Banca Monte dei Paschi di Siena

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  Banca Monte dei Paschi di Siena S.p.A.
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Staat ItalienItalien Italien
Sitz Siena
Rechtsform Società per Azioni
ISIN IT0005218752
BIC PASCITMMXXX[1]
Gründung 1472
Website www.mps.it
Geschäftsdaten [4]Vorlage:Infobox Kreditinstitut/Wartung/Daten veraltetVorlage:Infobox Kreditinstitut/Wartung/Jahr fehlt
Bilanzsumme 183,4 Mrd. EUR (2014)[2]
Mitarbeiter 25.731 (31.12.2015)[3]
Leitung
Vorstand Alessandro Falciai[5]

Unternehmensleitung

Marco Morelli[5]

Die Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) ist das drittgrößte Kreditinstitut Italiens. Sie gilt als die älteste Bank der Welt.

Die Zentrale befindet sich im Palazzo Salimbeni im Zentrum von Siena in der südlichen Toskana. Die Banca Monte dei Paschi ist mit ihren etwa 25.000 Mitarbeitern in ganz Italien und in einigen anderen Ländern aktiv.

Die MPS besitzt bedeutende Kunstsammlungen des 14. bis 19. Jahrhunderts. Der italienische Staat hielt im Dezember 2016 vier Prozent der Aktien.[6]

Im Sommer 2016 wurde ein Rettungs- oder Sanierungsplan für MPS vereinbart; MPS versuchte eine Kapitalerhöhung, um Verluste bei der Auslagerung fauler Kredite ausgleichen zu können. Das italienische Unterhaus (Camera dei deputati) hat am 23. Dezember 2016 einen Fonds in Höhe von 20 Milliarden Euro beschlossen, um den Banken- und Finanzsektor stützen zu können.[7][8][9][10] Die Führungsspitze der MPS hat offiziell einen Antrag auf staatliche Hilfe gestellt.[11]

Am 26. Dezember 2016 teilte MPS mit, die EZB habe einen Kapitalbedarf von 8,8 Milliarden Euro ermittelt. Bis dato war von etwa 5 Milliarden ausgegangen worden.[12]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitz der Bank im Palazzo Salimbeni in Siena
Staaten, in denen die MPS-Gruppe Zweigstellen eröffnete[13]

Die Bank wurde 1472 in Siena als ein Monte di Pietà unter dem Namen Monte Pio gegründet und erhielt 1624 den heutigen Namen.[14] Er diente zunächst der Vergabe von Kleinkrediten gegen Zinsen, die niedriger waren als sonst üblich. 1568 kam es zu einer ersten Reform; 1624 wurden die Statuten erneut geändert. Großherzog Ferdinand II. besicherte die Bank mit staatlichen Einnahmen aus den Domänenweiden in der Maremma, den sogenannten Paschi. Zugleich dehnte das Haus seine Aktivitäten auf Gebiete außerhalb Sienas in die Toskana aus.

Kunstwerk aus der Sammlung des Monte: Madonna mit Kind von Giovanni di Paolo, um 1450

Bereits wenige Jahre nach der Gründung intensivierte sich die künstlerische Ausstattung des Hauptgebäudes. So wurde 1481 Benvenuto di Giovanni († 1518) beauftragt, ein Madonnen-Gemälde für den Palazzo Salimbeni anzufertigen. Anlässlich besonderer Ereignisse kamen weitere Werke hinzu, wie der Tote Christus von Lorenzo Rustici, die Abnahme Christi vom Kreuze von Arcangelo Salimbeni oder Jakobs Söhne von Francesco Vanni. 1644 sollte Raffaello Vanni eine Madonna mit Kind für den Eingang zur Kanzlei malen. Mit einer Leinwand von Valerio Adami mit einer Allegorie auf die Entstehung des Monte dei Paschi, wurde diese Tradition im Rahmen des neu gestalteten Centro Direzionale wiederaufgenommen. Damit wollte das Haus seinen Einsatz für das künstlerische und kulturelle Erbe Sienas untermauern. Daher wurden gezielt Werke der Sieneser Schule aus dem 14. und 15. Jahrhundert gekauft; der Salimbeni-Palast gilt als eines der herausragenden Museen der Stadt.

