Montanregion Erzgebirge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Montanregion Erzgebirge ist eine in über 800 Jahren entstandene Industriekulturlandschaft in der Grenzregion zwischen Sachsen und Nordböhmen. Sie ist geprägt von einer Vielzahl historisch weitgehend original erhaltener technischer Denkmäler, sowie zahlreicher mit dem Montanwesen in Verbindung stehender Einzeldenkmale und Sachgesamtheiten. Die Identität und Authentizität der montanen Kulturlandschaft des Erzgebirges beiderseits der deutsch-tschechischen Grenze sollen nach Ansicht der Initiatoren weltweit beispiellos sein. Es gibt Bestrebungen zur Erlangung des UNESCO-Welterbetitels, wie dieser bereits 2010 in der Montanregion Harz dem Erzbergwerk Rammelsberg bei Goslar, der Oberharzer Wasserwirtschaft einschließlich Kloster Walkenried, der ehemaligen Grube Samson und der Altstadt von Goslar verliehen wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem ersten Fund von Silbererz im Jahre 1168 in Christiansdorf auf dem Stadtgebiet des heutigen Freiberg, welches dem Freiberger Bergbaurevier zugerechnet wird, wurde im Erzgebirge ununterbrochen bis 1990 Bergbau betrieben. Zu den abgebauten Rohstoffen gehörten im Lauf der Jahrhunderte u.a. Silber, Zinn, Zink, Cobalt, Nickel, Kupfer und Blei, aber auch Steinkohle und Uran wurden bis ins 20. Jahrhundert gewonnen und waren Motoren für die wirtschaftliche Entwicklung Sachsens. Heute werden Vorkommen von Indium, Wolfram, Zinn und Lithium auf ihre Abbauwürdigkeit untersucht.

Siehe auch: Berggeschrey

Projektfortschritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1998 „Montan- und Kulturlandschaft Erzgebirge“ wird auf die Tentativliste für die Aufnahme in die Liste des UNESCO-Welterbes gesetzt
  • 2001 Machbarkeitsstudie für das Projekt
  • 2007 Realisierungsstudie
  • bis 2012 Untersuchung der Objekte durch Umsetzungsstudien
  • 2008 Pilotstudie Schneeberg
  • 2009 Pilotstudie Marienberg
  • 2010 Pilotstudie Olbernhau
  • 2011 (Mai) Umsetzungsstudie Annaberg-Buchholz
  • 2011 (Juli) Umsetzungsstudie Ehrenfriedersdorf
  • 2012 zahlreiche Umsetzungsstudien
  • 2014 (Februar) Antragstellung und offizielle Annahme der Unterlagen durch das Welterbekomitee
  • 2015 (Februar) Beginn der Bewertung der eingereichten Unterlagen durch Experten des Internationalen Rates für Denkmalpflege (ICOMOS)
  • 2015 (Mai) Gründung des "Welterbe Montanregion Erzgebirge e. V." als Voraussetzung für die Trägerschaft, Vermittlung und Weiterentwicklung des künftigen Welterbes; Mitglieder des Vereins sind die Landkreise Erzgebirgskreis, Mittelsachsen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie 33 Städte und Gemeinden
  • 2016 (April) Nach offizieller Empfehlung des Internationalen Rates für Denkmalpflege (ICOMOS), den Welterbeantrag vom Februar 2014 noch nicht dem UNESCO-Welterbekomitee zu präsentieren und das Konzept zu schärfen, Rücknahme des Antrags zur Überarbeitung und frühestmöglichen Neueinreichung

Planung:

  • 2017 (Mai) Fertigstellung des überarbeiteten grenzüberschreitenden Welterbeantrags
  • 2018 (Februar) erneute Antragstellung beim Welterbezentrum
  • 2019 (Sommer) Entscheidung im UNESCO-Welterbekomitee

Das Projekt wird wissenschaftlich durch die Projektgruppe Montanregion Erzgebirge der TU Bergakademie Freiberg unter der Federführung von Helmuth Albrecht vorbereitet. In gemeinsamen Arbeitsgruppen wird mit jeder beteiligten Stadt bzw. Gemeinde eine Umsetzungsstudie erarbeitet. Bei diesem Verfahren werden die in der Realisierungsstudie vorgeschlagenen Objekte geprüft und mit der jeweiligen Kommune abgestimmt. Die Studie beinhaltet eine Beschreibung des nominierten Gutes sowie die bisherigen Schutzmaßnahmen (Denkmalschutz, Naturschutz, Auflistung der Bauleitplanungen). Zudem werden im Rahmen der Untersuchung alle Planungen am und im unmittelbaren Umfeld des nominierten Gutes ermittelt. Damit wird der Forderung der Landesregierung des Freistaates Sachsen nachgekommen, das Projekt Montanregion Erzgebirge und die wirtschaftliche Entwicklung der Region in Einklang zu bringen.

