Monte Carasso

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Monte Carasso
Wappen von Monte Carasso
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Bellinzonaw
Kreis: Kreis Bellinzona
Gemeinde: Bellinzonai2
Postleitzahl: 6513
Koordinaten: 720549 / 115962Koordinaten: 46° 11′ 4″ N, 9° 0′ 0″ O; CH1903: 720549 / 115962
Höhe: 237 m ü. M.
Fläche: 9,70 km²
Einwohner: 2832 (31. Dezember 2015)
Einwohnerdichte: 292 Einw. pro km²
Website: www.bellinzona.ch
Augustinerinnenkonvent, Kirche Santi Bernardino e Girolamo

Augustinerinnenkonvent, Kirche Santi Bernardino e Girolamo

Karte
Monte Carasso (Schweiz)
Monte Carasso
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Gemeindestand vor der Fusion am 1. April 2017
Kirche SS. Trinità, links Turm und Mauer der Fortini della Fame
Festungsanlagen, Fortini della Fame

Monte Carasso (lombardisch Muncheràss, Muncaràss [muŋkerˈasː muŋkarˈasː][1]) ist ein Ortsteil der Gemeinde Bellinzona im Schweizer Kanton Tessin. Bis zum 1. April 2017 bildete er eine selbständige politische Gemeinde, die zum damaligen Kreis Ticino gehörte.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monte Carasso liegt im Westen der Kantonshauptstadt Bellinzona am Ausgang des tief eingeschnittenen Sementinatales und am rechten Ufer des Tessins in der Magadinoebene. Das Gemeindegebiet erstreckt sich von 222 m ü. M. am Tessin im Süden bis zum Cima d’Erbea auf 2338 m ü. M. im Norden.

Die Bewohner des in vier Teile gegliederten Dorfes lebten früher vorwiegend in den verschiedenen Fraktionen am Bergfuss, so in Orenno, Gaggio und Pedemonte. Eine Seilbahn führt vom Dorf aus (230 m ü. M.) über den renovierten Weiler Curzútt (600 m ü. M.)[2] zur Alp Mornera auf 1347 m ü. M. Weiter hinauf geht es zu Fuss auf die Alp Albagno, die auf 1867 m ü. M. liegt und wo auch eine Hütte (capanna) zum Übernachten liegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde 1348 erstmals als Monte Carassio erstmal erwähnt. Die Bedeutung des Ortsnamens ist unsicher, könnte aber «Berg beim steilen und tiefen Ort, beim Abgrund» bedeuten.[1]

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit sass ein ständiger Vertreter des Ortes im Rat von Bellinzona. Das Dorf erhielt 1506 das Fährrecht über den Fluss Tessin. Die Fähre blieb nach der Zerstörung der Torrettabrücke 1515 bis zu deren Wiederaufbau 1815 die wichtigste Verbindung über den Fluss. Die Einwohnerzahl blieb von 1591 (709 Einwohner) bis 1950 (1064 Einwohner) praktisch konstant und verdoppelte sich bis zum Jahr 2000 auf 2 133 Einwohner.

Am 2. April 2017 schloss sich Monte Carasso zusammen mit den damaligen Gemeinden Camorino, Claro, Giubiasco, Gnosca, Gorduno, Gudo, Moleno, Pianezzo, Preonzo, Sant’Antonio und Sementina der Gemeinde Bellinzona an.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung betrieb während Jahrhunderten Weidewirtschaft und Ackerbau. Von Mitte des 19. Jahrhunderts an emigrierten zahlreiche Einwohner nach Übersee. Im Jahr 2000 waren drei Viertel der Erwerbstätigen Pendler, da Monte Carasso zum Ballungsgebiet Bellinzona gehört.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1591 1784 1801 1850 1900 1950 1990 2000 2015
Einwohner 709 600 496 619 956 1064 1610 2133 2382