Mit der Gründung des Königreichs Italien galt die Banca MPS als eines der Fundamente zur Finanzierung der Staatsausgaben und gab erstmals Bodenkredite aus (credito fondiario). Zwischen 1907 und 1930 entstanden Zweigstellen in Empoli, Florenz, Perugia, Neapel und Rom. Zugleich unterstützte der Monte die Gründung der Banca Toscana.

1936 wurde die Banca MPS durch ein Gesetz (‚legge bancaria‘[15]) ein ‚Istituto di credito di diritto pubblico‘. 1990 ermöglichte ein Gesetz (‚legge Amato‘)[16] diesen Instituten unter anderem eine Änderung ihrer Rechtsform.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang die Expansion in die bedeutenden Finanzzentren New York, Singapur, Frankfurt und London. 1990 bis 1994 gelang es der Bank als erster in Italien, sich im Banken-Versicherungsgeschäft anzusiedeln. Dazu entstand MontePaschi Vita. Zudem erwarb sie das Istituto Nazionale per il Credito Agrario (INCA) und 1992 Mediocredito Toscano[17]. Diese beiden Bereiche für mittelgroße und langfristige Kredite wurden als MPS Banca per l’Impresa zusammengefasst. Diese erwirbt Anteile an ausländischen Banken in Belgien, in der Schweiz und in Frankreich.

Am 8. August 1995 dekretierte der Finanzminister (Ministro del Tesoro) die Gründung zweier Einrichtungen, nämlich der Fondazione Monte dei Paschi di Siena und der Banca Monte dei Paschi di Siena S.p.A.. Die Banca war dabei für Versicherungs- und Bankgeschäfte zuständig, die Stiftung hingegen für wohltätige, aber auch für wissenschaftliche und Unterrichtsvorhaben sowie für Gesundheits- und Kunstprojekte. Kernbereich ist dabei die Stadt Siena mit der gleichnamigen Provinz.

1999 ging die Bank an die Mailänder Börse. In den Jahren 2000 bis 2005 erwarb sie mehrere Kreditinstitute mit starker lokaler Bindung, wie die Banca Agricola Mantovana mit dem Schwerpunkt Mantua. 2007 kaufte sie 55 % der auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisierten Biverbanca - Cassa di risparmio di Biella e Vercelli, die etwa 700 Beschäftigte und 105 Filialen im Piemont, in der Lombardei, in Latium und im Aostatal aufwies. 2008 erwarb sie die Banca Antonveneta, wobei Schmiergelder gezahlt wurden,[18] Das Kernhaus konzentrierte sich zunehmend auf Unternehmenskredite und auf Fragen der Corporate Finance.

Im Rahmen der globalen Finanzkrise kam auch der „Monte dei Paschi“ in finanzielle Schwierigkeiten, ausgelöst durch riskante und fragwürdige Geschäfte, wie etwa die Übernahme der Bank Antonveneta für 17 Milliarden Euro. Der Monte wurde, um einen Bankrott abzuwenden, mit vier Milliarden Euro Staatshilfen gestützt.[19] Diesbezüglich kam es auch zu Kritik an EZB-Chef Mario Draghi, der im betreffenden Zeitraum Chef der italienischen Notenbank und dadurch der höchste Bankenkontrolleur des Landes gewesen war.[20]

Die Bank nahm ein staatliches Rettungsdarlehen von 4,1 Milliarden Euro in Anspruch, das allerdings damit verbunden war, sich in eine staatliche Beteiligung umzuwandeln, falls es der Bank nicht bis 2014 gelungen sein sollte, eine Kapitalerhöhung um 3 Milliarden Euro zu bewerkstelligen. Die Aktionäre stimmten auf Empfehlung des Managements dieser Kapitalerhöhung im Januar 2014 am letzten Wochenende 2013 zu, jedoch akzeptierte die Stiftung diese Lösung erst für die Zeit nach dem 12. Mai 2014, weil sie die Zwischenzeit zum Verkauf oder zur Reduzierung ihres Anteils nutzen wollte.[21]

