Monument für die Dritte Internationale

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Fotografie des Holzmodells vom Tatlin-Turm (1920)
Monument der Dritten Internationale 0 10 (links) auf einer russischen Briefmarke

Das Monument der Dritten Internationale (russisch: Проект памятника III Коммунистического Интернационала) oder auch Tatlin-Turm war ein 400 m hohes Turmprojekt des russischen Künstlers Wladimir Jewgrafowitsch Tatlin, welches dieser 1919 entwarf und 1920 als Modell mit den Künstlern P. Winogradow und J. Meerson, sowie dem Bildhauer T. Schapiro umsetzte.[1]

Das für Petrograd geplante Monument ist niemals verwirklicht worden.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Turm sollte eine gigantische Maschine werden, die Konferenzräume, Aufzüge, eine Treppe und einen Radiosender beherbergen und deren Säule im Inneren sich nach den Gestirnen ausrichten können sollte. Das ehrgeizige Architekturprojekt wurde aus Kostengründen nicht gebaut, gilt aber bis heute als Architekturikone.

Tatlins Werk sollte die Dynamik der Revolution widerspiegeln. Es sollte aus industriellen Materialien bestehen: Eisen, Glas und Stahl. Der Entwurf sah eine spiralförmig gewundene Stahlkonstruktion vor, durch die ein schräger Mast geht, um den sich drei gläserne Körper drehen.

Die von der Doppelspirale umgebenen Zylinder, Pyramide und Halbkugel, waren so geplant, dass sie sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten drehen. Das Restaurant und die Tagungsräume auf dem ersten Plateau sollten sich einmal im Monat um die eigene Achse drehen. Der mittlere Teil hätte sich nach einer Woche um die eigene Achse gedreht, während der Glaszylinder auf der Spitze sich einmal am Tag gedreht hätte.

Wohl kaum ein verloren gegangenes Kunstwerk ist inzwischen so oft rekonstruiert worden, denn es steht für den Aufbruch in ein neues Zeitalter. Ausgehend von der von Lenin geforderten Denkmalspropaganda, die heroisch, revolutionär, plastisch sein sollte, versuchte Tatlin das Sinnbild einer neuen Gesellschaft zu schaffen. Technisch war der Turm - laut einer sowjetischen Expertise - durchaus machbar, doch die Apparatschiks wünschten sich noch etwas Bombastischeres, einen 500 Meter hohen, schrägen Wolkenkratzer, der bewohnbar war. Tatlin hingegen wollte nur ein Kunstwerk schaffen.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiker dachten beim Anblick des Modells sofort an den Turm zu Babylon. Der Volkskommissar Leo Trotzki nannte den Tatlin-Turm eine „Riesen-Thermosflasche“.

Das Modell des Tatlin-Turms erregte im Jahr 1925 auf der Weltausstellung in Paris Aufsehen. Heute gilt der Tatlin-Turm als ein Kulminationspunkt der frühsowjetischen Kunst und als Symbol ihrer himmelstürmenden Ideen sowie deren mangelnder Ausführbarkeit.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Selim O. Chan-Magamedow: Pioniere der sowjetischen Architektur. VEB Verlag der Kunst, Dresden 1983, S. 64 ff.
  • Stephen Bann (Hrsg.): The Tradition of Constructivism. The Viking Press, New York 1974, ISBN 0-670-72301-0, S. 14ff. (englisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tatlin's Tower – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Selim O. Chan-Magamedow: Pioniere der sowjetischen Architektur. VEB Verlag der Kunst, Dresden 1983, S. 64–66.