Monobloc-Stuhl

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In einem privaten Garten auf grüner Wiese steht eine sitzgarnitur aus vier weißen Plastikstühlen und einem runden Tisch mit gelber Decke
Vier Monobloc als Gartenmöbel und Sitzgarnitur

Der Monobloc ist ein seit den frühen 1970er Jahren gefertigtes stapelbares Kunststoff-Sitzmöbel. Namensgebend ist die Spritzgussfertigung aus Polypropylen in einem Stück (monobloc) und einem Arbeitsgang.

Merkmale des Monobloc, der als Stuhl, Sessel und Hocker gefertigt wird, sind sein geringes Gewicht, die Stapelbarkeit, sein günstiger Preis sowie die Möglichkeit zum Recyceln bzw. Downcyceln des Plastikstuhls- oder hockers.[1] Der Monobloc selbst wie auch sein Produktionsverfahren sind patentrechtlich nicht geschützt,[2] so dass er sich weltweit verbreiten konnte und mit geschätzten einer Milliarde Exemplaren das meistverkaufte Möbel aller Zeiten ist.[3]

Geschichte und Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Erfinder des Monobloc gilt der französische Ingenieur und Industrielle Henry Massonnet aus Nurieux-Volognat mit seinem „Fauteuil 300“ von 1972,[4] der heute den Prototyp des billigen Kunststoffstuhls verkörpert.[5] Unterstützung bei der Entwicklung bekam er von seinem langjährigen Freund, dem Designer Pierre Paulin, der bereits viele Stühle entworfen, und sich auch als Raumausstatter einen Namen gemacht hatte.[3]

Der Monobloc war anfangs mit einem Preis von 300 Französischen Franc (das entspräche im Jahr 2022 etwa 300 Euro)[6] ein teurer Ladenhüter. Massonnet optimierte die Herstellung so weit, dass ein Produktionszyklus weniger als zwei Minuten dauerte, und brachte über seine Firma Stamp die neuen Modelle Tango, Boston und Sirtaki auf den Markt. Ihm folgten diverse Produzenten in Europa und weltweit, die Massonnets Stühle kopierten und dabei leicht modifizierten.[1]

Mit einer Spritzgussform lassen sich derzeit (2022) in 24 Stunden bis zu 1500 Stühle produzieren. Je nach Modell liegt die Menge des verwendeten Ausgangsmaterials Polypropylen dabei zwischen 1,7 und 3,5 kg. Man geht dabei von Kosten von ungefähr 2,50 Euro für 2,5 kg Kunststoffgranulat[3] aus.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1998 weckte der Stuhl in der 2. Deutschen Fußball-Bundesliga mediale Aufmerksamkeit. Horst Ehrmantraut, damaliger Trainer der Eintracht Frankfurt, verfolgte die Heimspiele seiner Mannschaft – anders als üblich – abseits der Trainerbank von einem Monobloc aus. Kultstatus erreichte der Stuhl, nachdem im selben Jahr der Aufstieg in die nächsthöhere Liga unter Ehrmantraut gelang. Heute befindet sich der als „Aufstiegsstuhl“ bekannte Monobloc im Eintracht Frankfurt Museum.[8]

Rezension[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010: 220 °C Virus Monobloc – The Infamous Chair, Arnd Friedrichs und Kerstin Finger veröffentlichten 2010 ein Buch über den Monobloc-Stuhl.[9]
  • 2017: Monobloc – Ein Stuhl für die Welt, Ausstellung im Vitra Design Museum, Schaudepot, Weil am Rhein.[4][10]
  • 2021: Monobloc, Dokumentarfilm, Hauke Wendler drehte seit 2013 einen 90-minütigen Dokumentarfilm über den Stuhl, der seine Uraufführung 2021 beim DOK.fest München hatte und im Januar 2022 in die deutschen Kinos kam.[11][2][12]
    • 2022: MonoblocAuf der Spur von einer Milliarde Plastikstühlen, auf Grundlage seines Films schrieb Hauke Wendler einen Podcast in sechs Folgen zu jeweils ca. 30 Minuten, den er mit NDR Info und Deutschlandfunk Kultur produzierte und der das Thema und seine kritische Betrachtung vertieft.[13]
    • 2022: Monobloc, ebenfalls auf der Grundlage des Films entstandenes Fotobuch von Hauke Wendler, Gestaltung von Rutger Fuchs, 192 Seiten, 120 Abbildungen, Hatje Cantz, Berlin 2022.[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Monobloc-Stuhl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Hauke Wendler: Monobloc. Hatje Cantz, Berlin 2022, ISBN 978-3-7757-5187-2.
  2. a b Hauke Wendler im Gespräch mit Gesa Ufer: Dokumentarfilm "Monobloc" - Ein billiger Plastikstuhl erobert die Welt. Deutschlandfunk Kultur, 6. Mai 2021, abgerufen am 7. Mai 2021.
  3. a b c Monobloc der meistgehasste Stuhl der Welt. In: Florian Siebeck, Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, www.faz.net. 4. Mai 2017, abgerufen am 5. November 2019.
  4. a b Monobloc – Ein Stuhl für die Welt, über Ausstellung im Vitra Design Museum auf der Homepage des Museums.
  5. Sie haben einen Designklassiker in Ihrem Garten stehen. In: Naomi Gregoris, TagesWoche, Basel, tageswoche.ch. 14. März 2017, abgerufen am 5. November 2019.
  6. 1972 waren 300 Französische Franc etwa 190 D-Mark (→www.deutschlandinzahlen.de). Das entspräche im Jahr 2022 etwa 320 Euro (→Inflationsrechner 1) oder 339 Euro (Inflationsrechner 2). Im Podcast von Hauke Wendler ist von etwa 150 Euro die Rede.
  7. Monobloc Chair: Joe Colombo and Vico Magistretti
  8. Das Rhein-Main-Derby und Ehrmantrauts "Aufstiegsstuhl". 17. Dezember 2021, abgerufen am 21. Dezember 2021.
  9. Arnd Friedrichs, Kerstin Finger: 220 °C Virus Monobloc – The Infamous Chair. 1. Auflage. Gestalten, Berlin 2010, ISBN 978-3-89955-317-8.
  10. Der Allgegenwärtige in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 30. April 2017, Seite 53
  11. Der Film Monobloc (Regie Hauke Wendler), Dok.fest, München, 2021
  12. "MONOBLOC", Dokumentarfilm, Deutschland 2021, Regie: Hauke Wendler, Filmstart: 27.1.2022, auf RBB, 28. Januar 2022.
  13. NDR: Monobloc. Auf der Spur von einer Milliarde Plastikstühlen. Abgerufen am 19. April 2022.