Monrepos (Forschungszentrum)

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Monrepos – Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution
Monrepos – Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution
Logo des Forschungszentrums Monrepos
Mitgliedschaft: Leibniz Gemeinschaft
Standort der Einrichtung: Schloss Monrepos, 56567 Neuwied
Art der Forschung: Archäologie
Leitung: Sabine Gaudzinski-Windheuser
Mitarbeiter: ca. 30
Homepage: monrepos-rgzm.de

Monrepos – Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution in Neuwied ist eine Einrichtung des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie.

Das Forschungszentrum widmet sich der Erforschung der Entwicklung unserer heutigen Verhaltensweisen in der Alt- und Mittelsteinzeit, indem es archäologische Funde aus allen Winkeln der Erde untersucht und diese in einen entwicklungshistorischen Kontext stellt.

Es gehört zu den führenden Einrichtungen zur Erforschung der frühen Menschheitsgeschichte.

Seine gewonnenen Erkenntnisse werden sowohl in der interaktiven Ausstellung »MenschlICHes VERSTEHEN«, als auch mithilfe eines breiten Spektrums an Veranstaltungen und Workshops lebensnah und einprägsam vermittelt.

Untergebracht ist es im früheren „Prinzessinnenpalais“ der ehemaligen Sommerresidenz Monrepos.

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monrepos ist eine Einrichtung des Römisch-Germanischen Zentralmuseums – Forschungsinstitut für Archäologie (RGZM), das zu den Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft zählt. Es ist gleichzeitig Ausbildungsstandort des Instituts für Altertumswissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Ein weiterer Träger ist die Prinz Maximilian zu Wied-Stiftung. Ferner unterstützt der Förderkreis Altsteinzeit e.V. die Forschung, Vermittlung und Lehre.[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Monrepos (frz. „Meine Ruhe“) liegt im historischen Naherholungsgebiet zwischen den UNESCO Welterben Oberes Mittelrheintal und Obergermanisch-Rätischer Limes. Die ehemalige Sommerresidenz des Fürstenhauses zu Wied liegt auf den Anhöhen über der Stadt Neuwied, inmitten ausgedehnter Wälder am Rande des Westerwaldes. Hier kreuzen sich Fernwanderwege wie der Rheinsteig, der Limeswanderweg und der Rheinhöhenweg. Schloss Monrepos bildete den Mittelpunkt des historischen Gebäudeensembles der Fürsten zu Wied aus dem 18. und 19. Jh.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Monrepos 2013 nach den Umbauarbeiten

Der ehemalige Witwensitz, ursprünglich „Waldheim“ genannt, wurde 1909 erbaut. Fürst Friedrich Wilhelm zu Wied brachte das Schloss 1986 in die Prinz Maximilian zu Wied-Stiftung ein.[2]

Zwei Jahre zuvor führten die Entdeckung und Erforschung weltberühmter Fundplätze der Altsteinzeit im Neuwieder Becken (z. B. Niederbieber, Gönnersdorf, Bad Breisig) zur Gründung des Forschungsbereichs Altsteinzeit des RGZM, der seit 1988 auf Schloss Monrepos einzog. Im selben Jahr erfolgte auch die Eröffnung des Museums für die Archäologie des Eiszeitalters auf Schloss Monrepos.

Unter seinem Gründer Gerhard Bosinski war der Forschungsbereich Altsteinzeit eng mit dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln verbunden. Seit 2003 ist Sabine Gaudzinski-Windheuser, Institut für Vor- und Frühgeschichte der Universität Mainz, Leiterin des Hauses.

2005 wurde die Dauerausstellung des Museums für die Archäologie des Eiszeitalters modernisiert. Umfassende Sanierungs- und Ausbaumaßnahmen an Schloss Monrepos bedingten 2011 eine vorübergehende Schließung des Museums. Die neue Dauerausstellung „MenschlICHes VERSTEHEN“ hat am 15. Juli 2014 eröffnet.[3]

Bis 2012 hieß Monrepos „Forschungsbereich Altsteinzeit“ des RGZM und „Museum für die Archäologie des Eiszeitalters“. Im Rahmen der Neukonzeption des Museums und der strategischen Neuausrichtung von Forschungsinstitut und Museum wurden sie in Monrepos – Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution umbenannt.