Seit Juli 2010 wird im Rahmen des EU-Förderprogramms Ziel3 das Projekt „Mitteleuropäische Kulturlandschaft Montanregion Erzgebirge/Krusnohori-Weg zum UNESCO-Welterbe“ unter der Leitung des Bezirkes Ústí und den Partnern Regionalmuseum Most, Förderverein Montanregion Erzgebirge e. V. und der TU Bergakademie Freiberg durchgeführt. Dabei wird das sächsische Verfahren der Umsetzungsstudien auch auf tschechischer Seite des Erzgebirges angewandt. Zudem soll eine grenzüberschreitende Datenbank aus der bereits bestehenden Datenbank MonTE[1] für montanhistorische Denkmale in der Montanregion Erzgebirge entwickelt werden. Im Jahr 2009 haben die Bezirke Ústí und Karlovy Vary parlamentarische Beschlüsse zur Beteiligung am Projekt Montanregion Erzgebirge herbeigeführt. Im September 2010 wurde das Regionalmanagement Erzgebirge[2] durch die Landräte und Bürgermeister der Region mit der Projektsteuerung beauftragt. Am 27. Juni 2011 fand die 1. Welterbekonferenz Erzgebirge[3] in Marienberg statt. Dabei übernahmen 31 Kommunen und 2 Landkreise (Erzgebirgskreis und Mittelsachsen) die Trägerschaft des Antrages. Am 17. August 2011 fanden sich die Mitglieder des Welterbekonventes der Montanregion zur konstituierenden Sitzung zusammen. Seit Januar 2012 sind 33 Städte und Gemeinden und die Landkreise Mittelsachsen, Erzgebirgskreis und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge beteiligt.

Im Juli 2011 wurde bekannt, dass die sächsische Landesregierung die ausstehende offizielle Einladung der tschechischen Partner zur Beteiligung am Projekt von einem Bericht über den Stand des Projektes durch das Sächsische Innenministerium abhängig macht. Dieser soll Ende 2011 fertiggestellt werden. Bei einer gemeinsamen Bewerbung müsste Tschechien ein Jahr vor Antragstellung, Februar 2012, die Montanregion Erzgebirge auf ihre Tentativliste setzen. Demnach käme die Einladung Sachsens zur Projektbeteiligung zu spät.[4] Im Juli 2011 veröffentlichten die Landtagsabgeordneten Tino Günther (FDP) und Alexander Krauß (CDU) eine Pressemitteilung[5], mit dem Vorschlag das Erzgebirge als Immaterielles Erbe der Menschheit unter Schutz zu stellen[6]. Hingegen initiierten die Bündnis 90/Die Grünen Sachsen im August 2011 eine Petition zur Durchsetzung des Vorhabens Industrie-Kulturlandschaft Montanregion Erzgebirge. Die Petition richtet sich an den sächsischen Landtag, sich für das grenzüberschreitende Projekt als materielles UNESCO-Weltkulturerbe einzusetzen.[7][8]

Der im Februar 2014 gestellte Aufnahmeantrag wurde im April 2016 zur Überarbeitung zurückgezogen. Seitens des Internationalen Denkmalrates (ICOMOS) wurde eine Überarbeitung des Antrags in folgenden Bereichen angeregt:

  • Stärkung des Kulturlandschaftsansatzes durch die Zusammenfassung von Bestandteilen,
  • Konzentration auf die Epochen und das Verfahren des Erzbergbaus im Abgrenzung zu vergleichbaren Bergbaukulturlandschaften weltweit sowie bei der Objektauswahl und
  • Präzisierung der Beschreibung des sog. „außergewöhnlichen universellen Wertes“ (OUV) im Welterbeantrag durch die stärkere Bezugnahme auf wissenschaftliche, technologische und verwaltungsseitige Errungenschaften des erzgebirgischen Montanwesens.[9]

Im Zuge der Überarbeitung des Antrags wird die Zahl der sächsischen Bestandteile von ehemals 79 auf 22 reduziert. Nicht mehr antragsgegenständlich werden Objekte sein, die nicht unmittelbar mit dem Erzbergbau sowie den bergbaulichen Prozessen bzw. Bergbaulandschaften verbunden sind wie z.B. das Schloss Schwarzenberg, die Bergkirche und das Reifendrehwerk in Seiffen, das Geotop "Roter Kamm" in Bad Schlema und das Kalkwerk Lengefeld. Ein Großteil der gestrichenen Objekte sollen aber als „assoziierte Bestandteile/Objekte“ in die Welterbelandschaft eingebunden werden und stellen zudem potentielle Erweiterungsvorschläge der künftigen Welterbelandschaft dar.