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Pfarrkirche Santi Bernardino und Girolamo wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts an Stelle einer romanischen Betkapelle des 11.–12. Jahrhundert erbaut. Ihr angegliedert entstand gleichzeitig ein Augustinerinnenkonvent, der sich 1555 vom Frauenkonvent San Maria Elisabetta in Como löste.[3][4][5]
  • Beinhaus[6]
  • Die Kirche San Bernardo im Ortsteil San Bernardo stammt aus dem 12. bis 13. Jahrhundert und enthält Fresken der Seregneser Meister aus dem 15. Jahrhundert[7][3][8]
  • Das Oratorium Madonna di Loreto oder Madonna della Valle wurde im 17. Jahrhundert erbaut und enthält Fresken des Malers Gian Giacomo Gorla[3][9]
  • Die Kirche Santissima Trinità wurde 1655 vollendet; sie enthält eine Stuckarbeit von Carlo Antonio Nartinelli[10][3][11]
  • Im Ort finden sich zahlreiche Bauten des Architekten Luigi Snozzi, der ab den 1980er Jahren den Dorfkern neu gestaltete: das ehemalige Augustinerinnenkonvent,[12] das heute Primarschule und Kulturzentrum beherbergt (1987/1993), die Turnhalle (1984), die Urnenhalle des Friedhofs (1983/1990), das Haus des Bürgermeisters (1984), Banca Raiffeisen (1984).[3]
  • Wohnhaus Taragnoli in Carà de Pedmúnt[13] mit Portal[14]
  • Hängebrücke (ponte tibetano) über das Sementinatal, 2015 errichtet, 270 Meter lang[15]
  • Fortini della Fame: In den Jahren 1853/1854 wurde südlich von Bellinzona ein Teilstück der von Guillaume-Henri Dufour entworfenen Befestigungslinie erstellt. Tessiner, die 1853 aus dem Lombardo-Venezianischen Königreich ausgewiesen worden waren, wurden im Sinne einer Arbeitsbeschaffungsmassnahme beauftragt, zwischen Sementina und Camorino eine Verteidigungslinie zu bauen, die als «Hungerfestungen» (Fortini della Fame) bekannt wurden. Die dem Wildbach Sementina entlang führenden Festungsbauten sind in der Liste der Kulturgüter von nationaler Bedeutung im Kanton Tessin aufgeführt.[16][17]

1993 erhielt Monte Carasso den Wakkerpreis für vorbildlichen Ortsbildschutz. 1998 wurde die Fondazione Curzutt gegründet, um die alte Siedlung auf der Collina Alta oberhalb des Ortes wieder zu beleben.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Unione Sportiva Monte Carasso[18]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Isidoro Marcionetti (* 6. Juli 1916 in Monte Carasso; † 18. Januar 1999 in Lugano), Priester, Kunsthistoriker, Präsident der kantonalen Kommission für historische Denkmäler, Autor[19][20]
  • Giorgio Carmine (* 8. Februar 1945 Bellinzona), Kunstmaler, Glasmaler[21]
  • Massimo Busacca (* 1969 in Monte Carasso), FIFA-Schiedsrichter[22]
  • Andrea Pestoni (* 1977 in Monte Carasso), Musikerin, Komponistin[23]
  • Christa Rigozzi (* 2. Mai 1983 in Monte Carasso), ehemalige Miss Schweiz 2006.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Virgilio Gilardoni: Monte Carasso. In: Inventario delle cose d’arte e di antichità. Edizioni dello Stato. Bellinzona 1955, S. 241–255.
  • Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 48, 51, 52, 53, 54.
  • Luigi Snozzi: Monte Carasso, die Wiedererfindung des Ortes. Birkhäuser Verlag, Basel 1995.[24][25]
  • Graziano Tarilli: Monte Carasso. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Celestino Trezzini: Monte Carasso. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 5: Monopole – Neuenkirch. Attinger, Neuenburg 1921, S. 142 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Monte Carasso – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 608.
  2. Curzútt auf curzutt.ch (abgerufen am 1. März 2017).
  3. a b c d e Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 52–55.
  4. Pfarrkirche Santi Bernardino e Girolamo in portal.dnb.de (abgerufen am 8. Mai 2016.)
  5. Pfarrkirche Santi Bernardino und Girolamo (Foto)
  6. Beinhaus (Foto)
  7. Kirche San Bernardo
  8. Kirche San Bernardo (Foto)
  9. Oratorium Madonna di Loreto (Foto)
  10. Kirche Santissima Trinità
  11. Kirche Santissima Trinità (Foto)
  12. Ehemalige Augustinerinnenkonvent (Foto)
  13. Wohnhaus Taragnoli (Foto)
  14. Wohnhaus Taragnoli: Portal (Foto)
  15. Hängebrücke in Carasc
  16. Fortini della Fame (Hungerburgen)
  17. Festungsanlage (Foto)
  18. Unione Sportiva Monte Carasso
  19. Isidoro Marcionetti: Bibliographie in bsg.nb.admin.ch, abgerufen 4. Januar 2016.
  20. Isidoro MarcionettiPier Giacomo Branca: Ricordati, Signore, dei tuoi fedeli. Lugano 2015.
  21. Giorgio Carmine. In: Sikart
  22. Massimo Busacca (italienisch) auf ti.ch/can/oltreconfiniti (abgerufen am 2. Oktober 2016).
  23. Andrea Pestoni auf portal.dnb.de (abgerufen am 1. März 2017).
  24. Luigi Snozzi: Monte Carasso, die Wiedererfindung des Ortes in portal.dnb.de (abgerufen am 8. Mai 2016.)
  25. Luigi Snozzi: Auf den Spuren des Ortes: ein Gespräch in und um Monte Carasso in portal.dnb.de (abgerufen am 8. Mai 2016.)