Zeitlicher und geographischer Forschungsrahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Forschungen in Monrepos umfassen die frühe Menschheitsgeschichte der Alten Welt von ihren Anfängen bis zum Beginn von Ackerbau und Viehzucht. In den 1980er und frühen 1990er Jahren lag der Schwerpunkt auf der Erforschung der reichen Fundstellen des Neuwieder Beckens und seiner Umgebung:[4] Der etwa 600.000 Jahre alte Fundplatz Miesenheim gehört zu den ältesten Siedlungsplätzen in Mitteleuropa.[5] Die neandertalerzeitlichen Fundstellen auf den Osteifelvulkanen wie dem Schweinskopf, den „Wannen“, dem Tönchesberg und dem Plaidter Hummerich sind weltweit die einzigen Siedlungsplätze dieser Art von Neandertalern.[6] Mit den Fundplätzen Andernach und Gönnersdorf wurden wichtige Archive des Magdalénien ausgegraben und erforscht. In der späten Eiszeit (Federmesser) datieren die von Monrepos erforschten Fundstellen Niederbieber, Bad Breisig, Kettig, Urbar und Andernach-Martinsberg, deren Korrelation einzigartige Einblicke in die Landschaftsnutzung dieser Zeit erlaubt.[7][8][2]

Seit Ende der 1990er Jahre hat sich der geographische Rahmen der Forschungen in Monrepos ausgeweitet. In internationalen Kooperationsprojekten wurden die Fundstellen Ubeidia und Gesher Benot Ya'aqov (Israel) untersucht.[9][10] Mit Dmanisi (Georgien) hat Monrepos die älteste eurasische Fundstelle mit Menschenresten ausgegraben.[11] Aktuelle Ausgrabungsprojekte ergründen die ältesten Fundstellen Osteuropas in Rumänien und das Verhalten früher moderner Menschen in Marokko, an der Fundstelle Taforalt. Hier wurde der älteste Schmuck der Menschheit gefunden.[12]

Forschungen zur Mittelsteinzeit wie an den Fundplätzen Duvensee[13] oder Bedburg-Königshoven[14] sind die chronologisch jüngsten in MONREPOS.

Forschungsleitbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel der Forschungs- und Vermittlungsarbeit ist das Verständnis der wesentlichen Verhaltensmerkmale des heutigen Menschen, deren Grundlagen sich in der Alt- und Mittelsteinzeit vor 2,5 Millionen Jahren bis vor ca. 7500 Jahren entwickelten.

Monrepos gehört zu den wenigen archäologischen Forschungseinrichtungen, die sich an einem eigenen Forschungsleitbild orientieren. Es definiert das Forschungsziel und transportiert die zu seinem Erreichen notwendige Vorgehensweise. Das Forschungsleitbild gründet auf einem integrativen, ganzheitlichen Verständnis von Forschung. Somit hebt es die traditionellen Fakultätsgrenzen zwischen Geistes- und Naturwissenschaften auf. Durch das Forschungsleitbild werden verschiedene Quellen und Kontexte diachron miteinander verknüpft. Sie sind in drei Untersuchungseinheiten gebündelt: „Zeitscheiben“, „Strategien“ und „Soziale Organisation“. „Zeitscheiben“ widmet sich dem Fragenkomplex, wo, wann und unter welchen Rahmenbedingungen sich menschliches Verhalten manifestiert. Die Untersuchungseinheiten „Strategien“ und „Soziale Organisation“ suchen Überlebensstrategien und Verhaltensmuster sowie ihre soziale Einbettung zu identifizieren.