Die Zahl der Beschäftigten war rückläufig. Im Jahr 2011 hatte man noch 31.170 und im Folgejahr 30.265 Mitarbeiter gezählt, 2013 waren es noch 28.417, 2014 fiel ihre Zahl auf 25.961 und 2015 auf 25.731.[22] Mitte 2016 wies das Haus faule Kredite in Höhe von 47 Milliarden Euro auf.[23]

Am 16. Dezember 2016 wies das Haus nur noch 10,6 Milliarden Euro liquide Mittel aus. Eine geplante Kapitalerhöhung, um Verluste bei der Auslagerung fauler Kredite auszugleichen, scheiterte am 22. Dezember 2016. Von den avisierten 5 Milliarden Euro konnten nur 2 Milliarden bereitgestellt werden. Daraufhin stützte die Regierung, die sich bereits am 20. Dezember durch das Parlament eine Kreditaufnahme von bis zu 20 Milliarden Euro hatte genehmigen lassen, um angeschlagene Banken im Notfall retten zu können, den Monte dei Paschi zum dritten Mal.[24]

Anteilseigner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand: 10. März 2016[25]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Enzo Carli: Sienesische Malerei vom 13. bis 16. Jahrhundert, Privatdruck des Monte dei Paschi di Siena, Electa, Mailand 1953.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Banca Monte dei Paschi di Siena – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag im BIC Directory beim SWIFT
  2. Bilancio 2014, S. 12.
  3. Geschäftsbericht, S. 25 (pdf, 9 MB, italienisch)
  4. Highlights FY 2014. Banca Monte dei Paschi di Siena S.p.A.. Abgerufen am 2. Februar 2016.
  5. a b Monte dei Paschi – Organization
  6. Tobias Piller: Keine privaten Investoren für Monte dei Paschi, FAZ.net, 22. Dezember 2016.
  7. repubblica.it: Banche, il governo vara il fondo da 20 miliardi: salva Mps
  8. FAZ.net / Werner Mussler 24. Dezember 2016: Brüsseler Schlupflöcher für Bankenrettung
  9. FAZ.net 20. Dezember 2016: Italien plant milliardenschweres Rettungsprogramm
  10. FAZ.net 23. Dezember 2016: Italien beschließt Rettungspaket für Monte dei Paschi
  11. FAZ.net / Tobias Piller 25. Dezember 2016: In Siena krankt es gewaltig
  12. FAZ.net: Monte dei Paschi will mehr Geld
  13. Rappresentanza, Website des Monte dei Paschi
  14. Monte dei Paschi di Siena Bank – History – The first Monte Pio. In: english.mps.it. 17. März 2009, abgerufen am 16. Februar 2015 (englisch).
  15. LEGGE BANCARIA DEL 1936 di conversione in legge del “Regio decreto-legge 12 marzo 1936, n. 375” (pdf)
  16. legge 30 luglio 1990, n. 218, Volltext (pdf)
  17. Storia (italienisch)
  18. Frank Doll: Italien: Bunga-Bunga is back, Draghi bald weg. In: wiwo.de. 7. Februar 2013, abgerufen am 16. Februar 2015.
  19. Monte dei Paschi: Affäre um älteste Bank der Welt erreicht Draghi. In: Spiegel Online. 29. Januar 2013, abgerufen am 16. Februar 2015.
  20. Katharina Kort: Italiens Traditionsbank kehrt Skandale aus. In: handelsblatt.com. 29. Januar 2013, abgerufen am 16. Februar 2015.
  21. Schnelle Kapitalerhöhung kommt nicht: Monte dei Paschi droht Verstaatlichung. In: n-tv.de. 31. Dezember 2013, abgerufen am 16. Februar 2015.
  22. Banca Monte dei Paschi di Siena SPA Az. post raggruppamento, Wallstreet online, 29. November 2016.
  23. Italien rätselt über den Tod eines Bankers von Monte dei Paschi, in: Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 5. Juli 2016.
  24. Italien erlässt Rettungspaket für Monte dei Paschi, in: Spiegel Online, 23. Dezember 2016.
  25. consob.it