Monica Bonvicini

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Monica Bonvicini (* 1965 in Venedig, Italien) ist eine italienische Künstlerin und Hochschullehrerin. Sie lebt in Berlin.[1] Bonvicini untersucht in ihren Arbeiten das Zusammenspiel von Machtverhältnissen, Geschlechterrollen und Raum. Dabei verwendet sie unterschiedliche Medien wie Zeichnung, Skulptur, Installation, Video und Fotografie. Permanent installierte Skulpturen von Monica Bonvicini befinden sich im Queen Elizabeth II Olympic Park, London; auf dem Oslofjord vor dem Opernhaus von Oslo und im Museum für Moderne Kunst, Istanbul.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studium und Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monica Bonvicini studierte an der Hochschule der Künste Berlin und am California Institute of the Arts (CalArts), Valencia. Im Rahmen eines Residency-Programms verbrachte Bonvicini von 1995 bis 1996 ein Jahr in London. Von 1998 bis 2002 lebte sie in Los Angeles, wo sie unter anderem am Art Center College of Design, Pasadena[2], unterrichtete.

2003 übernahm sie die Professur für Performative Kunst und Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste Wien[3]. Seit 2017 ist sie Professorin für Bildhauerei an der Universität der Künste[4] Berlin.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonvicini begann Mitte der 1990er-Jahre ihr Werk international auszustellen. Sie beschreibt ihre künstlerische Praxis als eine Untersuchung des Verhältnisses zwischen Architektur und Raum, Geschlecht, Sexualität, Kontrolle und Macht. Ihre Arbeiten reflektieren die Bedeutung von Kunstproduktion unter den Gesichtspunkten der Wandlungsfähigkeit von Sprache, der Idee von Freiheit und der Beschränkung und Möglichkeit von Worten. Ihre Arbeiten wurden auf Biennalen weltweit präsentiert, darunter Berlin Biennale (1998, 2003, 2014), Istanbul Biennale (2003, 2017) und Venedig Biennale (1999, 2001, 20005, 2011, 2015) und befinden sich in öffentlichen Sammlungen. Die Künstlerin hatte Einzelausstellungen weltweit.

Monica Bonvicini arbeitet medienübergreifend mit Installation, Skulpturen, Video, Fotografie und Zeichnung. In ihrer Arbeit setzt sie sich mit Machtstrukturen auseinander, wie sie sich unter anderem in Architektur oder Alltagsgegenständen manifestieren. In ihrer Formensprache nehmen die Werke häufig Bezug auf die Minimal Art und Conceptual Art.

1999 gewann Bonvicini den Goldenen Löwen auf der Venedig Biennale,[5] 2005 den Preis der Nationalgalerie für Junge Kunst in Berlin[6] und 2013 den Rolandpreis für Kunst in Bremen,[7] 2012 wurde ihr der Titel Commander of the Order of Merit der italienischen Republik verliehen[8].

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bonvicini arbeitet mit Materialien, wie Polyurethan, Metall, Ketten, Holz, Sprühfarbe, Aluminium, Tinte, Tempera, Beton und Glas. Ihre Kunstwerke beschäftigen sich häufig mit Sprache und Text, Humor und Ironie.

I Believe the Skin of Things as in That of Women, 1999

Die Arbeit mit dem Titel I Believe the Skin of Things as in That of Women wurde 1998 von Bonvicini für eine Galerieausstellung in Wien geschaffen. Harald Szeemann, der die Arbeit damals gesehen hat, lud Bonvicini zur bevorstehenden Venedig Biennale ein, wo sie im Jahr danach die Auszeichnung des Goldenen Löwen erhielt. Das Kunstwerk untersucht Geschlechterrollen, die im Bereich der Architektur und des Baus manifestiert sind. Bonvicini beschreibt diese Arbeit als eine Konfrontierung mit der „boys club“-Einstellung, die oft in der Welt der Architektur zu finden ist. Die Installation ist ein architektonischer Raum, konstruiert aus Trockenbauwänden. Zitate von berühmten männlichen Architekten, wie August Perret und Adolf Loos sind in einem Graffiti ähnlichen Stil auf die Wände geschrieben. Der Titel der Arbeit ist ein bekanntes Zitat von Le Corbusier.[7] Die Zitate sind verwoben mit Kompositionen im Komikstil von nackten Männern, die eine Vielzahl an sexuellen Akten vollziehen und dabei auf Frauen blicken. Dieses Kunstwerk ist ein Beispiel für Bonvicinis trockenen Humor und furchtloser Inhalte, die man auch in vielen anderen ihrer Werke wiederfindet.