Das Forschungsleitbild ist diachron und perspektivisch ausgerichtet. Das bedeutet, es nimmt systematisch Blickwinkel aus unterschiedlichen Zeit- und Auflösungsebenen ein. Große Bildflächen bieten Orientierung, kleinere eine punktuell hohe Auflösung. Durch den synthetischen Abgleich der drei Untersuchungseinheiten und den vergleichenden Transfer zwischen den verschiedenen Zeit- und Auflösungsebenen kann die Entwicklung menschlichen Verhaltens in der Alt- und Mittelsteinzeit rekonstruiert werden.[15]

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besonders relevante Forschungsthemen für das Verständnis der frühmenschlichen Verhaltensentwicklung sind die Entwicklung von Ernährung, Mobilität, Siedlungsverhalten und Landschaftsnutzung der alt- und mittelsteinzeitlichen Jäger und Sammler.[16]

Kalibrierung und Datierungsprogramme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Mitte der 80er Jahre arbeitet Monrepos am Aufbau und der Verfeinerung der absoluten Chronologie des europäischen Paläolithikums. Dazu wurden umfassende Datierungsprogramme zum Jungpaläolithikum initiiert.[17] Innovative Kalibrierungsmethoden wurden von Olaf Jöris (Monrepos) und Bernhard Weninger (Universität Köln) entdeckt. Sie erlauben durch die Verknüpfung mit hochauflösenden Klimadaten eine immer genauere Eichung von immer älteren Radiokarbondaten. Das darauf beruhende Kalibrationsprogramm Calpal[18] wurde von Olaf Jöris und Bernhard Weninger Mitte der 90er Jahre entwickelt.

Ernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Entwicklung der frühmenschlichen Ernährung spielt die Großwildjagd eine besondere Rolle. In ihrer Erforschung hat Monrepos durch einen ausgefeilten archäozoologischen Methodenapparat und diachrone Forschungen international Standards gesetzt. So gelang erstmals der archäologische Nachweis der frühmenschlichen Großwildjagd und ihrer evolutionären Bedeutung.[19][20][21][22][23][24] Zurzeit wird insbesondere die neandertalerzeitliche Jagd im Kontext der Landschaftsnutzung untersucht an Höhlenfundplätzen wie der Balver Höhle oder Kulna-Höhle und am größten Freilandfundplatz des Mittelpaläolithikums, in Neumark-Nord.

Weitere Forschungsprojekte zum Thema Ernährung richten sich auf die späte Eiszeit und das frühe Holozän. Arbeiten an den Wohnplätzen von Duvensee konnten erstmals die wichtige Bedeutung pflanzlicher Nahrung (Haselnüsse) in der frühen Nacheiszeit nachweisen.[25]

Siedlungsverhalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Analysen zur Entwicklung von Siedlungsverhalten und Landschaftsnutzung bzw. ihrer Entzifferung aus dem archäologischen Befund sind ein weiterer Forschungsschwerpunkt in Monrepos. Flächengrabungen großer paläolithischer bzw. altsteinzeitlicher Freilandfundplätze wie vor allem in Gönnersdorf stellten von Beginn an die systematische Erforschung von Siedlungsstrukturen in den Vordergrund. Aktuelle Forschungen nutzen innovative GIS-gestützte geostatistische Verfahren, die verifizierbare quantitative Analysen zur Siedlungsdynamik ermöglichen.[26][27] Das große Spektrum untersuchter Siedlungsplätze ermöglicht eine diachrone Rekonstruktion der Entwicklung von Siedlungsverhalten und Landschaftsnutzung in Abhängigkeit von Umweltwandel und sozioökonomischen Hintergründen. Aktuelle Forschungsprojekte untersuchen die Entwicklung von Siedlungsverhalten und Landschaftsnutzung in Bilzingsleben, Neumark-Nord, Niederbieber, Breitenbach, der Magdalenahöhle, Duvensee, Gönnersdorf, Andernach, Oelknitz.[28][29]

Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Venusdarstellungen von Gönnersdorf

Die analytisch-integrative Betrachtungsweise paläolithischer Kunst ist eine weitere Besonderheit der Arbeiten in Monrepos. Sie begann mit der Entdeckung und Bearbeitung der berühmten magdalénienzeitlichen gravierten Schieferplatten in Gönnersdorf durch Gerhard Bosinski. So gelang erstmals der umfassende Nachweis paläolithischen Kunstschaffens auch in Mitteleuropa. Frauen vom „Typ Gönnersdorf“ sind seitdem eine feste und international adaptierte Größe in der Kunstforschung.[30] Die Kunstanalysen in Monrepos zeichnen sich durch ihre kontextuelle Herangehensweise aus und fokussieren auf Gestaltungsprinzipien und Herstellungstechniken. Sie werden zurzeit durch 3D-Analysen der Schieferplatten untersucht.[31][32][33]

