Montreuil-Bellay

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Montreuil-Bellay
Wappen von Montreuil-Bellay
Montreuil-Bellay (Frankreich)
Montreuil-Bellay
Region Pays de la Loire
Département Maine-et-Loire
Arrondissement Saumur
Kanton Doué-la-Fontaine
Gemeindeverband Saumur Loire Développement
Koordinaten 47° 8′ N, 0° 9′ WKoordinaten: 47° 8′ N, 0° 9′ W
Höhe 29–73 m
Fläche 48,96 km²
Einwohner 4.003 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 82 Einw./km²
Postleitzahl 49260
INSEE-Code
Website http://www.ville-montreuil-bellay.fr/

Montreuil-Bellay ist eine französische Gemeinde mit 4003 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) im Département Maine-et-Loire in der Region Pays de la Loire. Sie gehört zum Arrondissement Saumur und zum Kantons Doué-la-Fontaine (bis 2015: Kanton Montreuil-Bellay).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt im äußersten Südosten des Départements; seine Nachbargemeinden sind: Saumur (Maine-et-Loire), Thouars (Deux-Sèvres) und Loudun (Vienne). Das Gemeindegebiet ist Bestandteil des Regionalen Naturparks Loire-Anjou-Touraine.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter und frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 11. Jahrhundert ist ein kleines Kloster bezeugt; es lag in der Nähe einer Furt über den Thouet, dort wo heute die Unterstadt liegt. Die Pfarrkirche Saint-Pierre wurde wenig später errichtet, in der Nähe des zwischen 1097 und 1103 gegründeten Priorates Saint-Nicolas, genannt "Les Nobis". Um 1026 ließ Fulko Nerra, der Graf von Anjou, einen Donjon errichten, der den Kern der heutigen Oberstadt bildete, den er Berlay, einem seiner Vasallen, übergab, nach dem die Stadt jetzt benannt ist.

Die Nachkommen Berlays hielten unter heftigen Kämpfen gegen ihren Lehnsherrn die Domäne bis 1217. Die neuen Besitzer waren das Haus Melun, die sich zwei Jahrhunderte halten konnten, dann folgte das Haus Harcourt, von denen die Burg und die Stadtmauern stammen. Montreuil-Bellay war eine von 32 befestigten Städten (Ville close) des Anjou.

Im Ancien Régime wurde Montreuil-Bellay Hauptort von 57 Pfarrgemeinden. Jedoch sank der Wohlstand des Ortes ab der Mitte des 18. Jahrhunderts trotz der Kanalisation des Thouet im Jahre 1741. Die Konzentration der Verwaltung in Saumur, die mit der Französischen Revolution erfolgte, reduzierte die Bedeutung des Ortes weiter.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst Ende des 19. Jahrhunderts wuchs Montreuil-Bellay über seine Stadtmauern hinaus. Es errang neue Bedeutung, als die Stadt durch neue Straßen mit Angers und Saumur (seit 1841) und Poitiers (seit 1855) verbunden wurde.

Ein Hochwasser beschädigte 1911 die Eisenbahnbrücke über den Thouet. Als am 23. September 1911 ein Personenzug die Brücke befuhr, gab einer der Brückenpfeiler nach und die beiden Lokomotiven und die nachfolgenden drei Wagen stürzten in den Fluss. 22 Tote und weitere 27 Verletzte waren die Folge dieses Unfalls.[1]

Konzentrationslager für Nichtsesshafte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vichy-Regime richtete am 8. November 1941 in Bellay ein Konzentrationslager für Nichtsesshafte ein, genauer für Manouches (Personen ähnlich den Sinti, besonders aus dem Elsass), für Gitans, auch Tziganes (für Zigeuner) genannt, Jenische und Roma. Es existierte für diese Zielgruppen bis zum 16. Januar 1945, dann wurden übrig gebliebene Nichtsesshafte in zwei andere Lager deportiert. Die juristische Bezeichnung für sie lautete "Personen ohne festen Wohnsitz, Nomaden[Anm. 1] und Schausteller von der Art der Zigeuner", es waren aber auch normale Bettler aus Nantes unter ihnen. Insgesamt wurden 3000 Personen in dieser Zeit inhaftiert; die höchste Belegung war im August 1942 mit 1096 Gefangenen[2]

Nach dem Krieg wurde das Lager noch einige Zeit genutzt, um zivile deutsche Staatsangehörige zu internieren.

Von 2010 bis April 2016 gelang es regionalen Initiativen und Politikerinnen, die verwitterten Reste der Baracken zu konservieren, das Gelände zu vermessen und unter gesetzlichen Schutz zu stellen und eine Gedenkplakette anzubringen. Zeitzeugen kamen in Medien zu Wort.

Am 29. Oktober 2016 ließ die Administration François Hollande in Montreuil-Bellay eine nationale Gedenkveranstaltung aus Anlass der vor 70 Jahren erfolgten Schließung der letzten Konzentrations- und Internierungslager für Nomaden auf französischem Boden abhalten. Der Präsident weihte einen Gedenkstein ein. Hollande erkannte in seiner Rede als erster Spitzenpolitiker des Landes die Verantwortung der damaligen französischen Regierung für die Verfolgung und häufig daraus folgende Ermordung von Nichtsesshaften unter Vichy an[3]; seine Ausführungen erinnerten die Öffentlichkeit an die gleichartigen Aussagen Jacques Chiracs zur Shoah von 1995, denen eine ähnliche historische Bedeutung, die eines Durchbruchs, zugemessen wird.

Siehe auch

Camp de concentration de Montreuil-Bellay in der französischen Wikipedia, mit zahlreichen Verweisen, die auch zu Bildbeispielen führen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Montreuil-Bellay – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. In Frankreich gängige Bezeichnung für Nichtsesshafte.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Semmens: Katastrophen auf Schienen. Eine weltweite Dokumentation. Stuttgart 1996, ISBN 3-344-71030-3, S. 40.
  2. Elodie Berthaud: Montreuil-Bellay, le camp où Vichy a intrné les Tsiganes classé monument historique vom 26. September 2010.
  3. NN: La France admet sa responsabilité dans l’internement de Tsiganes de 1940 à 1946. In: Le Monde vom 29. Oktober 2016.