Monoaminoxidase-A-Mangel

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Klassifikation nach ICD-10
E70.8 Sonstige Störungen des Stoffwechsels aromatischer Aminosäuren
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Mit Monoaminooxidase-A-Mangel wird eine sehr seltene angeborene Stoffwechselstörung mit weitgehendem Ausfall der Monoaminooxidase A und im Vordergrund stehender impulsiver Aggressivität bezeichnet.[1]

Synonyme sind: MAO-A-Mangel; Brunner-Syndrom; englisch Monoaminoxidase-A-deficiency; Brunner syndrome, veraltete Bezeichnung: Geistige Retardierung, X-chromosomale - Anomalien des MAOA-Metabolismus[2]

Die Namensbezeichnung bezieht sich auf den Erstautor der Erstbeschreibung aus dem Jahre 1993 durch den niederländischen Humangenetiker H. G. Brunner und Mitarbeiter.[3]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Häufigkeit ist nicht bekannt, bislang wurden weniger als 20 Betroffene beschrieben. Die Vererbung erfolgt X-chromosomal-rezessiv.[1]

Ursache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erkrankung liegen Mutationen im MAOA-Gen am Genort Xp11.3 zugrunde, welches für die Monoaminoxidase A kodiert, so dass es zu einem vollständigen Ausfall der Monoaminoxidase kommt.[4]

Klinische Erscheinungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klinische Kriterien sind:[1]

  • Leichtes intellektuelles Defizit
  • Impulsive Aggressivität bis zu Gewalttätigkeit
  • Beginn im Kindesalter

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1995 wurden in einer Studie an Mäusen, bei denen das MAOA-Gen ausgeschaltet worden war, erhöhte Serotonin- und Noradrenalinwerte im Gehirn festgestellt und das Verhalten der Jungen als ängstlich, sowie das der erwachsenen Tiere als aggressiv eingestuft. Diese Wirkungen konnten durch einen Stoff, der die Serotoninsynthese hemmte, wieder aufgehoben werden.[5]

Die von Brunner 1993 beschriebenen Mitglieder einer Familie wiesen alle im Urin stark veränderte Monoaminwerte und ein aggressives und mental retardiertes Verhalten auf. Die zugrundeliegende Punktmutation im MAOA-Gen führte zum völligen MAO-A-Mangel. Andere, mehr als ein Dutzend weitere psychiatrische Studien im Zeitraum bis 2001, die mögliche Zusammenhänge zwischen MAO-A und verschiedenen psychischen Leiden untersuchten, ergaben keine eindeutigen Ergebnisse. Die Familien in Brunners Studien von 1993 und 1999 waren die einzigen, bei denen MAO-A völlig fehlte und die ein konsistentes Verhalten zeigten, das später Brunner-Syndrom genannt wurde.[6][7][8][9][10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Monoaminoxidase-A-Mangel. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten).
  2. Geistige Retardierung, X-chromosomale - Anomalien des MAOA-Metabolismus. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten).
  3. H. G. Brunner, M. R. Nelen, P. van Zandvoort, N. G. Abeling, A. H. van Gennip, E. C. Wolters, M. A. Kuiper, H. H. Ropers, B. A. van Oost: X-linked borderline mental retardation with prominent behavioral disturbance: phenotype, genetic localization, and evidence for disturbed monoamine metabolism. In: American Journal of Human Genetics. Bd. 52, Nr. 6, Juni 1993, S. 1032–1039, PMID 8503438, PMC 1682278 (freier Volltext).
  4. Brunner syndrome. In: Online Mendelian Inheritance in Man. (englisch)
  5. Cases O, Seif I, Grimsby J, et al.: Aggressive behavior and altered amounts of brain serotonin and norepinephrine in mice lacking MAOA. In: Science. 268, Nr. 5218, Juni 1995, S. 1763–1766. PMID 7792602.
  6. Brunner HG, Nelen M, Breakefield XO, Ropers HH, van Oost BA: Abnormal behavior associated with a point mutation in the structural gene for monoamine oxidase A. In: Science. 262, Nr. 5133, Oktober 1993, S. 578–580. PMID 8211186.
  7. Tafel 1 in Shih JC, Thompson RF: Monoamine oxidase in neuropsychiatry and behavior. In: Am. J. Hum. Genet.. 65, Nr. 3, September 1999, S. 593–598. doi:10.1086/302562. PMID 10441564. PMC 1377964 (freier Volltext).
  8. Jorm AF, Henderson AS, Jacomb PA, et al.: Association of a functional polymorphism of the monoamine oxidase A gene promoter with personality and psychiatric symptoms. In: Psychiatr. Genet.. 10, Nr. 2, Juni 2000, S. 87–90. PMID 10994647.
  9. Manuck SB, Flory JD, Ferrell RE, Mann JJ, Muldoon MF: A regulatory polymorphism of the monoamine oxidase-A gene may be associated with variability in aggression, impulsivity, and central nervous system serotonergic responsivity. In: Psychiatry Res. 95, Nr. 1, Juli 2000, S. 9–23. PMID 10904119.
  10. Parsian A, Cloninger CR: Serotonergic pathway genes and subtypes of alcoholism: association studies. In: Psychiatr. Genet.. 11, Nr. 2, Juni 2001, S. 89–94. PMID 11525423.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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