Experimentelle Archäologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Monrepos werden bereits seit den 80er Jahren systematische kontrollierte Experimente unter Laborbedingungen zu Jagdtechniken, Tierzerlegung und Taphonomie durchgeführt.[34][35]

In diesem Zusammenhang konnten im Rahmen einer internationalen Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Sabine Gaudzinski-Windheuser die ältesten unzweifelhaften Jagdverletzungen der Menschheitsgeschichte untersucht und in einem innovativen, experimentellen ballistischen Versuchsaufbau mit Hilfe modernster Bewegungssensorik exakt reproduziert werden.[36]

Human Roots Award[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 gründete das Archäologische Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution den Human Roots Award. Ziel des internationalen Archäologiepreises ist es, den „interdisziplinären wissenschaftlichen Dialog zu fördern und das öffentliche Bewusstsein für die Relevanz der Erkenntnisse aus der Erforschung der Menschwerdung für die Zukunft der Menschheit zu schaffen“.[37] Der Preis wird jährlich auf Schloss Monrepos bei Neuwied ausgelobt und ehrt Archäologen oder Wissenschaftler aus Nachbardisziplinen für Leistungen, die außerordentlichen Einfluss auf das Verständnis der Verhaltensevolution des Menschen genommen haben.

Lehre und Nachwuchsförderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die menschliche Verhaltensentwicklung in der Alt- und Mittelsteinzeit ist regelmäßig Gegenstand diverser Lehrveranstaltungen der Mitarbeiter von Monrepos im Institut für Vor- und Frühgeschichte der Universität Mainz.[38] Die archäologische Ausbildung wird durch Praktika, Exkursionen und Lehrgrabungen ergänzt und ermöglicht eine unmittelbare Teilnahme an Forschung und Vermittlung. Durch ein eigenes Mentoringprogramm werden Nachwuchswissenschaftler individuell gefördert und durch Stipendien wie das Prinz-Maximilian-zu-Wied-Stipendium auch finanziell unterstützt.[39][40][41]

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mammutskultptur „Max“

Mit Einzug des Forschungsbereichs Altsteinzeit des Römisch-Germanischen Zentralmuseums eröffnete auch das Museum für die Archäologie des Eiszeitaltersin am 29. April 1988 in dem früheren „Prinzessinnenpalais“ der ehemaligen Sommerresidenz des Fürstenhauses zu Wied.

Auf eine Modernisierung der Dauerausstellung im Jahr 2005 folgten von 2011 bis 2014 sowohl umfassende Sanierungs- und Ausbaumaßnahmen, die eine vorübergehende Schließung des Museums  mit sich führten, als auch die Umbenennung des Instituts in Monrepos – Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution.

Seit der Wiedereröffnung des Museums am 15. Juli 2014 [40] befindet sich die neue Dauerausstellung »MenschlICHes VERSTEHEN« im Museumsbereich von Schloss Monrepos. Darin werden die Forschungsergebnisse des Instituts erlebbar gemacht. Exponate dürfen entdeckt, erlebt und interpretiert werden. Das klassische museale »Bitte nicht anfassen« ist außer Kraft gesetzt. Umso einprägsamer sind die Erkenntnisse, die man über sich selbst, seine Vorfahren und seine Zeitgenossen mit nach Hause nimmt. Die Botschaft: Neugier lohnt sich – heute wie schon vor  über 2,6 Millionen Jahren.

Die Ausstellung ist barrierefrei.

Die Museumsleitung hat seit Dezember 2018 Marcus Coesfeld inne.

Vermittlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wissenschaftsvermittlung ist ein fundamentaler Bestandteil der Forschung in Monrepos. Vor der Neukonzeptionierung des Museums verbanden Sonderausstellungskonzepte wie das der Ausstellung „GANZ ALT – die Archäologie des Eiszeitalters umgesetzt von Otmar Alt“ die Altsteinzeit mit moderner Kunst und aktuellen Gesellschaftsthemen.[42] An Pfingsten stellte die „SteinZeitreise“ den praktischen, greifbaren Bezug zum Leben in der Altsteinzeit her und Experimente zu steinzeitlichem Handwerk, Nahrungszubereitung, Jagd und archäologischer Praxis konnten von jedermann erprobt werden.[43] Von 1987 bis 2016 zählte die Rudolf-Virchow-Vorlesung zu den ältesten öffentlichen Vorlesungsreihen zur alt- und mittelsteinzeitlichen Archäologie.

Mit der Wiedereröffnung des Museums 2014 und der neuen Dauerausstellung folgten ebenfalls neue Vermittlungsformate, die seitdem fortlaufend weiterentwickelt werden, um einem breiten Publikum die aktuellen Forschungsergebnisse begreifbar zu machen. Dazu zählen zum einen die Dialoge zur Pleistozänen Archäologie (kurz DiPa) — eine öffentliche Veranstaltung, die den wissenschaftlichen Austausch ermöglicht. Zum anderen ein breites Spektrum an In- und Outdoor-Workshops und Führungen zu Ernährungs- und Gesundheitsfragen, Klimawandel und Naturerlebnis oder auch zur Entstehung von Glaube oder der Rolle der Frau in der Altsteinzeit. Ziel dieser Formate ist es, zu zeigen, was das Leben unserer Vorfahren mit der heutigen Gesellschaft zu tun hat und vieviel Vorzeit oder auch Vorfahr noch in einem jeden von uns steckt.[44]

Als zertifizierter außerschulischer Lernort bietet das Forschungszentrum zudem Inhalte für die Fächer Geschichte, Biologie, Erdkunde, Kunst, aber auch Ethik und Philosophie. Das museumspädagogische Programm ist differenziert aufgebaut für Schulklassen aller Altersstufen und Schultypen.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Labor für Gebrauchsspurenforschung und kontrollierte Experimente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Labor für Gebrauchsspuren und kontrollierte Experimente (TraCEr: Laboratory for Traceology and Controlled Experiments) stellt durch seine spezifische Zielsetzung einen neuartigen Beitrag zum Forschungsziel des Instituts dar: Durch experimentell unterstützte funktionelle Studien werden methodologische Entwicklungen und grundlegende Forschung innerhalb der pleistozänen und frühholozänen Archäologie vereint.

Labor für Zooarchäologie und Taphonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die osteologische Sammlung beinhaltet überwiegend Tierknochen neben einem kleinen Grundstock menschlicher Skelettteile. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf den Faunen Europas heute und während des Eiszeitalters. Neben Großsäugern enthält sie auch eine Kollektion rezenter Kleintierreste. Eine Besonderheit ist die taphonomische Sammlung. Sie beinhaltet Vergleichsmaterial zur Altersbestimmung und zur Identifikation von Schnitt- und Schlagspuren im Unterschied zu natürlichen Modifikationen wie z. B. Wurzelfraß oder Pathologien.

Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bibliothek auf Schloss Monrepos umfasst mehr als 70.000 Titel zur alt- und mittelsteinzeitlichen Archäologie und wird laufend durch Neuerscheinungen aktualisiert. Eine umfangreiche Sonderdrucksammlung und eine elektronische Zeitschriftenbibliothek ergänzen den Bestand.

Lithothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rohmaterialsammlung beinhaltet Proben von Silices, die in der Alt- und Mittelsteinzeit zu Werkzeugen verarbeitet wurden. Zurzeit besteht die Sammlung aus gut 230 Gesteinsproben unterschiedlicher Herkunft mit Schwerpunkt auf dem Rheinland.

Studiensammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Studiensammlung enthält etwa 4500 Artefakte aus der Alt- und Mittelsteinzeit der alten Welt. Es sind Originale und hochwertige Kopien aus den Restaurierungswerkstätten des RGZM. Ein wichtiger Teil der Studiensammlung ist das Venusstatuetten-Archiv. Mit über 50 Statuetten ist es die weltweit größte Sammlung dieser Art. Neben einigen Originalen enthält es Abgüsse nahezu aller bis heute entdeckten Frauenfiguren des mittleren Jungpaläolithikums.[45] Gravierte Schieferplatten aus Gönnersdorf und Statuetten des frühen und späten Jungpaläolithikums bilden weitere Sammlungsschwerpunkte.

Bildarchiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bildarchiv dokumentiert die Ausgrabungen des Forschungszentrums in Europa und Asien und die weltweit wichtigsten Funde der Alt- und Mittelsteinzeit. Die Digitalisierung und Retro-Inventarisierung der über 38.000 Dias konnte 2014 abgeschlossen werden; die Datenbank soll bald über das Internet öffentlich zugänglich sein. Wichtiger Bestandteil des Bildarchivs ist die Schenkung Heidelof, eine wertvolle Sammlung aus 298 Bildern französischer und spanischer Höhlenbilder heute zum Teil geschlossener Höhlen, die eine 3D-Projektion der Felsbilder erlauben.[46]

CalPal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Programm CalPal rechnet 14C-Altersangaben in Kalenderjahre um. Die kalibrierten 14C-Daten werden mit relevanten Paläoumweltarchiven verglichen. Archäologie und Umweltwandel sind so genau miteinander korrelierbar. CalPal wurde in langjähriger Zusammenarbeit mit der Universität Köln entwickelt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Bosinski: Eiszeitsiedlungen vom Bims konserviert. Die Entstehungsgeschichte des Museums für Archäologie des Eiszeitalters in Monrepos. In: Westerwald. 81, 1988, S. 185–187.
  • Martin Street: The Forschungsbereich Altsteinzeit des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz. In: Newsletter of the Osteoarchaeological Research Group. 9, 1995, S. 7–10.
  • Hannelore Bosinski: 15 Jahre Museum für die Archäologie des Eiszeitalters. Eine ganz persönliche Rückschau. In: Heimatjahrbuch des Landkreises Neuwied. 2005, S. 53–60.
  • Sabine Gaudzinski-Windheuser, Olaf Jöris (Hrsg.): 600.000 Jahre Menschheitsgeschichte in der Mitte Europas. Begleitbuch zur Ausstellung im Museum für die Archäologie des Eiszeitalters, Schloss Monrepos, Neuwied. Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz 2006, ISBN 3-7954-1968-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Weitere Träger
  2. a b Sabine Gaudzinski-Windheuser, Olaf Jöris (Hrsg.): 600.000 Jahre Menschheitsgeschichte in der Mitte Europas. Begleitbuch zur Ausstellung im Museum für die Archäologie des Eiszeitalters, Schloss Monrepos, Neuwied. Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz 2006, ISBN 3-7954-1968-9.
  3. Dauerausstellung „MenschlICHes VERSTEHEN“
  4. M. Baales: Archäologie des Eiszeitalters. (= Archäologie an Mittelrhein und Mosel. 16). Koblenz 2005.
  5. E. Turner, I. Miesenheim: Excavations at a Lower Palaeolithic Site in the Central Rhineland of Germany. 2000, ISBN 3-88467-049-2.
  6. S. Gaudzinski-Windheuser, O. Jöris (Hrsg.): 600.000 Jahre Menschheitsgeschichte in der Mitte Europas. Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz, Mainz 2006, S. 18–26.
  7. M. Baales: Archäologie des Eiszeitalters. (= Archäologie an Mittelrhein und Mosel. 16). Koblenz 2005.
  8. M. Street, F. Gelhausen, S. Grimm, F. Moseler, L. Niven, M. Sensburg, E. Turner, St. Wenzel, O. Jöris: L’occupation du bassin de Neuwied (Rhénanie centrale, Allemagne) par les Magdaléniens et les groupes à Federmesser (aziliens). In: Bulletin de la Société Préhistorique Française. 103 (4), 2006, S. 753–780.
  9. S. Gaudzinski-Windheuser: Subsistenzstrategien frühpleistozäner Hominiden in Eurasien. Taphonomische Faunenbetrachtungen der ‘Ubeidia Formation (Israel). Bonn 2005, ISBN 3-88467-079-4.
  10. R. Rabinovich, S. Gaudzinski-Windheuser, L. Kindler, N. Goren-Inbar: The Acheulian site of Gesher Benot Ya'aqov. Mammalian Taphonomy. The assemblages of Layers V-5 and V-6. Springer, Dordrecht 2011.