Bestandteile der zurückgezogenen Welterbenominierung 2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt wurden 85 Bestandteile ausgewählt, wovon 79 auf deutschem und sechs auf tschechischem Staatsgebiet liegen. Die Bestandteile belegen nicht nur Rohstoffgewinnung und -verarbeitung, sondern auch weitergehende Aspekte der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Region. Die 79 nominierten sächsischen Stätten sind unter acht Bergbaugebieten und wiederum 39 Elementen definiert. Auf tschechischer Seite des Erzgebirges wurden 26 Stätten in sechs Bestandteilen ausgewählt.

Sachsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arno-Lippmann-Schacht Altenberg
Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald
Huthaus Alte Mordgrube Fundgrube
Hüttenkomplex Muldenhütten
Kahnhebehaus im Verlauf des Erzkanals
Kalkwerk Lengefeld
Saigerhüttenkomplex Grünthal
Frohnauer Hammer
Geotop Scheibenberg
Schloss Schwarzenberg
Karl-Liebknecht-Schacht Oelsnitz/Erzgeb.

Bergbaugebiet Altenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Montanlandschaft AltenbergZinnwald
    • Altbergbaugebiet am Neufang
    • Wäsche IV
    • Arno-Lippmann-Schacht
    • Aschergraben
    • Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald
    • Schloss Lauenstein
    • Stadtkirche Lauenstein
  • Sachzeugen der Uhrenindustrie Glashütte
  • Hochmittelalterliche Silberbergwerke Dippoldiswalde

Bergbaugebiet Freiberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergbaugebiet Marienberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergbaugebiet Annaberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Historische Altstadt von Annaberg
  • Montanlandschaft Frohnau
  • Bergbaulandschaft Buchholz
    • Bergbaulandschaft Buchholz
    • Terrakonikhalden Schacht 116
    • Kirche St. Katharinen
  • Bergbaulandschaft Pöhlberg
    • Bergbaulandschaft Pöhlberg
    • Steinbruch mit Tongruben und ehemaligen Töpferstolln
  • Geotop Scheibenberg
  • Eisenhütte Schmalzgrube

Bergbaugebiet Schneeberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergbaugebiet Schwarzenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergbaugebiet Uranerzbergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergbaugebiet Steinkohlebergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sachzeugen des Steinkohlenbergbaus (seit Juni 2017 als Assoziierte Stätten geführt)

Tschechien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfspinge bei Horní Blatná
Der Gipfel des Mědník
Burg Krupka
Alter Martin Stolln

Montane Kulturlandschaft Jáchymov[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Montane Kulturlandschaft Abertamy - Boží Dar - Horní Blatná[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roter Turm des Todes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kalkwerk in Háj bei Loučná pod Klínovcem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Montanlandschaft Vrch Mědník[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Montane Kulturlandschaft Krupka[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Städtische Denkmalschutzzone Krupka
  • Burg Krupka
  • Bergbaurevier Knötel
  • Alter Martin Stolln
  • Bergbaurevier Preisselberg
  • Große Pinge auf dem Mückenberg
  • Alter Bergsteig

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. MonTE
  2. Ein Welterbetitel als Impulsgeber für die Wirtschaft im Erzgebirge? . Website des Regionalmanagements Erzgebirge. Abgerufen am 11. März 2015.
  3. 1. Welterbekonferenz Erzgebirge (Memento vom 2. Januar 2012 im Internet Archive)
  4. Freie Presse Online: Rückschlag für Welterbe-Projekt (Memento vom 11. Juli 2011 im Internet Archive), abgerufen am 2. August 2011
  5. Erzgebirge soll in Liste des immateriellen UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen-werden, Internetpräsentation Tino Günther MdL, abgerufen am 2. August 2011
  6. Freie Presse Online: Querschuss gegen die Montanregion (Memento vom 25. Juli 2011 im Internet Archive), abgerufen am 2. August 2011
  7. GRÜNE starten Petition für die Welterbe-Bewerbung-der-Montanregion Erzgebirge, Interpräsentation BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN SACHSEN, abgerufen am 2. August 2011
  8. Freie Presse Online: GRÜNE starten Petition für die Welterbe-Bewerbung-der-Montanregion Erzgebirge (Memento vom 12. September 2011 im Internet Archive), abgerufen 2. August 2011
  9. "Welterbeantrag „Montane Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří“ geht Anfang 2018 erneut ins Rennen", Pressemitteilung der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH vom 28.11.2016, online unter http://www.montanregion-erzgebirge.de/welterbe-aktuell/aktuelles/neuigkeiten/welterbeantrag-montane-kulturlandschaft-erzgebirgekrusnohori-geht-anfang-2018-erneut-ins-rennen.html (Abruf 10.12.2016)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]