raum vor.[4]

Entdeckt und so benannt wurde das Merkmal von dem deutschen Anthropologen Erwin Bälz Ende des 19. Jahrhunderts.[5] Von französischen Forschern wurde es im 20. Jahrhundert als Indiz für die Ausbreitung der Hunnen gesehen. Der Mongolenfleck kommt jedoch auch in Amerika vor. Nach Ansicht des französischen Anthropologen Robert Gessain soll der Fleck hingegen ursprünglich bei den Eskimos aufgetreten sein.[6]

Die Inzidenz des Mongolenflecks hängt stark von der generellen Pigmentierung der Haut ab. Er wird manchmal irrtümlich als Hauterkrankung angesehen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johannes Petres, Rainer Rompel: Operative Dermatologie: Lehrbuch und Atlas. 2. Auflage. Springer-Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-34086-7, S. 275.
  2. Peter Fritsch, Thomas Schwarz: Dermatologie Venerologie : Grundlagen. Klinik. Atlas. 3. vollständig überarbeitete Auflage. Springer, Berlin, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-662-53647-6, S. 880.
  3. http://www.tokyo-med.ac.jp/genet/msp/about.htm
  4. Johannes Petres, Rainer Rompel: Operative Dermatologie: Lehrbuch und Atlas. 2. Auflage, Springer-Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-34086-7, S. 275.
  5. Baelz, E. Die körperlichen Eigenschaften der Japaner. (1885) Mittheil.d.deutschen Gesell. f. Natur- und Völkerkunde Ostasiens. Bd. 4, H. 32
  6. Gessain, Robert (1953). „La tache pigmentaire congénitale chez les Eskimo d'Angmassalik“. Journal de la Société des Américanistes 42: 301–332.
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