  11. O. Joris: Der altpaläolithische Fundplatz Dmanisi (Georgien, Kaukasus). Archäologische Funde und Befunde des Liegenden Fundkomplexes im Kontext der frühen Menschheitsentwicklung. Mainz 2008, ISBN 978-3-88467-121-4.
  12. A. Bouzouggar, N. Barton, M. Vanhaeren, F. d’Errico, S. Collcutt, T. Higham, E. Hodge, S. Parfitt, E. Rhodes, J.-L. Schwenninger, C. Stringer, E. Turner, S. Ward, A. Moutmir, A. Stambouli: 82,000-year old shell beads from North Africa and implications for the origin of modern human behaviour. In: PNAS. 104, no. 24, 2007, S. 9964–9969.
  13. D. Holst: Hazelnut economy of early Holocene hunteregatherers: a case study from Mesolithic Duvensee, northern Germany. In: Journal of Archaeological Science. 37, 2010, S. 2871–2880.
  14. Martin Street: Der Fundplatz Bedburg-Königshoven. Spurensicherung. In: Archäologische Denkmalpflege in der Euregio Maas-Rhein. 1992, S. 427–431.
  15. monrepos-rgzm.de
  16. monrepos-rgzm.de
  17. O. Jöris, M. Street: At the End of the 14C-Scale: Scenarios at the Transition from the Middle to the Upper Palaeolithic. In: Journal of Human Evolution. 55, 2008, S. 782–802.
  18. Ausstattung - Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution
  19. S. Gaudzinski: Wallertheim Revisited: a Re-analysis of the Fauna from the Middle Palaeolithic Site of Wallertheim (Rheinhessen/Germany). In: Journal of Archaeological Science. 22, 1995, S. 51–66. doi:10.1016/S0305-4403(95)80162-6
  20. S. Gaudzinski: Subsistence patterns of Early Pleistocene hominids in the Levant – Taphonomic evidence from the ‘Ubeidiya Formation (Israel). In: Journal of Archaeological Science. 31, 2004, S. 65–75. doi:10.1016/S0305-4403(03)00100-6
  21. R. Rabinovich, S. Gaudzinski-Windheuser, L. Kindler, N. Goren-Inbar: The Acheulian site of Gesher Benot Ya'aqov. Mammalian Taphonomy. The assemblages of Layers V-5 and V-6. Springer, Dordrecht 2011.
  22. The Role of Early Humans in the Accumulation of European Lower and Middle Palaeolithic Bone Assemblages. Ergebnisse eines Kolloquiums, 1999, ISBN 3-88467-044-1.
  23. S. Gaudzinski-Windheuser, L. Kindler, (Hrsg.): The evolution of hominin food resource exploitation in Pleistocene Europe: Recent studies in Zooarchaeology. In: Quaternary International. 252: Special Issue, 2012, S. 1–202.
  24. S. Gaudzinski-Windheuser, L. Kindler: Research Perspectives for the study of Neandertal subsistence strategies based on the analysis of archaeozoological assemblages. In: Quaternary International. 247, 2012: The Neanderthal Home: spatial and social behaviours, S. 59–58. doi:10.1016/j.quaint.2010.11.029.
  25. D. Holst: Hazelnut economy of early Holocene hunter-gatherers: a case study from Mesolithic Duvensee, northern Germany. In: Journal of Archaeological Science. 37, 2010, S. 2871–2880.
  26. S. Gaudzinski-Windheuser, O. Jöris, M. Sensburg, M. Street, E. Turner (Hrsg.): Site-internal spatial organization of hunter-gatherer societies: Case studies from the European Palaeolithic and Mesolithic. (= RGZM – Tagungen. Band 12). 2011, ISBN 978-3-88467-190-0.
  27. E. Cziesla, S. Eickhoff, N. Arts, D. Winter (Hrsg.): The big puzzle. International symposium on refitting stone artefacts. Monrepos 1987. (= Studies in Modern Archaeology. 1). Bonn 1992.
  28. Tagungsheft der 53. Jahrestagung der Hugo Obermaier Gesellschaft in Herne 2011. Erlangen 2011, ISBN 978-3-933474-75-9 http://www.obermaier-gesellschaft.de/2010_leipzig/10-04-28_Programmheft.pdf