She Lies, 2010

Die dauerhafte Installation She Lies wurde am 11. Mai 2010 der Öffentlichkeit präsentiert. Die Arbeit, die von Public Art Norway in Auftrag gegeben worden ist, schwebt auf dem Oslofjord vor dem Gebäude der Norwegischen Oper & Ballett. Das Werk ist gefertigt aus Styropor, Edelstahl, reflektierenden Glaspanelen, Glassplittern und steht auf einem Beton Ponton, der ausgestattet ist mit einem Ankersystem. Die monumentale Skulptur (12 × 17 × 16 Meter groß) ist eine Interpretation Caspar David Friedrichs Gemälde Das Eismeer (1824). Als eine symbolische Referenz zur Romantik und ihren Idealen, die verschiedene gemeingültige und festgesetzte Clichés geschaffen hat, die sich auf die Kunst und die Professionalisierung von Kunst, aber auch auf die Natur und die wissenschaftliche Ausbeutung beziehen, greift Bonvicini die bildliche Darstellung der Eismassen in Friedrichs Gemälde wieder auf.

RUN, 2012

Die permanente Installation wurde anlässlich der Olympischen Sommerspiele 2012 im Queen Elizabeth II Olympic Park in London errichtet. Gestaltung und Titel der Arbeit lehnen sich an Texte und die Sprache der Populärmusik an. Dabei verweist die Arbeit auf Lieder wie „Run, Run, Run“ von The Velvet Underground, „Running Dry“ von Neil Young oder „Born to Run“ von Bruce Springsteen. Jeder einzelne der aus Stahl und spiegelndem Glas bestehende Buchstaben misst neun Meter und hat ein Gewicht von jeweils zehn Tonnen. Bonvicinis Arbeit befindet sich auf dem Platz vor der London Handball Arena, die auch unter dem Namen Copper Box bekannt ist und ist die größte Installation im gesamten Park. Bonvicini verwendet die reflektierenden Eigenschaften des Glases um die sich über den Tag verändernde Umgebung widerzuspiegeln. Die installierten LED-Lichter erzeugen einen strahlenden Effekt, der sich durch die reflektierende Oberfläche der Buchstaben durch das gesamte Kunstwerk zieht. Als Reaktion auf die Gentrifizierungsprozesse und die sich ändernden urbanen Szenerien die man in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in London beobachten konnte, zieht sie Referenzen zu Musik, Alternativ- und Popkultur.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

She Lies in Oslofjord, vor dem Oslo Operhaus, Norwegen.
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Auszeichnungen und Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke in öffentlichen Sammlungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Permanent installierte Werke im öffentlichen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien und Ausstellungskataloge (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Belvedere 21 (Hrsg.), I CANNOT HIDE MY ANGER, König Books, 2019
  • Berlinische Galerie (Hrsg.), Monica Bonvicini, Kerber Verlag, 2017
  • Monica Bonvincini. Survey by Janet Kraynak, Interview by Alexander Alberro, Focus by Juliane Rebentisch, Artist’s Writing by Monica Bonvicini. Phaidon Press, 2014,
  • Museum Abteiberg Mönchengladbach, Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg (Hrsg.): Monica Bonvicini – Disegni. Distanz Verlag, Berlin 2012.
  • Kunsthalle Fridericianum (Hrsg.): Monica Bonvicini. Both Ends. Kunsthalle Fridericianum und Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bio | Monica Bonvicini. Abgerufen am 9. August 2018 (deutsch).
  2. Does Berlin Need a New Art School? Abgerufen am 9. August 2018 (englisch).
  3. ]a[ - Performative Kunst & Bildhauerei. Abgerufen am 9. August 2018 (englisch).
  4. Berufung: Monica Bonvicini übernimmt eine Professur für Bildhauerei – Universität der Künste Berlin. Abgerufen am 9. August 2018.
  5. LA BIENNALE DI VENEZIA 1999 at La Biennale di Venezia Venice - Artmap.com. Abgerufen am 9. August 2018.
  6. Preis 2005 - Freunde der Nationalgalerie. Abgerufen am 9. August 2018 (englisch).
  7. Monica Bonvicini ist Rolandpreisträgerin 2012. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Stiftung Bremer Bildhauerpreis. 19. November 2012, archiviert vom Original am 9. August 2018; abgerufen am 16. Oktober 2019.
  8. Segretariato generale della Presidenza della Repubblica - Servizio sistemi informatici: Le onorificenze della Repubblica Italiana. Abgerufen am 9. August 2018 (italienisch).
  9. Monica Bonvicini · Hans Platschek Preisträgerin 2019 – Hans Platschek Stiftung | Hamburg · Germany. Abgerufen am 16. Oktober 2019 (deutsch).
  10. Der Spiegel, Kulturspiegel, 8/2010.
  11. Pressemeldung She Lies, Bjørvika Fjord, Oslo Opera House@1@2Vorlage:Toter Link/www.koro.no (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)