  29. Tagungsheft der 53. Jahrestagung der Hugo Obermaier Gesellschaft in Leipzig 2010.
  30. Die Kunst der Eiszeit in Deutschland und in der Schweiz. Habelt, Bonn 1982, ISBN 3-7749-1832-5.
  31. A. Güth: New scientific findings confirming „The Oldest Representation of Childbirth“. A 3D-Re-Vision of an engraved slate plaquette from the Magdalenian site of Gönnersdorf (Neuwied/Rhineland). In: Programmheft zur 53. Jahrestagung der Hugo Obermaier-Gesellschaft. Herne 2011, S. 20–21. (online; PDF; 8,4 MB)
  32. S. Gaudzinski-Windheuser, O. Jöris: Contextualising the Female Image – Symbols for Common Ideas and Communal Identity in Upper Palaeolithic Societies. In: F. Wenban-Smith, F. Coward, R. Hosfield, M. Pope (Hrsg.): Settlement, Society, and Cognition in Human Evolution. Cambridge University Press, New York 2015, ISBN 978-1-107-02688-9.
  33. G. Bosinski: Tierdarstellungen von Gönnersdorf. Nachträge zu Mammut und Pferd sowie die übrigen Tierdarstellungen. Mit Beiträgen von Alexandra Güth und Wolfgang Heuschen. Umzeichnung der Schieferplatten von Gisela Fischer und Petra Schiller. (= Monographien der Römisch-Germanischen Zentralmuseums. Band 72). 2008.
  34. ptb.de
  35. R. Rabinovich, S. Gaudzinski-Windheuser, L. Kindler, N. Goren-Inbar: The Acheulian site of Gesher Benot Ya'aqov. Vol. 3: Mammalian Taphonomy. The assemblages of Layers V-5 and V-6. Springer, Dordrecht 2011, ISBN 978-94-007-2158-6.
  36. Sabine Gaudzinski-Windheuser, Elisabeth S. Noack, Eduard Pop, Constantin Herbst, Johannes Pfleging: Evidence for close-range hunting by last interglacial Neanderthals. In: Nature Ecology & Evolution. Band 2, Nr. 7, 25. Juni 2018, ISSN 2397-334X, S. 1087–1092, doi:10.1038/s41559-018-0596-1 (nature.com [abgerufen am 15. August 2018]).
  37. »Human Roots Award« an den Evolutionsbiologen Richard Dawkins überreicht. Abgerufen am 16. August 2018.
  38. archaeologie.geschichte.uni-mainz.de
  39. Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Jahresbericht 2008 des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz 2010, S. 106–111.
  40. Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Jahresbericht 2009 des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz 2010, S. 110–115.
  41. Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Jahresbericht 2010 des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz 2011, S. 116–122.
  42. Sabine Gaudzinski-Windheuser, Regina Höfer, Olaf Jöris (Hrsg.): Wie bunt war die Vergangenheit wirklich? Ganz Alt – die Archäologie des Eiszeitalters umgesetzt von Otmar Alt. Eine ungewöhnliche Gegenüberstellung von jägerischer Archäologie und zeitgenössischer Kunst. 2007, ISBN 978-3-88467-107-8.
  43. Steinzeitreise: Pfingstsonntag in Schloss Monrepos. In: Jahresbericht 2009 des Römisch-Germanischen-Zentralmuseums. Mainz 2010, ISBN 978-3-88467-166-5, S. 142–143.
  44. Annine Fuchs: MenschlICHes VERSTEHEN. Neue Wege der Vermittlung in MONREPOS — Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution, Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie. In: Antike Welt. Nr. 4.18. Philipp von Zabern, Darmstadt, ISBN 978-3-8053-4880-5, S. 86–89.
  45. S. Wolf: Eine neue Venusstatuette vom jungpaläolithischen Fundplatz Dolní Vĕstonice (Mähren). In: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums 2008. Mainz 2011, S. 1–42.
  46. Bildarchiv

Koordinaten: 50° 28′ 51,9″ N, 7° 26′ 34,5″ O